Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 11 (16.3.1916)
- Date
- 1916-03-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JUdiscHe Korrespondenz Nt. i L Haman: „Wehe, wehe, siebenmal wehe!" Torqnemada: „Die politische und militärische Seite der Sache interessiert mich wenig. Ich war nie Politiker. Aber der Triumph der Juden verzehnfacht meine Höllenqualen. Wer nicht die Freude der jüdischen Flüchtlinge in Wien nach der Wiedereroberung Lembergs rniiangeschcii hat, der hat keine Freude im Leben gesehen. Was bedeutet dagegen der Anblick eines Auto-da-fe! Wäre ich nicht längst tot, ich müßte Selbstmord begehen ob der Schande und der Qual! Wie vitüber jede Niederlage der Zarenheere jauchzen, die Söhne Israels, wie hoch sie den Kopf getragen haben, als die Kosakenhorden aus Galizien und Polen ver- 'rieben wurden, mit welcher Schadenfreude begleiteten sie jede Niederlage unserer Freunde und Nachfolger! - Selbst in den neutralen Ländern zählen sie zu unseren Feinden; in Amerika kann Rußland keine Anleihe bekommen, weil ihre Banken die Teilnahme verweigern. Sie haben auch die Verbündeten Rußlands für sich gewonnen und selbst in London und Paris finden sich Blatter, die gegen das Zarenreich wegen seiner Judenpolitik auttreten. Wie feiern sie doch diesmal ihren I'urim! . . . . Hainau: „Genug, genug, meine Freunde! Ich crtttfint die Wucht dieser Hiobsbotschaften nicht mehr! Euere alljährlichen Besuche an Purim waren stets meine einzige Freude in diesem schrecklichen Höliendasein! Vfirt''titin an will ich aut dies Vergnügen verzichten! Meine iSeresch halte doch recht: Wer mit den Juden anbindet,' geht zugrunde, er und seine Freunde! . . ." f. TJELEGRAMME. VaVtk Die heutige Sitzung des Kriegsrates ist vertagt worden, wen sämtliche zur Teilnahme bestimmter Vertreter der Ententemächte inzwischen ihrer Stellungen enthoben, w urden. ' New-York. Die .-portugiesische Republik hat sich hieher wegen Aufnahme einer Anleihe gewendet. Um die Bedenken der jüdischen Finanzwelt gegen den neuen Verbündeten Rußlands zu zerstreuen, hat Portugal gleichzeitig verlauten lassen, das es bereit ist, nach dem Kriege das Projekt, in Angola für die Juden ein Territorium zu bestimmen, wieder aufleben zu lassen. London. Die englische Regierung überreichte in Washington eine Note, mittelst welcher die Abberufung des Botschafters Morgenthau aus Konstantinopel gefordert wird. Morgenthau betätige sich allzusehr als Beschützer der Juden und gerate damit in Gegensatz zur Entente. Kopenhagen. Zaboünsky hat sich nach Paris mit dem Ersuchen gewendet, dem Entente-Kriegsrate beigezogen zu werden. London. Hier hat sich eine Organisation gebildet, welche aus U e b e r z e u g u n g den Kriegsdienst verweigern will. Die Mitglieder erklären sich nämlich davon überzeugt, daß der Krieg für England ein aussichtsloses Unternehmen ist. Petersburg. Um die im Auslande verbreiteten Gerüchte über die schlechte Behandlung der Juden in Rußland ein für allemal zu dementieren, hat die Regierung in der Duma eine Vorlage unterbreitet, wonach es den Juden ohne jeder Beschränkung gestattet wird, für das Seelenheil der im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten Kadiseli zu sagen und für deren Hinterbliebenen zu sorgen. Der „Fliegende Holländer" und der „Ewige Jude" im Dienste der Zentralmächte. Die „Agence Havas", die „Agenzia Stefani". die „Petersburger Telegrafenagentur" und „Reuter's Bureau" veröffentlichen die folgende gemeinsame Note der Entente: Endlich ist es der Entente gelungen, das Geheimnis der Erfolge der Zentralmächte zu Land und zur See zu enthüllen. Nicht ihre U-Boote sind es, welche so große Erfolge erringen, sondern der „Fliegende Holländer" vollbringt all diese Wundertaten, nachdem es den Zeniralmäcliten mittelst ihrer bekannten Machinationen wlimvten ist. dieses Seeungetüm in ihren Dienst zu stellen. Die Erfolge zu Lande verdanken sie wiederum den Kundschafterdiensten, die der berüchtigte „Ewige Jude" ihnen leistet, welcher auf seiner ewigen Wanderung alle Bewegungen der Entente-Heere ausspioniert und sie den Deutschen und den Oesterreich- Ungarn zuträgt. Auf die Ergreifung dieser gefährlichen Verbündeten der Zcntralmiiclue wird hiemit seitens der Entente die — Krone von Montenegro als Prämie ausgeschrieben. Zur Ost- und Westjuden-Frage. Der Zar hat an die gesamte Kulturwelt einen scharfen Protest gegen das Aufwerten der „Ostjudenfrage" erlassen. Er — heißt es in diesem Proteste — kann es nicht zugeben, daß „seine liehen Juden" derart behandelt werden sollen. Für den Fall, daß sein Protest erfolglos bleiben sollte, droht der Zar. nach seinem Einmarsch in Berlin eine „Westjudenfrage" aufzuwerfen. Der zerstreute Purlschkiewltsch. Bei einer Versammlung der „echt-russischen Leute" erklärte Purischkiewitsch: An allem Unheil, von dem Rußland betroffen wurde, ist niemand anders als die Juden schuld. Wer verschuldete die Niederlage der Russen in Oalizien und Polen? — Die Juden! — Wer ist schuld an dem Munitionsmangel? — Die Juden! —Wer verursacht die Lebensmittelteuerung? — Die Juden! — Wer verbreitet Unzufriedenheit unter dem russischen Volke? — Die Juden! — Alles Unheil kommt also von den Juden! Wer aber wird uns von der penlichen Lage beireien. in die wir hineingeraten sind? — Kein anderer als — -- die . . . Juden! Der Burgfrieden der „Relcnspost". Die Wiener „Reichspost" befolgt wirklich ideell das Prinzip des „Burgfriedens". Während des Krieges nimmt sie auch jüdische Inserate an, und zwar, um dieses Prinzip so recht deutlich zu manifestieren, selbst von solchen Firmen, deren jüdische Namen sie sonst mit einem Ausrufungszeichen zu versehen pflegte. Numerus-clausus zur Ostjudenfrage. Angesichts der gewaltigen Diskussion in Wort und Schrift, welche die Ostjudenfrage hervorgerufen hat, ist der Plan aufgetaucht, diesbezüglich einen „numerusclausus" einzuführen. Der Plan, zunächst von Jedem, der zu dieser Frage das Wort ergreift, einen Nachweis über die Kenntnis der Verhältnisse zu fordern, wurde fallengelassen, da dann die Diskussion überhaupt unmöglich wäre. Ralliierung der jüdischen Parteien. (Aus der Rede eines bekannten Parteiführers.) . . . „Meine Herren! Die schwere Lage, in welcher sich die breiten jüdischen Volksmassen infolge der Kriegsereignisse befinden, macht es uns zur gebieterischen Pflicht, zeitweilig jeden Parteiunterschied in den Hintergrund zu rücken und ein gemeinsames Arbeitsprogramm aufzustellen, um unseren in Not geratenen Brüdern zu helfen. Eine derartige interparteiische Ralliierung ist bei allen Völkern wahrzunehmen. Wir müssen einmal dieses schöne Beispiel nachahmen . . . Da aber, wie bekannt, das Programm meiner Partei das allein richtige und seligmachende ist, wogegen alle anderen Parteien stets nur darauf ausgegangen sind, ihre Brüder zu verraten, so ist notwendig, daß unser Programm zur Grundlage der ganzen Arbeit dienen soll. Gerade die jetztige Zeit muß dazu dienen, unserer Partei den dominierenden Einfluß auf unser ganzes Volksleben zu sichern" Versprechen und Haken. (Aus dem Entente-Diplomatenrat.) Briand: . . . ich muß noch hinzufügen, daß auch unsere finanzielle Situation eine sehr schwierige ist. Hilfe könnten wir nur aus Amerika erwarten, aber die Amerikaner wollen uns wegen der Behandlung der Juden in Rußland keine Anleihen mehr gewähren . . . Izwolski: Mein erhabener Monarch hat doch seinen „lieben Juden" so vieles versprochen . . . Grey: Ja. versprochen! . . . Aber in der Wirklichkeit? ... Izwolski: Und Ihr. Engländer, hält alles, was Ihr verspricht?! . . . Tittoni: Jetzt wollen wir uns noch der Juden wegen zanken, als ob es uns sonst an Konfliktsstoff mangelt! . . . Ein russischer Sieg. Aus dem Berichte eines russischen Kommandanten: ..In der Umgebung von X. unternahm eine unserer Abteilungen einen energischen Angriff auf die Positionen heimloser . . . Juden. Der „Feind" wurde derart überrascht, daß er es nicht einmal wagte. Widerstand zu leisten. Wir nahmen über 30 . . . junge Mädchen gefangen, erbeuteten 64 . . . Taschenuhren, über hundert . . . Portemonnaies und noch viele andere Kriegs- „trophäen". Filipescus's Bankettrede in Petersburg. Filipescu: „Liebe Freunde! Eigentlich gibt es nichts, was Rumänien mit Rußland zu Freunden machen könnte. Im Gegenteil, Rußlands brutales Vorgehen gegen Rumänien im Jahre 1878, wo es die Rumänen für ihre Hilfe bei Plevna mit dem Raube von Beßarabien be-. lohnte, sollte die Rumänen zu ewigen Feinden Rußlands machen, -was auch bei einem großen Teile unseres Volkes der Fall ist. Nichtsdestoweniger gibt es einen Punkt, über den wir einig sind: der Judenpunkt Unser gemeinsamer Haß gegen das Judenvolk ist es, der uns in Freundschaft vereinigt, wie er seinerzeit in den biblischen Zeiten Midian und Moab vereinigte. Wäre ich ein Prophet, so möchte auch ich die Rolle des Bileam spielen . . ." Den verfluchten Juden habt ihr es zu verdanken, daß ich heute in Euerer Mitte weile. . . . (Ruf aus der Gesellschaft): Ich sagte ja immer, daß die verfluchten Juden an allem Unheil schuld sind! . . . Der Zar an seine „lieben Juden". Um sein Wohlwollen für die Juden zu dokumentieren, hat der Zar einen Ukas herausgegeben, wonach ein Teil der durch Nikolaj I. erlassenen Ausnahmsverfügungen gegen die Juden außer Kraft gesetzt wird u. z. das Verbot, einen langen Kaftan und lange Peies zu tragen sowie am Samstag das Sträutnel aufzuhaben. Ein weiterer Ukas macht große Konzessionen in Bezug auf den Ansiedlungsrayon. Von nun an dürfen Juden überall in Rußland wohnen, wo es einen Judenfriedhof gibt. Pogrom-Friedhöfe und Flüchtlingsgräber kommen nicht in Betracht. Auch ein Jubiläum. Der Minister X. empfing dieser Tage die Delegierten des hundertsten Komitees zur Aufklärung über die Ostjudenfrage, welche demselben das fünfhundertste Projekt zur Lösung dieser Frage unterbreitet hatte. Das Recht der kleinen Völker. Im englischen Parlamente wurde die Regierung darüber interpelliert, wie sich ihr Vorgehen mit dem Programme, das Recht der kleinen Völker zu schützen, vereinigen läßt; hat doch England Italien für seinen Beitritt zur Entente große Konzessionen auf Kosten Serbiens und Montenegros gemacht?! Von der Regierungsbank wurde darauf erwidert: „Gerade diese Konzessionen bestätigen die Richtigkeit dieses Programms. Die Italiener haben sich durch ihren Anschluß an die Entente als ein sehr kleines Volk gezeigt." Haman, an Nikolaj Nikolajewitseh. (Drahtloses Telegramm.) Lieber Freund, Gesinnungsgenosse und Nachfolger! Bin außerstande, Deinem Wunsche zu entsprechen, Persien den Anschluß an Entente zu empfehlen. Abgetackelte Minister und Generäle haben wenig dreinzureden — meine Situation wirst Du übrigens am besten selbst aus eigener Erfahrung überblicken können, obwohl Du noch immer nicht 50 Ellen hoch . . . emporgestiegen bist. Stoßseufzer eines Geschäftspolitikers. Die Wiener Effektenbörse hat ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Wann wird die politische Börse wieder funktionieren? Preisrätsel. Jede jüdische Frau muß am Freitag abends zwei Kerzen anzünden und dabei eine bestimmte Gebetformel sprechen. Eine geizige Frau zündete nur eine Kerze an und stellte sie vor einen Spiegel. Ist damit, wenn auch nur scheinbar, die Vorschrift erfüllt? •uauuipnr imz upiiE jaqn 'uaz -ja)i I3.uz JE.wz yy asaip jn« iqiS sa uuap :uiaN •••(•Ii Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der MertSlerrtiiClliSClieD ESCOHipte-GeSellSCltöH werden hiemit zu der am 3. April 1916, um 5 Uhr abends, im Gebäude der Gesellschaft, I., Am Hof Nr. Z, stattfindenden dreiundsechzigsten ordentlichen General-Versammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden. 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1915. Z. Bericht des Revisionsausschusses. 3. Antrag des Verwaltungsrates auf Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates. 5. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisionsausschuß. (§ 52 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienbüchern der Gesellschaft eintragen waren und an der General- Versammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktion bis längstens. 20. März 1916, 1 Uhr nachmittags, bei der Liquidatur der Niederösterreichischen Escompte-Qesellschaft zu erlegen. Die Aktien sind, arithmetisch geordnet, mittelst einer einfachen Konsignation einzureichen, und dem Einreicher wird hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener General- Versammlung die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Ein Aktionär kann sich sein Stimmrecht in der General-Versammlung entweder persönlich oder durch einen bevollmächtigten stimmberechtigten Aktionär ausüben, doch können Handelsgesellschaften durch einen ihrer Firmaführer, Minderjährige durch ihren Vormund, Frauen durch einen eigens gewählten Bevollmächtigten, Gesellschaften durch ein dazu bevollmächtigtes Mitglied, Körperschaften, Institute durch einen ihrer Vorstände vertreten werden. Für den Fall der Bevollmächtigung ist die bezügliche Vollmacht spätestens einen Tag vor der General-Versammlung der Direktion einzuhändigen. (Nachdruck wird nicht honoriert). WIEN, am 10. März 1916. HietleroslerreiciHsclie Escoipte-fiesellsiM |j '•••■•••*•••< Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Griinhut.)