Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1915-11-11 · 13 (11.11.1915) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
13 (11.11.1915)
Date
1915-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3495278-3495279-3495292--0067-3520660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 4 Jttdisctte KjOurrespondenz Nr. 13. k. k. Landsturmes und der k. k. Gendarmerie, die vom Kriegsausbruch Schulter an Schulter mit dem gemeinsamen Heere gegen eine erdrückende Ueberzahl zahlreicher Feinde siegreich kämpfen, errangen in heldenmütigen Gefechten und Schlachten in den heiß umstrittenen Gebieten Oaliziens, Rußlands und Serbiens, sowie auf den eisigen Karpathenhöhen, auf dem harten Boden des Karstes und des Hochgebirges glorreiche Lorbeeren und die Anerkennung unseres Allerhöchsten Kriegsherrn. Um die Taten dieser Helden der Nachwelt zu erhalten, beschloß das Ministerium für Landesverteidigung -ine „Ehrenhalle" aufzulegen, in der in Wort und womöglich auch im Bild alle jene Aufnahme finden sollen, die zufolge ihrer aufopfernden Tätigkeit und ihres besonderen tapferen Verhaltens Allerhöchst ausgezeichnet oder in Ausübung ihrer höchsten Pflicht gefallen, beziehungsweise der erlittenen Verwundung oder Erkrankung erlegen sind. Dieses Werk kann naturgemäß erst nach Beendigung des Weltkrieges abgeschlossen werden. Um aber die Oeffentlichkeit mit dem opfermütigen Pflichtgefühl, Heroismus und Wagemute der Söhne uneres Vaterlandes jetzt schon vertraut zu machen, wird mit einer, teilweisen Publizierung begonnen, in der Weise, daß für jeden Territorialbereich eigene Hefte serienweise zur Ausgabe gelangen. Das erste Heft, das den Wiener Bereich (Landwehrergänzungs- und Landsturmbezirkskommandos Wien, Brünn, Znaim und Kremsier, ferner Landesgendarmeriekommando Nr. 1 für Niederösterreich) umfaßt, ist eben erschienen. Es bringt 635 Bilder und über 1000 Heldentaten, die auf Grund der offiziellen Belohnungsanträge mit klarer Schlichtheit erzählt werden. Um diese Hefte, "die das beste Zeugnis von österreichischer Tüchtigkeit und Tapferkeit ablegen, jedermann zugänglich zu machen, wurde der Preis pro Heft mit 4 Kronen festgesetzt. Das Werk ist beim Verlag „Oesellschaft für graphische Industrie", Wien VI., Gumpendorferstraße 87, erhältlich, kann aber auch durch alle Buchhandlungen bezogen werden. Ein sich ergebendes Reinerträgnis des Gesamtwerkes' wird Kriegsfürsorgezwecken gewidmet. Chronik. Eine Kaiserfeier in Jerusalem. Aus Jerusalem geht folgender Bericht zu: Die Edler von Laemel-Schule in Jerusalem, die unter österreichischem Schutze steht, feierte im August den Geburts-, tag des Kaisers. Zugleich wurde der Schuljahrsschluß mit Zeugni&verteilung begangen. Auch waren es sechzig Jahre seit Frau Elise H e r z zum Andenken an ihren verstorbenen Vater Simon Edlen v. L a e m e 1 die Stiftung dieser ersten jüdischen Bildungsstätte im heiligen Lande gemacht hat. Direktor E. Cohn, dessen nahezu dreißigtind Küchengeräte, stilisierte Pflanzen und allerhand Tiere. Die Denkmäler der Vorfahren der Familie Rothschild, die im östlichen Winkel ruhen, sind mit einem Pfämichen geziert, die Frohmanns führen einen tanzenden Mann im Schild. Die weitaus größte Zahl der alten Steine befindet Mch im besten Zustand, Zierrat und Inschriften sind gut ernatten, verhältnismäßig wenig Steine sind abgebröckelt oder verwittert. In dichten Reihen stehen sie zusammen, manche hoch aufgerichtet, andere vornübergebeugt und halb in die Erde versunken. Manches Gräbergeviert ist vollständig mit Steinen besetzt, über die das Alter eine graugrüne Schicht gesponnen oder der Epheu ein schützendes Netz gezogen hat. Diese Massenansammlung von Steinen läßt sich offenbar aus der räumlichen Beschränkung des Friedhofs innerhalb des Ghettos erklären. Die Begräbnisstätte war ein gegebener zur Ghettozeit nicht erweiterungsfähiger Platz, der trotz aller geübten Sparsamkeit bei weitem nicht hinreichte. Da gab es nur einen Ausweg. Man hob die alten Grabsteine, schüttete auf den belegten Boden eine Erdschicht für neue Gräber auf und stellte die alten Denkmäler neben die neuen Erinnerungszeichen. So türmte sich im Lauf der Jahre Stockwerk über Stockwerk. Aus der Anzahl der au! einem Grab vereinigten Steine und aus sonstigen Nachforschungen darf man schließen, daß an manchen Stellen fünf bis sechs Grabreihen übereinander liegen. Das Gelände zeigt dadurch ein hügeliges Aussehen, der Boden wurde porös und nachgiebig. Unter einem Hügel liegen die Märtyrer begraben, die bei den Metzeleien in der Judengasse umgekommen sind, unter einem anderen die Rabbiner der Ghettogemßmde. Ein einziger schmaler Pfad führt in das Gräberfeld. Er ist neuerdings mit Schlacken hoch aufgefüllt, um dem lockeren Boden eine gangbare Festigkeit zu verleihen. Mit der angegebenen Ziffer von 7000 erschöpft sich aber die Zahl der Grabsteine bei Weitem nicht. Ueberau teifft man unter dem übergrünten Boden auf Steine. Ihre Zahl dürfte nach oberflächlicher Schätzung mehr als das Doppelte derjenigen betragen, die sichtbar sind. Diese unterirdischen Grabdenkmäler sind im Laufe der Jahrhunderte umgestürzt und versunken. jährigem Wirken an der Anstalt es zu verdanken ist, daß sie von kleinen Anfängen zur Blüte gelangt ist, schilderte den Entwicklungsgang der Schule. Prorektor J. P r e ß hielt die Festrede. Die 400 Zöglinge rezitierten das Kaisergebet und sangen die Volkshymne, die vom Schülerorchester begleitet wurde. Der k. u. k. Konsul Friedrich Kraus schloß seine patriotische Rede mit einem Hoch auf den mächtigen deutschen Verbündeten, worauf das Schülerorohester ,(Heil Dir im Siegerkranze" spielte. Im Namen des anwesenden greisen Chacham Baschi (Oberrabbiners) und der jüdischen Gemeinde sprach Rabbiner J. L e v y, Vorsitzender des Rabbinatskollegiums, warme Worte des Dankes und der Anerkennung für die Erziehungsanstalt. Nach seiner Rede erklang die türkische Hymne. Musikalische und gesangliche Rezitationen sowie Deklamationen patriotischen Inhalts und prächtige Turnübungen beendeten das Fest. Auch der deutsche Konsul Dr. B r o d e und viele andere Honoratioren, meist ehemalige Schüler der Laemel-Schule, waren anwesend. Großfürst Nikolai und die Juden. Vor der Räumung der jetzt von den verbündeten Armeen besetzten russischen Gebiete haben die russischen Truppen zahlreiche jüdische Einwohner aus ihren Wohnorten vertrieben, ohne sich um ihren weiteren Aufenthalt zu kümmern. Diese, auf solche Art heimatlos gemachten eigenen Untertanen, werden nun von den russischen Behörden als Kriegsflüchlinge bezeichnet und dabei buchstäblich von Ort zu Ort gejagt. Auf ihrer rastlosen Flucht sind zahlreiche Juden auch im Kaukasus angekommen. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, welcher offenbar systematisch vorzugehen liebt, hat einen Erlaß herausgegeben, demzufolge alle jüdischen Flüchtlinge sofort den Kaukasus zu verlassen haben. Wohin sie sich begeben sollen, wird iu dem Erlaß nicht gesagt, offenbar um diese Sorge auf den nächsten Generalgouverneur abzuwälzen, in dessen -Rayon die Juden wieder haltmachen. '?'L. Die Heiligen Stätten in Palästina. Die Kaiserlich Türkische Botschaft in Berlin dementiert auf das entschiedenste die in der englischen Presse veröffentlichten falschen Nachrichten über die Zustände an den Heiligen Stätten, denen zufolge die Klöster in Jerusalem in Kasernen umgewandelt sein sollen, Rekruten auf dem Oelberg exerzieren, und auf dem Berg von Golgatha Schützengräben ausgehoben sein sollen. Diese Nachrichten sind in böswilliger Absicht verbreitet worden. Sowohl Christen wie Juden üben weiter in voller Freiheit ihre religiösen Andachten aus. Sie haben freiwillig einige Schulgebäude zu Hospitälern umgewandelt. Von der Wahrheit dieser Behauptungen kann sich jeder an Ort und Stelle überzeugen. , ■ '""'•*- ■ Jüdische Reserveoffiziere. Aus München wird gemeldet: Beim Militäretat gab der Kriegsminister Freiherr Kreß von Kressenstein heute im Finanzausschuß eine Erklärung über die Kriegshilfe der Israeliten ab. Er sagte, die Israeliten seien in der Erfüllung ihrer Pflichten im Kriege hinter den Angehörigen der anderen Konfessionen in keiner Weise zurückgeblieben. Die Israeliten hätten dadurch völlige Anwartschaft darauf, den Reserveoffiziersrang zu erreichen. Tatsächlich sei eine Anzahl von Juden während des Krieges bereits zu Reserveoffizieren befördert worden. Die Aufstellung einer Statistik der in und hinter der Front befindlichen Offiziere nach Konfessionszugehörigkeit müsse er ablehnen. Die Kongreßfrage;n Amerika. ___ Aus New-York wird geschrieben: Am 3. Oktober fand hier eine von dem Orden Bne Brith einberufene Konferenz zur Beratung der Frage eines amerikanisch-jüdischen Kongresses statt. An der Beratung nahmen 22 Vertreter jüdischer Organisationen Amerikas teil. Die Sache ist bekanntlich noch immer nicht geklärt, und man ist sich noch nicht einig, ob man eine Konferenz von Delegierten jüdischer Organisationen oder einen allgemeinen Kongreß einberufen soll. Das Ziel, das allen vorschwebt, ist, die Welt über die Lage der Juden in Rußland aufzuklären und für sie in irgend einer Form auf dem zu erwartenden Friedenskongreß einzutreten. Es spielen aber PaTteimeinungen und innerjüdische Differenzen, vielleicht auch persönliche Eitelkeiten mit hinein, so daß keine Einigkeit über das Programm dieser Versammlung erzielt wurde. Es ist daher begreiflich, daß man sich über die Wege und Formen erst recht nicht einig ist. Die Konferenz vom 3. Oktober hatte das Bestreben, die Gegensätze auszugleichen. Es scheint aber, — die Konferenz hatte einen geheimen Charakter und Vertreter der Presse wurden nicht zugelassen —, daß noch kein bestimmtes Resultat erzielt wurde. Während einige Redner einen alljüdischen Kongreß forderten, wiesen andere auf die äußeren Schwierigkeiten hin und betonten, daß ein solcher Kondreß auch durch unbesonnene Reden Einzelner gefährlich werden könnte. Ein Redner ging noch weiter und erblickte schon in der Konferenz eine Gefahr. Die Debatten zogen sich in die Länge, und etwas Praktisches kam dabei nicht heraus. Man ging auseinander mit dem Beschluß, — eine zweite Versammlung abzuhalten, für die aber ein Termin nicht festgesetzt worden ist. öte Sabatröhe In Polen. Der Warschauer Generalgouverneur erläßt folgende < BekamrtmacnHng: „Bs ist darüber Klage geführt worden,' daß die jüdische Bevölkerung an einigen Orten gezwungen werde, an ihren Sonn- und Feiertagen die Geschäfte auch für Privatpersonen zu öffnen. Der jüdischen Bevölkerung darf in ihrer Religionsübung, wie in der Gemeinschaft vorgeschrieben, nicht beengt werden, soweit es die Kriegsnotwendigkeiten zulassen." Ein hundertjähriger Flüchtling. Wie hoch die amerikanische Freiheit in den Augen der russischen Juden steht und welche Verfolgung sie in Rußland zu erleiden haben, brachte die Geschichte' eines vor kurzem im Chicagoer Judenviertel verstorbenen russisch-jüdischen Flüchtlings zu Tage. Moritz Cherowski, der im Februar dieses Jahres hundert Jahre ait wurde, wanderte vor vier Jahren mit seiner damals 76jährigen Frau nach Amerika aus. Selbst dieses hohe Alter schützte sie nicht von den Verfolgungen der russischen Beamten, sodaß sie, um den Rest ihres Lebens in Frieden zu verbringen, nach Amerika übersiedelten. Die Enkel erzählen, daß der Verstorbene die Absicht hatte, nach Verlauf eines weiteren Jahres (wenn die vorgeschriebene Frist erreicht war), das amerikanische Bürgerrecht zu erwerben. Die Türken und die Juden. Man schreibt uns: Das jüdische Hilfskomitee „Roier Halbmond" unter dem Vorsitz von Kommerzialrat Gerson Simon in Berlin, an dessen Sammlungen sich bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, hat den von ihm aufgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum Ankauf von Sanitätsartikeln verwendet. Das angeschaffte Material wurde mittels Sonderzuges nach Konstantinopel gebracht. Der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses des Komitees, Dr. Alfred Nossig, übergab in Konstantinopel die Spende dem Leiter der Heeres-Sanitätsabteilung Suleiman Numan Pascha, sowie den Vertretern des türkischen „Roten Halbmondes". Komm.-Rat G. Simon war durch Erkrankung verhindert, sich an der Reise zu beteiligen. Wie die offiziellen Depeschenbüros bereits gemeldet haben, wurde Dr. Nossig vom Sultan, dem Thronfolger Jussuf Izzedin, dem Kriegsminister Enver Pascha, dem Minister des Innern Talaat Bey und dem Kammerpräsidenten Halil Bey, sowie von den Vertretern des jung-türkischen Komitees Fidhat Sohükri und Dr. Nasim Bey empfangen. Die Mitglieder des Herrscherhauses und die Vertreter der Regierung sprachen sich in anerkennendster Weise über die jüdische Bevölkerung aus, der ,hr besonderes Wohlwollen gesichert sei. Dr. Nossig und Komm.-Rat G. Simon wurden durch Verleihung des Medjidje-Ordens ausgezeichnet. Auf Veranlassung des Deputierten von Konstantinopel, Emanuel Carasso und Dr. Nossig gründete ein Kreis namhafter türkischer Juden mit Einwilligung der Regierung eine Vereinigung unter dem Namen „Osmansch-lsraeiitische Union". Unter dem Vorsitz von Carasso gehören dem leitenden Komitee folgende Persönlichkeiten an: der Deputierte von Smyrna Nissim Mazliah, der Vorsitzende des Konsistoriums der Jüdischen Gemeinde von Konstantinopel Farhi Bey, Professor Abrevaya, der Präsident des Sanitätsrates der Marine Oberst Galemidi Bey sowie andere hervorragende osmanische Juden. Die Vereinigung bezweckt die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Juden verschiedener Länder und den Osmanen, sowie die festere Angliederung der osmanischen Juden an die anderen Bevölkerungsgruppen der Türkei. Ferner sind der „Osmanisch-lsraelitischen Union", auf Grund der ihr von der türkischen Regierung verliehenen Satzungen, in der Angelegenheit der gesetzlichen Regelung der Einwanderung von Juden nach der Türkei wichtige Befugnisse übertragen worden. Es ist besonders hervorzuheben, daß das jungtürkische Komitee ,,Einheit und Fortschritt", dessen Verhältnis zur türkischen Regierung bekannt ist, einen ständigen Vertreter in den Vorstand der „Osmanisch-lsraelitischen Union" entsendet. Die Vereinigung gedenkt auch mit den die ostjüdische Bevölkerung betreffenden Fragen gelegentlich der internationalen Verhandlungen nach Beendigung des Weltkrieges sich zu befassen. In dieser Angelegenheit fand auch bereits zwischen der türkischen Regierung und der deutschen Botschaft in Konstantinapel ein Meinungsaustausch statt, der ergab, daß die türkische Regierung, ebenso wie die deutsche und österreichisch-ungarische, den Bestrebungen zur Verbesserung des Loses der Juden des Ostens durchaus wohlwollend gegenüberstehen. Nähere Mitteilungen über die Dr. Nossig in Konstantinopel erteilten Erklärungen, sowie über die Aktion der „Osmanisch-lsraelitischen Union" werden gelegentlich einer Konferenz erfolgen, die demnächst nach Berlin einberufen werden wird. DieP. T. .Leser u. Freunde unseres Blattes werden JbSfiicfosi ersucht, in allen öffenlllcliejti Lokalen die lödistto Korrespondenz - - Jeu verlangen. : S**X*»m£$*m t!J SSS15S "»'!5Ji!2S3 •»»•»* *SÜ •«!•••!! SS fSSÄS* Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jon» Kreppet. — Buchetrucketei »Mefcmtrich", Wies IX„ Pnmeqpme 6. (Verantwortlich S. «rünhitt). i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.