Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 28 (10.8.1916)
- Date
- 1916-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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StH» 4 JUkUsdte Korrespondenz Nr 28, der Juden in Palästina. 5. Ueberblick über die Rechte oder Konzessionen seitens der ottomanischen Regierung für fremde Staaten oder deren Bürger gemäß den vor dem Kriege gültigen Vertrügen und Abmachungen. 6. Ueberblick über die Ziele, Bestrebungen und Tätigkeit der zionistischen Organisation in Palästina. 7. Vorschläge im einzelnen zur weiteren Entwicklung des jüdischen Lebens in Palästina in allen seinen Phasen. Einwanderung. 1. Ein statistischer Ueberblick der jüdischen Einwanderung aus allen Teilen Europas und Kiemasiens nach Euro?» und Amerika seit 1881 mit Berücksichtigung der Institute zur Leitung und Unterstützung dieser Einwanderung und der dafür verwendeten Fonds. 2. Ueberblipk über die Gesetzgebung der einzelnen Länder Europas und Amerikas zur Erleichterung, Regulierung oder Erschwerung der Einwanderung sowie Angabc der dafür zuständigen Regierungsstellen. 3. Statistischer Ueberblick über die Binnenwanderung in Westeuropa und Amerika und Angabe der Institute zur Dezentralisation, landwirtschaftlichen und andern Ansiedlung und ihre Ergebnisse. 4. Statistischer Ueberblick über Auswanderung aus allen Teilen Europas und Amerikas nach Osteuropa, Kleinasien, Asien und Afrika mit einem Ueberblick über die Binnenwanderung in Asien, Angabe der Institute zur Leitung und Unterstützung dieser Auswanderung und die dafür verwendeten Summen. 5. Vorschläge für eine praktische jüdische Auswanderungspolitik. Jüdischer Kongreß in Permanenz. 1. Kurzer Ueberblick über jüdische Kongresse seit Beginn des Exils. 2. Die Zweckmäßigkeit der Einrichtung eines amerikanisch-jüdischen Kongresses als dauernde Einrichtung. 3. Vorbereitung eines eventuellen Status für den permanenten Kongreß. Die Juden in den Kurorten des Kaukasus. Nach einem Beschlüsse des Kongresses zur Förderung des Kurortwesens in Rußland, wurde den Juden der Aufenthalt in den Kurorten des Kaukasus zu Erholungszwecken gestattet. Jeder Jude aber, der dieses Recht genießen will, muß zuvor eine behördliche Bescheinigung vorzeigen, daß er wirklich krank und der Erholung im betreffenden Kurort bedürftig sei. Zu diesem Zwecke wurde eine spezielle Regierungs- Kommission in Pjatigorsk eingesetzt, die die jüdischen nach dem Kaukasus kommenden Kranken zu untersuchen und die Bescheinigungen auszustellen hat. Wie Dt. J. Natansohn in der „Rjetsch" und Dr. N. Sirkin in „Jewreskaja Shisn" mitteilen, wurde diese Untersuchungskammission zu einer Art Ellis Island, wo die jüdischen Emigranten bei ihrer Ankunft in Amerika auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Kommission hat nur einmal in zwei Wochen Sitzung, An diesem Tag kommen alle jüdischen Kranken, Qreise, Kinder und Frauen, von allen Kurorten des Kaukasus, um ihre Fehler und Qebrechen, die ihnen das Aufenthaltsrecht auf dem heiligen Boden geben, vorzuzeigen. Dabei behandelt die Untersuchungs-Polizei die kranken Gäste wie Sträflinge, und die nichtjüdische Kurortgesellschaft verbreitet unter dem Einfluß der Behörden die Pjatigorsk-Stimmung über alle Gebiete des Kurortlebens. Der bekannte russische Schriftsteller Philosophow, der selbst diese Massenuntersuchunvgen in Pjatigorsk und all die Verleumdungen und Beleidigungen der jüdischen Kranken in den Kurorten miterlebte, veröffentlichte seine Beobachtungen, die eine Reihe von erschütternden Tatsachen enthalten, in der „Rjetsch". Seine traurigen Mitteilungen schloß dieser vorsichtige liberale Politiker folgendermaßen: „Gebe Gott, daß die Judenfrage in den Kurorten sich auf diese harmlosen Beleidigungen beschränke. Ich werde aber nicht überrascht sein, wenn aus dieser Atmosphäre der Willkür noch verhängnisvollere Missetaten hervorgehen werden . . . Schon ist die Rede von der Uebervölkerung der Kurorte, von Mangel an Nahrung und Wohnung. Wie leicht kann in dieser Luft der Gedanke der Judenausweisung entstehen und wie leichter noch wird dann dieser Gedanke realisiert werden." . . . Immerhin, meint Phllosophow, wird ein solches offenherziges Verbot besser sein, als die machiavellistische Erlaubnis . . . Chronik. Jüdische Kriegswalsen 1905— 19JÜ geboren, können durch ihre Mütter oder Vormünder wegen Vormerkung zur eventuellen Unterbringung in ein Heim im Monate August jeden Dienstag oder Mittwoch Vormittag im „Wohltätigkeitsamte der isr. Kultusgemeinde", Wien, I., Seitenstettengasse 2, Tür 22, persönlich angemeldet werden. Allerhöchster Dank. Herr Nathan Oelber, der gegenwärtig in janosi in Ungarn weilt, hat als Präsident der israel. Kuitusgemeinde Brody (Galizien) nachstehende Dankeszuschritt erhalten: K. k. Bezirksisauptmannschaft in Brody. Zahl 13497/1916. Brody, am 4. Juni 1916. An den Vorstand der israel. Kultusgememde in Brody. Im Sinne des von Seiner kais. u kgl. Hoheit, des durchlauchtigsten Erzherzogs Karl Franz Joseph geäußerten Wunsches übersendete der Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Brody für die kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses eine silberne „Thorakrone". Seine k. u. k. apostolische Majestät, welcher der Oberst-Kämmerer hiervon Rapport erstattet hat, geruhte allergnädigst anzubefehlen, daß dem erwähnten Vorstände der israel. Kultusgemeinde für dieses interessante und für die Sammlungen des Aller uöJiisien Ka.sjihauses bestimmte Geschenk der Allerhöchste Dank ausgedrückt wird. Hiervon wird der Vorstand der israel. Kultusgemeinde infolge Zuschrift der obersten Kammervorstehung vom 1. April 1916, Zahl 915, mit dem Bemerken verständigt, daß betreffs Einverleibung der erwähnten „Thorakrone" in die kaiserlichen Sammlungen die entsprechenden Anordnungen bereits getroffen wurden. Der Leiter der k. k. Bezirkshauptmannschaft: K. u. k. Oberst Horack. In Vertretung: Marynowski. Das Gebet für den Kaiser. Der „Pester Lloyd" meldet: Vor kurzem haben zwei Abteilungen österreichisch-ungarischer SuiJaten Jerusalem berührt, wo ihnen ein überaus herzlicher Empfang bereitet wurde. Die Stadt war mit Fahnen in den türkischen, deutschen, österreichischen und ungarischen Farben reich geschmückt. Vor dem Stadttor hatten sich die türkischen Offiziere, der österreichisch-ungarische Konsul Kraus und die Bevölkerung versammelt. In einem förmlichen Blumenregen marschierten die Truppen singend durch die Stadt. Am Jaffator waren die Vorsteher der Religionsgemeinden und die Schuljugend versammelt, die den Soldaten begeistert zujubelten. Der österreichisch-ungarische Feldrabbiner Groß hatte den Soldaten mosaischen Glaubens einen Urlaub erwirkt und er zeigte ihnen die heiligen Stätten Jerusalems. Ergreifend war es, als die israelitischen Soldaten für den Kaiser und König Franz Josef das Gebet sprachen. Um Mitternacht marschierten die Soldaten wieder weiter. Prof, Martin Philippsohn. Im Alter von 70 Jahren verschied nach längerem Leiden am 2. August der Vorsitzende des Verbands der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der bekannte Historiker Professor Dr. Martin Philippsohn. Der Verstorbene war von 1878 bis 1890 ordentlicher Professor der neuen Geschichte in Brüssel. Infolge eines Konfliktes mit einem Teil der Brüsseler Studentenschaft siedelte er 1891 nach Berlin über, wo er sich seiner jüdischen öffentlichen Tätigkeit mehr widmete. Als Sohn des berühmten Ludwig Philippsohn, des Begründers der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und Kämpfers für die jüdische Emanzipation übernahm er das geistige Erbe seines Vaters und setzte seine jüdisch-literar sehe Tätigkeit in der gleichen Richtung fort. Nicht immer konnte das moderne Judentum seine Tendenzen und Ausführungen billigen. Das deutsche Judentum aber verliert an ihm eine seiner führenden Persönlichkeiten. Philippsohn hat sich um die jüdische Literatur in Deutschland namentlich durch seine ständige Mitarbeit an den „Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Literatur", deren politische Jahresrevüen er schrieb, vor allem aber durch seine 3bändige „Neueste Geschichte der Juden", die als einer der ..Grundrisse zur Geschichte und Wissenschaft des Judentums" erschienen ist, und durch sein ungemein hohes Interesse an der Organ sierung und Entwicklung der vielen wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums verdient gemacht. Gehaltszulage für die Berliner Gemeindebeamten. Die Berliner Gemeinde hat im Hinblick auf die verteuerte Lebenshaltung ihren sämtlichen Beamten eine beträchtliche Gehaltszulage bewilligt. Für den Besuch der Religionsschulen wird vorläufig kein Schulgeld erhoben. Wunderliche Ratgeber. In Whitechapel fand vor kurzem eine Versammlung der englischen Zionisten statt. Der Vorsitzende befürwortete, daß in Zukunft die fremden Juden im militärischen Alter in das englische Heer eintreten sollten. Diese Aeußerung veranlagte einen solchen Sturm von Entrüstung und Protesten, daß es zwei Stunden dauerte, ehe die Ruhe wiederhergestellt werden konnte. Russische Wirtschaft in Czemowltz. In Czernowitz fordern die russischen Behörden alle wehrfähigen Männer von 18 bis 50 Jahren unter Androhung der Todesstrafe auf, beim Magistrat zu erscheinen, offenbar um ins Innere verschickt zu werden. Es sind jedoch sehr wenige. Der derzeitige Stadtkommandant Oberst Bronow versprach bei Audienzen in überaus liebenswürdiger Weise Schutz gegen die Soldateska. Russisch ist Amts- und Verkehrssprache, rumänisch ist verboten. Gegen die Juden ist der Stadtkommandant schroff abweisend; in den Häusern von Juden sind Plünderungen häufig. Die Warenzufuhr aus Rußland hat ein Fallen der Preise der Lebensmittel verursacht. Verbot Jüdischer Auswanderung aus Rußland. Die russische Regierung verweigert den Juden die Ausstellung von Auslandspässen und hat ausdrücklich die Auswanderung nach Amerika über Archangelsk verboten. Russische Gewalttaten gegen Juden bei der russischen Offensive. Das „Warschauer Tageblatt" berichtet: Vor einigen Tagen wurde durch Warschau ein Transport verwundeter gefangener russischer Soldaten gebracht, unier denen sich auch Juden befanden. Diese jüdischen Soldaten erzählten schreckliche Einzelheiten von den Greueltaten der russischen Soldateska in den besetzten Orten. Außer zahlreichen Räubereien und Plünderungen am jüdischen Gut, werden viele jüdischen Häuser verbrannt, jüdische Mädchen geschändet und viele Juden gehängt oder erschossen. Sofort mit dem Einzug der russischen Herrschaft beginnt für die Juden des Ortes eine schreckensvolle Periode unerhörter Leiden. Wer nicht genug Geld besitzt, um sich loszukaufen, wird ohne jedes Gericht gefangen gesetzt und verschickt. Jüdische Klagen werden nicht angenommen. Die russische Heeresleitung scheut n.cht vor den ärgsten Verbrechen gegen die Juden zurück. Eine charakteristische Begebenheit erzählte ein jüdischer Soldat, deren Augenzeuge er war: In einem galizischen Städtchen nahm man ein paar Juden, stecke sie in österreichische Uniformen und transportierte sie ab als „gefangene Oesterreicher". Ein jüdisches F reiwilllgenreglment in New York? Die jüdische Bevölkerung von New York, die bei ihren Bemühungen, ihrer Militärpflicht gegenüber den Vereinigten Staaten nachzukommen, infolge der Vorurteile der Militärorganisation auf große Schwierigkeiten stößt, läßt sich hierin trotz aller Schwierigkeiten nicht beirren. Da die New Yorker Nationalgarde dem Eintritt der Rekruten jüdischer Abstammung die gröli- Kn Hindernisse bereitet, hat sich ein New Yorker jüdischer Milizregiment unter dem Namen „1. New Yorker Freiwilligenregiment" gebildet. Neue Büchver. Eduard Euch s, „Der Weltkrieg in der Karikatur". Mit etwa 70U Textbildern und rund 100, vielfach doppelseitigen, zum Teil farbigen Beilagen. In 30 Lieferungen zu 1 Mark. Lieferung 11—15. Verlag von Albert Langen in München. — Von dem großzügigen neuen Karikaturwerk von Eduard Fuchs sind jetzt die Lieferungen 11—15 erschienen, die den ersten Band abschließen. Dieser stellt nichts Geringeres dar als eine allgemeine Kriegsgeschichte aller Länder, die mit den Kriegen des 16. Jahrhunderts beginnt und durch die soeben erschienenen Schlußlieferungen des ersten Bandes bis zum Vorabend des Weltkrieges fortgeführt wird, da die schweren Gewitterwolken, die am Himmel aufgetürmt sind, sich jeden Augenblick zu entladen drohen. Selbstverständlich kann der zweite Band, der ausschließlich den Weltkrieg behandelt, erst nach dem Kriege erscheinen, weil erst dann alles nötige Material erreichbar ist. Gerade die neuen Lieferungen, die eine verhältnismäßig so junge Vergangenheit behandeln, steigern das Interesse an dem Werke und die Spannung des Lesers aufs höchste. Man vergißt vollständig, daß man den Verlauf der Geschichte kennt, und liest den Text fast wie einen Roman, dessen Ausgang man nicht erraten kann. Fuchs stellt die wirtschaftliche Entwicklung in den Vordergrund seiner Betrachtung, er geht von dem Grundsatz aus, Jaß wirtschaftliche Interessen es sind, die den Gang der ganzen Weltgeschichte bestimmen; und mit bewunderungswürdigem Scharfblick erkennt er diese geheime Triebfeder in den verschiedensten geschichtlichen Ereignissen wieder. — Auch die Illustrationen gewinnen in den letzten Lieferungen, die näher und näher an die Gegenwart heranführen, immer mehr aktuelles Interesse, und, wie stets, gräbt Fuchs ein erstaunlich reiches und gutes bildl.ches Dokumentenmaterial aus. Der erste Band ist nun auch komplett in schönem Leinenband für 22 Mark 50 Pf. erschienen (Numerierte Luxusausgabe in Halbfranz 45 Mark). „Los von Italien?" Von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ludw. Geiger. (Heft 17 der „Bibliothek für Volksu»d Weltwirtschaft". Herausgeber: Prof. Dr. Franz y. Mammen.) Verlag „Globus", Presden. Preis 1.50 Mk. — Oiht im ersten Abschnitt eine Geschichte der Beziehungen Deutschlands zu Italien vor dem Krfege und während der ersten Kriegsmonate, geißelt in scharfen Wörtern die Pflichtverletzung und Bundesbrüchigkeit der italienischen Staatsmänner, legt die Motive dar, aus denen Italien zum Anschluß an die Entente-Mächte gedrängt wurde. Im zweiten Abschnitt behandelt er die ökonomischen Fragen. In dem dritten und Hauptabschnitt führt er aus, daß Deutschland einen wesentlichen Teil seiner Kultur Italien verdankt, in Bezug auf Sprache, Recht, allgemeine Bildung, Literatur, Kunst. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX.. Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grttaknt)