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Jüdische Korrespondenz · 1916-03-30 · 13 (30.3.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
13 (30.3.1916)
Date
1916-03-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. nr~ i ti A.A. »«j» t I A. Redaktion und Administrationi vierteljährlich k 120 Wochenblatt tur judische Interessen. wien, vm. Aiserstraße 55. NacMrück mit voder Quellenangabe gestattet. Redakteur: Jonas KrCppel. i Erscheint jeden Donnerstag Nr. 13. Wien, 30. Mära 1916. 2. Jahrgang. Das Pessachfest und die jüdischen Soldaten. In anerkennenswerter Weise hat das k. u. k. Militärkommando den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Soldaten Rechnung getragen uiid in zwei speziellen Erlässen angeordnet, daß ihfien die Möglichkeit geboten werde, während «es bevorstehenden Pessachfestes rituelle Kost zu geniessen sowie an den Festgottesdiensten teilzunehmen, üie Anordnungen der k. u. k. Militäfbehöfdeil haben in allen jüdischen Kreisen ein lebhaftes Echo erweckt und werden mit geziemendem Danke quittiert. Es wäre jedoch verfehlt, anzunehmen, daß damit für die religiösen Bedürfnisse unserer Brüder, die in den Reihen der Armee für Kaiser und Vaterland kämpfen, vollauf Genüge getan ist. Es ist vielmehr unsere Pflicht, unsererseits dafür Sorge zu tragen, daß die jüdischen Soldaten das schöne Pessachfest in wirklich festlicher Stimmung begehen können sollen, üie jüdischen Gemeinden in denjenigen Ortschaften, wo sich jüdische Soldaten betinden sowie jeder einzelne Jude, dessen Verhältnisse es ermöglichen, haben die Pflicht, sich für ihre kämpfenden Brüder in echtjüdischer Weise zu interessieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, das Fest der Befreiung in altjüdischer Weise zu feiern. Gar mancher dieser jüdischen Krieger ist seit vielen Monaten fern von Heim und Herd. Familienanschluß wenigstens für einige Tage, den Seder abzuhalten im Kreise einer jüdischen f-q^ii»»^ fj-üf-it^ ijf r Mfl^ji-Iv^n gprj*'i'J/'' . steffier GeriHÖ sein. Jene schöne altjüdische Sitte, da es jeder Jude als seine höchste Pflicht betrachtete; am Sedertische einen Gast zu haben — soll jetzt Wiederaufleben. Und welch wertvolleren Gast kann es heute geben, als einen Krieger, der das ganze Jahr hindurch in dem üienste des Vaterlandes steht und gegen dessen Feinde kämpft, die ja auch ganz speziell die Feinde des Judentums sind. Ist doch der Krieg gegen Rußland, den Hauptfeind unserer Monarchie, für jeden Juden ein ,;heili°er Krieg". Es ist demnach die Pflicht alier unserer Brüder im Hinterlande, dafür Sorge zu tragen, daß diesen Kämpfern wenigstens die paar Fest- und Feiertage so angenehm als möglich gemacht werden! Aber nicht genug damit. Auch für diejeni-! gen unserer Brüder, die hart an der Front stehen, die vielleicht durch des Krieges unerbittliche Notwendigkeit gezwungen sein könnten, das Pessachfest im Schützengraben zu verbringenauch für diese soll entsprechend gesorgt werden, um ihnen mit Liebesgaben das herrliche Fest zu vergegenwärtigen! Vor allem soll es die Aufgabe derjenigen jüdischen Gemeinden sein, die den Kriegsfronten am nächsten sind, tien jüdischen Soldaten angenehme Feiertage zu bereiten; Auch die einzelnen Juden in jenen Gebieten sollen es als ihre höchste Pflicht betrachten, die jüdischen Krieger mit allem Mögliehen zu versorgen. In einer gattz anderen Stimmung als im Vorjahre, werden wir diesmal das Pessachfest feiern. Die schweren Sorgen, die vor Jahresfrist unser Herz bedrückten, sind längst verschwunden. Die Hunderttausende unserer Brüder, die im Vorjahre unter der Knute des Zaren seufzten, sind heute freie Bürger. Auch Millionen Jüdeh Polens, Litauens und Wolhyniens, die sö lange das schwere russische Joch ertragen rrfußteh, atmen heute freier auf ünd sehen bessefeft Zeiterf entgegen. Den tapferen Kriegeffr Unserer glof-feiehen Armee haben wir dies zu verdäfikerri, all denjenigen, die mit ihrem Herzbltife diese Freiheit und Erlösüng für uns erMrrtpfteti: Alien Zehner lausende jüdischer Soläätef» habefH ihren Anteil an diesen Erfolgen. Atieh Tätigende derselben haben ihr Leben geopfert für diese höchsten Ideale dfer Menschheit, VäteflähäsHebS ünd Völkertreiheit. Einen Tg» #es Däiikbafkeftstribates; die wir ihnen stftäläen, werdet* wir entrichten, indem wir mm ähd mtm Kätherade* angenehme Feiertage Sefeiteft Wfefden. Die staatsbürgerlichen Interessen der Juden im okkupierten Gebiet Rußlands. Eine Abordnung beim Erzherzog Friedrich. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: In den letzten Tagen wurde vom Feldmarschall Erzherzog Friedrich eine Abordnung des österreichischen Zentralkomitees zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegsgebiet empfangen, die dem Erzherzog mehrere die politischen und kulturellen Interessen der Juden im Okkupationsgebiet betreffende Wünsche unterbreitete. Der Herr Artneeoberkommandant, der die Abordnung in huldvollster Weise empfing und im Verlaute der Audienz lebhaftes Interesse auch für alle Einzelheiten der einschlägigen Fragen bekundete, anerkannte in warmen Worten den Patriotismus, den die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina während des Feldzuges bewiesen hat, und unterließ auch nicht, ihrer Leiden während der russischen Okkupation in herzlicher Teilnahme zu gedenken. Der Erzherzog erklärte, daß, obgleich im Sinne der Haager Konventjon das okkupierte Gebiet auf Grund der russischen Gesetze verwaltet werde, der Grundsatz der Gleichberechtigung aller in Oesterreich-Ungarn anerkannten Religionsbekenntnisse vom Armeeoberkommando kurz nach Aktivierung der k. u. k. Militärverwaltung mit der Verordnung vom 7. Marz 1915 proklamiert worden sei und seither in volle»1 Oeltflttr^e".'Mieif«! -Set efrtgegetrtfflen anderweitigen Behauptungen der feindlichen, ia sogar der neutralen Presse von der in der Haager Landkriegordnung (Artikel 43) gebotenen Ermächtigung Gebrauch gemacht worden, im Falle unbedingter Unmöglichkeit von der Anwendung der Gesetze des Landes im okkupierten Gebiete Abstand zu nehmen. Eine solche unbedingte Unmöglichkeit habe eben die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in der Anwendung von Ausnahmsgesetzen gegen eine bestimmte Religionsgesellschaft erblickt. Die Mitglieder der Deputation, Präsident Ritter v. Gomperz und Direktor Dr. Hammerschlag, die der Mittagstafel beim Erzherzog zugezogen wurden, hatten Gelegenheit, sich den mit der Militärverwaltung Russisch- Polens befaßten Funktionären vorzustellen. Auch diese Persönlichkeiten haben den Bestrebungen des Komitees im Sinne des Rechtsschutzes, der Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung des Okkupationsgebietes die Förderung der Organe der k. u. k. Militärverwaltung zugesagt und in Aussicht gestellt, die informative Mitwirkung des Komitees nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Der Wiederaufbau Galiziens. Noch tobt der wilde Kampf, noch ringen die Armeen der kriegführenden Staaten um die Lorbeeren des endgültigen Sieges, noch versucht es der Zar, Hekatomben zu opfern, um wiederum den Sieg an die Fahnen seines Heeres zu fesseln — doch ist es kein Zweifel mehr, wer aus diesem Weltenringen als Sieger hervorgehen wird. Mag noch ein kleiner Zipfel galizischen Bodens in russischen Händen sich befinden, mögen die Zarenheere noch so oft vielfache Stürme unternehmen und neue Durchbräche versuchen — alle ihre Anstrengungen scheitern an der eisernen Wand der vaterländischen Front und Galizien ist von keiner russischen Invasion mehr bedroht. So sehr ist man in allen Kreisen davon überzeugt, daß bereits weitgehende Aktionen zum Wiederaufbau Galiziens und zur Wiederherstellung seines wirtschaftlichen Lebens unternommen werden, ohne Rücksicht auf das noch unabsehbare Ende des Krieges. Die Schaffung einer La^deszentrale für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Galiziens bei der gaüzischen Statthalterei, über welche wir in voriger Nummer ausführlich berichtet haben, bedeutet einen wichtigen Sehritt nach vorwärts in dieser Richtung und es ist zu erwarten, daß diese Wiederautrichtung nunmehr in ein rasches Tempo gelangen wird. Dieser Zentrale soll, wie gemeldet, ein Beirat zur Seite stehen, der sich ebenso wie die Zentrale, in drei Sektionen gliedern wird; von welchen eine den auf die Wiederaufrichtung von Gewerbe, Industrie und Mandel bezüglichen Angelegenheiten gewidmet sein soll. An der Arbeit dieser Sektion sind besonders die galizischen Juden sehr interessiert, welche sich vornehmlich mit Handel und Gewerbe beschäftigen. Es wäre nun wünschenswert, daß sie in dem Beirate eine entsprechende Vertretung finden. Besonders soll dies in den Beiräten geschehen, welche laut den Bestimmungen des Ürganisatiortsstatutes in den einzelnen Bezirken bestellt werdet! dürften. Bei allem Vertrauen zu den behördlichen Organen, welche an der Spitze dieser Laiideszentrale stehen werden, ist der Wunsch nach einer Vertretung der Juden im Beirate vollauf gerechtfertigt, da die Mitarbeit Derjenigen, die die Verhältnisse auf diesem Gebiete näher kennen, der Erreichung des vorgesehenen Zieles wesentliche Dienste leisten könne. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei den anderen Sektionen die interessierten Kreise entsprechend vertreten sein dürften. Dasselbe soll auch bei der dritten Sektion der Fall sein. Seine Exzellenz Statthalter General von Colard, dessen Gerechtigkeitssinn und Wohlwollen iur alle Bevolkerungskreise rühmlichst bekannt sind, durfte hoffentlich diese berechtigten V\ mische der haudel- und gewerbetreibenden jüdischen Bevfllkerurifc effi^retfwnd berücksichtigen. Die amerikanische Aktion für die jüdischen Rechte. Wir haben bereits über die grandiose Versammlung berichtet, welche am 24. Jänner in New-York zu Gunsten der jüdischen Gleichberechtigung in Rußland stattgefunden hat. Als Ergebnis der Versammlung wurde folgender Beschluß gefaßt: „Da das jüdische Volk in verschiedenen Teilen Europas durch Jahrhunderte hindurch ungerechte Beschuldigung, religiöse Verfolgung, w irtschaftliche Unterdrückung und zurzeit sogar Ausweisung zu erdulden hatte: und Da die Juden noch unter verschiedenen Regierungen politische und bürgerliche Mißstände erleiden und von der Regierung als Fremde behandelt werden, und sie selbst in jenen Ländern, wo ihnen politische und bürgerliche Rechte zugestanden wurden, einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verfolgung ausgesetzt sind; und Da der gegenwärtige europäische Krieg ihre anormale Lage ganz besonders hervorgehoben und erwiesen hat, daß sie in manchen Ländern, trotzdem sie inmitten des Konfliktes für die nationale Sache ihren vollen Anteil an bewaffneten Männern und mehr als ihren Anteil an Opfern gebracht haben, indem sie bemerkenswerte Momente an Heroismus, Hingabe und Stärke zeigten, noch zurückgesetzt und als Fremde behandelt werden, ohne daß ihnen ihre Regierung, der sie treue und loyale Untertanen sind, irgendeinen Schutz bieten würde; deswegen sei Beschlossen, daß diese Massenversammlung von amerikanischen Bürgern die Völker der Erde auffordert, die Interessen des bedrückten jüdischen Volkes aufzunehmen und diesen ihre menschliche Aufmerksamkeit zuzuwenden auf einer Völker-Konferenz, welche zusammengerufen werden soll, um die Friedensbedingungen und die Stellungnahme der internationalen Beziehungen zum jüdischen Problem festzustellen, sodaß den Juden jene Rechte zugestanden werden, die für ihre nationale, religiöse und wirtschaftliche Entwicklung wesentlich sind; und es sei ferner Besehlossen, daß wir die amerikanische Regierung auffordern werden, übereinstimmend mit ihren Traditionen als Vorkämpfer für die

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