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Jüdische Korrespondenz · 1916-07-21 · 26 (21.7.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
26 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Preis per Nummer 10Heller. lir__<__1^4-4- £ä- ZKASo^Ur* t~.4-~~nn„ : Redaktion und Administration: Vierteljährlich K 120 WOCheilWatt IUf JUCHSChe IntereSSen, Wien, yill.Msentr.se 56. Nachdruck mit veUer Qu«ll«Mugabe gestattet Redakteur: Jonas Kreppet. Erscheint jeden Donnerstag Wochenblatt für jüdische Interessen, Redakteur: Jonas Kreppet. Wien, 21. Juli 1916. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alseretraße 56. Erscheint jeden Donnerstag 2. Jahrgang. Zwei Jahre Krieg. Nächste Woche jährt sich zum zweiten Maie der verhängnisvolle Tag, an dem der Weltkrieg zum Ausbruch gelangte. Als Serbien an jenem Tage, verhetzt ■%"J14^YS^tet ^urcn Rußland, die Annahme desT^ySgjpWiisch-ungarischen Ultimatums verweigert hatte, da war es aller Welt klar, daß der so lange vorausgesagte und immer wieder verschobene Weltkrieg nunmehr zum Ereignis geworden ist. Zwei volle Jahre tobt nun dieser blutigste aller Kriege. Einen Moment schien es vor einiger Zeit, daß wir schon vor dem Ende des blutigen Tanzes stehen. Auf den meisten Kriegsschauplätzen herrschte damals verhältnismäßige Ruhe, nur hie und da wurden Von Zeit zu Zeit Schüsse gewechselt, um nur nicht die Illusion aufkommen zu lassen, als sei der ersehnte Frieden schon eingezogen. Man glaubte also, daß der Friedenschluß vor der Türe steht und daß es nur noch eines tüchtigen und geschickten Vermittlers bedarf, um die Kriegführenden an den grünen Tisch zusammenzubringen und den Diplomaten wieder einmal das Wort zu geben, das ihnen die Waffen seit fast 2 Jahren entrissen haben. Es stellte sich aber heraus, daß dieser Qlaube verfrüht war. In den letzten Wochen ist der Kampf wiederum an allen Fronten mit einer furchtbaren Vehemenz und Erbitterung entbrannt. In Ost und West, wie nicht minder in Südwest und im ferneren Osten wird heftig gekämpft und Hekatomben werden neuerdings dem Moloch Krieg geopfert. Jene ruchlosen Elemente, die den Weltenbrand entfesselt haben, wollen das Spiel noch nicht verloren geben, sie versuchen es noch immer, das ihnen untreu gebliebene Kriegsglück an ihre Fahnen zu fesseln. Da sie nicht siegen können, so wollen sie wenigstens auch den Qegner nicht als Sieger erscheinen lassen. Sie faseln noch immer von einer Fortsetzung des Krieges ins unendliche und hoffen, vielleicht auf diesem Wege das zu erreichen, was ihnen auf dem normalen Wege versagt geblieben ist und versagt bleibt. Es mag dahin gestellt sein, inwieweit diese Taktik irgend welche Aussichten auf Erfolg habe. Tatsache ist bloß, daß gegenwärtig das Ende des Krieges nicht abzusehen ist. So sehr überall die Sehnsucht nach dem Frieden begreiflicherweise vorhanden ist, so wenig vermag heute Jemand zu sagen, wann dieser Wunsch auf Erfüllung rechnen kann. Der Krieg tobt weiter, er fordert weiter seine Opfer und den Völkern bleibt kein anderer Ausweg übrig, als vorläufig weiter zu kämpfen. Wenn demnach das Ende des Krieges noch nicht abzusehen ist, wenn es auch angesichts dieser Situation schwierig ist, eine Bilanz des Krieges zu ziehen, insolange die Ereignisse noch nicht dem Abschlüsse entgegengereift sind — so kann nichtsdestoweniger bis zu einem gewissen Grade eine Uebersicht über die Passiven und Aktiven des Krieges für die einzelnen Völker und Staaten, die in denselben verwickelt sind, zusammengestellt werden. Diese Rohbilanz könnte mindestens eine Vorstellung dessen geben, wie man sich in großen Zügen das endgültige Resultat des Krieges vorzustellen habe, ohne Gefahr zu laufen, sich Illusionen hinzugeben. Zieht man die schrecklichen Verluste an Menschen und materiellen Gütern in Betracht, die der Krieg bisher erforderte, so bilden diese einen Minus für alle Kriegführenden, ganz gleichgültig, ob diese sich als die Sieger oder als die Besiegten betrachten. Die schweren Verluste treffen auch den Sieger hart. Was der Krieg zerstört und vernichtet, das bringt kein Sieg wieder. Dieses Minus ist nun derartig groß und ungeheuerlich, es wird mit jeden Tag noch größer und schrecklicher, daß diejenigen, die den Krieg absichtlich verlängern, eine Ruchlosigkeit begehen, die sie nie werden verantworten können. Andererseits bedeuten die Erfolge im Kriege das Plus, dessen sich in erster Reihe die Sieger zu erfreuen habeU das Plus, das wenigstens teilweise einen Ersatz für die gewaltigen Verluste bietet, die der Krieg auch ihnen bringt. Nun erleben wir im Kriegsverlauf die höchst seltsame Erscheinung, daß beide kriegführenden Gruppen hartnäckig den Standpunkt vertreten, die eigentlichen Sieger zu sein. Wenn es auch lächerlich erscheinen mag, daß sich derjenige als Sieger betrachtet, der große Teile seines Besitzes eingebüßt hat, die er trotz aller gewaltigsten Opfer nicht wieder erobern kann — so leben wir nun einmal in einer Welt der Täuschungen und es muß zugegeben werden, daß diese Behauptungen, so paradox sie auch klingen mögen, doch Gläubige finden. Bei einem Kriege — so wird behauptet — kommt es nicht auf die momentanen Siege und Erfolge an, sondern darauf, den Gegner endgültig zu schlagen und zu vernichten. Ist dies nicht der Fall, besitzt der Gegner noch genug Kraft, den Krieg tortzusetzen, so kann manchmal gerade der Besiegte im Vorteil sein, da er über die nötigen Reserven und Hilfsmitteln verfügt, die das Schicksal des Krieges entscheiden, wogegen der Sieger trotz des Sieges der Erschöpfung entgegengeht und schließlich gezwungen sein werde, die Siegesbeute wieder herauszugeben. Es ist wirklich schwer, gegen derartige Argumente anzukämpfen. Wer sich derartigen Illusionen hingeben will, mag dies auf eigene Rechnung und Gefahr tun, bis ihn die harte Wirklichkeit eines bessern belehren wird. Darüber zu diskutieren hat wahrlich keinen Zweck und würde nur Verschwendung an Zeit und Arbeit bedeuten. Hingegen aber gibt es bei einem Kriege Momente, die ebenfalls als Plus aufzufassen sind, selbst wenn sie nicht so greifbar sind, als ins Ajige springende Siege, die ihren Ausdruck in Eroberungen finden. Hiezu sind in erster Linie moralischen Erfolge zu rechnen, die eine kriegführende Partei erreicht, selbst wenn ihr der eigentliche Sieg versagt blieb. Diese Erfolge bestehen in erster Reihe darin, daß der Angegriffene sich seiner Feinde erwehrt und deren Pläne zerstört, oder eine derartige Widerstandskraft aufweist, die selbst den Gegner zur Achtung zwingt. Wer allerdings auf Eroberungen ausgegangen ist, der kann sich mit derartigen moralischen Siegen sicherlich nicht begnügen, da er ja das Ziel seines Unternehmens nicht erreicht. Von diesem Standpunkte betrachtet, ist es nicht schwer, trotz des noch immer tobenden Krieges eine Rohbilanz desselben zu ziehen. Es steht heute trotz aller Verdrehungen fest, daß die Ententemächte es waren, die dieses blutige Ringen heraufbeschworen haben, und zwar zu Eroberungszwecken. Die Mittelmächte und deren Verbündete waren hingegen Diejenigen, die nur zu Verteidigungszwecken das Schwert gezogen haben. Nun haben es die Kriegsereignisse mit sich gebracht, daß diese Mächtegruppe nicht bloß das eigentliche defensive Kriegsziel in glänzender Weise erreicht habe, sondern auch eine Reihe glorreicher Siege erringen konnte, die ihr den Besitz großer Teile vom Feindesland und jedenfalls sogenannte Faustpfänder gebracht haben, mit deren Hilfe sie mindenstens den Frieden diktieren können. Mag nun auch der Gegner noch nicht vollständig niedergerungen sein, möge er noch über gewisse Reserven verfügen, die ihn in Stand setzen, den Krieg mit wechselndem Glücke fortzusetzen und selbst davon zu träumen, das Verlorene wiederzugewinnen — der Sieg und der Vorteil bleibt doch auf Seiten der Mittelmächte, die sich einerseits der Feinde erwehrt und deren ruchlose Pläne zerstört haben, wogegen die Entente unbedingt als besiegt gelten muß, möge sie, auch wieder einmal irgendwo und irgendwie Teilerfolge erzielen. Von ihrem eigentlichen Kriegsziel, das in Eroberungen seinen Ausdruck finden sollte, ist die Entente entfernter denn je, wogegen die Mittelmächte das eigentliche defensive Kriegsziel längst erreicht haben und darüber hinaus noch alsSieger und Eroberer dastehen. In diesem Sinne ist heute angesichts des zweiten Jahrestages des Weltkrieges die bisherige Bilanz zu ziehen. Das Resultat fällt entschieden zugunsten der Mittelmächte aus, mögen auch die gegenwärtigen Tage wieder einmal ernste und schwere sein. Die einmal errungenen Siege werden dem Vierbunde nicht mehr streitig gemacht werden können und vollends die moralischen Siege sind einfach unaniechtbur. Für die österreichisch-ungarische Monarchie, gegen welche die Feinde so ruchlose Plane geschmiedet halben und die in diesem Kriege auch die höchsten Leistungen zu vollbringen hatte, indem sie* einerseits wiederholt die ganze Wucht der russischen Gewaltstöße auszuhalten, andererseits, seit. Kriegsbeginn fortgesetzt nach drei Seiten m. kämpfen und sich zu verteidigen hatte, sind diese moralischen Siege noch glänzender. Die Feinde, die da geglaubt haben, die Monarchie werde den harten Anprall gar nicht ertragen können, haben eine bittere Enttäuschung erlebt. Oesterreich-Ungarn hat eine derartige Widerstandskraft in militärischer, finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht gezeigt, daß selbst die bösesten Feinde ihren Irrtum einbekennen müssen. Die Monarchie hat zwei Jahre gegen an Zahl überlegene Feinde gekämpft und gesiegt. Sie ist und bleibt die Siegerin, mögen auch die Feinde hie und da einige momentane Teilerfolge aufzuweisen haben. Die Bilanz der zwei Kriegsjahre ist und bleibt für die Mittelmächte, und besonders für die österreichisch-ungarische Monarchie eine aktive. Die endgültige Kriegsbilanz wird kein anderes Bild ergeben. Debatte Uber die Lösung der, Judenfrage in der Duma. Der Bukarester „Adeverul" berichtet über die letzte Sitzung der russischen Duma, in der die Dumadeputation, die die Ententestaaten bereist hat. Bericht über ihre Reise erstattete. Miljukow, der den Bericht vorlegte, erklärte, die Mitglieder der Deputation hätten den Eindruck gewonnen, daß man sich in England, Frankreich und Italien sehr viel mit der Frage der Nationalitaten in Rußland befasse. In erster Reihe stehe die polnische Frage, in zweiter die jüdische, in England wurde uns erklärt, sagte Miljukow, daß die Lösung der Judenfrage in Rußland auch eine praktische Bedeutung für das Gelingen des Abschlusses der großen russischen Kriegsanleihe in Amerika besitze. Ich bedauere sehr dieses Argument anführen zu müssen. Ich mache aber kein Geheimnis daraus, daß ich die Lösung der Judenfrage wünsche. Es ist dies nicht mein Argument, sondern in England wie auch in Frankreich wurde uns von maßgebenden Kreisen nahegelegt, daß das Programm des Progressistenblocks bezüglich der Juden verwirklicht werden müsse. Im Anschlüsse an den Bericht wurde eine lange, stellenweise sehr leidenschaftliche Debatte geführt. Der Abgeordnete Singarev. der Vorsitzende der Heereskommission, führte aus, daß er gleichfalls für die Lösung der Judenfrage sei, wenn das Reich ein Interesse daran habe, daß die Kriegsanleihe in Amerika zustande komme. Markow (Nationalist) protestierte gegen jede Pression. Es sei nicht möglich und widersprechend der Würde des Reiches, unter der Androhung der Verweigerung der Anleihe die Lösung der Judenfrage auf die Tagesordnung zu bringen. (Großer Lärm.) Miljukow, der sich nochmals zum Wort meldete, erwiderte, der zum Ausdruck gebrachte Standpunkt sei nicht jener der Delegation. Nicht wir haben, bemerkte er, die Anleihe mit der Lösung der Judenfrage in Verbindung gebracht, aber wo wir hinkamen, hat man uns darauf aufmerksam gemacht. Wir dürfen nicht verheimlichen, wie man über uns bei den Verbündeten und in Amerika denkt. Sulgin (Nationalist)betont, daß angesichts der guten Haltung der Juden in diesem Krieg auch ihr Schicksal verbessert werden müsse. Das Reich müsse seine Politik den Juden gegenüber ändern. Redner kann aber nicht vergessen, daß die Juden an der Revolution des Jahres 1905 teilgenommen haben. Bomasch (Jude) entgegnet, daß die Juden im Jahre 1905 zur Befreiung des Volkes von der Willkürherrschaft der Bureaukratie beige-

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