Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 14 (6.4.1916)
- Date
- 1916-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 14. de- (iro[ätltcriucin.ratu)ii - tlicßeud gesprochen, lüe religiöse Gewissenhaftigkeit und das judische Wissen scheint allerdings auch in diesem Kreise nicht erst im Krieg — in der jüngsten Generation wesentlich gelitten zu hallen, und namentlich die babbatheiligung scheint leider vollständig m Vergessenheit geraten zu Pogromagitatioü in Petersburg. Unter diesem Titel veröffentlicht die Petersburger „Rjetsch" folgendes: Auf dem Andreew-Marktplatz in Wassiljewsky-üstrow in Petersburg hielt ein Huligan eine ältere Dame an, die ein kleines Kind auf dem Arm trug, und riet ihr „Jüdin zu. Gleichzeitig flüsterte er einer dancbcnstchuidtn chnsthchen trau etwas zu, die sofort noch einige trauen rief, die die Dame mit dem Kind umringten und zu schreien begannen: „Die Judin hat das Kind gt stöhlen, um es Uir ihr Pessach lest zu schlachten! 1 rotz der Proteste der trau wurde sie sonn t von einigen hundert Personen, meist Frauen, umzingelt und eine regelrechte Pogromhetze begann. Der danebenstehende Schutzmann wurde von der Menge auigetordert, der hau das Kind wegzunehmen und die Dame ins K'evier zu fuhren. Die mehr und mehr an wachsende Menge begleitete die trau untci Stlu i ih- und Schunpiw orten ins Poh/ci revier. hinige begannen schmutz und Schneebällen aui sie zu werten. Aul der Polizei stellte sich heraus, daß die Dame eine uhristui mit dem lussischen Namen I schistjakowa war und das Kind ihre tnkehn, die Dichter eines im l'elde stehenden Omziers. I rotzdem wollte sich die Menge noch immer nicht aullosen und horte noch lange den Pogromicdtn antisemitischer Agitatoren mit teil auf der Stratöe zu. tndhch gelang es der Polizei die verhetzte Menge zu verjagen. Eine Abfertigung. In Nummer 12 unseres Blattes haben wir den Skriblern der „Jüdischen Volksstimme" in Kopenhagen, wegen eines verleumderischen Artikels gegen Oesterreich-Ungarn auf die Finger geklopft — merkwürdigerweise hat sich die „Jüdische Zeitung" in Wien dadurch getroffen gefühlt, indem sie für die Kollegin in Kopenhagen eine Lanze bricht und unseren Redakteur persönlich in einer pöbelhaften Weise anrempelt. Wenn die „Jüdische Zeitung" die Verleumdungsarbeit der „Jüdischen Volksstimme", die wir gebührend gebrandmarkt haben, als „berechtigte Kritik" bezeichnet, so ist es ihre Sache. Will sie vielleicht für diese Arbeit auch mitverantwortlich sein? Oedruckte Worte lassen sich nicht ableugnen und es geht nicht au, sich auf die Frage des Verbotes, jüdische Briefe im eigentlichen Kriegsgebiete zu schreiben, zu beschränken, ohne der Verleumdungen zu erwähnen, daß in Oesterreich-Ungarn das Erscheinen von Zeitungen in jüdischer Sprache überhaupt verboten ist und daß das einzige Jargonblatt nur unter persönlicher Garantie höherer jüdischer Offiziere erscheinen kann etc. etc. Ueber die Anrempelungen persönlicher Natur gehen wir mit gebührender Verachtung hinweg. Wo einem die Argumente fehlen, nimmt er zum Schimpflexikon die Zuflucht. Den „Vorwurf", stets in geordneten Verhältnissen zu leben, nimmt unser Redakteur gerne auf sich. Die Skribler gewisser zionistischer Blätter können dies von sich nicht behaupten, obzwar sie sich ihre „geistige Arbeit" ganz ansehnlich bezahlen lassen, noch dazu aus Fonds, die unter dem Prädikate „heilig" gesammelt werden. Ihre Angst, die „Jüdische Korrespondenz" könnte ihnen bei den reichen Wiener Juden Konkurrenz machen, ist eine übertriebene. Diese Arbeit überlassen wir gerne den Redakteuren gewisser schwindsüchtiger, mit Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinender Blättchen, die seit dem Ableben Luzian Bruuners auf der Suche nach neuen „Würzen" sind. Sie brauchen sich auch nicht um die Zahl der Leser des „Tag" den Kopf zu zerbrechen. W äre diese wirklich so klein, da hätten sie gar keine Veranlassung, diesem Blatte so böse zu sein. Daß ihnen „Der Tag" noch immer so schwer im Magen liegt, und daß sie auch das Erscheinen der „Jüdischen Korrespondenz" so schwer zu empfinden scheinen, ist der beste Beweis für die wirkungsvolle Aufklärungsarbeit dieser Blätter. Was die „Jüdische Zeitung" unter „h o c hpatriotisch" versteht, ist etwas rätselhaft. Allgemein gilt die Ansicht, daß das Wort „patriotisch" keine Steigerungen benötigt oder verträgt. Wer aber sich „h o c hpatriotisch" gebärden will, lauft Gefahr, als „Hyperpatriot" betrachtet zu werden. Wenn die „Jüdische Zeitung" schließlich die Namen Skarbek und Qrabski erwähnt, so möge sie daran erinnert werden, daß gerade ihre Gesinnungsgenossen in Galizien es waren, die aus „heiligem Partei-Egoismus" mit dem „Slowo polskie" und seinen Vor- und Hintermännern im vielen Fragen an einem Stricke gezogen haben, während der Redakteur unseres Blattes seit jeher den schärfsten, rücksichtslosesten Kampf gegen die Allpolen und ihre iüdischwiationalen Verbündeten geführt hatte. Der Herren aus der Cirkusgasse mögen daher dieses Thema etwas vorsichtiger behandeln. — In eine weitere Polemik uns einzulassen, verbietet schon die Rücksicht auf den allgemein proklamierten Burgfrieden. Der Krieg wird ja nicht ewig dauern und wir werden hoffentlich noch Gelegenheit haben, diesen Leuten mit einigen Wahrheiten aufzuwarten. Chronik:. Auszeichnung. Die ..Bulgarische Handelszeitung in Sofia meldet: S. M. der Kaiser und König Franz Joseph 1. hat der ungarischen Staatsbürgerin Frau Sabine Grauer, der Gattin des Leiters der hiesigen Filiale der Wiener Firma M. Neumann, in Anerkennung ihrer selbstlosen hitigkeit aul dem Gebiete der oltenthchen Wohltätigkeit und der knegshilte die tlisabeth-Medaille verlienen. Frau Grauer hat aus diesem besonders ehrenden Anlasse die herzlichsten Glückwünsche von Nah und Fern erhalten. Wir schhessen uns diesem wohlverdienten syinpatischen Kundgebungen an. indem wir hier mit Genugtuung konstatieren, dab die rastlose, mit unvergleichlich großer Opierwilligkeit eingesetzte Tätigkeit der allerseits geschätzten Frau Grauer auch vieles dazu beigetragen hat. daß die stets bereitwilligen Damen der hiesigen osterreich-ungarischen Kolonie wahrend der ganzen kriegszeit jene Leistungen zustande brachten, welche nicht nur von den lokalen Behörden die vollste Anerkennung finden, sondern auch unter allen Mitbürgern die größte Bewunderung auslosten. Eine orthodoxe Organisation in Warschau. Aus Warschau wird gemeldet: Die von den hier anwesenden Chassidimrabbis im Einvernehmen mit den Rabbinern und vielen angesehenen Qemeindemitgh'edern gegründete Orthodoxe Organisation hat von der deutschen Macht ihre Bestätigung erhalten. Sie will alle religiös Gesinnten in einem Verbände vereinigen und so den ihr zustehenden Einfluß auf die polnische Judenheil gewinnen und ausüben, alle religiösen Angelegenheiten überwachen and sie als offizielle Vertretung des orthodoxen Judentums in die Hand nehmen. Die Organisation rechnet auf Hunderttausende Mitglieder, die ihr die Autorität verleihen werden, im Namen eines hervorragenden Teiles der jüdischen Bevölkerung aufzutreten. Das Statut der Organisation ist in allen Teilen vom Warschauer Oeneralgouverneur genehmigt worden. Künstliche Oelgewlnnung in einem rabbiniseben Werke. Heute, wo uns auf vielen Gebieten der Volksernährung die Kunst ersetzen muß, was die Natur versagt, dürfte es interessieren, daß den jüdischen Gelehrten vor hundert Jahren ein Verfahren zur Gewinnung von Oe! bekannt war, das sich vielleicht heute wieder verwirklichen ließe. In den Responsen des berühmten Rabbi Mose Schreiber m Preßburg, der als Chatham Sopher weltberühmt wurde, findet sich folgende Stelle: „In unserer Gegend erfand ein talentvoller Mann ein neues Mittel, um aus Kernen der Weintrauben ein wohlschmeckendes Oel zu gewinnen, das dem feinsten Olivenöl gleicht. Er entdeckte, daß die Kerne der Weintraube eine Substanz enthalten, die reich an Oelgehalt ist. seine Methode ist folgende: Die Traubenkerne werden, wenn sie aus der Kelter kommen, geputzt und von allen Hulsenresten gereinigt, alsdann getrocknet und zertnahlen. Diese gewonnene Masse wird nach Art der Kafteebohnen am Feuer gerostet und zum Schwitzen gebracht. In diesem heißen Zustande wird die Masse durch eine I^resse getrieben, bis aus ihr eine fettige Flüssigkeit kommt. Em Bedenken wegen ..Jann Nessach" hegt hier nach der Entscheidung dieser gewaltigen talmudischen Autorität nicht vor. Es durfte sich also heute, wo die Chemie und ihre Technik so gewaltig fortgeschritten ist. ein Versuch dieser Fabrikation lohnen. Daß ein neugewonnenes Oel zu Kriegszeiten eine wahre Wohltat tur das Volk wäre, braucht nicht erst gesagt zu werden. O. G. w noe bv "ISO 1 1i | Weißu. Retweine, als auch Szamorodner Tokajer | W Ijauft man am besten bei 1 M. Klein, Weingrosshandlung, Nikolsburg. J K. k. priv. österreichische Credit-Anstalt iiir Handel u. Gewerbe. Kundmachung. Die 60. ordentliche General-Versammlung der Aktionäre der k. k. prlv. Oesterreichische!! Credit-Anstalt iür Handel und Gewerbe findet Freitag den 12. Mai 1916, abends 5 Uhr im großen Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (1., Eschenbachgasse 9) statt Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1915 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1915. 4. Aenderung der §§ 3, 4, 21, 22, 29, 32, 38, 42, 59, 61, 62, 68, 69, 75, 96 und 97 der Statuten. 5. Beschlußfassung über die Wahlen in den Verwaltungsrat. 6. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1916. Die Stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, weiden hiemit eingeladen, ihre Aktien samt Coupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt spätenstens am 14. April d. J. als dem statutenmäßigen Endtermine zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Llquidatur der Anstalt (1. Bezirk, Am Hof 6) an Wochentagen von 6» bis 12 Uhr; in Bozen, Bregenz, Brünn, Feldkirch, Gablonz, Görz, Innsbruck, Karlsbad, Klagenfurt, Laibach. Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pola, Prag, Reichenberg, Teplitz, Triest, Troppau und Warnsdorf bei den Filialen der Anstalt; in Budapest bei der Ungarischen Allgemeinen Creditbank; in Berlin bei der Direktion der Diskonto-Gesellschaft oder bei der Bank für Mandel und Industrie oder bei S. Bleichröder oder bei Mendelssohn & Co.; in Breslau bei dem Schlesiscben Bankverein oder bei der Bank für Handel und Industrie, Filiale Breslau, vorm. Breslauer Disconto-Bank oder bei E. Heimami; in Dresden bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, Abteilung Dresden; in Frankfurt a. M. bei der Direktion der Disconto-Gesellschaft oder bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie; in Hamburg bei der Norddeutschen Bank in Hamburg oder bei der Filiale der Bank iür Handel und Industrie oder bei L. Behrens & Söhne oder bei M. M. Warburg & Co.; in Köln bei Sal. Oppenheim jr. St Co.; in Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt oder bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie; in München bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank oder bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie oder bei Merck, Finck & Co. Die Aktien oder Depotscheine sind arithmetisch geordnet bei der unterzeichneten Anstalt mittelst einer einfachen, bei den auswärtigen Deponierungsstellen mittelst doppelter Konsignation einzureichen. Dem Einreicher wird hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien oder Depotscheine rückgestellt werden. Je fiinfundzw-anzig Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Mehrere Besitzer von weniger als fünfundzwanzig Aktien können aus ihrer Mitte einen gemeinschaftlichen Bevollmächtigten ernennen, der an der Generalversammlung teilnehmen kann, wenn die Zahl der von ihm vertretenen Aktien wenigstens fünfundzwanzig beträgt. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen und eigenhändig zu unterschreiben. Diejenigen Herren Aktionäre, welche hiernach in den Besitz von durch Vollmacht übertragenen Stimmen gelangen, haben die an sie übertragenen Legitimationskarten (Vollmachtsurkunden) spätestens einen Tag vor der Generalversammlung der Direktion einzuhändigen. Dieselben werden demzufolge eingeladen, die eigenen und die an sie übertragenen Legitimationskarten vom 5. Mai bis inklusive 11. Mai d. J. in der Liquidatur der Anstalt während der oben erwähnten Stunden abzugeben, wogegen ihnen eine die Gesamtzahl der von ihnen zu führenden Stimmen ausweisende Legitimationskarte ausgefolgt werden wird. W i e n, am 30. März 1916. K. k. priv. Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. (Nachdruck wird nicht honoriert.) Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet — Buchdruckerei „Melantrich", Wien DC, Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünbut)