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Jüdische Korrespondenz · 1916-06-12 · 22 (12.6.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
22 (12.6.1916)
Date
1916-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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-&&m*!!ftWindische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. «wr -t + * j.a. e— j» ¥ x __ Redaktion und Administration: vierteljährlich k 120. Wochenblatt für jüdische Interessen, wie«, vm. Antraue w. Nachdruck mit voller Quellenangabe gestattet Redakteur: Jonas Kreppel. E r s che i n t j e de n Donnersta Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppel. Hr. 22. Wien, 12. Juni 1916. Redaktion und Administration: Wien, Vlll. Alserstraße 55. Erschei nt jeden Donnersta 2. Jahrgang. Die Schuldigen. Je länger der Weltkrieg dauert, desto deutlicher wird es, daß diesmal die wirklich Schuldigen von der verdienten Strafe ereilt werden. Es ist ein wirkliches Gottesgericht, das da zur Geltung kommt. Englands „stärkster Mann", Lord Kitchener, ruht auf dem Meeresgrunde. Im Sudan, in Indien, in Transvaal, in Egypten, überall wo ihn sein raub- und beutegieriges Vaterland gestellt hat, hat er es verstanden, zu siegen. Ruhmgekrönt, mit den höchsten Ehren überhäuft, ist er übermütig geworden und glaubte, einer ganzen Welt seinen Willen aufzwingen zu können. Ein Jahrzehnt, ja zwei Jahrzehnte, wenn es sein muß, soll der Weltkrieg dauern, bis das perfide Albion seine Rivalen aufs Knie gezwungen haben wird! — so diktierte dieser Gewaltmensch und brüstete sich, trotz aller bisherigen Mißerfolge den Sieg zu erringen. Aber siehe da, eines schönen Tages ereilte ihn das Schicksal. Auf dem Wege nach Rußland begriffen, um dem Zaren dabei behilflich zu sein, noch einmal üalizien mit seinen raubenden und plündernden Kosakenhorden zu überziehen, auf einem mächtigen Kriegsschiffe fahrend, begleitet von einem glänzenden Stabe, schwere Geldbarren mitführend — war er auf eine Mine gestoßen oder wurde von einem Torpedo erreicht und versank rettungslos in den Abgrund. Nichts konnte ihn retten. Weder der stolze Ruhm seiner glänzenden Vergangenheit, noch seine weitgehenden Zukunftsträume. Die ewige Gerechtigkeit hat das Maß seiner ruchlosen Vergehen für voll gefunden und denselben eine endgültige Grenze gesetzt. Mit einer Verwegenheit sondergleichen hat Salandra vor Jahresfrist sein Vaterland in einen Krieg getrieben, der das Kainszeichen des Verrates aufgedrückt erhielt. Der Erfolg krönt alles! — sagte sich dieser skrupellose Politiker und meinte, die Welt werde seinen Verrath nachsichtiger beurteilen, kaum werde es ihm gelingen, das Ziel seines „heiligen Egoismus" zu erreichen. Aber der Erfolg ist ausgeblieben und dieselben Volksvertreter, welche Salandra vor Jahresfrist zugejubelt haben, haben ihm jetzt die Gefolgschaft versagt und in den politischen Abgrund gestürzt. Die Ministerkrise in Italien mag wie immer gelöst werden, Salandras Nachfolger mag aus demselben Holze wie er geschnitzt sein — Italien möge noch immer an seinem Wahne festhalten und den aussichtslosen Krieg fortsetzen — das Schicksal Salandras ist ein deutlicher Fingerzeig dafür, daß die Schuldigen an dem blutigen Weltenbrand von der verdienten Strafe ereilt werden. Roosevelt, der gewaltige Phrasenheld, der sein Vaterland justament in den Krieg hineinstürzen wollte, um den Urhebern desselben, der Entente, Hilfe zu bringen, ist plötzlich ein politisch todter Mann geworden. Seine eigene Partei hat ihm den Laufpaß erteilt. Einstimmig wurde sein Rivale, Hughes, zum republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten proklamiert, der Maulheld Roosevelt erhielt eine derartig beschämend geringe Stimmenzahl, daß seine politische Karriere ein für allemal als vernichtet betrachtet werden kann. Er ist heute ein todter Mann. Diese Liste ließe sich noch viel weiter fortsetzen. Hier sind jedoch bloß die Ereignisse der letzten Tage registriert worden, die eine sehr deutliche und beredte Sprache führen. Gegenüber der ewigen Gerechtigkeit gilt keine wie immer geartete Spekulation. Alle Rechnungen, Berechnungen und Pläne werden über den Haufen geworfen, wenn die ewige Vorsehung ihr gerechtes Urteil spricht. * Wieder einmal will der Zar sein Glück versuchen. Wieder einmal läßt er Hekatomben opfern, um das ihm bisher so untreue Kriegsglück an seinen Fahnen zu fesseln. Wieder einmal stürmen seine gewaltigen Armeen die Grenzen Galiziens und der Bukowina, um seinen Kosakenhorden die Gelegenheit zu Raub und Plünderung zu geben. Wieder einmal ist die europäische Kultur von der finsteren Macht Rußlands bedroht, wieder einmal droht Millionen Unterdrückung und Knechtung. Nicht einen Moment lang darf mau den Mut sinken lassen! Auch diesmal wird das Zarenheer dem verdienten Schicksal nicht entgehen. Die ewige Gerechtigkeit hat es schon längst ausgesprochen, daü Rußland in diesem Kriege nicht siegen darf und nicht siegen wird. Das vorjährige Schauspiel wird sich gar bald wiederholen, wieder einmal werden wir gar bald Zeugen des Debacles sein, das die russischen Heere ereilen werde. Drum Kopf hoch auch in diesen schweren Ta-ej^^WJj^werden auch weiterhin durchliN^^^Rfinr es in den bisherigen 23 Kriegsmon^BP^fetan haben. Ist es uns noch, nicht vergönnt gewesen, jetzt ungetrübt die große Siegesfeier zu begehen, desto größer wird der Triumph sein, wenn die Macht des Zaren- Tyrannen zum zweiten Male gebrochen werden wird. Die Gerechtigkeit muß und wird in diesem Krieg siegen! Spectator. Keine Hoffnung für die russischen Juden. Aus Petersburg wird dänischen Blättern gemeldet: „Die Duma tritt am 29. Mai zusammen. Mit der Lösung der .ludenfrage, die den russischen Juden seit Beginn des Krieges versprochen worden war, soll sich die Duma nicht beschäftigen, da Stürmer befahl, alle von Chwostow begonnenen Arbeiten zur Abänderung der Judengesetzgebung einzustellen. Auch der Dumablock beschloß, die Frage der Gleichstellung der Juden auf später zu verschieben." Die letzte Hoffnung schwindet, falls diese Nachricht sich bestätigt! Es erschien allzu ungeheuerlich, daß die russische Regierung denselben Juden, von denen lausende heute im russischen Heere kämpfen, gerade jetzt jegliche Hoffnung auf Besserung ihrer Lage rauben sollte, und nun ist es dennoch wahr geworden. Man hat die Pflicht, sich klar zu machen, daß diese neue Bestimmung nur der Beginn zu noch Schlimmerem ist. Wer die Verhältnisse im Osten zu verfolgen im Stande ist, weiß, daß sich über den Häuptern der russischen Juden ein Schicksal von unvergleichlicher Furchtbarkeit zusammenzieht. Alle Anstalten werden getroffen, um die verzweifelte Wut, die sich des russischen Volkes bemächtigen wird, sobald Rußland genötigt sein wird, einem ruhmlosen Friedensabschluß beizustimmen, auf die hilflosen russischen Juden abzuwälzen. Die Ereignisse der Gegenwart haben uns nicht gerade gelehrt, auf den Gerechtigkeitssinn und die Großmut der Völker allzu starke Hoffnungen zu setzen. Aber daß sie es dulden werden, daß das drohende grauenhafte Geschick über die russischen Juden hereinbricht, das kann und darf man nicht glauben. Gebe der Himmel, daß ein künftiger Friedensschluß die Judenheit der ganzen Welt genügend stark und organisiert finden wird, um für unsere russischen Brüder einzutreten, um die schrecklichste Katastrophe unserer üaluthgeschichte von ihnen abzuwenden und ihnen eine Besserung ihrer jetzigen unwürdigen Lage zu erringen! Neue Einwanderungsbeschränkungen in Amerika. Aus New York wird geschrieben: Die Immigrations-Bill ist im amerikanischen Parlament angenommen worden — mit einer so gewaltigen Majorität, wie sie bisher nie erlangen konnte. Diesen Sieg verdankt die Bill dem Krieg. Amerika fürchtet als seine Folge einen Immigrantenstrom in noch unbekannten Dimensionen. Diese Gefahr gewann der Bill neue, zahlreiche Anhänger. Seither standen mächtige Organisationen hinter diesem Gesetzentwurf. Zunächst die patriotischen Verbände. Auch Amerika hat seine „Blaublütigen", die für die Verwässerung ihres Edelblutes bangen und in der Einwanderung eine Gefahr für ihre amerikanische (sie!) Rassenreinheit erblicken. Zu dieser neuen demokratischen Errungenschaft gesellt sich in brüderlicher Eintracht das konfessionelle Motiv, große protestantische Organisationen, die gegen die Einwanderung von Katholiken und Juden sind, welche das größte Kontingent der Inimigration liefern. Amerika repräsentiert sich als ein neues Europa in zweiter verbesserter Autlage. Schülertum ist gefährlich. Es guckt dein Meister seine Schwächen mit größerer Sicherheit ab, als seine Tugenden. Und Amerika ist ein sehr gelehriger Schüler. Auch seine Arbeiter! Ihnen gebührt der größte Anteil an dieser ruhmvollen Entscheidung. Sie waren die treibende Kraft. Die sozialistische Idee der internationalen Solidarität hat sich ohne jede innere Wahrhaftigkeit und Kraft erwiesen: in Europa verwandelte sie sich in staatstreue Gesinnung, die auch die Gemeinschaft des Konferenztisches ablehnt. Die Sozialisten Amerikas weigern in echter Kameradschaftlichkeit ihren europäischen Genossen, mitleidheischenden Opfern eines Weltbrandes, die Gastfreundschaft. Die Amerikaner sind ein Kulturvolk. Sie halten verteufelt viel von Bildung. Niemand darf fürderhin ihren Boden betreten, ohne ein Examen abzulegen. Vermag er 40 Wörter, aus den amerikanischen Verfassuugsbestimrnungen entnommen, zu entziffern, dann erst erweist er sich würdig, im amerikanischen Volk Aufnahme zu finden. Die früheren Beschränkungen hatten noch einen Schein der Berechtigung. Sie waren angeblich nur unvermeidliche, hygienische Maßnahmen und sollten die Gesellschaft vor ganz mittellosen Elementen schützen. Von der neuen Bestimmung kann man nicht sagen, daß sie nur von der Rücksichtnahme auf das eigene Wohl diktiert sei. In Amerika ist noch Raum für viele Hunderttausende, wenn nur der Wandererstrom gleichmäßiger über das Land gelenkt würde. Durch nichts ist erweisbar, inwiefern der des Lesens Kundige einen besseren Bürger eines Staates abzugeben verspreche als der jeder Bildung bare Einwanderer, der gerade etwa aus Rußland nach Amerika emigriert um sich oder zumindest seinen Kindern die Erklirnmung einer höheren Lebensstufe zu ermöglichen. Diesen verschließt Amerika seine Tür! Wenn dieses neue System ausgebaut werden wird, dann werden nur noch Idealmenschen die neue Welt betreten dürfen, Menschen, so gesund wie Soldaten, weise wie Aristoteles und edel wie Sokrates. Wie sich die Zeiten wandeln können! Die dunkelsten Elemente aus dem Abschaum Europas haben die amerikanischen Staaten aufgebaut, ihre Söhne halten niemand würdig, die Luft Amerikas zu atmen, wenn er keinen Bildungsnachweis erbringen kann. Die neue Bestimmung ist so gefährlich, weil keine zwingende Notwendigkeit sie schuf. Sie ist ein Symptom, daß Amerika seiner Tradition und dem Gedanken der Freiheit untreu zu werden beginnt. Sie ist nicht aus berechtigten und gebieterischen Bedürfnissen des Landes geboren; sie bedeutet Einwanderungsfeindlichkeit als Prinzip und Selbstzweck. Nur darum konnte ein Amendement, das für Flüchtlinge vor politischen Verfolgungen diese Bestimmung außer Kraft setzen wollte, mit einer Majorität von 140 Stimmen gegen 4 (sage und schreibe vier) abgelehnt werden. Drei Präsidenten haben ihr Veto gegen die Bennetbill eingelegt. Ob Wilson auch ein zweites Mal dem Gesetzentwurf seine Unterschrift weigern wird, ist sehr fraglich. Die jüdische Presse Amerikas ist sehr pessimistisch gestimmt. Wilson wird sich schwerlich neuerdings gegen einen Gesetzentwurf stemmen wollen, der zweifellos dem Willen des amerikanischen Volkes entspricht. Ben Mose Zwi. Hilfsaktion der Wiener Israelifischen Allianz in Gaüzien und Russisch-Polen. De,r soeben von der Wiener Israelitischen Allianz anläßlich ihrer diesjährigen Generalversammlung an die Mitglieder versendete Bericht zeigt das imposante Bild einer weitausgreifenden Hilfstätigkeit für die Hunderttausende unserer durch den Krieg in Not geratenen Glaubensgenossen. Die Fürsorgeaktion der Allianz für die aus Galizien und der Bukowina nach Westösterreich geflüchteten Juden wurde auch im verflossenen Jahre durch Subventionierung einer

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