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Jüdische Korrespondenz · 1916-05-11 · 18 (11.5.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
18 (11.5.1916)
Date
1916-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. Vierteljährlich K 120. j Nachdruck mit voller Qu-lleaaBjabe gestattet | Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppet. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstrafte 55. Erscheint jeden Donnerstag , 18. Wien, M. Mai 1916. 2. Jahrgang. Zeichne! die vierte Kriegsanleihe! DiechassidischenOroßrabbiner von Bojan, Czortkow, Drohobycz, Husiatyn, Jezierna, Kopyczynce, Ottynia und Sadagora haben folgenden Aufruf erlassen: Ebenso wie wir seinerzeit unsere Brüder aufgefordert haben, sich reichlich an den Zeich- Jauf die früheren Kriegs-Anleihen zu be- , welcher Aufforderung unsere Glaubensmit Begeisterung entsprochen hatten, rufen wir auch diesmal ihnen zu: Brüeid eingedenk Euerer Pflichten gegenrisrem erhabenen und gerechten Monarchen und gegenüber der hohen Regierung, welche uns mit väterlicher Liebe und Gerechtigkeit behandeln, und beteiligt Euch nach Kräften an den Zeichnungen auf die vierte Kriegsanleihe! Insbesondere da die „Agudas Jisroel" seitens der hohen k. k. Regierung die Bewilligung erhalten hat, sich als Kriegsanleihe-Zeichnungsj verein zu konstituieren, wodurch jedem die i Möglichkeit gegeben ist, auf die Kriegsanleihe in kleinen Ratenzahlungen zu zeichnen, ist es Euere heilige Pflicht, das Euerige zum Erfolg dieser Anleihe beizutragen. Ihr werdet damit Euere Dankbarkeitspflicht gegenüber der hohen Regierung, die uns beschützt, erfüllen und wir werden gar bald ein glückliches Ende des Krieges erleben und der Ewige wird sein Volk mit einem segensreichen Frieden beglücken. Wien, 28. Nissan. 5676. Rabbiner Isak Friedmann. Bojan. . Ifatifti^r briH Fj-Hman" .Cüpnkou. Rabbiner Chaim Schapira. Drohobvcz. Rabbiner Israel Friedmami, Husiatyn. Rabbiner Lewi Isak Mannsohn, Jeziernya. Rabbiner Isak Majer Haschet, Kopyczvuce. Rabbiner Chaim Hager, Ottvnia. Rabbiner Abraham Jakob Friedmann, Sadagora Die Weslmächie als Schergen Rußlands. Wiederholt mußten wir im Laufe des jetzigen Krieges die betrübende Tatsache feststellen, daß England und Frankreich ihren Einfluß auf Rußland nicht ausüben, um des Letzteren grausame Judenpolitik zu beseitigen oder auch nur zu mildern, sondern daß sie sich im Gegenteil dazu erniedrigen, sich zu Handlangern des rücksichtslosen zarischen Regierungsantisemitismus herzugeben. Den üipfel dieses abscheulichen Verhaltens der Westmächte im Dienste ihres russischen Bundesgenossen bilden aber neuerdings ihre Maßregeln, die, ein Hohn auf die angebliche „Kulturmission" des Vierverbandes, bestimmt sind, viele Tausende von Juden zwangsweise der russischen Knute auszuliefern, die gelichteten Reihen der russischen Heere mit billigem jüdischen Kanonenfutter aufzufüllen. Von einer neutralen Persönlichkeit, die im Auftrage der Israelitischen Allianz London und Paris besuchte, wird folgendes berichtet: „Die schmerzlichste Ueberraschimg, die mir in den beiden Ententehauptstädten zuteil geworden, ist, daß die französische und englische Regierung mit der Petersburger eine Abmachung getroffen haben, kraft welcher bis zum Juni d. J. alle wehrfähigen russischen Auswanderer (wovon etwa 63 Prozent Juden sind) in ihre Heimat zurückgesandt werden müssen. Für unsere Glaubensgenossen, die Rußland und Polen als Bettler verließen, um sich im gastfreien Frankreich und England eine neue Existenz zu begründen, ist dieser Akkord der Verbündeten ein furchtbarer Schlag. Maßgebende Personen verwendeten sich in London für die Einwanderer; ihre Anstrengungen brachten aber keinen Erfolg. In England führten Rabbiner eine scharfe Polemik gegen die Regierungsorgane, besonders gegen den britischen Botschafter Sir Buehanan, um den hartherzigen Plan zu bekämpfen. Was nutzte es ihnen? Sechs Rabbiner wurden ihres Amtes enthoben, darunter befanden sich sehr geschätzte, von ihren Gemeinden verehrte Männer. Den jüdischen Zeitungen sitzt die Zensur ebenso im Nacken wie den Mitarbeitern des Labour Leader. Versammlungen wurden untersagt, Juden, die sich in Gesprächen ge^en das anglo-russische Bündnis äußern, kommen vor den Richter und büßen ihre Unvorsichtigkeit mit Gefängnis. Zurzeit könnte die russische Heeresleitung aus England allein an 80.000 diensttaugliche Klcinrussen und Polen erhalten, falls der Kontrakt in voller Ausdehnung in Kraft tritt. Von zuständiger englischer Seite wird mir jedoch mitgeteilt, daß man sich i vorerst darauf beschränken werde, die Juden russischer Nationalität von 18 bis 30 Jahren einzuziehen. Später, wahrscheinlich im September, soll die Altersgrenze bis auf die ^jährigen ausgedehnt werden. Das Bekanntwerden der Vereinbarung führte natürlich eine Auswanderung der mit Auslieferung Bedrohten nach Amerika herbei. Seit Anfang Februar erhalten die Leute keine Reisepässe mehr; wie es scheint, läßt man di«S. Jirde*n''."flic"nt mehr an Land. Von verschiedenen Seiten wurden Gerüchte verbreitet, daß dje Auswanderer „deutsche Agenten" sind. Und; unter diesem Vorwande verweigert man ihfijfn das Betretenamerikanischen Bodens. Vielrf wenden sich'nach Brasilien, suchen Beschäftiffung als tiajtdarbeiter. Zweigstellen der Israelitischen Allianz bemühen sich, den Mittellosen Verdienst zu verschaffen, aber das Elend unter den aus England geflüchteten russischen Emigranten ist sehr groß. Wie gesagt, die Londoner Regierung läßt jetzt keinen mehr hinaus. Demi es werden bereits für die Auslieferung der Unglücklichen, die Rußland aus tiefstem Herzen hassen, große Vorbereitungen getroffen. Die zum" Waffendienst Gezwungenen befürchten die denkbar schlechteste Behandlung im Zarenheer. Sie bezeichnen sich als das „billigste Kanonenfutter". Ob die englische Regierung für die zurückbleibenden Familien zu sorgen gedenkt, weiß ich nicht. Bisher verlautete darüber nichts-. Man glaubt, daß Sammellager für die Armen geschaffen werden. Was nun Frankreich anbetrifft, so stehen dort die Dinge noch viel schlimmer. Es glückte der Pariser Regierung durch Machenschaften, deren Niedrigkeit ich nicht des näheren schildern möchte, den Widerstand einiger für die russischen Emigranten plädierenden Politiker und Zeitungsleute zu besiegen. Die Listen der zur Auslieferung Bestimmten sind fix und fertig. Ohne ein Wort des Mitleids, ohne die leiseste menschliche Regung wird man einige Tausend auf den in Marseille vor Anker liegenden Transportschiffen einladen. Dafür ließ doch Rußland eine Division nach Frankreich kommen, dafür geht es jetzt mit den Westmächten bis ans Ende! Das gab Briand den Gegnern der Zwangsrekrutierung russischer Flüchtlinge zu bedenken, und alle moralischen Bedenken schwanden dahin. Leider erklärten sich auch die einflußreichsten Mitglieder der Alliance für außerstande, die harte Verordnung zu bekämpfen. Wie viele Hasser des Zarismus, der russischen Willkürherrschaft, werden die Republik verlassen müssen? Wohl 35.000 bis 40.000. Sie lebten in Frankreich als fleißige Arbeiter, die zur Aufrechterhaltung des Kleinhandels wesentlich beitrugen. Frankreich wird ihren Verlust empfindlich spüren. Da ja bekannt ist. daß der Antisemitismus in Frankreich zurzeit im Steigen begriffen ist, so billigt die Oeffentlichkeit mit einer merklichen Schadenfreude den Abtransport der Russen. Ich selbst hörte von einem Pariser Deputierten die WTorte: „Unsere Leute wunderten sich seit langer Zeit, daß die russischen Flüchtlinge ungestört ihrem Beruf nachgehen können, während wir alle unsere Männer ins Feld schicken. Die sollen in ihre Heimat." Man merkt, wie hartherzig der Franzose ist. Er will sich der entsetzlichen Leiden, die die Judenheit in Rußland erdulden mußte und noch erduldet, nicht erinnern. Seine Kriegswut unterdrückt in ihm jede humane Regung . . ." So weit der neutrale Berichtstatier. Sollten die drakonischen Auslieferungsmaßregeln der Westmächte zum Vollzug gelangen, so wird man damit zwar eine Unmenge jüdischer Blutopfer dein Moioch russischer Judenfeindschaft darbringen, an der Entscheidung, des Krieges, dem schließlichen Siege der Zentralmächte aber nicht das geringste ändern. Nur das Brandmal dieser Schergendienste für Rußland werden England und Frankreich ewig an der Stirn tragen. Der Papst und die Juden. W ir haben über den Schritt amerikanischer .luden beim Papst gemeldet, mittelst dessen dieser ersucht wurde, seinen Einfluß zugunsten ihrer Glaubensgenossen in den kriegführenden Ländern geltend zu machen. Die Antwort, welche der Kardinal oasparri im Namen des ParJ*~: „ stes auf diese Eingabe erteilt hatte, hat folgenden Wortlaut: $ Se. Heiligkeit, der Papst, hatte mit Interesse* '**"•* von dem Briefe Kenntnis genommen, welchen Sie an ihn unter dem Datum 30. Dezember 1W15 zu richten die Freundlichkeit hatten. Er ist im Namen von 3 Millionen Israeliten, Bürger der Vereinigten Staaten geschrieben und Sie haben ihn an Seine Heiligkeit adressiert, um ihm die allgemeine Behandlung zur Kenntnis zu bringen, welcher in vielen Gegenden ausgesetzt zu sein sich Ihre Glaubensgenossen beklagen. Sie bitten ihn gleichzeitig zu intervenieren, „mit der Kraft seiner moralischen und geistigen Macht, damit diese Leiden endlich einmal durch einen Akt der Menschlichkeit beendet werden, von welcher Se. Heiligkeit so tief durchdrungen ist". Se. Heiligkeit ist nicht imstande, sich betreffs der einzelnen in dem Ihrem Briefe beigelegten Memorandum enthaltenen Tatsachen zu äußern, aber, als Haupt der katholischen Kirche, welche, treu ihrer göttlichen Lehre und ihren höchst ruhmvollen Ueberlieferungen, alle Menschen für Brüder hält und treu ihrem Wahlspruch, daß die Einen die Anderen lieben sollen, hat er nicht aufgehört, für Einzelne wie für ganze Völker auf das Prinzip der Achtung der natürlichen Rechte und der Zurückweisung einer jeden Beleidigung Nachdruck zu legen. Dieses Recht soll gegenüber den Kindern Israels, wie auch gegenüber allen Menschen beachtet werden, da es nicht mit der Gerechtigkeit und der Religion vereinbar ist, jemanden bloß wegen eines konfessionell-religiösen Unterschiedes zu verfolgen. Besonders in diesem Momente, betrübt über das grausige Schauspiel des gegenwärtigen Krieges, fühlt Se. Heiligkeit in seinem väterlichen Herzen mehr denn je die Notwendigkeit für alle Menschen, dessen eingedenk zu sein, daß sie Brüder sind und daß ihr Heil in den Geboten des Evangeliums liegt. Auch wünscht er, für diesen edlen Zweck das Interesse aller zu erwecken, die besonders den heiligen Attributen ihrer Hirtenstellung gemäß, imstande sind, wirksam zu diesem wichtigen Zwecke beizutragen. - Gegenwärtig ist Se. Heiligkeit durch die Eintracht beglückt, die, nach privaten Meldungen, in den Vereinigten Staaten zwischen den Mitgliedern verschiedener Konfessionen herrscht und die so bedeutend zur friedlichen Blüte Ihres großen Landes beiträgt. Er erbittet von (iott, daß der Friede endlich erscheine jener Humanität zuliebe, deren Hüter, wie Sie richtig sagten, Se. Heiligkeit ist. — Wollen Sie, meine Herren, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten und aufrichtigsten Gefühle entgegennehmen. Kardinal P. Casparri. Die Kriegsanleihe. Wiener Krieg sanleihe-Zelchnungsvereln »Agudas Jisroel«. Die Agudas Jisroel in Wien hat mit behördlicher Bewilligung sich als Kriegsanleihe- Zeichnungsverein konstituiert, welcher seine Tätigkeit unter Leitung der Herren J. .1. Thumin, Alexander Landau und Adolf Hecht bereits aufgenommen hat. Der Zweck des Vereines ist, seinen Mitgliedern die Beteiligung an der 4. österreichischen Kriegsanleihe mit kleinen Beträgen durch gemeinschaftliche Zeichnung zu ermöglichen, Zeichnungen von Schuldverschreibungen der 4. österreichischen Kriegsanleihe für die Mitglieder zu vermitteln, für sie die Besorgung von Stücken dieser Kriegsanleihe oder von Teilrentettbüchern des k. k. Postsparkassenamtes zu übernehmen und den Erfolg der Anleihe durch

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