Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 15 (15.4.1916)
- Date
- 1916-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Preis per Nümraer 10 Heiter. Vierteljährlich K l 20. rr Qtitllenairgabe gwtattet | «■v 15. I Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppel. Wien, IS. Aprtl 1916. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. rscheint jeden Donnerstag 2. Jahrgang. FeSSACh>t5676. „Denn der Winter ist vorüber, der Regen enteilt, er ist dahin. Die Blüten sind sichtbar am. Boden,, die Zeit des Sanges ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube läßt sich hören, aai dem Lande." Diese herrlichen Worte des Hoheliedes sind es, die. uns heute so vertraulich und traut in den Ohren klingen. Erinnern wir uns der Stimmungen, von welchem wir vor Jahresfrist beherrscht wurden, fuhren wir vor unserem geistigen Auge das düstere Bild vor, das uns die vorjährige Situation darstellte, so jubelt unsere Seele, so jauchzt unser Herz, so ist unser- Gemüt voll Dankbarkeit zum allmächtigen Vater im Himmel, der diese grandiose Wandlung mit seiner großen Hand herbeigeführt hat und gleich unseren Brüdern am Schilfmeere sind wir dabei, ein Triumphlied anzustimmen. Der Winter ist vorüber und die Zeit des Sanges ist gekommen. Die schweren Wolken, die unseren Himmel bedeckten, als Millionen unserer Brüder den Kosakerrhorden ausgeliefert waren, als der neuzeitige Pharao triumphierend rufen konnte: „Ich verfolgte, erreiche sie, teile Beute, an ihnen ersatten soll meine Qier. zücken will ich mein Schwert, vertilgen soll sie meine Hand!" — diese schweren Wolken sind verscheucht. Wie ein böser Traum dünkt uns heute der Tag, an dern der Zar seinen Fuß auf dem Boden des so tapfer verteidigten und doch durch den Hunger bezwungenen Przemysl setzen konnte, danrit seinen Triumph proklamierend. Was ist seit damals geschehen! Wo stehen heute die. Kosakenborden, die damals eine Welt bemMB?Weit Mater der Strypa. den Rokltnotsümpfen, der" Düna sind sie verjagt worden. In Blut und Sumpf sind des Zaren weltherrische Pläne erstickt. „Du hauchtest mit deinem Atem, da. bedeckte sie das Meer, sie rollten wie Blei in die gewaltigen Fluten." Der Winter war vorüber, der Regen enteilte, die Zeit des Sanges war gekommen — an jenem schönen Maitage, da am Dunajec jene große Befreiungs-Oftensive begonnen hatte, die der russischen Herrlichkeit ein so jähes Ende bereitete. Seit damals hatte sich das Schicksat gewendet, dem triumphierenden Tyrannen wurde, der Sieg entrissen und die Beute wieder abgenommen. In einer ganz anderen Stimmung feiern wir heute, das schöne Pessach-Fest Wie Triumphgesang klingen in unseren Ohren all die schönen, in ihrer Einfachheit so ergreifenden Erzählungen det Magada* die uns. die. Niederlage des Feindes und den Sieg der. gerechten. Sache schildern. Auch, wir wären dafceu ein. neues Hohelied anzustimmen, das. Erwachen des Frühlings, jene herlichen Maitage zu besingen, die uns den Beginn unseres. Triumphes gebracht haben. Noch ist das, letzte Wort in dem gewaltigen WettenringeH nicht gesprochen worden. Noch versucht es der Feind, das. ihm untreu gewordene: Glück wieder an seinen Heereswagen zu spannen. Aber, der bisherige Triumph der guten HfKl gerecbteitiSaehe gibt uns die vollste ZuverjiehMaS &e ViUewirog des Sieges nicht mehr langst auf sich wird warten, lassen. Auch diejenigen unserer: Brüder, die heute noch mit den Worte».der Hagadat rufen müssen: „Heujahr sind wir Sklaven," könoen getrost die zweite feiMte des Satze» hinzufügen: „Uebers Jahr wenden wir freie Männer sein!" Die vierte österreichische Kriegsanleihe. Zum vierten Maie werden jetzt die Völker Oesterreichs aufgerufen werden, dem Vaterlande die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um den seit 20 Monaten so heldenmütig und tapfer kämpfenden Brüdern im Felde die Vollendung des Sieges zu ermöglichen. Hat bei Kriegsbeginn der glatte und exakte Aufmarsch des österreichisch-ungarischen Heereskräfte alle Welt überrascht, die dem Wahnwitze Glauben schenkte, daß das Habsburger Reich altersschwach und morsch sei. so hat die bisherige finanzielle Mobilisierung der Monarchie wiederum allen jenen eine bittere Enttäuschung bereitet, welche die finanzielle Widerstandskraft der Donaumonarchie allzu gering eingeschätzt hatten. Das angeblich arme Oesterreich-Ungarn hat bisher nicht weniger als 13 Milliarden Kronen dem Vaterlande für die Kriegsbedürfnisse zur Verfügung gestellt. Und ebenso wie es bisher trotz der 20monatigen Kriegsdauer stets gelungen ist, die Armee in vollster Kriegsstärke zu erhalten und alle Pläne der Feinde auf eine militärische Erschöpfung der Monarchie zu Sehanden zu machen, ebenso sicher ist es, daß der neueste Appell an die Finanzkraft der Bevölkerung von einem vollen Erfolg begleitet sein wird. Oesterreich-Ungarn ist weder militärisch noch finanziell besiegbar — diese Lehre, welche die bisherigen Kriegsereignisse zutage gefördert haben, wird neuerdings ihre glänzende Bestätigung finden. Die Kriegsanleihe ist die Kriegsdienstleistung der Völker im Hinterlande, die umso höher einzuschätzen ist, als sie ja nicht durch Zwangsgesetze dekretiert wird, sondern eine freiwillige Leistung darstellt, die von der Opferfreudigkeit der Bevölkerung ein glänzendes Zeugnis abgibt. Der Wetteifer, der in dieser Hinsicht seitens aller Bevölkerungskreise entfaltet wird, ist deswegen der beste Beweis für die unerschütterliche Siegeszuversicht der weitesten Schichten und Klassen aller Völker der Monarchie. Es ist dies eigentlich nur eine natürliche ETSchefeniBg*— Sted «loch che bisherigen glänzenden Erfolge unserer Waffen nur geeignet, auch den extremsten Pessimisten mit Siegeszuversicht zu erfüllen. Aber um den Eindruck nach Außen handelt es sich hauptsächlich. Die böswilligen Feinde, die sich selbst und andere mit der Einbildung trösten wollen, die Monarchie werde schließlich finanziell aufs Knie gezwungen werden, werden durch den Erfolg der Kriegsanleihe eines besseren belehrt. Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem auch die Feinde ihren Irrtum erkennen und die Konsequenzen aus dem bisherigen Kriegsverlaufe ziehen werden. Damals wird der blutige Tanz sein Ende finden und der so allgemein herbeigesehnte Weltfriede seinen Einzug feiern. Der Erfolg der Kriegsanleihe wird uns demnach dem siegreichen Frieden näher bringen. Schon dies allein müßte für jeden Bürger der Monarchie einen Ansporn bilden, das seinige zur Erreichung dieses Resultates beizutragen. Aber auch die moralische Pflicht gegenüber den Brüdern im Felde gebietet es jedem Bürgel, sein Scherflein zum glänzenden Erfolg der neuesten finanziellen Mobilisation beizutragen. Unsere heldenmütigen Krieger sollen es wissen, daß auch diejenigen, die im Hinterlande weilen, das ihrige zur Vollendung des Sieges beitragen. Jeder Bürger soll es sich zur höchsten Ehre anrechnen, seinen Anteil an dem finanziellen Siege zu haben. Die Titres der Kriegsanleihe sind ebenfalls eine Art Tapferkeitsmedaillen, je mehr man davon besitzt, desto größer der Ruhm und der Anteil am endgültigen Siege. Die Erfahrungen gelegentlich der bisherigen Kriegsanleihen machen es zwar überflüssig, diesbezüglich viel Worte zu verlieren. Der überraschende Erfolg der ersten Anleihe in jenen ernsten Tagen, da der Feind vor den Toren Krakaus und in den Karpaten stand, der glänzende Erfolg der zweiten Anleihe in dem Moment, da der Monarchie in dem verräterischen Italien ein neuer gefährlicher Feind entstand, der noch überraschendere Erfolg der dritten Anleihe im 14ten Kriegsmonate, die ihre Vorgängerinnen bei weitem übertreffen hatte — all dies bietet sicherlich die Gewähr, daß auch der vierte Appell an die finanzielle Bereitschaft der Monarchie ein glänzendes Resultat bringen ' umsomehr als es ja inzwischen gelungen ist, die Zahl der Feinde zu verringern, das königsmorderische Serbien gänzlich niederzuringen, Montenegro zur Kapitulation zu zwingen und dem verräterischen Italien durch die Okkupierung von fast ganz Albanien einen Todesstoß zu versetzen. Die militärische Lage der Monarchie ist nie glänzender gewesen als jetzt und jeder Tag bringt neue iriumphe. Wenn wir es trotzdem lur geboten erachten, auch diesmal aut die große Bedeutung der Knegsuineihe hinzuweiseil, so geschieht es in oer ueoerzeugung, daß je großer der Erfolg derselben, desto näher der endgültige Sieg, desto naher der Friede. Wer also den baldigen endgültigen Sieg herbeisenm, wer zum Naher- Komiuen des Friedens beitragen will der trage das seinige zum großen nnolge der vierten osierreictnschen Kriegsanleihe bei. Ueber die materiellen Vorteile der Anleihe wollen wir heute keine Worte verlieren. Die Lnalirungen bei den bisherigen Anleihen haben den Beweis geliefert, daß das Publikum die großen Vorteile kennt, welche eine Kapitalanlage in Kriegsanleihe bietet und daß jeder von der Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nutzlichen zu verbinden, den reichlichsten Gebrauch gemacht hat. In diesem Zusammenhange wollen wir nur noch auf die überaus günstigen Subskriptionsmöglichkeiten verweisen, die jedem die Gelegenheit bieten, auch mit bescheidenen Mitteln seinen Anteü an diesem großen Werke zu haben. Besonders günstig sind die Vorschriften über die Bildung von Kriegszeichner-Vereinen, die darnach angetan sind, auch den weitesten Volksschichten die Subskription zu ermöglichen. Ein Blick auf die Zeichner-Listen der bisherigen Kriegsanleihen genügt, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß ein spezieller Appell an unsere Glaubensgenossen, sich zahlreich an den Zeichnungen auf die vierte Kriegsanleihe zu beteiligen, die überflüssigste Sache der Welt wäre. Die österreichische Judenschaft hat während des bisherigen Kriegsverlaufes derartige Beweise ihrer Opferwilligkeit für das Vaterland geliefert, obwohl gerade ein Teil derselben durch die Kriegsereignisse am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurde, daß jede besondere Aufforderung überflüssig sei. Die österreichische Judenschaft wird auch diesmal ihre Pflicht voll und ganz erfüllen und wir werden wieder einmal die Gelegenheit haben, Wochen hindurch taglich die Zeitungen mit Stolz in die Hand zu nehr.ien und neue Beweise jüdischer Vaterlandsliebe und Aufopferung zu linden, unserem Volke zum Ruhm und allen Feinden zum Trotz. Aber gerade deswegen finden wir es für nötig, hier einige Worte an unsere Brüdern zu richten: Nächste Woche feiert Israel das herrliche Befreiungsfest, Pessach, das Fest der Erinnerung an jenes glorreichste Ereigniß in unserer Geschichte, da unsere Vorfahren durch Gottes starke Hand aus der Knechtschaft in die Freiheit gezogen wurden, ein Ereigniß, dessen Andenken alle unsere Feste gewidmet sind. Auch der gegenwärtige Krieg ist für unser schwergeprüftes Volk ein Befreiungsakt, Millionen unserer Brüder, die Jahrhunderte unter dem eisernen Drucke der Zarenherrschaft geseufzt und geschmachtet haben, erlangen endlich die Freiheit und die Erlösung von der Kosakensklaverei. Dieses Ereigniß kann nicht schöner und würdiger gefeiert werden, als mittelst einer eifrigen Propaganda für die vaterländische Kriegsanleihe. Von den Kanzeln herab sollen unsere Rabbiner ihre Gemeindemitglieder zur lebhaften Beteiligung an den Kriegsanleihe-Zeichnungen anfeuern. An dem schönen Freiheitsfeste soll jeder Jude dem Vaterlande den Tribut der Dankbarkeit für die Befreiung seiner Brüder entrichten und das seinige zum baldigen endgültigen Triumphe desselben beitragen. „Zeichnet die vierte österreichische Kriegsanleihe!"