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Jüdische Korrespondenz · 1916-07-06 · 24 (6.7.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
24 (6.7.1916)
Date
1916-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 m*i*eb* <M»pejNWW»<<WiT. »fr- V. diesen Opfern des Krieges ihre hilfreiche Hand m reieJAen, um ihnen womöglich eine kuckkehr in üare soziale Lage zu ermöglichen, mindestens aber, um sie vor dem vollständigen wirtschattücfeen kjjui zu bewahren. Vwi diesem Standpunkte ausgehend, hat der Ausschuß des Krakauer Kaufmännischen Vereines aus dem Kreise seiner Mitglieder ein Kouutte gebildet, dessen Aufgabe die Sammlung der nötigen Fonds und deren Verteilung unter die bedürftigen unter gleichzeitiger Erteilung entsprechender Ratschläge und Weisungen an Uic.se sein wird. Das gefertigte Komitte wendet sich nun an die weiten Kreise der jüdischen üesellschatt mit der Bitte um Unterstützung; es handelt sich nicht um ein Almosen, nicht um eine geringe Qabe, die die Sache nicht erledigt und viel mehr Schaden als Nutzen bringen kann — sondern um ausgiebigere Spenden, die die Durchführung einer sozialen Selbsthilfe für diejenigen, die ihr Unglück nicht selbst verschuldet haben und deren Verfall die Gesellschaft in ihrem eigenen Interesse nicht zulassen sollte, ermöglichen soll. Wir bitten daher um entsprechende Fonds. Von dieser Aktion wird ein öflentlicher Bericht erstattet, der alle erlegten Gaben enthalten wird. Gleichzeitig teilen wir mit, daß vom 1. Mai 1916 angeiangen Komitteemitglie.der in unserem Lokal in der Grodzkagasse Nr. 43 an jedem Dienstag von 7 bis halb 9 Uhr abends Anmeldungen zur Hilfeleistungen entgennehmen und den Bedürftigen Katschläge sowie fachmännische Weisungen erteilen werden. Krakau, im Juni 1916. Für den Ausschuß des Krakauer Kaufmännischen Vereines: Samuel Spira, Präsident, Ch. F. Leistner, Vizepräsident, Harry Frommer, Schatzmeister. * Bisher sind Spenden im Betrage v. 4300 K eingelaufen. Chronik. Polen und Juden. Das polnische Korrespondenzbureau verbreitet folgende Mitteilung: „Durch den Aufruf des Komitees Pro causa judaica sahen sich die in der Schweiz ansässigen polnischen Organisationen veranlaßt, eine Erklärung in der Judenfrage an <das Komitee zu richten. Das Schreiben betont zunächst die Übereinstimmung der Ziele des Komitees mit den polnischen Interessen, insbesondere in Bezug auf die Aufhebung aller rechtlichen Beschränkungen der Juden in Rußland und die Bestrebungen, eine ausschließlich jüdisch territoriale und nationale Einheit zu bilden. Es wird weiterhin gegen die Verwechslung Polens mit Rußland protestiert und jede Verantwortung ider Polen für die russische Gesetzgebung nachdrücklich abgelehnt mit dem besonderen Hinweis, das, solange Polen als unabhängiger Staat besteht, sich dort die Juden der größten Freiheit und Unabhängigkeit erfreuen. Die polnische Erklärung versichert zuletzt, alle polnischen Parteien seien einig darin, das ein freies und unabhängiges Polen keine Beschränkungen gegen die Judph bestehen lassen werde, „Polen wird die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden anerkennen und demnach das Werk der Verständigung mit den Juden aus eigenem Willen und ohne fremder Einmischung vollziehen." Diese Erklärung wurde von -dem Komitee „Pologne et la Guerre" in Lausanne und dem Polnischen Preßbureau in Bern gezeichnet. Ein Greis. In New-York starb im Alter von 104 Jahren Samuel Aronsohn. Er hinterließ 73 Enkel, 9 Urenkel und einen Ururenkel. Vor 30 Jahren wanderte er aus Rußland ein, wo er 40 Jahre lang Schammes in einer Synagoge war, die er im Alter von 73 Jahren bei . einem Pogrom dadurch vor Zerstörung schützte, daß er den Mob mit einem Beil allein abwehrte. Zur jüdischen Schulstatistik in Warschau. Ueu Berichten der Schulausstellung, die gegenwärtig m Warschau veranstaltet wird, entnehmen wir einige Angaben, die die Beteiligung der Juden in den allgemeinen Elementar- und Mittelschulen anbelangten. Unter den 26.636 Kindern der Elementarschulen waren zu Beginn des Jahres 1916 2169 jüdische, darunter bloß 671 Knaben und 1529 Mädchen. Die vielen Tausende von jüdischen Kindern, die den Cheder besuchen, sind nicht angegeben. Mittelschulen gibt in Warschau III. Darunter 31 Knabenschulen und 80 Mädchenschulen. Die jüdischen Schüler der Mittelschulen bildeten 34% der gesamten Zahl der Mittelschüler Warschaus. In den christlichen Mittelschulen befanden sich 2127 jüdische Knaben und 1267 jüdische Mädchen, in den jüdischen Mittelschulen 908 Knaben und 3963 Mädchen. Louis O. Brandeis' Bestätigung. Der amerikanische Senat bestätigte Louis Brandeis als Richter am Höchtsten Gerichtshof. Die Opposition war ziemlich heftig, weil das neuenglische Element den höchsten Gerichtshof bisher als seine Domäne betrachtete, zu der Deutsche, Juden und Emigranten, sowie deren Söhne keinen Zutrit haben sollten. AnJtsemUiSflius im kanadischen J-arJament. Der „Jewish Uironjcie'"' bringt einen Bencnt über uie Kede des kanadischen 'Parlamentsmitgliedes Buiey, ucr in unernörter weise Angmie geg,en das iudiscne vuiK nctttete. heine hauRtbeschuldigung bestand oarin, U4u er sagte, an der leuerung der Lebensmittel in Kanada sei nur die jüdische Einwanderung schuld! Diese Einwanderung sei eine wahre Strafe Gottes; in Montreal seien heute aHein SOjjüü Juden ansässig. Nach Bekannt werden dieser Rede richtete ein kanadischer Jude einen Briet, an den Premierminister, der uaraui antwortete, daß buleys Rede nur dessen eigene Meinung, keineswegs aber die der Regierung ausdrucke. „Meine .Kollegen und ich,"; so schreibt der Premierminister," verstehen sehr wonl die ausgezeichnete Haltung der iüdMscften Bevölkerung Kanadas und ihre Verdienste um das Land zu würdigen. Die Juden helfen das Land aulzubauen und entwickeln." Eine ebensolche Sympathiekundgebung für die Juden gab der Führer der Opposition, Sir Wilfried Laurier, ab. Eine FlückUimgsrevolte. Unter den Palästinafiüchtlingen in Alexandrien ist während der Peßachtage eine Revolte ausgebrochen, weil sie behaupteten, daß der größte Teil der vom amerikanischen Hilfskomitee gesandten Mazzos nicht unter sie verteilt worden sei. Tatsächlich hatten viele schon am zweiten Feßachtage keine Mazzos mehr, und es bedurite erst der Fürsprache von Fräulein Landau und Fräulein Kaplan, um eine bessere Versorgung mit Mazzos zu veranlassen. Zwölf der Protestierenden wurden verhaftet, aber später durch die Fürsprache des Oberrabbiners wieder entlassen. Die italienischen Juden. Im „Corriere della Sera" schreibt Luigi Luzzatti über die religiöse Gruppierung des italienischen Volkes und erwähnt dabei, daß im Laufe der letzten 10 Janre die Zahl der Juden von 35.617 auf 34.324 zurückgegangen ist. Diese Tatsache führt Luzzatti auf den Uebergang eines Teiles der Juden zu den Konfessionslosen zurück. Das „Jiddisch" als Retter. Leutnant William Woorwrtz, der im englischen Heere an der Salonikifront steht, berichtet über einen, zahlreich besuchten Sederabend, der vom Überrabbiner von Griechenland arrangiert und von dem französischen Feldrabbiner, Hauptmann Bermann, abgehalten worden, war. Da auch eine Ansprache vorgesehen war, die englisch-jüdischen Soldaten aber nicht der französischen Sprache, der französische Rabbiner nicht der englischen, mächtig waren, betrachtete es Horwitz als ein Glück, daß Bermann das Jiddische beherrschte, das von fast allen jüdischen Soldaten verstanden ward. So ging der Gottesdienst zu allseitiger Befriedigung vonstatten. Wechsel In der amerikanischen Botschaft Konstantinopels. Wie von unterrichteter. Seite mitgeteilt wird, wird, der bisherige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, Henry Morgenthau, nach KonstantinopeL nicht zurückkehren. Zu seinem Nachfolger ist der jüdische Rechtsanwalt Abraham J. Elkus ernannt, dessen warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten bekannt ist. Es ist zu hoffen, daß das Wirken des neuen Botschafters sich in den gleichen Bahnen bewegen wird, in denen Henry Morgenthau sich so große Verdienste erworben hat. Türkische Juden in Mexiko. Das amerikanische JeWish Comrnittee hat sich an die Regierung in Washington gewandt mit der Bitte, sich der türkischen Juden in Mexiko anzunehmen. Diese leiden sehr unter den dorfigen unfriedlichen Verhältnissen, besonders in Veracruz. Das Staatsdepartement versprach, sein Möglichstes zu tun, um sich dieser Juden anzunehmen. Jaden als Schutz gegen die gelbe Gefahr. In der russischen Presse wird jetzt eifrig der Plan der russischen Regierung erörtet, in Ost-Sibirien, im Amur-Gebiet, Juden anzusiedeln, um dort der wachsenden gelben Gefahr zu begegnen. Bekanntlich sind viele Juden aus Polen und Litätuen zwangsweise nach Sibirien gebracht worden, die jetzt helfen sollen, die Chinesen zu unterdrücken und diese Gebiete zu russifizieren. Ob die russische Regierung mit diesem Plan Erfolg haben wird, muß als mehr als zweifelhaft bezeichnet werden, da es fraglich ist, ob die Juden sich werden in Sibirien als Kolonisten nied:rlassen wollen, oder es nicht vorziehen werden, nach dem Kriege Sibirien und Rußland den Rücken zu kehren. Auch ist trotz der großen Menge der von Rußland hintransportierten Juden ihre Zahl viel zu gering, um gegen die ungeheuere Masse der Chinesen wirksam verwendet werden zu können. Der ganze Plan bleibt nur charakteristisch für die Methoden der russischen Regierung; die baltischen Deutschen werden mit Letten bekämpft, die Juden mit Polen und umgekehrt und jetzt sollen die Chinesen durch die Juden die Segnungen der russischen Kultur kennen lernen. Warum es In Albanien keine Juden gibt Albanien, das zwar keine ideale Wohnstätte für Kulturmenschen bildet, aber dqch immerhin zu Europa zählt, gehört zu den wenigen Ländern der Welt, in denen keine Juden wohnen. Warum? Die Albanesen kennen zwar den Antisemitismus nicht, daß sich aber trotzdem so wenig Juden in Albanien sejsnaft njacowi, erKiart eine hübsene Sage wie toigi: Lines i4ges wquic sich ein Jude, der nur einen Kürcns besatf, m Scnitoara niederlassen. Ais er hinkam, iragte er einige Uassenjungen, was er machen könne, um etwas Geld zu verdienen. Sie antworteten ihm, er braueftte nur das Innere des Kürbis zu verzehren, dann die Schale in eine Lampe zu verwandeln und sie für .einige Piaster zu verbauten. Jjtaraumia wandte sich der Jude zum Gehen und sagte: „Hier kann ich keine Heimat ianden.-Jn einem Lande, dessen Kinder schon so kaiumaniusch veranlagt sind, hat ein lüde nichts zu suchen." Die Worte jenes icammen Mannes Sailen die Juden verhindert Jjasben, sich in Albanien niederzulassen, ilans Herzl vor der englische» RekriitleruBgskeHHiiissioii. Theodor Herzls einziger Sohn Hans, der bekanntlich an der Universität Cambridge studiert und in England naturalisiert ist, mußte unlängst infolge der allgemeinen Wehrpflicht vor einer englischen Rekrutierungskommission erscheinen. Dem „Lodzer Volksblatt" wird darüber aus Kopenhagen berichtet: „Der Militärkommissär fragte den jungen Herzl: „Sind Sie ein geborener Oesterreicher?" „Ja, ich bin in Wien geboren," antwortete Herzl. „Wo sind Ihre Eltern?" „Meine Eltern sind tot." Darauf fragte der Vorsitzende der Kommission: „Ihr Vater ist der Führer der Zionisten gewesen?" Der junge Herzl bejahte. Nach einer Weile wurde ihm dann mitgeteilt, daß er vom Militärdienst befreit sei. Neue Bücher. Der Große Raubkrieg und die Interessen der neutralen Mächte. Von Dr. Max Gätcke, Karlsruhe 1916, Verlag der G. Braun'schen Hofbuchdruckerei. Preis geheftet M 2.60, gebunden M 3.60. — „Ein Rückblick auf Entstehung und Verlauf des Weltkriges; ein Hinweis auf die Pflichten der Neutralen!" Dieses Begleitwort hat der Verfasser seiner Schrift mitgegeben. Ueberzeugend und in durchaus neuartiger Darstellungsweise schildert er die Entstehung des Weltkrieges. Er beweißt, daß der Krieg nichts ist, als die notwendige Folge der Angriffspolitik der Mitteleuropa umgebenden Nationen. Mit jedem einzelnen der Teilnehmer am Raubzuge rechnet er ab; mit England, den Mittätern, mit Belgien, Japan und Italien, den Gehilfen. Er schildert sodann in knapper Form den Verlauf des Weltkriges während der ersten achtzehn Monaten seines Bestehens und unterzieht die Interessen der im Beginn des Jahres 1916 noch neutral verbliebenen Nationen am Ausgang des größten der geschichtlxhen Kämpfe eingehender Betrachtung. Er verfehlt nicht, einige der Neutralen, insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die Falschorientierung ihrer Politik gegenüber Deutschland und Oesterreich- Ungarn einerseits und England und seinen Verbündeten andererseits hinzuweisen. Er bespricht die Interessengemeinschaft der Vereinigten Staaten und der Mittelmächte und legt die Beweggründe dar, welche die amerikanischen Staatsmänner zu ihrer Stellungnahme veranlaßt lv-<.ben. Die Interessen der Vereinigten Staaten zu schildern, dürfte der Verfasser berufen sein; langjährige Tätigkeit im Osten der Union, sowie im fernen Westen machte ihn mit Land und Leuten genau bekannt. Die hauptsächlichen Staats- und völkerrechtlichen, in Betracht kommenden Fragen sind einer Prüfung unterzogen worden. Im Schlußwort seiner Arbeit bespricht der Verfasser das Thema: „Der Krieg ein Geisteskampf". „3000 Kilometer mit der Garde-Kavallerie" heißt ein sehr fein und geschmackvoll ausgestattetes Buch, das in der vielgelesenen Sammlung: „Aus den Tagen des großen Krieges" bei Velhagen et Klacing in Bielefeld und Leipzig soeben erschienen ist. Der Postdamer Hofprediger Dr. Vogel schildert hier die Tätigkeit der Garde-Kavallerie-Division, deren Stab er als Felddivisionspfarrer angehört, auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Ein Stück interessantester Kriegsgeschichte spielt sich vor unseren Augen ab. Wir ziehen mit der Garde- Kavallerie durch Belgien und Nordfrankreich bis vor die Tore von Paris und verfolgen die gigantischen Kämpfe an der Marne und Aisne. Die Darstellung erschöpft sich nielrt in langatmigen Schilderungen allgemeiner kriegerischer Vorgänge, sondern greift interessante Episoden und Einzelgefechte heraus, die ja für das Wesen des Reiterkarrrpfes so charakteristisch sind. Sehr zu statten kommt dem Buche eine klare übersichtliche Karte des westlichen Kriegsschauplatzes, auf der die Ereignisse bequem zu verfolgen sind. Das Buch wird allen Freunden der frischen, schneidigen Reiterwaffe herzliche Freude bereiten. „An der Kampffront in Südtirol". Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Das Buch schließt sich als drittes den früher in dieser Sammlung erscheinenen Kriegsberichten des bekannten Schweizer Oberst Karl Möller an und bringt eine fesselnde Darstellung jener Qebirgskämpfe, in denen unsere Bundesgenossen nun schon seft einem Jahre ihre Grenzen gegen die italienischen Angriffe verteidigen und neuerdings so große Erfolge errungen haberl. Das Buch wird alle Freunde Tirols, namentlich die Mitglieder des deutsch-österreichischen Alpnevereins interessieren und in diesen Kreisen bald weite Verbreitung finden. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Joaas Krepp^L — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX, Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grinlnit)

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