Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 5 (3.2.1916)
- Date
- 1916-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3495278-3495300-3495305--0128-3520732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Judische Korrespondenz Nr. 5. landes, ohne Unterschied der Kasse und der Religion, tür das Gedeihen der Kultur und Wissenschaft zusammenarbeiteten. Die Madrider Fresse aller Schattierungen, mit Ausnahme von zwei ultra-klerikaien Zeitungen, äußerte sich über diesen Vorfall sehr sympathisch und feierte die Ernennung Dr. Vahudas als ein bedeutungsvolles historisches Ereignis in der spanischen Kulturgeschichte. Auch der bekannte spanische Politiker und Vorkämpfer der Bewegung zugunsten einer Repatriierung der Nachkommen der spanischen Juden, Dr. Angel Pulido, ließ es sich nicht nehmen, in einem ausführlichen Art.kel in der Madrider Tageszeitung „El Liberal" seiner Freude iiierüber Ausdruck zu geben, und bezeichnete ebenfalls diesen Schritt der Riegierung als von großer Tragweite für Spanien in wissenschaftlicher und politischer Hinsicht, zumal ja heute schon 25.000 marokkanische Juden unter spanischem Protektorat stehen. Zum Schlüsse : es durch sein taktvolles Auftre nes jüdischen Auftretens sowol Vorträgen als auch in seineu v ten verstanden hat, die Sytnp Meinung von den rechts bis; , daü Dr. Yahuda iter Betonung Seins sowohl in seinen öffentlichen seineu wissenschaftlichen Arbeihe Sympathien der öffentlichen hts bis zu den links stehenden für die ihm anvertraute Mission zu gewinnen. So ist es erklärlich, daß unter den eifrigen Befürwortern seiner Ernennung zum Ordinarius sich der bekannte liebraist und Jesuitenpater D. Fidel Fita und der Republikanerführer üomercindo Azcarate befinden. Madrid, Januar 1916. J. B. Streiflichter. Die „lieben Juden" des Zaren. Ein Mitarbeiter des „Outlook", der Zeitschrift Roosevelts, hat in Petersburg im Spätherbst den Minister des Aeußern, Herrn Sasonow, interviewt, der ihm die üblichen Auskünfte über die günstigen Aussichten der Entente, den unerschütterlichen Siegeswillen Rußlands, <!'.£ bevorstehende Vereinheitlichung der strategischen Operationen der Alliierten usw. erteilte. Nur zwei Stellen scheinen uns auch in Deutschland Beachtung zu verdienen. Als der amerikanische Berichterstatter den Minister fragte, wie es mit den russischen Juden stehe, ereignete sich etwas, was man nur mit den Worten des Amerikaners selber wiedergeben kann: „Herr Sasonow zögerte, der Olanz in seinen Augen erlosch, selbst im Dämmerlicht schien sein Antlitz etwas von seiner Farbe zu verlieren und seine Stimme verlor den Klang, den sie vorher getragen hatte, als er mit wenig Enthusiasmus antwortete, daß die Juden zum größten Teil loyal geblieben seien, daß Rußland ihnen nicht mißtraue, daß es ihnen schon einige Privilegien gegeben habe, wie z. B. das Recht, sich in den größeren Städten aufzuhalten und daß nach dem Kriege noch mehr gegeben werden sollte." Als dann der Berichterstatter die Ansicht äußerte, bei der in Aussicht gestellten Verteilung von Zugeständnissen und ünadenbeweisen nach dem Kriege könnte es zu einem Zusammenstoß zwischen den Interessen der Juden und denen der Polen kommen, da „. . . . rief der Minister: „Aha!", sprang von seinem Lehnstuhl aui und rieb sich begeistert die Hände. „Sie wissen also, daß die Polen Feinde der Juden sind. Sie haben die jüdische Drohung noch besser erkannt ihm unterbreitete Bitte, daß Prinz Kyrill, der zweite Sohn des Königs, das bulgarische Ehrenprotektorat über eine auf vollkommen paritätischer Grundlage in die Wege geleitete deutsch-bulgarische Vereinsorganisation übernehme, für deren deutsches Ehrenprotektorat die grundsätzliche Bereitschaft einer deutschen Fürstlichkeit gewonnen erscheint. Ministerpräsident Radoslawow hat sein Einverständnis zur Annahme des bulgarischen Ehrenpräsidiums erklärt. Auch der bulgarische Thronfolger, Kronprinz Boris, empfing den Generalkonsul in längerer Audienz. Der deutsche Kaiser hat anläßlich seiner Anwesenheit in Nisch außer anderen bulgarischen Würdenträgern auch den Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt und Chef der Preßabteilung Herbst durch Verleihung eines hohen preußischen Ordens ausgezeichnet. Herbst ist eine in bulgarisch-jüdischen Kreisen hoch geschätzte Persönlichkeit. Massenverhaftungen von Juden in Moskau, Aus Stockholm wird dem „Berliner Tageblatt" gemeldet: Eine verstärkte Polizeiabteilung umzingelte die Moskauer Warenbörse und verhaftete darauf alle semitisch aussehenden Geschäftsleute. Es entstand eine derartige Panik, daß die Börse sofort geschlossen wurde, zumal das Börsenkomitee ganz unvorbereitet war. Kurz darauf drang die Polizei in alle Hotels und Pnvatwohnungen, besonders des chinesischen Viertels, wo man Juden vermutete. Man verhaftete ungefähr tausend Juden. Ein größerer leil davon wurde bald freigelassen, wahrend ungefähr 2UÜ nach vierundzwanzigstündiger Hau ausgewiesen wurden. Die bei der bereits gemeldeten Petersburger Massenverhaftung Arretierten werden nun bald vor das Gericht kommen. Man ist allgemein gespannt auf den Prozeß, da alle wegen Landesverrates und Zugehörigkeit zur terroristischen Partei angeklagt sind. CrironiR. Die Woche. Die Juden in Bulgarien. Aus Sofia wird geschrieben: Anläßlich eines hier zugunsten armer Familien bulgarischer Soldaten veranstalteten Wohltätigkeits-Basars spendete Frau Leontine Adler, Komitee-Mitglied des Deutsch-Israelitischen Frauenvereines, dem bulgarischen Frauenvereine „Majka" ein mit deren Handschrift in hebräischen Buchstaben — 50 Kapitel Psalmen enthaltend — geschriebenes Bild, welches das Portrait Sr. Majestät des Zaren Ferdinand 1. von Bulgarien darstellt, eine Fahne mit der Inschrift „Geeinigtes Vaterland" entfaltend. Ihre Majestät Königin Eleonore, welche bei der Eröffnung dieses Wohltätigkeits-Basars diese Handarbeit besichtigte, hat sich hierüber sehr lobend ausgesprochen und drückte der Frau Leontine Adler -— welche bei der Vorstellung den vorgeschriebenen Segensspruch „Schecholak m'kwodo etc." laut hersagte — ihren Dank aus. Die Königin geruhte auch, die bei der Feierlichkeit anwesenden Prinzessinnen auf die kunstvolle Arbeit aufmerksam zu machen und äußerte sich schließlich: „Ich werde eigens den Basar nochmals besuchen, um dieses herrliche Bild mit einem Vergrößerungsglase näher anzusehen." Der bulgarische Konsul in Berlin. Kommerzienrat Mandelbaum, wurde von König Ferdinand in Privataudienz empfangen und in Anerkennung seiner Verdienste um die bulgarische Sache vom König zu Generalkonsul ernannt. Gleichzeitig genehmigte der König die Das Budget der Wiener Kultusgemeinde. In der am 25. Jänner unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes gelangte das Budget der Kultusgemeinde pro 1916 nach einem Reterate des zweiten Vizepräsidenten Dr. Leopold Kohn zur endgültigen Beschlußfassung. Prälimmiert wurden Einnahmen im Betrage von K 3,508.516.28 und Ausgaben im Betrage von K 3,913.858.49, so, daß ein Defizit von K 405.342.21 resultiert. Kaiser Wilhelm und galizischer Rabbiner. Der in Budapest weilende Oberrabbiner Leiser Mischel aus Turka am Stryj hat am 27. Jänner an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm gerichtet: „Anläßlich der glücklichen Wiederkehr des 57. Wiegenfestes erlaube ich mir Euerer Maiestat, dem sieggewohnten und ruhmgekrönten Herrscher, dem machtigen und gewaltigen Verbündeten unseres glorreichen Kaiserhauses im eigenen Namen und im Namen der zahlreichen jüdischen Flüchtlinge in Budapest aus besonderer und unbegrenzter Ehrfurcht die tiefgefühlten Oiückwunsche zu übermitteln. Wolle die überirdische Vorsehung Euerer Maiestat Tage und Jahre mehren und unsere taglichen Oebete und Bitten in Erfüllung bringen auf daß die zahlreichen Feinde und Hasser durch die stahlharte Macht der schneidigen Armeen überwältigt um Frieden zu bitten gezwungen werden." Hierauf erhielt Herr Oberrabbiner Mischel folgende Antwort: Erhaltenen Auftrage gemäß beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren den allerhöchsten und herzlichsten Dank Semer Majestät des deutschen Kaisers für ihm dargebrachten freundlichen Glückwünschen zu übermitteln. Deutscher Generalkonsul Fürstenberg. Vom Schicksal der Brlsfcer Gemeinde. Warschauer Zeitungen bringen herzerschütternde Aufrufe zu Gunsten der „vertriebenen Brisker". Die althistorische Judengemeinde in Brisk ist gänzlich zerstört. Die 60.000 Juden der Stadt sind nach allen Richtungen der Windrose zerstreut. In Warschau und Umgegend befindet sich deren eine große Anzahl, darunter hervorragende Thoragelehrte, alle in bitterster Not. Ein eigens dazu gebildetes Komitee sammelt Geld, Kleider und Naturalien für die Brisker Flüchtlinge. Ebenso erschreckend wie in Brisk liegen die Verhältnisse in Nowogrudok. Palästina als Heerstraße. Lieber dieses Thema sprach in Berlin Professor D. Dr. Q. Dalman, der Leiter des Deutsch-evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft in Jerusalem. Schon im Altertum war Palästina zur Heerstraße der Großmächte geworden. Mesopotamien und Aegypten stritten um dieses Land, das wegen seiner Häfen außerordentlich wichtig war. Vor allem ist die Küstenstraße Paaußerordentlich wichtiger Weg für Heeresinassen. Zahlreiche Kriege haben sich um den Besitz dieser Heerstraße abgespielt und die verschiedenen Inschriften, die davon erzählen, nennen diese Kriege heilige Kriege, denn hinter den Völkern stritten Religionen. Der Vortragende machte darauf aufmerksam, daß das wasseriose Land Palästina sowohl von Mesopotamein als von Aegypten trennt. Will man von Aegypten nach Palästina gelangen, so ist die Wüste nicht zu umgehen. Besser als dieser östliche Weg ist die Küstenstraße, die westliche Straße. Die Bedeutung von Sidon, Tyrus, der Züge Sanheribs werden ins rechte L cht gerückt. Die heutige Heeresstraße wird zum großen Teil durch den neuen Schienenweg abgelöst, der in Zukunft wohl die Verbindung zwischen Konstantinopel und Jerusalem, vielleicht noch weiter schaffen wird. Dann wird es sich auch zeigen, wie abendländische und islamische Kulturen sxh gegenseitig befruchten können. Stipendien. Der Vorstand der Israelitischen Kultus in Wien schreibt folgende Stipendien aus: Joset und Cacihe Adler-Stittung für Wohnungsmietebeiträge. K 240, in Beträgen von K 40 bis 60. Albert Baum sehe St.ttung iür Handwerker. 12 Plätze zu je K 20U. Milde Stittung des Herrn Cohen da Silva für Handwerker. Em Platz von K 800. Cttel Uoldschmidt Fromme Stittung iür Handwerker. 2 Plätze von je K 200. Klara Krasnopoisky Gebet- und Wohltätigkeits- Stiftung. Platze unbestimmt, zusammen K 108. Sigmund und Louise Mandl-btiltung für Kurbeiträge. K 2100, in Beitrügen von je K 200—300. Lotti Reich geb. Schonbeck-Widmung für kranke Frauen. Zwei Plätze von zusammen K 90. Bertha Tschiassny geb. Lhihch-Stittung. Drei Plätze zusammen K 388. Nanette Edle von \\ ertheimstem sehe Ausstattungs- Stiitung. Ein Platz von K 240. ignaz und Rosalia Wolf Kranken-Unterstützungs- Stiftung. Plätze unbestimmt, zusammen K 200, jedoch nicht unter K 50. Letzter lag der Einrechungsfnst: 29. Februar 1916. Zur Bewerbung sind Uesuchsbogen zu verwenden, weiche in der Lmreichstelle, (1. Seitenstettengasse 4, 11. Stock) unentgeltlich zu haben sind; dieselben enthalten auch nähere für die tinschreiter wichtige Bestimmungen. Neue Bücher. „Unsere Offiziere." „Unsere Soldaten." Episoden aus den Kämpfen der österreichisch-ungarischen Armee im Weltkrieg 1914/15. Unter der Leitung des G. d. 1. Emil v. Womovich, Direktor des k. u. k. Kriegs-Arclnvs. Herausgegeben und redigiert von Obstlt. Alois Veltze, Abteilungsvorstand im k. u. k. Kriegsarchiv. Unter der Mitarbeit von Rudolf Hans Bartsch, Franz Karl üinzkev, Viktor Hueber und btetan Zweig. Buchschmuck von H. Printz. Wien 1915. Verlag der Manz'- schen k. u. k. Hot-Verlagsbuchhandlung. „Helden des Roten Kreuzes." Aus den Akten des k. u. k. General-Inspektorates der freiwilligen Sanitätspflege. Herausgegeben von 0. d. 1. Emil v. Woinovich und Obstlt. Alois Veltze. Mit Beitragen von Fritz Antonius, Franz Karl üinzkev, Heinrich von Kralik, Hans Muller, Leopold Schonthal, btetan Zweig u. a. Wien 1915, Verlag der Manz'schen k. u. k. Hof-Verlagsbuchhandlung.. Ehrenbucher unserer Armee sind die obigen drei Schriften. Sie erzählen von Heldentaten unserer Offiziere, unserer Soldaten sowie denenigen des Roten Kreuzes, welche künftigen Geschlechtern als Vorbilder von Tapferkeit und Aufopferung dienen werden. Zahlreiche Illustrationen ergänzen die überaus anziehend geschriebenen Schilderungen. „Die Entstehungsursache der jüdischen Dialekte." Von Matthias Mieses, Wien 1915, R. Löwit Verlag. Preis 5 K. — Ein höchst anregend geschriebenes, reiches Material enthaltendes Buch, das besonders jetzt, da die Jargonfrage so viel Staub aufwirbelt, höchst aktuell ist. Rede des Oberrabbiners Dr. Baruch Margulies gehalten anläßlich der Trauerandacht für die im Kriege gefallenen Soldaten in der Hauptsynagoge zu Drohobycz, am 21. November 1915. Drohobycz, Selbstverlag. „Das Volk des Ghetto." Unter Mitwirkung von H. Blumenthal und J. E. Poritzky, herausgegeben von Dr. Artur Landsberger. 1916, verlegt bei Georg Müller, München. — Eine Auswahl jüdischer Novellen aus der Weltliteratur aller Sprachen enthält dieses Buch, darunter eine Anzahl wirklich hervorragender Arbeiten. Zu erwähnen sind die Namen Kompert, Mosenthal, Maxim Gorkij, Alexander Swietochowski, S. Kohn, Nathan Samuely, Glückel von Hammeln, Dr. Eliaschow, J. Niemirower, Semjon Juschkewitsch u. a. Es ist ein wirklich lesenswertes Buch. „Flugschriften für Oesterreich-Ungarns Erwachen." Heft 6/7: Josef Szterenyi, Wirklicher Geheimer Rat, kgl. ung. Staatssekretär a. D., Reichstagabgeordneter in Budapest: „Wirtschaftliche Verbindung mit Deutschland." Herausgeber Robert Strache, Warnsdorf. Literarische Leitung: Ferdinand Gruner. Trautenau. Verlegt bei Ed. Strache, Verlagsbuchhandlung, Warnsdorf in Böhmen. Ladenpreis eines Heftes 1 Krone, des Doppelheftes 2 Kronen. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel. - Buchdruckerei „Meiantrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. GrSiiirat}.