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Jüdische Korrespondenz · 1915-12-02 · 16 (2.12.1915) · page 4

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Seite 4 JUdlsciie Korrespondenz Nr. 16. Lemberg zur Rückkehr für die Flüchtlinge freigegeben. Die Polizeidirektion Wien hat bezüglich der Freigabe weiterer Bezirke Qaliziens für die Rückkehr der Flüchtlinge drei Kundmachungen erlassen. Sie bestimmen: Außer den im Aufruf vom 20. Juli, 14. August, 28. September, 27. Oktober 1915 und im Aufruf B. von heute für die Rückkehr der Flüchtlinge freigegebenen Bezirken Qaliziens werden noch folgende in das „weitere" Kriegsgebiet fallende Bezirke freigegeben: Jaslo, Cieszanow, Jaworow, Rudki, Sambor, Drohobycz und Skole. Ferner: Przemyslany, Bohorodczany, mit Ausnahme der Gemeinde Solotwina, Bobrka, Stryj, Kalusz und die Stadt Lemberg. Im dritten Aufruf der Wiener Polizeidirektion heißt es: Dermalen sind folgende Bezirke Qaliziens für die Rückkehr der Flüchtlinge freigegeben: 1. Biala, Oswiecim, Chrzanow, Zywiec, Nowy Targ, Wadowice, Bochnia, Myslenice, Limanowa, Nowy Sacz, Brzesko, Dabrowa, Mielec, Kolbuszowa, Pilzno, Ropczyce, Grybow, Strzyzow, Krosno, Stary Sambor. 2. Lancut, Nisko, Tarnobrzeg. 3. Tarnow, Rzeszow, Brzezow, Sanok, Dobromil, Przeworsk, Jaroslau und Qorlice. mit Ausnahme der Stadt Qorlice und mit Ausnahme der Gemeinden Strozowka, Luzna, Nieznajowa und Pszanka. 4, Die Städte Krakau und Podgorze sowie die politischen Bezirke Krakau, Podgorze und Wieliczka. 5. Jaslo, Cieszanow, Jaworow, Rudki, Sambor, Drohobycz und Skole (weiteres Kriegsgebiet). 6. Przemyslany, Bohorodczany, mit Ausnahme der Gemeinden Solotwina» Bobrka, Stryj, Kalusz und die Stadt Lemberg. Die Kundmachungen enthalten die bereits bekanntgegebenen Bestimmungen für die Rückkehr der Flüchtlinge. Chronik. Dle jüd (sehen Träger des Nobelpreises. Der Privatdozent der Wiener Universität, Dr. Robert Barany, der gegenwärtig in Transkaspien kriegs- I gefangen ist, hat den Nobel-Preis für Medizin erhalten. Dr. Barany ist der sechste Jude, dem diese hohe Auszeichnung verliehen wurde. Die anderen fünf sind: Albert Michelson in Chicago, Qabriel Lippmann in Paris, Paul Ehrlich in Frankfurt, sowie die Träger des Friedenspreises Fried und Asser. Die schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Nobelpreis der Chemie für 1915 dem Geh. Rat Professor Dr. R. Willstätter (Berlin-Dahlem) für seine Untersuchungen der Farbstoffe im Pflanzenreich, in erster Reihe der Chlorophylle und Anthocyane, zugeteilt. Den Nobelpreis für Medizin an Robert Barany, den Nobelpreis für Chemie an Richard Willstätter — im Kriegsjahre 2 große Ehrenpreise für wissenschaftliche Leistungen an jüdische Gelehrte: das spricht auch ein Wort mit bei der Beurteilung der inneren Kräfte eines Volkes in schwerer Zeit. Wir dürfen uns als Juden der hohen Ehrung freuen, um so mehr, als in beiden Fällen die Auszeichnung jüngeren, hochstrebenden Forschern verliehen ist, von denen noch bedeutende Leistungen zu erwarten sind. Jüdische Flüchtlinge in Rußland. Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt aus Dünaburg die Benachrichtigung, daß 25.000 jüdische Flüchtlinge aus dieser Stadt auf dem Wege nach Moskau seien. Das Verbleiben in Moskau wird ihnen nicht gestattet werden, sondern sie werden in die weiter östlich liegenden Gouvernements abgeschoben. Jüdischer Kongreß. Einflußreiche Warschauer Juden bemühen sich bei der deutschen Verwaltung um die Erlaubnis, eine jüdische Tagung in Warschau abhalten zu dürfen, um auf derselben durch Vertreter aus allen Teilen Polens über Schul- und philantropische Fragen zu verhandeln. — Die Warschauer Zionisten wandten sich an die deutschen Behörden mit der Bitte, die zionistischen Organisationen im Generalgouvernement Warschau anzuerkennen. Seelenfeier für die gefallenen Heiden. Auf der Durchbruchstelle der Mai-Offensive, dem Tausende tapfrer Krieger bergenden Schlachtfelde zu Gorlice fand am 1. November eine militärische Allerseelenfeier statt, bei welcher anwesend waren: der Chef des Kriegspressequartiers General v. Hoen, als Vertreter des Erzherzogs Friedrieh, ferner Exellenz FMLt. Brandner von Wolfszahn, Krakauer Militärkommandant, Minister a. D. Dlugosz, Oberstleutnant Hanke als Vertreter des großen Deutschen Generalstabes, mehrere Generale, eine große Anzahl von Stabs- und übrigen Offizieren. Laut Militärkorrimäridobefehl, hatten nach der Messe und Feldpredigt der katholische Feldsuperioratsleiter, der evangelische Feldkurat, der Fe.ldrabbin e r und der Feldimam als Vertreter ihrer Bekentnisse vor dem Altarpavillon ein Gebet für die Verstorbenen zu sprechen. Feldrabbiner Dr. Sicher sprach ein ergreifendes Gebet. Nach dem religiösen Teile der Feier hielten die Vertreter des Armeeoberkommandos, Militärkommandos, deutschen Generalstabes Ansprachen und legten ihre sowie des Kriegs- und Landwehrministeriums Kränze nieder. Die Hygiene in Jaffa. Die bekannte medizin. Zeitschrift „Sehie-Medjmouassi", herausgeben vom kais. türkischen Gesundheitsamt, bringt in ihrer letzten Nummer einen Artikel des Bakteriologen Dr. Osman Cherefeiddine Bey über den allgemeinen Gesundheitszustand in Jaffa. Der Verfasser spricht sxh über die hygienischen Verhältnisse des jüdischen Viertels „Tel-Awiw" sehr lobend aus. Er schreibt: „Dieses Viertel gleicht den kleinen Villenkolonien der Umgebung von Berlin oder Paris. Die Straßen s.nd breit und sauber; die Häuser aus Steinen gebaut, vor jeder Wohnung ein kleines blumengeschmücktes Gärtchen. Alle Häuser werden mit sehr gutem, bakteriologisch völlig einwandfreiem Wasser versorgt. Mit einem Wort, diese Stadt kann als Muster gelten, sie verdient uneingeschränktes Lob in sanitärer Hinsicht." Oberrabbiner Knk in St Gallen. Seit einiger Zeit weilt Jierr Oberrabbiner A. I. Kuk aus Jaffa, einer der bedeutendsten Rabbiner und tiefgründigsten Philosophen des heutigen orthodoxen Judentums, in St. Gallen (Schweiz), da durch den Kriegsausbruch kurz vor dem geplanten, großen Agudas- Isroel-Kongreß, zu dem er einberufen war, die Heimreise unmöglich wurde. Die große orthodoxe Londoner Gemeinde Machsikei Hadas hat nun einen ehrenvollen Ruf als Rabbiner an ihn ergehen lassen, dem er auch, aber nur für die Kriegsdauer, Folge leisten wird. Getreu seinem hohen Ideale gedenkt Herr Oberrabbiner Kuk nach dem Kriege wiederum sein Amt im heiligen Land zu Ubernehmen. Zionismus und Liebe. In der letzten SöhntagShummer der „N. F. Presse" erschien folgendes Inserat, das jeden Kommentar überflüssig macht: Elegante junge Zionistin wUasctatGedara«nanst»nschmit eeistvolltm, der erst» Gesellschaft snxebftrigem Zlonfsttn. Unter Chiffre - — — — — (Eine volle Million Kronen) im Glücksfalle zu gewinnen! Aus dem unserer heutigen Auflage beiliegenden Nummern-Verzeichnis für 'die nächste Klassenlotterie beliebe man die Nummern zu wählen und mittels der dem Verzeichnis anhängenden Postkarte zu bestellen. Sie erhalten alsdann die gewünschten Lose mit Erlagschein und amtlichem Spielplan postwendent zugesandt durch die Geschäftstelle der K. k. Klassenlotterie Brüder Beermann, Wien, I., Rotenturmstr. 13. Neue Bücher. Cduard Fuchs, Der Weltkrieg in der Karikatur. Mit etwa 700 Textbildern und rund 100, vielfach doppelseitigen, zum Teil farbigen Beilagen. In 30 Lieferungen zu 1 Mark. Lieferung 1. Verlag von Albert Langen in München. — Die Karikatur ist der konzentrierte geistige Ausdruck der Tagesleidenschaften, des Wünschens und Woilens des Masse, und damit des öffentlichen Gewissens. Je erregter eine Zeit ist, desto mehr wird die Karikatur von ihr befruchtet. Und darum ist eins klar: die Geschichte des Weltkrieges 1914/15 in der Karikatur, und zwar in der Karikatur aller Länder, der kriegführenden wie der neutralen, mußte geschrieben werden. Und man darf es freudigst begrüßen, daß sich dieser großen Aufgabe kein anderer unterzogen hat als Eduard Fuchs, der berühmte deutsche Geschichtsschreiber der Karikatur, der, wie wohl kein zweiter, alle dazu nötigen Eigenschaften und Kenntnisse besitzt. Fuchs entwirft nach einer allgemeinen Einleitung zunächst einen Abriß der Kriegsgeschichte im Lichte der Karikatur von der Mitte des XV. Jahrhunderts an, was unbedingt nötig ist, da der jetzige Weltkrieg ja kein einzelner Krieg ist, sondern nur aus dem Zusamenhang aller der früheren Kämpfe um die Weltmacht verstanden werden kann. Weiterhin und am ausführlichsten will er dann unseren heutigen Krieg behandeln und seine Erörterungen darüber mit einer großen Anzahl der besten Krigskarikaturen aus aller Herren Ländern belegen. Es kann wohl schon nach der uns vorliegenden ersten Lieferung, die die bekannt glänzende Ausstattung aulweist, die der Verlag von Albert Langen noch sämtlichen Werken von Fuchs zuteil werden ließ, kein Zweifel darüber bestehen, daß dieses Werk eines der wichtigsten der gesamten reichen Kriegsliteratur darstellen wird, welches darum in keiner Bibliothek wird fehlen dürfen. „Rußland", von D. Trietsch, Verlag D& Bäsch & Comp., Berlin-Wilmersdorf. 1. Heft der Folge: „Weltgeschichtliche Umschau, Gebiets-, Volksnnd Wirtschaftentwickelung der großen Völker der Erde". „Die Antisemiten". (Wirtschaftliche Vereinigung) dargestellt von H. Maier. Verlag Buchhandlung Nationalverein, München 1911. „Den Ostjuden ihr Recht!" von Dr. Nathan Birnbaum. Verlag R. Löwit, Wien 1915. — Höchst aktuell! „Der Weltkrieg im Lichte des Judentums" von Dr. J. Wohlgemuth. Berlin, Verlag des Jeschurun. „Jüdisches Archiv". Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv. Lieferung 2—3, Verlag R. Löwit, Wien, August 1915. Diese Lieferung bringt interessante Beitrage zur Lage der Juden tu Oesterreich, Rußland, Polen und Galizien, Amerika etc., außerdem ein Verzeichnis der ausgezeichneten jüdischen Mannschaften und Offiziere der k. u. k. Armee sowie der gefallenen jüdischen Offiziere. Neue wichtige Mitteilungen über die Einzelheiten der Russenherrschaft in verschiedenen Ortschaften Galiziens. „Nord und Süd", eine deutsche Monatsschrift, herausgeben von Ludwig Stein. November- (Sonder-) heft 1915. Aus dem Inhalte: „Nach dem großen Kriege. Handelspolitische Betrachtungen". Von Dr. Richard Reisch, Direktor der k. k. priv. allg. österr. Boden-Kreditanstalt. „Antwort an Herrn Luigi Luzatti" von Graf Julius Andrassy. „Die Bulgaren" von Otto Hoberg. „Ungarns Verhältnis zu Oesterreich und zu Deutschland" von Geheimrat Josef Szterenyi u. v. a. Den vielfachen Wünschen nach Aufschluß über die Aufenthaltsorte jener unserer Truppen, die das Unglück hatten, in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten, dienen am besten O. Freytags Karten der Intermerungsorte und Durchzugsstationen der Kriegsgefangenen im Europäischen und Asiatischen Rußland. Zwei Karten im Maßstabe 1:7,500.000, bezw. 1:10,000.000, mit einem Verzeichnis der Orte, in denen sich Kriegsgefangene im ständigen Aufenthalt oder zeitweilig (Durchzugsstationen) befinden. Preis K 1.50, mit Postzusendung K 1.60. Herausgegeben unter Mitwirkung der Zensur-Abteilung des Gemeinsamen Zentral-Nachweisbureaus (Auskunftsteile für Kriegsgefangene). Ein Teil des Erträgnisses fließt Zwecken des Roten Kreuzes für Österreich und Ungarn zu. Sehr übersichtlich gearbeitete Karten der beiden großen Gebiete mit reichhaltiger Ortsangabe. Das Ortsverzeichnis erleichtert durch die Beifügung der mit Buchstabe und Ziffer versehenen Feldangabe (E 2, M 10 usw.) das Auffinden der Namen auf der Karte. — Gegen Einsendung des Betrages (auch in Briefmarken) zu beziehen von Jeder Buchhandlang sowie vom Verlage der Kartographischen Anstalt G. Freytags & Bemdt, Oes. m. b. H., Wien, VII., Schottenfeidgasse 62. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. — Büchdruckerei .Melantrich", Wien Ct, Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünhut).

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