Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 25 (13.7.1916)
- Date
- 1916-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite* JVdfsdwe K.owcsi><H><>cnwx Nr- 25. Die Nol der Judben- Oer „Tagesanzeiger" in Zürich entnimmt einem ihm zur Verfügung gestellten Privatbriefe aus Chicago vom 2. Juni 1916 folgende Stellen: „Lieber Vetter! Heute nur wenige Worte, um Dir auf sicherem Wege eine Nachricht mitzuteilen, die sicher Deine und weiter jüdischer Kreise ungeteilte Sympathie finden wird. Das Schicksal unserer Glaubensgenossen in Rußland, namentlich derjenigen, die sich der großen Schar der Flüchtlinge aus Polen mehr oder weniger zwangsweise zugesellt haben, spottet geradezu jeder Beschreibung. Recht- und besitzlos, hilflos der Willkür untergeordneter Polizeiorgane preigegeben, von Orten, wo sie zeitweise sich niedergelassen, nach kurzer Zeit verjagt, sterben sie zu Tausenden; Kinder unter vier Jahren gibt es kaum noch, ebenso wie auch die meisten Leute über 60 Jahren den Strapazen des Wanderlebens, dem Hunger und Seuchen erlegen sind. Doch nicht nur diese Aermsten der Armen, auch die geflüchteten Polen, die von ihren Gütern zwangsweise entfernten Bauern deutscher Abstammung und die aus Ostpreußen anfangs des Krieges mitgeschleppten Geiseln leiden fürchterliche Not; von den aus Ostpreußen mitgeschleppten Kindern sind, wie ich aus absolut einwandfreier und zuverlässiger Quelle erfuhr, allein 20(10, das sind mehr als 50 Prozent, gestorben. Auf Grund dieser Berichte haben wir nun beschlossen, all unsere Glaubensgenossen aufzufordern, nur denjenigen Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen, der sich feierlich verpflichtet, hier mit der ganzen Autorität der U. S. einzugreifen, ferner werden zur Zeit Unterschriften gesammelt, um an Wilson die Forderung zu stellen, die Gewährung der Anleihe an Rußland von der Beseitigung dieser Mißstände abhängig zu machen. Ein gewisser Zwang ist ja doch das einzige Mittel, um die Kriegführenden zur Humanität zu zwingen, und wir sind dafür die geeignetste als einzige neutrale Großmacht." „Uasere NortMronl". Die Namen der Kronländer Galizien und Lodomerien und des Buchenlandes der Bukowina, ihre Orte, Flusse und Berge wird man für immerwährende Zeiten nicht ohne Ehrfurcht nennen. Denn hier malmten die Eisentatzen des Krieges am schonungslosesten, hier wurde fast jede Straße ein1 Passionsweg, jede Höhe zu einem Golgatha unsäglichen Menschenleides. Und doch geschah eben hier das Gewaltigste, Unerhörteste dieses Wehenkampfes, haben die Truppen und ihre Führer gerade hier Heldenhaftestes geleistet. — In dem vorliegenden Buche*) wurden die Gfoßlaten von Offizieren und Mannsohaftsptrsonen. die auf jenen Schlachtfeldern kämpften, bluteten, starben, zu einem Kranze treuen Gedenkens vereinigt. Vereinigt mit Recht! Denn der Kampf um die Heimaterde ist ein gewaltiger Ausgleicher zwischen allen Stämmen, Berufen und Parteien, und es liegt nur an alten Satzungen, daß die Zeichen der Belobung verschieden aussehen. — Die Grundlagen zu dem Werke „Unsere Nordfront" sind dieselben wie zu den im gleichen Verlage erschienenen Banden „Unsere Offiziere" und „Unsere Soldaten": die dienstlichen Belohnungsanträge für Offiziere und Mannschaften, die das Armee-Oberkommando dem Kriegsarchive zur arehivalischen Behandlung übermittelte, woraus sich die Tatsächlichkeit aller benützten Quellen von selbst erklärt. Aber das trockene Material ist durch künstlerische Gestaltungskraft (Schriftsteller und Dichter von Namen, wie Bartsch, Csokor, Ginzkev, Zweig u. a. gehören ja zu den Mitarbeitern des Werkes) zu prachtvollen Darstellungen verwertet, die mit der packenden Gewalt unmittelbarer Anschauung wirken, und in ihrer öosamtheit aus vielen kleinen Momentaufnahmen das gewaltige Bild des Krieges schaffen. — Die Geschichte der einzelnen Regimenter zu schreiben, bleibt einer spateren Zeit vorbehalten, was aber in diesem Werke gesammelt und bearbeitet vorliegt, bedeutet eine Ehrung für alle Helden der österreichisch-ungarischen Nordirnnt, wenn auch nur die Taten einzelner, je nach dem vorhandenen Materiale, beschrieben und gewürdigt werden konnten. — Bin ähnliches Werk über die Kämpfe im Süden soll unmittelbar folgen. V«i^swlrtstdhaffliclies. „Schadnica", Actkm-üesellschaft für Petroleum- Industrie. In der letzten Sitzung des Verwaltungsrates wurde der Rechnungsabschluß für das Geschäftsjahr 1915/1916 vorgelegt. Der Gewinn des Berichtsjahres beträgt nach Abschreibungen in der Höhe von: K 1,777.319.05 ohne Gewirmvortrag K 3.W7.41S.93. Der Verwaltungs- *) „Unsere Nordfront". Episoden aus den Kämpfen der österreichisch-ungarischen Armee im Weltkrieg 1*14/16. Werausgegeben vom k. u. k. Kriegsarchiv. Redigiert von Oberst Alois Veltzc, Vorstand der Schriftenabteiltmg. Mit zahlreichen farbigen und schwarzen Bildern. Buchschmuck von H. Printz. Manz-Verlag. Wien- Leipzig. Br. K 4.70: gab. K 6.20. rat hat beschlossen, der für den 20. Juli 1916 einberufenen Generalversammlung zu beantragen, K 1,200.000.— d. i. K 60.— (12%) pro Aktie als Dividende für das Geschäftsjahr 1915/1916 zur Verteilung zu bringen, zur Dotierung des ordentlichen und Schaffung eines außerordentlichen Reservefondes K 1,000.000.— zu verwenden, K 350.000.— einer Reserve für eintretende Brandschäden, K 50.000.— dem Unterstützungsfond, K 100.000.— einem Pensionsfond für Beamte und Meister zu überweisen und den nach Abzug der statutenmäßigen Tantieme an den Verwaltungsrat verbleibenden Restbetrag zuzüglich des Gewinnvortrages vom vergangenen Jahre mit K 446.740.44 auf neue Rechnung vorzutragen. Chronik. Antisemitische Verleumdung. Trotzdem der Vertreter des Ministenums in der Duma öffentlich erklärt hatte, daß das Zirkular vom 9. Januar, das die Juden des Landesverrats bezichtigte längst zurückgezogen sei, schien diese Verordnung den Behörden der Provinz unbekannt geblieben zu sein, da die antisemitische Verleumdung seitens der offiziellen Behörden fortgesetzt wird. Der Chersoner Gouverneur, Baron Grevemtz, versandte am 29. April (Abteil. 4 Nr. 161) ein Zirkular an die Behörden des Gouvernements, in dem mitgeteilt wird, daJJ unter den jüdischen Flüchtlingen die sich im Chersoner Gouvernement niedergelassen haben, eine eitrige deutschfreundliche Agitation getrieben wird. Die Juden sollen zu diesem verräterischen Zweck spezielle Propagandavereine gebildet haben, deren Tätigkeit die lokalen Behörden besonders beobachten sollen. Der Mann ohne fieimat. In einer Heilanstalt in New-YorK ist kürzlich ein Manu gestorben, der recht merkwürdige hchicksale erlebt hai. tr hieß Nathan Lohen und war allgemein als der „Mann ohne Heimat" oder „der wandernde Jude" bekannt. Dieser Nathan Conen kam im Jahre 1912 im Zwischendeck eines englischen Dampiers von Rio de Janeiro nach New-Vork. Als seh nach einem Jahre bei Collen Anzeichen von geistiger Umnachtung bemerkbar machten, wurde er, da er noch keine zwei Jahre im Lande war, von den Einwanderungsbehörden zur Deportation verurteilt. Da Cohen nicht anzugeben wulite, aus weichem Lande er stamme, so schickte man ihn an Bord des Dampfers „Vandyck", der inzwischen von dem deutschen Kreuzer „Karlsruhe" versenkt worden ist, nach Rio de Janeiro zurück. Dort weigerten sich die Behörden jedoch ganz entschieden, den Geisteskranken landen zu lassen, da er — was man ihm allerdings aut den ersten Blick ansah — kein Brasilianer sei. Der Kapitän nahm hierauf seinen Schützling mit nach Buenos Aires und versuchte auf dem Rückweg noch einmal sein Glück in Rio. Dort blieb man aber bei dem ablehnenden Bescheid, so daü dem Kapitän nichts übrig blieb, als den Heimatlosen wieder nach New-York zurückzubringen. Hier entschieden die Behörden, daü Cohen wahrscheinlich aus Rußland stamme, und man entschloli sich, ihn einmal probeweise dorthin zu versenden. Inzwischen brach aber der europäische Krieg aus, so daß zur Vollstreckung des immer noch gültigen Deportationsurteils nichts weiter übrig blieb, als den bedauernswerten Nathan Cohen noch einmal nach Rio zu schicken. Aber man wollte dort nichts von ihm wissen, und so kam er, iuf dem Umwege über Buenos Aires, zum drittenmal nach New-York. Er hatte inzwischen auf seine ursprüngliche Fahrkarte hin, die ihn 45 Dollars gekostet hatte, nicht weniger als 35.000 Seemeilen zurückgelegt. In New- York nahm sich dann schlielilich eine jüdische Wohltätigkeitsorganisation des Vielgereisten an und brachte ihn in einer Anstalt unter, in der er vor einiger Zeit starb. Ein Pogrom in Krasnojarsk. Aus einem jetzt veröffentlichten Briefwechsel zwischen dem Nikon und einem anonymen Holigan, der den Bischof wegen seiner Judenverteidigung tadelte, erfahren wir von einem Pogrom gegen Juden, der am 7.120. Mai in Krasnojarsk ausgebrochen war. Da die Zeitungen über diesen Vorgang nichts mitteilen durften, blieben die Einzelheiten unbekannt. Wie aus dem Briefwechsel hervorgeht, brach dieser Pogrom infolge der Verleumdung aus, daü die Juden an der Teuerung schuld seien, und beschränkte sich-Auf die Plünderung der jüdischen Häuser und Geschäfte. Krasnojarsk liegt in Sibirien. Aus der Duma. In der „Kommission für Gesetzesprojekte" wurde die Vorlage über die Aufhebung des Kiewer Generalgouvernements behandelt. Der jüdische Abgeordnete Dr. Bomasch schlug vor, im Falle der Aufhebung des Generalgouvernements die Fragen des jüdischen Wahlrechts der Kompetenz des Gouverneurs zu entziehen und dem Ministerium des Innern zur Erledigung zu überlassen. Der Vertreter der Regierung sprach eifrig dagegen und führte zur Motivierung folgenden Grund an: da nach Beendigung des Krieges der Erlaß des ehemaligen Ministers Scbtscherbatow vom 13. August 1915 über die Erweiterung des Ansiedlungsrayons eventuell aufgehoben werden könnte, wird es für die Juden Kiews viel bequemer sein, xüe vielen Fragen, die mit ihrem Wahlrecht zusammenhangen, an Ort und Stelle erledigen zu können. Erinnert man sich, daß der Erlaß Schtscherbatows von keiner der gesetzgeberischen Institutionen bestätigt wurde und daher keine gesetzliche Garantie besitzt, so wird es klar, welche weittragende Gefahr für die russische Judenheit und in erster Linie für die Hunderttausende, die sich schon in Zentralrußland niedergelassen haben, diese Erklärung eines Regierungsvertreters, dem die Absichten der Regierung vertraut sind, in sich birgt. Die „Jewrejskaja Shisn", die diese Nachricht veröffentlicht, wendet sich daher mit einem dringenden Appel an die jüdischen Politiker, die Sanktionierung des Erlasses durch die Reichsduma zu erwirken. Der Nahrungsmittel-Diktator In der Bibel. Als Josef die Träume Pharaos deutete, verknüpfte er hiermit gleichzeitig Ratschläge, um die nach der Deutung zu erwartenden Zeitereignisse einem gutem Ende zuzuführen. So lesen wir (1. Buch Moses Kap. 41. 5, 33): „Und nun ersehe sich Pharao einen umsichtigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Aegypten." In der Folge baute nun Josef, selbst als Herr über das Land gesetzt, im Sinne seiner Worte eine Organisation auf, in welcher er, dank der großen Machtfülle, mit welcher er ausgestattet war, das ganze Land zur Abgabe der Bodenfrüchte an die Regierung anhielt und so einen Vorrat ansammeln konnte, mit welchem er jedem Anspruch gerecht würde. Er verfügte eine Beschlagnalnnung, welche bei der Ernte der Früchte dazu führte, daü aiierorts in den Städten Nahrungsmittel zur Aufspeicherung gelangten. Die gesammelten Vorräte wurden Staatseigentum. Um Lebensmittel zu erhalten, mußte sich jeder Käufer direkt mit den aufgestellten Staatsbenorden m Vermndung setzen. Es waren also Spekuiationskauie m Lebensmitteln unterbunden. Neue Bücher. Die Kampfe an der Tiroler Grenze lassen sich besonders gut verfolgen auf der in dem großen Maßstabe 1:350.000 gehaltenen Freytagschen Uebersichtskarte von Tirol, welche die Kartographische Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien Vll., eben in neuer Auflage zu dem billigen Preise von K 1.20 — M 1.—, mit Porto (bei vorheriger Einsendung des Betrages) K 1.30 — M 1.10, herausgegeben hat. Eine reichhaltige Beschriftung und klare Darstellung zeichnen die in sieben Farben ausgeführte hübsche Karte aus, die nicht nur das unmittelbare Grenzgebiet veranschaulicht, sondern ganz Tiroi und Vorarlberg mit Teilen der angrenzenden Staaten vom Bodensee und Kufstein im Norden bis zur Südspitze des lseosecs und über Bassano im Süden, von Chur und Chiaveniia im Westen bis Saalfelden, überdrauburg und zum Plökenpaü im Osten umfaßt. Der üardasee ist fast vollständig auf der Karte enthalten. Die sehr zahlreichen Bergnamen und die vielen aufgenommenen Orte lassen das schöne billige Blatt, das durch jede Buchhandlung sowie durch den Verlag G. Freytag & Berndt, Wien VII. (Robert Friese, Leipzig, Seeburgstr. 96) zu beziehen ist, auch als Uebersichtskarte für Hand- und Geschäftsgebrauch wie für touristische Orientierung sehr praktisch erscheinen. „Der österreichische Staatshaushalt in dem Jahrzehnt 1903 bis 1913". Bearbeitet vom Bureau der k. k. Statistischen Zentralkommission. Wien 1915. Herausgegeben von der k. k. Statistischen Zentralkommission. Preis K 3.3Ü. — In Kommission bei Karl Gerold's Sohn. — Wie alle bisherigen Hefte der „Oesterreichischerl Statistik, enthält auch dieses eine übersichtliche Darstellung des einschlägigen Materials sowie eine Reihe Tabellen über den österreichischen Staatshaushalt in dem Jahrzehnt 1903—1913. Das Erscheinen dieser Arbeit ist gerade jetzt überaus zeitgemäß, da mit der Schaffung einer neuen Oesterreich auch der Staatshaushalt entsprechend reformiert werden dürfte. „Ein neuer Staatenbund und das Ostjudenproblem'-. Von Dr. M. J. Bodmer. 73. Heft der von Ernst Jäckh, herausgegeben Flugschriftensammlung „Der Deutsche Krieg". Preis 50 Pfg. Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart. — Die lange Dauer des Weltkrieges bringt es mit sich, daß dem politischen Blick sich immer neue Probleme auftun, deren Bedeutung, ja deren Vorhandensein noch vor kurzem kaum beachtet worden war. Hierher gehört auch das Problem der „Ostjuden", das darum ein so besonders wichtiges und schwerwiegendes ist, weil die Gebiete, die von den verbündeten Heeren der Mittelmächte auf der Westflanke des russischen Reichs besetzt worden sind, die dichteste jüdische Bevölkerung aufweisen. Die vorliegende Schrift zeigt nicht nur den Umfang und die Tiefe des Ostjudenpioblems, sie bringt auch Vorschläge für dessen praktische Lösung — Vorschläge, die sich harmonisch in die große Aufgabe einfügen, die den Mittelmächten von der Vorsehung in diesem Weltringen zugewiesen scheint: nämlich, im Gegensatz zu den verlogenen Phrasen der Vierverbandsstaaten, in Tat und Wahrheit den bisher von Rußland unterdrückten Nationalitäten eine größere geistige Atemfreiheit und menschenwürdige Existenzbedingungen zu verschaffen. Gegen Frankreich und Albion. 2. Halbband: »Von der Marneschlacht bis zum Fall Antwerpens. Von Anton Fendrich. Preis geheftet M 1.—. Aus der Sammlung „Stuttgarter Kriegsbücher". Stuttgart, Franck'hsche Verlagshandiung. „Stammbaum der Insekten. Von Wilhelm Bölsche. Mit Abbildungen nach Zeichnungen von Prof. Heinrich Härder und Rud. Oeffingen Preis geh. M 1.—, eebd. M 1:80. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Geschäftsstelle Franck'hsche Verlagshandiung. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. — Buchdruckerei „Melantrich", Witn IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. GiünhuÜ