Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 6 (10.2.1916)
- Date
- 1916-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische K<s»»pondenz Nr. 6. Verfügung erlassen, wonach das Erscheinen und Verbreiten von Zeitungen in jüdischer Sprache im Gouvernement Minsk verboten ist. — Anläßlich der Ernennung zweier Juden als engliche Minister bringt der „Denj" vom 14. Januar einen Vorfall in Erinnerung, der Herbert Samuel 1911 passierte. Er wollte Rußland als Tourist besuchen und war Generaldirektor für das Post- und Telegraphenwesen. Aber ohne speziellen Paß konnte er trotzdem nicht in das Land hinein. Aus diesem Anlaß entspann sich in der „ Times" eine lebhafte Polemik zwischen Samuel und dem russischen Generalkonsul Baron Heyking. (Die weiteren Ausführungen des „Denj" sind von der Zensur unterdrückt worden.) Die P. Tm Abonnonton vtardon um reohtxehlge Erneuerung Ihres Abonnements ersucht. Chronik. Die Juden in Bayern. Nach der amtlichen Statistik von Bayern gibt es dort 55.065 jüdischen Seelen (0.8% der Gesamtbevölkerung). Die meisten jüdischen Personen wohnen in Unter- und Mittelfranken, in der Pfalz und Oberbayern. Das Kriegsbrot in der Bibel. Die Bibel wird wieder modern. Für fast alle Vorgänge der Gegenwart finden wir Zitate in der Bibel. Nicht nur die Poesie des Krieges, sondern auch eine Beschreibung des Kriegsbrotes können wir in der Bibel studieren. So schildert der Prophet Ezechiel das wirtschaftliche Leben während der Belagerung Jerusalems (Kap. 4, Vers 9): „So nehme nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tue es in ein Faß und mache dir Brot daraus, dali du 390 Tage daran zu essen habest. Deine Speise, die du täglich essen sollst, sei 20 Lot schwer." (Ungefähr 320 Gramm.) Mit kleinen Änderungen könnte man diese Beschreibung als jetzige Vorschrift für die Bäcker in Deutschland gelten lassen. Auch die tägliche Zurnessung des Brotes stimmt fast ganz. Nur die Brotkarte fehlte. Ein geschichtliches Kuriosum. Die ewig neu kombinierende Weltgeschichte hat es gewollt, daß heute Deutschland und Türkei in Waffenbrüderschaft zusammen kämpfen. Da nun nach den neueren türkischen Gesetzen auch Nicht-Mohammedaner zum Heeresdienst herangezogen werden, so können wir in den Reihen der türkischen Armee auch die Ksylbasch. die Nachkommen der aus der Bibel bekannten Hettiter, finden. Ein eigenartiger Zufall: Germanen, die zusammen mit den Nachkommen der alten Hettiter kämpfen; vor Tausenden von Jahren, zur Zeit der dorischen Wanderung, war es anders! Da bereiteten die Arier den alten Hettiterreichen den Untergang und heute wollen sie deren Urenkeln zu neuem Leben verhelfen — wenn es möglich ist. Aus Rußland. In der Ministerratssitzung vom 11. Januar wurde nach dem „Russischen Reichsanzeiger" vom 14. Januar Uber die Zulassung von NichtChristen zur Rechtsanwaltschaft bestimmt, daß Mohammedaner und Karaimen unbeschränkt zuzulassen seien. Juden dagegen werden als Rechtsanwälte, Rechtsanwaltgehilfen, Privatanwälte und Anwälte bei den Handelsgerichten nur in folgendem Verhältnis zugelassen: 15 v. H. in den Bezirken der Appellhöfe Warschau, Wilna und Odessa, 10 v. H. in den Bezirken der Appellhöfe Petersburg und Kiew und 5 v. H. in den übrigen Bezirken. Als Antwort auf das Gesuch der gegenwärtig in Kiew weilenden Lemberger und anderer galizischen Geiseln und Ausgewiesenen erließ der Hauptverwalter der Südwestfront folgende Verordnung: 1. Die Juden unter den galizischen Geiseln und Ausgewiesenen werden nach Sibirien verschickt; 2. Die Christen unter den Geiseln können sich an jedem beliebigen Ort außerhalb des Kriegsgebiets niederlassen; 3. Die Christen unter den administrativ Ausgewiesenen müssen für jede Niederlassung eine besondere Genehmigung der Behörden erhalten. Die Semstwo des Gouvernements Perm ersuchte das Ministerium des Innern, den Juden, denen das Aufenthaltsreclit in den russischen Städten erteilt worden ist, auch die Niederlassung in den Fabrikgebieten außerhalb der Stadt zu erlauben. Die Semstwo erklärte, daß nur dadurch den vielen jüdischen geflüchteten Handwerkern und Arbeitern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Der Minister Chwostow lehnte das Gesuch ab. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Petersburg wandten sich an die Regierung mit der Bitte, die jüdischen Rabbiner vom Militärdienst an der Front zu befreien. Bekanntlich wurden in Rußland die christlichen Geistlichen nur als Feldprediger eingezogen. Ein jüdisches Feldrabbineramt gibt es aber vorläufig in Rußland nicht, und die jüdischen Rabbiner wurden als gemeine Soldaten verwendet. Die Gesuchunterbreiter erblicken darin einen Verstoß gegen die Ehre der jüdischen Religion. Bisher keine Entscheidung. Antike Synagogen in Galiläa. Die deutsche Orient-Gesellschaft gibt soeben den 30. Band ihrer Wissenschaftlichen Veröffentlichungen; „Antike Synagogen in Galiläa" heraus, der, mitten in der Kriegszeit zum Abschluß gebracht, eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der rund 10 Jahre zurückliegenden Synagogenexpedition nach Galiläa enthält. Von den Verfassern ist der Leiter der Expedition, Regierungsbaumeister Dr. Heinrich Kohl, nach Vollendung der Vorarbeiten für die Veröffentlichung im Herbst 1914 ins Feld gezogen und bereits am 26. September in der Nähe von Reims für sein Vaterland gefallen. Sein Reisegefährte und Mitarbeiter, der Archäologe Professor Dr. Carl Watzinger in Gießen, hat die Arbeit zu Ende geführt. Durch diese erste Unternehmung der D. O.-G. auf dem Boden Palästinas ist ein wichtiges, bisher vergessenes Gebiet antiker Architektur neu erschlossen. Die galiläischen Synagogenruinen sind die einzigen bedeutenderen erhaltenen Reste jüdischer Synagogen aus dem späteren Altertum und waren bisher nur in ungenauen Aufnahmen bekannt. In der neuen Veröffentlichung sind auf 18 Tafeln und in über 300 Abbildungen sämtliche Architekturreste nach Zeichnungen und Photographien wiedergegeben; Grundrisse und Rekonstruktionen erläutern das Bild der aus Trümmern neugewonnenen Bauten, und die Wiedergabe eines Modells der Synagoge von Teil Hum (Kapernaum) vermittelt auch dem Laien eine Vorstellung von ihrer ursprünglichen Erscheinung. In ausführlicher Darstellung wird die historische Stellung dieser so in der Geschichte der Architektur seltenen Synagoge geschildert. Von verschiedenen Seiten, aus der Prüfung der Bauglieder, der jüdischen Embleme und der heidnischen und jüdischen literarischen Ueberlieferung, ergibt sich ein einheitliches Resultat. Seit der Wende des 2. und 3. Jahrhunderts, unter dem Kaiserhaus des Septimius Severus, sind diese Bauten mit ihrem starken heidnischen Einschlag und der gegen die strenge Auffassung des jüdischen Gesetzes verstoßenden reichen figürlichen Dekoration entstanden. Es ist die Zeit, in der die Mischna gesammelt wurde, eine Blütezeit des galiläischen Judentums, zu deren Beginn die geistliche Leitung der jüdischen Gemeinden Galiläas der Patriarch Jehuda-ha-Nesi I. besaß, von dessen nahen Beziehungen zu dem jungen Kaiser Caracalla der Talmud zu berichten weiß. Von hier aus erweitert sich die Darstellung zu einem Ueberblick über die Bauform der antiken Synagoge überhaupt, die bis in die hellenistische Zeit zurückverfolgt wird, aus der wir die großartige Synagoge in Alexandria durch die im Talmud überlieferte Schilderung kennen. Ein Ausblick am Schlüsse weist auf die wichtigen Zusammenhänge hin, die den neu erschlossenen Bautypus der Synagoge mit den ersten basilikalen Kirchenbauten der Konstantinischen Zeit in Palästina verbinden; die Frage der Einwirkung der Bauform der Synagoge auf die christliche Basilika wird von der Grundlage des architektonischen Tatbestandes aus neu geprüft. Die P. T. Leser u. Freunde unseres Blattes werden höflichst ersucht, in allen öffentlichen Lokalen die Jüdische Korrespondenz zu verlangen. Neue Bücher. „Nord und Süd." Februarheft 1916, Verlag der Sehles'.schen Buchdruckerei S. Schottländer, Breslau. — Aus dem Inhalte dieses Heftes sind besonders folgende Artikel hervorzuheben: Prof. Dr. Stein: „Mitteleuropa." Josef Szterenyi: „Die Donaufrage", die Aufsätze von Plener, Friedmann, Exz. Dr. Klein und Justizrat Dr. Riesser über die Frage einer deutsch-österreichisch-ungarischen wirtschaftlichen Annäherung. Erwähnenswert sind auch die Aufsätze: Die Hoffnung Georgiens, Pioniere des Deutschtums in Transkaukasien, Englands Board-of Trade. Indien unter englischer Herrschait. Russische Geschichtslügen. Krieg und Philosophie. Deutschtum und Pharisäertum. Saloniki etc. etc. „Machschawot Palh." (Gedanken eines Flüchtlings.) Von Rabbiner Moses Leiter (hebräisch). Wien, 1916. Verlag N. Leiter, Wien, XX., Engertstr. 81. „Der organische Aufbau Europas." Von Dr. Albert Ritter (Winterstetten). Concordia, Deutsche Verlags- Anstalt, Berlin S. W. 11. Preis: 80 Pfg. Der Verfasser dieser Schrift hat bereits durch seine früheren Veröffentlichungen den Beweis geliefert, daß er einen verblüffenden politischen Scharfblick und einen bewundernswerten politischen Genius besitzt. In der neuen Schrift weist der Verfasser einem in große zusammenwirkende Organisationen gruppierten Europa seine Aufgabe für die Menschheit zu. Mitteleuropa sei das wichtigste Problem unter allen, zu dessen Lösung ein vollständiges Programm vorgelegt wird. „Conrad von Hötzendorl." Ein Lebensbild nach originalen Quellen und persönlichen Erinnerungen entworfen von Ludwig von Pastor. Mit Conrads Bildnis und Schriftprobe. Ein Teil des Reinertrags wird Zwekken der Kriegsfiirsorge gewidmet. 8° (XII. u. 104 S.) Freiburg und Wien 1916, Herdersche Verlagsbuchhandlung. Kart. M 1.40, geb. in Leinwand M 2. Eine Lebensbeschreibung Conrads von Hötzendorf, des neben Hindenburg volkstümlichsten und verdientesten unserer Heerführer im Weltkriege, fehlte bisher vollständig. Um so freudiger wird man es begrüßen, daß einer unserer berühmtesten Geschichtschreiber die Ausfüllung dieser Lücke als die Erfüllung einer vaterländischen Pflicht unternommen hat. Schon früher mit Conrad näher bekannt, konnte Ludwig von Pastor während eines Aufenthaltes im Großen Hauptquartier der österreichisch-ungarischen Armee im mündlichen Verkehr mit Conrad durchaus zuverlässiges Materia! sammeln. Er hat dies in seiner bekannten anziehenden Art zu einer kleinen, aber inhaltreichen Schrift verarbeitet. Von besonderem Interesse darin ist die Schilderung des Großen Hauptquartiers und die gedrängte Darstellung der Kriegsvorgänge, welche der Schrift eine hervorragend zeitgemäße Bedeutung verleihen. Niemann Hans, „Die Befreiung Gallzlens." Mit 9 Karten. M 1.40. 1916. E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. 68. Seinen in zahlreichen Auflagen erschienenen vortrefflichen Schriften „Hindenburgs Siege bei Tannenberg und Angerburg" und „Hindenburgs Winterschlacht in Masuren" läßt Hans Niemann jetzt eine sehr anschauliche Darstellung der „Befreiung Galiziens" folgen. Mackensens Durchbruch bei Gorlice, die Kämpfe am San und die Wiedereroberung Przemysls, die dritte Schlacht um Lemberg und seine Wiedereinnahme, sie bilden den ersten Teil des riesigen Entscheidungskampfes im Osten, dessen zweiter Abschnitt den Fall des russischen Festungsgürtels, die Eroberung Polens und Kurlands, brachte und dessen dritter Teil sich soeben im serbischen Bergland abgespielt hat. Es sind Ereignisse von so ungeheurer Tragweite und herausgeboren aus einem so gigantischen Plane, daß wir sie heute in ihrer ganzen Bedeutung und Große vielleicht kaum ermessen und würdigen können. -i .\a, Mh'iJI. \ll\.\ilfWVimxMm _ Si* nur die:. Aeuheiten-Liste\ SJchaafOBteriitiwVorlagen \ ^ntm^ßrißerate^Mbael 'smethodenetciml j"31.Jahnjanq(les Fachblattes [ j-Der Oesterc Kaufmann \AbonrnrmSiefürZfombevnVerhti\ I Kais RatAusterlitz.PraQ II f j Uterraxbtm/gulelrfolge Sat j Wedes Snserat dann.U Trwrm\mtmmm--<tvv*,& Aktuelle Krlogsbroschüron : ,Dor Weltkrieg und die Juden frage" von J. Kreppe!. Pr, is I K. Österreich-Ungarn naoh dem Friedensschlüsse" von J. Kreppet. Preis K1-20. w Zu bmzimhmn durah dlm Admlnlmtrmllan dmr „JOdlmohmn Korrmmpondmnx' i i t mowlm durch mllm Buohhmndlungmn. WIM, ¥111. Almmrmlrmmmm 7, t t i Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel. - Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Qrünhut).