Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 16 (2.12.1915)
- Date
- 1915-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. WfH-hptlhlfltt ffir fT.Hi<if4lP Intf»rP«QPt1 Redaktion und Administration: Vierteljährlich K 1 20. " ULIICnUlcUl 1111 JUUlbLlie iniCICbbCll. Wien, VIH. Alserstraße 7. Nachdruck mit voller Quelleaaigabe gestattet Redakteur: Jonas Kreppel. | Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration: Wochenblatt für jüdische Interessen. Wien, vm. AiserStraße i. Redakteur: Jonas Kreppel. | Erscheint jeden Donnerstag Mr. IG. Wien, 2. Dezember 1915. I. Jahrgang. Zum Z. Dezember. j Zum 67-sten Male jährt sich heute der Tag. an dem Kaiser Franz Joseph den glorreichen Thron der Habsburger bestieg. Die Zahl 67 bildet keine abgerundete Ziffer und gibt keinen Anlaß zu einem Jubiläum im üblichen Sinne dieses Wortes. Trotzdem aber wird der heutige Tag in der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie mit ungewöhnlicher Festlichkeit und begeisterter Freude gefeiert werden. Die 52 Millionen Oesterreicher und Ungarn brauchen keine spezielle Jubiläen, um ihrem Monarchen zu huldigen. Mit Freuden ergreifen sie jede Gelegenheit, um ihrem Landesvater Beweise ihrer kindlichen Liebe und Anhänglichkeit zu liefern. So geschieht es jahraus jahrein und so wird es diesmal geschehen, ja diesmal mit noch mehr Enthusiasmus, mit noch mehr Begeisterung, da die Völker Oesterreich-Ungarns gerade in diesem Jahre Gelegenheit hatten, sich zu überzeugen, was das Reich dem Kaiser verdankt. 67 Jahre sind verflossen, seit jenem denkwürdigen 2. Dezember 1848, an welchem der kaum achtzehnjährige Erzherzog Franz Joseph die Habsburger Kaiserkrone auf Sein Haupt gesetzt hatte. Es war dies eine überaus ernste, schwere Zeit, in welcher der kaum dem Jünglingsalter entwachsene Prinz zur Leitung des Reiches berufen wurde. Im Innern fortgesetzte Wirren, Zerwürfnisse und Revolutionen, von außen durch böse Feinde bedroht — so sah das Oesterreich des Jahres 1848 aus. Mit energischer Hand ergriff der junge Kaiser das Staatssteuer und in kurzer Zeit gelang es ihm, allen *StffinerTröiz "zu "biete« und das Stäätsschiff in einen sicheren Hafen zu bringen. Heute, nach 67 Jahren, durchleben wir wieder eine ernste, schwere Zeit. Aber wie anders sieht es in uns und um uns aus! Wohl ist die Zahl der äußeren Feinde viel größer, wohl sind sie viel mächtiger, als im Jahre 1848. Aber im Innern hat sich das damalige Spiel nicht mehr wiederholt. Einig und solidarisch stehen alle Völker der Monarchie da, nicht die geringste Dissonanz trübt die österreichisch-ungarische Völkerharmonie. Zu Schanden geworden sind die Hoffnungen der Feinde, die auf einen Zerfall der Monarchie ihre Pläne aufgebaut haben. Beschämt und enttäuscht stehen diejenigen da, die geglaubt haben, es werde gelingen, zwischen die Nationalitäten Oesterreich-Ungarns einen Keil zu schieben und damit die Widerstandskraft der Monarchie zu schwächen. Einiger und solidarischer denn je treten heute alle Völker auf und diese Einigkeit und diese Solidarität ermöglichte es auch dem tapferen Heere, Wundertaten zu vollbringen und glorreiche Siege an die Fahnen zu fesseln. Die große Zeit hat ein großes Oesterreich-Ungarn vorgefunden. Dieses große Oesterreich-Ungarn ist aber das Werk des Kaisers Franz Joseph, das Werk seiner 67 glorreichen Regierungsjahre. Zwei Episoden aus dem Leben des jugendlichen Erzherzogs Franz Joseph sind es, weiche im Volke besonders populär und sogar in Bildern festgehalten worden sind. Die eine Episode erzählt von dem kaum dreijährigen Prinzen, wie er einem auf der Wache stehenden Soldaten einige Münzen in die Tornistertasche hineinsteckte, damit „der Mann nicht mehr arm sei". Die zweite Erzählung betrifft die Feuertaufe des siebzehnjährigen Erzherzogs in der Schlacht bei Santa Lucia, wo er mutig und unerschrocken im heftigsten Kugelregen standhielt und sich die ersten Siegeslorbeeren errang. Diese beiden Anekdoten charakterisieren so sehr den Kaiser Franz Joseph. Oütig und gnädig gegenüber Groß und Klein, Arm und Reich, huldvoll und wohlwollend gegenüber allen Volkskreisen, allen Völkern und Nationalitäten, voll väterlicher Liebe für alle Landeskinder. In den Stunden der Gefahr aber mutig und unerschrocken, ein Beispiel an Tapferkeit und Aufopferung, Groß und Klein aneifemd und anfeuernd. Das ist Kaiser Franz Joseph, auf dieser Grundlage hat er das neue Oesterreich-Ungarn aufgebaut, das Oesterreich- Ungarn, welches heute eine solch gewaltige Kraft in militärischer, wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung entfalten konnte, das Oesterreich-Ungarn, welches einer Welt von Feinden trotzen und im Norden und Süden, im Osten wie im Westen, den Sieg an seine glorreichen Fahnen fesseln konnte. Die 67 Regierungsjahre des Kaisers Franz Joseph sind eine Kette von Erfolgen, deren Resultat erst jetzt so klar vor Augen tritt. Der Tag, an dem der Kaiser den Thron bestieg, ist deswegen für alle seine Völker ein Tag der Freude und des Jubels. Diesmal wird er ein Tag noch größeren Jubels sein, da die glorreichen Siege gegen den kleinen Bösewicht im Südosten so glänzend das Befreiungs- und Erlösungswerk des gegenwärtigen Krieges krönen. Nicht nur ein Tag rauschender Feste und heller Begeisterung, sondern auch ein Tag weihevoller Stimmungen und innigster Gebete. In allen Gotteshäusern der Monarchie, in den Kirchen, Tempeln, Synagogen und Moscheen werden sich heute wie alljährlich Millionen versammeln, aus Millionen Herzen werden inbrünstige Gebete zum göttlichen Vater im Himmel emporsteigen für das lange Leben, das Glück und das Wohlergehen des geliebten Monarchen. In diesem Millionenchor wird auch die Stimme der österreichischen Judenschaft ihre begeisterten Akkorde ertönen lassen. Was die österreichischen Juden ihrem Kaiser zu verdanken haben, das ist jedem von ihnen wohlbekannt. Diesmal sind sie aber ihrem allgütigen Monarchen neuen Dank schuldig. Die tapferen Heere des Kaisers haben Millionen ihrer Brüder, dife*unter einem barbarischen Joche schmachteten, Freiheit und Erlösung gebracht. Inbrünstiger und begeisterter denn je werden sie sich diesmal in ihren Gotteshäusern versammeln und das Glück und das Heil ihres Kaisers erflehen. „Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!" MakRabäer-Blui — Makkabäer-Licrii. „Du hast überliefert die Zahlreichen in die Hände der Wenigen, die Unreinen in die Hände der Reinen, die Bösen in die Hände der Gerechten!" — Jawohl, deswegen konnten die Wenigen über die Zahlreichen siegen, weil diese die Reinen, jene aber die Unreinen, diese die Gerechten, jene aber die Böswilligen waren. „Nicht durch die Menge und nicht durch die Macht, sondern durch Meinen Geist, so spricht der Herr der Heerscharen." — Fürwahr, vielleicht selten wann war die Wahrheit dieser prophetischen Worte so evident, wie in der gegenwärtigen großen Zeit. Wir sind jetzt Zeugen eines ähnlichen Kampfes, wie ihn die Makkabäer vor etwa dritthalb Jahrtausenden durchzukämpfen hatten. Sie waren die Wenigen und die Zahl ihrer Feinde war so groß. Aber sie siegten, weil sie die Reinen waren und ihre Feinde die Unreinen, weil sie die Gerechten waren und ihre Feinde die Missetäter. Nicht die Zahl, nicht die Menge, sondern der Geist entscheidet über den Sieg. Jeder heroische Kampf hat etwas von den Makkabäerkämpfen in sich. Auch das gegenwärtige Weltenringen weist viele Aehnlichkeiten auf. Mutwillig wurde dieser Krieg heraufbeschworen, um die Eroberungsgelüste gewisser Mächte zu befriedigem. Rachsucht, Habsucht, Eroberungslust und Verrat vereinigten sich, um friedliebende Staaten mit Krieg zu überziehen und billige Beute zu erringen. Sie vertrauten auf die große Zahl ihrer Heere, auf die gewaltige Menge von Roß und Reiter, auf ihr unerschöpfliches Menschenmaterial, auf ihre stolzen Armaden und auf ihren vollen Geldsack. Ihre Berechnungen erwiesen sich jedoch als falsch, weil ihnen der Geist der gerechten Sache fehlte, weil es „unmöglich ist, daß die Zuchtrute des Bösewichtes das Schicksal der Gerechten bestimmen soll". Auch Hötzendorf und Hindenburg, Boroevie" und Mackensen, Kövesz und Gallwitz sind eine Art Makkabäer. Nicht die Zahl siegt, sondern der Geist, nicht das Böse, sondern das Gerechte, nicht der tückische Verrat, sondern die ehrliche Treue. Eine Art Makkabäer-Kämpfe sind jene gewaltigen Schlachten, die in den letzten Monaten geschlagen wurden. Viel jüdisches Blut ist dabei verspritzt worden. Es war aber auch ein Kampf für Freiheit und Erlösung, würdig des vergossenen Blutes. Makkabäer-Blut zirkulierte in den Adern all jener Märtyrer in Galizieu und Polen, welche sich der russischen Knute nicht beugen wollten, und lieber den Heldentod erlitten haben. Heute aber, da der böse Feind niedergerungen, da Millionen Juden seinen Klauen entrissen wurden, können sie ihr helles „Hallelujah" hinausschmettern und ein Befreiungs- und Erlösungsfest feiern. Entweiht und verunreinigt haben die wilden Syrier das jüdische Heiligtum. Aber „nachher kamen Deine Söhne in die Hallen Deines Hauses, reinigten Dein Heiligtum und zündeten Lichter an in Deinen heiligen Höfen, um zu lobpreisen Deinen großen Namen!" Entweiht und verunreinigt haben die wilden Kosakenhorden zahlreiche Gotteshäuser in Galizien und Polen, geschändet und verunreinigt haben sie den jüdischen Namen. Nun aber, da sie niedergerungen sind, werden wir unsere Heiligtümer wiederum weihen und den Triumph des Sieges weit und breit mit Freudenlichtern künden. Wir haben Makkabäer-Kämpfe geliefert, wir haben Makkabäer-Blut verspritzt — wir gehen jetzt daran, Makkabäer-Feste zu feiern und Makkabäer-Lichter anzuzünden. Neue Minister. Im Kabinette Stürgkh ist am 30. November eine Veränderung efflgetretettr Ifavm Kowrad Hohenlohe ist zum Minister des Innern, Dr. R. v. L e t h zum Finanzminister und Dr. v. S p i t z m ü 11 e r zum Handelsminister ernannt worden. Die neuen Minister haben sich in ihren bisherigen Stellungen hervorragend ausgezeichnet. Prinz Hohenlohe war als Landespräsident in der Bukowina einer der populärsten Männer dieses Kronlandes. Noch bis heute bewahrt ihm die dortige Bevölkerung die dankbarsten Gefühle. Auch in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit als Ministerpräsident wie auch nachher als Statthalter von Triest hat Prinz Hohenlohe Beweise seiner hohen staatsmännischen Weisheit und Energie geliefert. Der neue Finanzminister Dr. v. Leth hat sich als Gouverneur des Postsparkassen-Amtes die größten Verdienste erworben und seine Ernennung zum Finanzminister wird in allen Kreisen mit der höchsten Befriedigung begrüßt. Der neue Handelsminister Dr. v. Spitzmüll e r hat sich als Sektionschef im Finanzministerium, als Vizepräsident der~nieder-österreichischen Landes-Finanzdirektion sowie als Direktor der Kreditanstalt besonders ausgezeichnet und seine Ernennung zum Handelsminister gerade jetzt, wo die Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine der wichtigsten Aufgaben unserer Staatsverwaltung ist, kann nur mit Genugtuung begrüßt werden. In seinem Verhältnisse zu den Juden hat sich der neue Minister des Innern Prinz Hohenlohe besonders in der Bukowina durch Wohlwollen und Entgegenkommen die höchste Dankbarkeit aller jüdischen Kreise erworben. Der neue Minister bringt aus dem Osten eine genaue Kenntnis der dortigen jüdischen Verhältnisse mit und besonders die Juden Galiziens und der Bukowina können seitens des neuen Ministers das vollste Verständnis und die vollste Berücksichtigung ihrer speziellen Interessen erwarten. Der neue Handelsminister hat sich besonders im letzten Jahre um die galizische Flüchtlinge große Verdienste erworben, indem das unter seiner Leitung stehende Finanzinstitut eine spezielle Kreditaktion zugunsten der Flüchtlinge arrangiert und sich an derselben mit bedeutenden Mitteln beteiligt hatte. Auch sonst zeigte sich Dr. v. Spitzmüller den Juden gegeaüber stets freundlich und wohlwollend. Dasselbe kann auch vom neuen Finanzminister Dr. R. v. Leth gesagt werden, der sich in jeder Beziehung als ein moderner Manu