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Jüdische Korrespondenz · 1916-03-09 · 10 (9.3.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
10 (9.3.1916)
Date
1916-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JtftttsctMS Korre SfMSUMdenK Nr tO. soll. I:)ieses Hroiekt fand teilweise Unterstützung: die Beschlußtas.sung wurde vertagt. In Warschau weilten gleichzeitig die deutschen Abgeordneten (iotejam. Junk und Waldstein, welche .sich jedoch in eme Diskussion über uic j KiivJi-pohusJit luigc nicht eingelassen, sonuern üloli die Verhältnisse sondiert haben. Riesenkundgebung. .1 Versammlung der jüdischen ■ Kundgebung gegen Ruuiand. Uic t .- Mail v kralt gcimlt und über t CmlaU erlangen. Uie Vers riean Jewisli Rehei Com Hilfsaussehusseucr umer würden Juden. im Lauie des Jaiires 19lo lüul MUliuueii Dollars, uüu 20 Milliunen Mark, tur die durch den Krieg notleidend gewordeneu Juden unter den amerikanischen uiauueiisgcnossen zu sammeln, seit dem Knegsbcgiuii iiai dieser Ausschuß bereits 1.500.000 Uollars aui diesem \\ ege aulgebracht, aber diese Sunime reicht natürlich nicht aus. Noch ehe eine halbe Munde jiacn Oer Lrollnung der Versammlung verstrichen war. konnten vier Spenden von je 1UU.UUU Uoliars angekündigt weiden. In hellen Scharen strömten die Anwesenden zum Podium, um dort ihre Liebesgaben niederzulegen. Aui dem tische des Redners liaulten sich Schecks m der Hohe von M bis oO.OOO Uollars. andere schriftliche Zuliluiigsversprechungeu. Bargeld und Wertsachen. Männer eilten herbei und leerten buchstäblich ihre laschen aut den lisch. Einer besali nur 1 Uollar und 5 Cents; er gab den Dollar her und behielt die o Cents, um nach Hause iahren zu können. Lin anderer, der 7 Uollars Wocheulohn hat. verpachtete sich, die Haltte davon wahrend der ganzen Uauer der Hiltscumpagrie herzugeben. Uutzende von trauen zogen ihre Ohrringe, ihre Fingerringe, alles Oeschrneide, das sie trugen, ab und übergaben es dem Ausschusse, Männer stmeten neben dem Bargelde ihre lasehenuliren und was sie sonst an Wertsachen bei sich hatten. Als die Versammlung geschlossen wurde, lagen 1'/« Millionen Uollars. 5 Millionen Mark, in Sehecks. Bargeld und Schmucksachen zur Vertugung des Ausschusses. Line über den lokalen Rahmen hinausgehende Bedeutung erhielt die Versammlung m Carnegie Hall durch eme Rede, m der bischol Ureer von der protestamschepiskopahschen Kirche in Newyork alle Christen auitorderte. sich an dem Hilfswerke tur die notleidenden Juden zu beteiligen. Auch der Leiter des Unterriehtswesens im Staate Newyork. Fmlay. der Präsident der Cornell-Universitat Ur. Schurmann, und der Kongreßabgeordnete Me.ver-London sprachen zu der Versammlung; die (leiste Wirkung erzielte Ur. Magnes mit seinen Berichten aus Rutilund über die turchtbare Lage der dortigen Juden. Langsam, m grollen Menscheiiwellen, zogen die ,-ioUtl Männer und brauen, die leserlichen loue des patriotischen Hvmntis „America anstimmend, aus dem Rie- Chronik. Gedächtnisfeier für den (minder der ..Heinistatte tur judische Kinder" Dr. Maximilian Steiner. Mittwoch, den 1. Marz 1916. uem lodestage Ur. Maximilian btemer s. tand m der Heimstatte für jüdische Kinder. XV. Herklotzgasse 21. eine Gedächtnisteier für den Mitbegründer der „Heimstätte" Ur. Maximilian Steiner statt, bei welcher Uelegenheit die Bildei der verewigten Gründer Ur. Maximilian Steiner und Gottheb Betielheim enthüllt wurden. Im Lelnsaale der Anstalt hatte sich das Kuratorium mit dem Ohrii.tnne Dr. J. Samuely. in Vertretung des Kultusvorstandes Vorsteher S. Steiner. Kultusvorsteher hin. Cirunwaid und I ran, die Familien Ur. Steiner und (iottlieh Betteilieim. brau Ida Berliner in Vertretung des Ausspeisungsveremes Xll.-XV.. sowie Uirektor Camino Baumgarlen mit den Zöglingen der Heimstatte Der Obmann Ur. samuelv begrüßte die Erschienenen und gedachte in warmen Worten der Verdienste Ur. Steiners. Insbesondere wies er am die außerordentliche Fürsorge fur die „Verlassenen Kinder hin und hob hervor, daß die hrriehtung der Heimstätte zum großen Teile seiner Initiative zu verdanken sei. Uurch die hochherzige Widmung des sei. Gründers üottlieb Bettelheim und eines zum Atidenken an den verstorbenen Prediger Ur. Mannheimer gesammelten Fondes war es möglich, gemeinsam mit dem Verein zur Errichtung und Erhaltung von Kinderhorten und dem •VixspeisuiiKSverein für die Bezirke XII.-XV. die Heinistatte zu eröffnen. Uurch die kriegerischen Ereignisse und dem damit im Zusammenhange stehende Elend und Unglück entstand in jüngster Zeit im Kuratorium der üedanke. eine Anzahl von KrieK.swaisen in die Heimstatte autzunehmen. Uurch die hochherzige Zuwendung eines anonymen Wohltaters wird es auch möglich sein. 2» solcher Kinder aufzunehmen. Eme Erweiterung der Anstalt im Hause XV. Herklotzgasse 21 ist kaum durchfuhrbar und müsse das Kuratorium nun darangehen, ein anderes geeignetes Objekt zu beschallen. Wiewohl Herr Kultusvorsteher Em. ürunwald sich bereit erklart hat. einen Platz fur die Heimstatte zu schenken, ist ja bei der letzigen Zeit an den Beginn eines Baues nicht zu denken. Das Kuratorium muß daher fur einige Jahre ein geeignetes Objekt mieten oder ankaufen, um sobald als möglich die Autnahme von Kriegswaisen durchfuhren zu können. Wenn das Kuratorium an die Ausfuhrung dieser Idee schreite, so glaubt es auch damit im Sinne desjenigen zu handeln, dessen Andenken die heutige heier geweiht ist. Der Obmann dankt Herrn Kultusvorsteher Em. Ürunwald für die hochherzige Schenkung des Baugrundes. Hierauf werden die von den Familien Steiner und Bettelheim der Heimstatte gewidmeten Bilder der verewigten Gründer enthüllt, wobei die Zöglinge das „Schiwisi und ..Ruhe, müdere W'anderer m ausgezeichneter Weise vortrugen, üer Obmann richtete noch einige Worte an die Zöglinge und ermahnte diese im Sinne derjenigen zu leben, deren Bild sie von nun ab wahrend ihres Aufenthaltes m der Heimstätte zu sehen Gelegenheit haben werden. Hr. Kultusvorsteher S. Steiner dankte dem Kuratorium namens des Kultusvorstandes lur die Bemühungen um die Heimstätte, sowie Herrn Vorsteher Grünwald für die edle Schenkung. Anschliessend land eine Besichtigung der Heimstätte statt, wobei die ausgezeichnete Führung der Anstalt und das gute Aussehen der Schützlinge konstatiert und dem Leiter der Heimstätte Uirektor Camillo Baumgarten Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde. Die Mazzos-Frage in Ungarn. Nach längeren Verhandlungen hat das ungarische Handelsministerium die zur Versorgung der judischen Gemeinden mit Mazzos notwendigen Mehlmengen zur Vertilgung gestellt und zwar getrennte Ouantitaten der orthodoxen und der neologen Kanzlei. Es werden Mazzoskarten ausgestellt, um die Erhöhung des Mehlkonsums zu verhüten. Uie Gemeinden werden entsprechend ihrer Seelenzahl versorgt. Die Verpflegung der jüdischen Soldaten mit Mazzos ertolgt. soweit dienstlich irgendwie möglich, durch die Mihtanntendantur. Eins Lamlesaktion wird eingeleitet, um die rituelle Verkostigung der indischen Krieger tur die Pessachtage zu ermöglichen. Begräbnis eines Legionsoffiziers in Lemberg. Am 24. Februar wurde m Lemberg die Leiche des vor dem Feinde geiallenen Legionsottiziers Leutnant : Blauer-Kratowicz zu Grabe getragen. Sem Begräbnis; gestaltete sich zu einer großen Kundgebung der Be- , volkerung. Leutnant Blauer. Sohn eines jüdischen Arz- J tes. meldete sich gleich beim Ausbruch des Krieges | zu den polnischen Leg.onen und stand die ganze Zeit I im Frontdienst, bis ihn in Volhvmen die teindhche Kugel I ereilte. Beim Begrabiiis tand sich das polnische und ' indische Publikum in Massen ein; es erschienen auch 1 zahlreiche Delegationen der indischen und polnischen Am Grab verrichtete der Rabbiner Ur. Outtman die hebräischen Gebete, es wurde der Psalm „El mole rachmin von einem ungarischen hcldrabbiner abgesungen, worauf der Rabbiner Guttman die Grabrede hielt. Dann wurde der Sarg von den Legionären zu dem gemeinsamen Grab der metallenen Legionäre getragen. Die hhrenkompagme gab die Salutschüsse ah. woraut die ergreifende Leichenfeier ihr Ende nahm. Der ..deutsche'" Name Cohn. Weil er Cohn heißt, wurde in einem Londoner Rekrutierungsbureaii ein m England geborener Jude, Sohn eines russischen Juden, zurückgewiesen. Der Offizier meinte. Cohn sei ein deutscher Name, uird er wolle nicht Leute deutscher Herkunft. Alle Einwendungen halfen nichts, der Offizier blieb bei seiner Meinung. Die „Ica" i kritischer Lage. Die Baron Hirsch-Stittung Ica beiludet sich, wie man aus London berichtet, in einer kritischen Lage. Infolge des Krieges hat die Verwaltung dieser großen indischen Kolomsations-Gesellschaft Schwierigkeiten mit ihren Geldern, die m Papieren festgelegt sind. Man hätte gern m Amerika einen Hilfsfonds autgebracht; mit Ausnahme von Jacob H. Schiff, der 100.ÜÜ0 Dollar gab, hat sich jedoch keiner der jüdischen Millionäre erweichen lassen. Die ludischen Volksküchen in Warschau. Am 1. Februar d. J. hat die städtische Verwaltung 13 Küchen des jüdischen Vereins „Ezro auf ihren Etat übernommen, darunter eine Küche fur die Intelligenz, sodann zwei sogenannte ..Landkuchen", eine Küche in Praga. wo täglich 1500 Mittagmahle fur Erwachsene und 100 für Kinder herausgegeben werden, eine Küche des Vereines ..Achuezer" und eine Küche bei der uhea Miedziuia 16. In allen uicscn Kuchen werden taglich über jO.OOO Mittagessen verabfolgt. Fur die Erhaltung diese/ Kuchen im Laufe des Monates Februar hat die Stadtverwaltung 38.300 Rubel bewilligt, darunter 19.800 Rubel tur unentgeltliche Bons. Uas Geld tur diese Kuchen wird von der Stadtverwaltung ausbezanlt. die Leitung bleibt in den Händen der ludischen Institutionen. Zur judischen Einwanderungslrage in Amerika. Uas ..lmmigrattons-Committee des amerikanischen Kongresses nahm nach emer laiigeren Uebatte bezuglicn des von der „Burnett-Bill geforderten ^Bildungsexamens mr Einwanderer die vom jüdischen KongreiSiinigiieü Siegel beantragte Zusatziormei an. derzutoige uie Bestimmung über das Bildtmgsexamen merit aui i-crsoneii Anwendung nnden dari. die den limmgraueberz^ugung beizubringen vermögen, daß sie sich uurch uie Einwanderung religiösen Vertolgungen entziehen, uie in speziellen Ausnahmegesetzen Degrundei smü oder aut verschiedenen Malsnanmen berutien. uie gegen sie mtoige nirer Abstammung und Religion getrotten weruen. Ute Konstituierung der Wiener ivommerziainank» Am 1. Marz hat aui Grund der am 9. Juli 1914 erteilten tUmzession die konstituierende Generalversammlung der Wiener fiominerzialbank in den Bureau* uer Oeseliscuait, l. BeztrK, Kohlmarkt 6. stattgeiunden. Uas von eingezahlte Aktienkapital, das der neuen tsana schon vor ivriegsbeginn gesichert war, una größtenteils aus muustne- und Handelspreisen stammt, betragt io Millionen Kronen. Uie neue rsank wird alle Zweige üus Bann unu W echsiergescnalts pilegeu und aucn die Finanzierung industrieller und kommerzieller Unternehmungen sowie die uebernahme und Emission von Anleihen und Aktien in den Kreis ihrer gesctiamiclien latigkeit einbeziehen. Zum Präsidenten der Bank ist der Präsident des Patentamtes Wirklicher Geheimer Rat Ur. Paul BecK rreilierr v. Mannagetta und Lerctienau designiert. Uem engeren Komitee des Verwaltungsrates gehören an die herren Kommerzialrat Heinrich Vetter. Präsident des Bundes österreichischer Industrieller, Oskar Bukowitz, öffentlicher Gesellschafter der Firma Ludwig Bukowitz und Sohne, Ur. Stegmund Schratter, Hof- und Genchtsadvokat. und Hugo thorsch, Vizegeneraikonsul der Vereinigten Staaten von Amerika m Wien; dem Verwaltungsrat gehören lerner die Herren Kommerzialrat Otto Beck, öffentlicher Gesellschafter der Firma Wilhelm Beck u. Sohne, ais Vizepräsident, Kommerzialrat Wilhelm Hirsch. Inhaber der mechanischen Weberei Hirsen u. Sohne. Uoktor Artur Kr.ser. Anton Karl Spanner, Industrieller. GeneraiKonsul Felix Stiaßny Edler v. Elzhaim. öffentlicher Gesellschafter der Firma H. Stiaßnys sonne, und kaiserlicher Rat Alois Thorsch an. — In den Autsichtsrat wurden die Herren Kommerzialrat Hugo Meinl. oitenthcher Gesellschafter der Firma A. Menüs Erben (Vorsitzender). Viktor Alder, leilhaber der ehem. Produkten- und /.undkapseltabrik Viktor Alder, August hischel. Inhaber der Firma Herzield u. Ftschel, und Ludwig Schutz, ottentlicher Gesellschatter der Firma 1. Z. Schütz, gewählt. In der konstituierenden Generalversammlung ist ein Antrag aut Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung beliuts Beschlußfassung über eine Erhöhung des Aktienkapitals von 10.OUU.000 Kronen auf lo.000.000 Kronen einstimmig angenommen worden. Uie neue Bank wird ihren Geschäftsbetrieb am 15. d. aufnehmen. Zum Uirektor der Bank wurde Herr Artur Grat, bisher Direktor-Stellvertreter der Uinonbank. bestellt. Neue Büclver. „Der Wirtschaftskrieg". Sammlung der in den knegtuhrenden Staaten vertugten Maßnahmen des wirtschaftlichen Kampfrechtes. (Zahlungs-, Handels- und Ertullungs verböte: staatliche Aufsicht. Zwangs Verwaltung und Liquidation feindlicher Unternehmungen: Aufhebung, Aenderung und Uebertragung von Rechten; Maßnahmen aut dem Gebiete des Patent-. Marken- und Musterrechtes: Außerkraftsetzung der Handelsvertrage, Ursprungszeugnisse: seerechtliche Maßnahmen.) Zusammengestellt vom Bureau der Handels- und Gewerbekaiiuner tur das Erzherzogtum Oesterreich unter der Enns. Zweite, nach dem Stande vom 31. Juli 1915 ergänzte Auflage. Wien 1915. Verlag der Niederosterreichischen Handels- und üewerbekammer. — Fur den Buchhandel bei Wilhelm Braumuller, Wien und Leipzig. ..Odezwy i rozporzadzenia z czasow okupacyi rosyjsklej Lwowa 1914-1915''. Lwow 1916. (Autrute und Verordnungen aus der Zeit der russischen Okkupation Lembergs 1914-1915.) Buchhandlung H. Altenberg. Lemberg. —- Es war eine gute Idee der ruhrigen Buchhandlung Altenberg in Lemberg, die Originale aller Aufrute und Verordnungen, die m Lemberg anläßlich der russischen Okkupation zur Ausgabe gelangten, zu sammeln und zu veröffentlichen. Eine bessere Illustration der russischen Gewaltherrschaft in der galizischen Hauptstadt durfte es wohl schwerlich geben. Unter den Verordnungen befinden sich auch einige, die auf die Juden Bezug haben, natürlich in ungunstigem Geiste. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel. — Buchdracksrei „Melaninen", Wien IX., Praatergasse 6. (Verantwortlich S. Qrünhnt).

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