Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 11 (28.10.1915)
- Date
- 1915-10-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JlidiscJhe Korrespondenz .Nr. 11. Auch in dem jetzt entbrannten Kriege des tapferen Bulgarenvolkes gegen seinen alten Erbfeind Serbien werden unsere wehrfähigen Olaubensbrüder in diesem Balkanlande eingedenk der ruhmreichen Ueberlieferungen ihrer Väter handeln. Und wenn nach der ruhmreichen Schlacht bei Pirot, in der Alexander von Battenberg die Serben aufs Haupt schlug, der siegreiche Feldherr seinen jüdischen Soldaten die ehrenden Worte widmete: „Tapfere Juden, ihr habt euch heute durch eure heldenhafte Haltung als wahre Nachkommen der Makkabäer gezeigt. Möge es Oott gefallen, euch Gelegenheit zu geben, zu gleicher Auszeichnung in all den Werken des Friedens, die zu dem Fortschritte Bulgariens beitragen können", so sind wir überzeugt, daß in nicht allzuferner Zeit König Ferdinand, wie seinem gesamten Heere, so auch dessen jüdischen Mitkämpfern gleiches Lob, wie sein ritterlicher Vorgänger, einst wird spenden können. A. M. Die Woche. Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef in Brody. Aus Brody wird gemeldet: Gelegentlich des am 14 Oktober stattgefundenen Besuches des Thronfolgers Erzherzogs Karl Franz Josef in unserer Stadt empfing Se. Kaiserliche Hoheit ii. a. auch den Kultuspräsidenten Herrn N. Gelber, bei welchem er sich über den materiellen Zustand der Brodyer Juden ausführlich erkundigte. Der Thronfolger interessierte sich auch für die im Festsaale des Rathauses ausgestellten Antiquitäten der alten Brodyer Synagoge und ließ sich vom Kultuspräsidenten die Bedeutung der seltenen Geräte, wie Kronen, Leuchter, Vorhänge und Zeigefinger erklären. Se. Kaiserliche Hoheit drückte hiebei seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Brodyer Juden es verstanden haben, diese heiligen Gegenstände vor der Raubsucht der Russen zu bewahren und erkundigte sich schließlich, ob manche dieser Geräte einem Museum überlassen werden könnten. JUdische Propaganda für die Kriegsanleihe. Aus Krakau wird gemeldet: Das hiesige Kultuspräsidium und das hiesige Rabbinat erließen einen begeisterten Aufruf an die jüdische Bevölkerung, sich zahlreich an der Subskription auf die dritte österreichische Kriegsanleihe zu beteiligen. Besonders werden die jüdischen Wohltätigkeitsvereine und religiöse Brüderschaften, welche bedeutende „Eiserne Fonds" in Wertpapieren besitzen, aufgefordert, dieselben zur Zeichnung der Kriegsanleihe zu verwenden. Das Kultuspräsidium erklärte hiebei seine Bereitwilligkeit, den Vorständen dieser Vereine bei der Durchführung der bezüglichen Transaktionen mit Rat und Tat behilflich zu sein. Der Aufruf, gefertigt durch den Kultuspräsidenten Dr. S. Tilles und den Rabbinatsverweser P. Dembitzer wurde sowohl mittelst Straßenplakate, wieauch in der Lokalpresse veröffentlicht und fand bei der jüdischen Bevölkerung ein lebhaftes Echo. In den Wiener Tempeln wurde letzten Samstag seitens der Rabbiner bei den Predigten für die Zeichnung auf die Kriegsanleihe Propaganda gemacht. Der Aufruf des Israelifischen Konsistoriums in Frankreich. J)er Aufruf des Israelitischen Konsistoriums in Frankreich an die Juden in den neutralen Ländern, in welchem diese aufgefordert werden, für den Sieg Frankreichs und somit der Entente einzutreten (siehe den Artikel „Frankreich und die Juden" in Nr. 9 der „Jüdischen Korrespondenz"), erfährt in der jüdischen Presse der neutralen Länder die schärfste Zurückweisung. Besonders heftig wird dagegen protestiert, daß diese Aufrufe angeblich durch die „Alliance Israelitc Universelle" versendet wurden. Die „Alliance" ist keine politische, sondern eine kulturell-wohltätige Organisation, sie besitzt Mitglieder in allen Ländern und hat daher kein Recht, einen einseitigen Standpunkt für Frankreich einzunehmen. In informierten jüdischen Kreisen vermutet man jedoch, daß hier möglicherweise eine Mystifikation oder ein Mißbrauch des Namens der „Alliance" vorliegt. Genaueres hierüber wird sich natürlich erst später feststellen lassen. Juden-Ausweisung aus Kiew. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Kopenhagen: Die Polizeibehörden in Kiew haben der „Birschewia Wjedomosti" zufolge eine neue gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete I Verfügung getroffen, wonach auch weiter keine. jüdischen Flüchtlinge in Kiew zurückgelassen werden. Auch haben alle jüdischen Familien, die sich noch in Kiew aufhalten, darunter auch Kaufleute erster Gilde und Akademiker, die Aufforderung erhalten, die Stadt binnen vierzehn Tagen zuverlassen. Chronik. FUr die Gleichstellung der Juden in Rußland. Der Handelsvertragsverein, der Hansabund und der Verein deutscher Fabrikanten und Exporteure für den Handel mit Rußland haben in einer gemeinsamen Eingabe an den Reichskanzler gebeten, in künftigen Friedensvertrage mit Rußland Klauseln aufzunehmen, welche die Befreiung der Juden von den bisherigen Beschränkungen in Rußland ein für allemal sicherstellen, und zwar sind es namentlich {olgende drei Punkte, bei welchen Gleichstellung der Juden verlangt werden: 1. Geltungsdauer und Kosten des Passes, 2. Erteilung der Gewerbe-Legitimationskarten, 3. Einwanderung, Niederlassung und Erwerb von Immobiliarrechten. Die Juden und der Krieg. In der Vossischen Zeitung teilt Prof. L. Stein folgende Ziffern mit, die ihm, wie er bemerkt, von zuverlässiger Seite zur Verfügung gestellt worden sind: Die Zahl der zuverlässig bekannten Leutnants jüdischer Religion beträgt 286, darunter 190 preußische, 80 bayerische, 10 würtembergische, b sächsische. Die Zahl der Kreuzträger dürfte 4000 weit übersteigen, darunter 12 Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse (sämtliche Zahlen sind Annäherungswerte). Die Kriegsbeteilung in jüdischen Studentenverbänden und im Turnverein „Bar Kochba" ergab Mitte September folgende Ziffern: 1. Kartellconvent, etwa 1006 Mitglieder, darunter 825 Kriegsteilnehmer 82,5 v, H., 2. Turnverein „Bar Kochba" 200 Kriegsteilnehmer '= 75 v. H. der männlichen Mitglieder, 20 Gefallene 10 v. H., 12 Auszeichnungen. SchttTskarfen fUr JUdische Kriegsopfer. Wie aus New-York gemeldet wird, werden dort unter der jüdischen Bevölkerug mit großem Eifer Sammlungen veranstaltet, um den jüdischen Kriegsopfern die Überfahrt nach Amerika zu ermöglichen. Die Hilfsbereitschaft der amerikanischen Juden ist so groß, daß sehr bedeutende Summen bereits für den genannten Zweck zusammengekommen sind, obzwar die sofort nach Kriegsschluß zu erwartende Einwanderungsbeschränkung allgemein als unausweislich angesehen wird. Hebräiscrie Zeitungen In-New-York. In New York'begari«^ Vor kurzem eine neue hebräische Wochenschrift, „Ha-umä", zu erscheinen. Seit einiger Zeit erscheint dort auch ein vom hebräischen Lehrerverband herausgegebenes pedagogisches Organ unter dem Namen „Hed-Hamore". — In einer Beratung der hebräischen Vereine New-Yorks, an der unter anderen auch die Herren Dr. Schmarja Levin und Dr. M. Melamed teilnahmen, wurde beschlossen, die seit Jahren in New York erscheinende hebräische Monatsschrift „Hatoren" in eine Wochenschrift zu verwandeln. 12.000 Flüchtlinge, 30-000 Obdachlose. Der Gouverneur von Poltawa hat 12.000 jüdischen Flüchtlingen d/yi Befehl erteilt, unverzüglich sein Gouvernement zu verlassen. Die Mehrzahl der Juden war aber dort schon seit langer Zeit ansässig und übte friedlich ihr Gewerbe au;». Der Versuch, das Verbleiben dieser Leute durch Fürsprache der Munizipalbehörden zu erreichen, war vergeblich; der Befehl wurde vollzogen. Dasselbe Schicksal hatten auch die j dischen Flüchtlinge des Tambower Gouvernements. Im Distrikte von Oschmjany wurde die jüdische Bevölkerung mit Gewalt „evakuiert". 30.000 Juden wurden dadurch obdachlos. Neue Bücher. „Galizien. Der Wall im Osten". Kriegserzählungen von Herrn. Blumenthal, München, Verlag Georg Müller. Ein hochinteressantes Buch, welches in erzählender Form den Verlauf des Krieges in Galizien schildert. „Zwischen Weichsel and Dniestr" von Max Winter, mit Einleitung von Hügo Schulz. Mit zwei Karten. München, Verlag Georg Müller. Eine interessante Sammlung von Feldpostbriefen, umfassen.! den österreichisc'rungarischen Feldzug gegen Rußland von Kriegsausbruch bis zur Schlacht bei Limanowa. „Die Polen und der Weltkrieg", von A. von Guttry. Mit einer Karte. München, Verlag Georg Müller. Sachliche Aufschlüsse über die Vergangenheit und die Entwickelung des Reiches Polen, über seine Fortentwickelung unter den drei Teilungsmächten werden hier gegeben. Das Buch steht jedem Parteizwecke fern und will nur zeigen, wie sich bis zum heutigen Tage das Leben in Polen gestaltete. ' „Die Ostjudenfrage". Zionismus und Grenzschluß. Von Regierungsrat Georg Britz. Verlag J. F. Lehmann, München. „Polen unter Habsburgs Fahnen" von Eugen Benzion. Wien, Verlag Hermann Goldschmiedt. „Aui dem Felde der Ehre 1914—1915". Erster und zweiter Band. Verlag des k. u k. Kriegsarchivs. Vornehm ausgestattes Verzeichnis unserer vor dem Feinde gefallenen Helden, mit zahlreichen Photographien, bildet ein sehr empfehlenswertes Andenken an den Weltkrieg. „Die W«»t nach dem Kriege" von D. Trietsch. Verlag von Puttkammer &. Mühlbracht, Berlin. Der durch seine wirtschaftspolittschen Handbücher bekannte Autor sucht der Frage nach den Kriegszielen Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Türkei gerecht werden und zeigt uns dabei^Möglichkeiten, die weit über die herkömmliche Diskussion hinausgehen. „Die schönsten Psalmen", ü'bertragen und erläutert von Karl Budde. Leipzig, E. F. Amelangs Verlag. „Zehn Monate italienischer Neutralität". Was das italienische Grünbuch sagt und verschweigt, von Severus. Verlag F. A. Perthes, Gotha. „Nord und Süd", eine deutsche Monatsschrift herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Stein. 40. Jahrgang. Oktober 1915. Jubiläumsheft. Sondernummer: Deutscbösterreichisch-ungarische Wirtschaftsbeziehungen. Preis vierteljährlich 6 Mark, Einzelheft 2 Mark. Verlag der Schlesischen Buchdruckerei v. S. Schottländer, A. G. Breslau. Aus dem Inhalte sind besonders hervorzuheben die Artikel: „Ein wirtschaftlicher Ausblick", von Reichsiags-Präsident Dr. Kaempf. — „Wirtschaftliche Verständigung" von Dr. Gustav Stresemann. — „Deutsches und österreichisch-ungarische Notenbankwesen" von Bankier Georg Hermann Loewy. — „Die wirtschaftliche Annäherung zwischen Deutschland, Österreich und Ungarn" von Geheimrat Josef Szterenyi. •— „Die Frage einer wirtschaftlichen Annäherung zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn" von Freiherr Albrecht von Rechenberg. — „Erstarrung und Umsturz im heutigen Rußland" von Eberhard Kraus. — „Zahlenspiel der Weltgeschichte. Oktober 1914—Oktober 1915". von Eugen B. Auerbach. — „Die wirtschaftliche Verankerung des Bündnisses" von Geh. Gegierungsrat Prof. Dr. Julius Wolf etc. etc. „Ein Wiener Landsturmmann". Kriegstagebuch-Aufzeichnungen aus Galizien von Sil-Vara. München, Verlag Hugo Schmidt. Ein Wiener Schriftsteller, der im Kriege war, bietet hier etwas, das schwer zu finden ist: ein abgeschlossenes Bild der Ausrüstung, des Aufmarsches und des Kampfes. Hier spricht ein Mensch, einfach, aus der Atmosphäre, über den Krieg — so anschaulich, mit einer so ruhigen Kraft der Darstellung, daß man vom ersten bis zum letzten Erlebnis rtt'?s rr.'rzuempfinden vermag. Die weltpolitische Bedeutung Galiziens. Von Dr. Stephan Tomaschiwskyj, Privatdozent an der Universität Lemberg. München, F. Bruckmann A.-G. Preis 75 Pfennig. Das Wiener Institut für Kulturforschung gibt im Verein mit Dr. Ernst Jackh in Berlin unter dem Titel „Weltkultur und Weltpolitik" eine Folge von Schriften heraus, die von Fachgelehrten bearbeitet, die auftauchenden großen Kultur- und Staatsfragen der Gegenwart sachkundig erörtern. Als bedeutsamer und vielversprechender Anfang der österreichischen Reihe erschien soeben ein Heft Uber Galizien, in dem ein genauer Kenner der politischen Verhäitnisse dieses Landes, der ukrainische Dozent für Geschichte an der Universität Lemberg, ein Gebiet behandelt, dessen Kenntnis gerade jetzt von größter Wichtigkeit ist. Der Verfasser weist nach, daß der Weltkrieg Galiziens wegen entfacht wurde, mit dessen politischem Schicksal das Ergebnis des Krieges eng verbunden ist. Galizien, das historische Tor zwischen Ost- und Mitteleuropa, war das Hauptzitl Ruß ands in diesem Kriege, die Notwendigkeit der Vernichtung des Ukrainertums das Hauptmotiv. Das politische Prestige Rußlands ist mit dem Besitze Galiziens so eng verknüpft, daß seine Wiedereroberung durch die Verbündeten einer in ihren Folgen noch unübersehbaren politischen Katastrophe gleichkommt. Durch Tomaschiwskyjs Au filnrungen, zu denen eine gedrängte aber sehr klare Darstellung der bewegten Geschichte Galiziens gehört, werden neue Gesichtspunkte aufgedeckt, die für jeden der den inneren Ursachen des Weltbrandes nachgehen möchte, von höchstem Interesse sind. Aus Galizien und Polen, 14 Steinzeichnungen vom östlichen Kriegsschauplatz von Max Bucherer, Mitglied des k. k. Kriegspressequartiers. Verlag Ernst Reinhardt, München. Inhalt: 1. 30.5 cm Mörser vor Schußabgabe. 2. Gesprengtes Werk der Festung Przemysl. 3. Die zerstörte Kirche von Gorlice. 4. Bau einer Eisenbahnbrücke in Przemysl. 5. Gesprengte Brücke von Przemysl. 6. Straße vor Czernowitz. 7. 42 cm Blindgänger im Werk XI. 8. Das beschossene Dorf Mlodzowy Male. 9. Beim Train der Feldflieger in Miechow. 10. Artillerie im Feuer bei Raranze. 11. Schlacht am Pruth. 12. Wirkung der 30.5 cm Granaten bei Tarnow. 13. Das Tal der toten Pferde bei Dzialoszyce. 14. Beerdigung eines Artilleristen. Deutsch-Ukrainischer (Ruthenischer) Soldaten-Sprachführer von Hauptmann S. Th. Haasmann und M. Kapii. Preis 20 Pfg. (in Partien billiger). Verlag Hachmeister & Thal in Leipzig. ^HiiiiHHiiuiinMiuiiuuiiHEiuuti«UHiritiMHittiiiiimitmuiwttiiiitnmMtHiimiittuiittKmifiHiitttit!iiiiuu^ I»HAMICPE«1 1 Derzeit das einzige hebrSische |§ s Wochenblatt des Kontinents, § § erscheint seil 12. Jahren in Krakau §§ 1 und erfreut sich gröDler Popularität. 1 1 Bezugspreis K 7-— Jährlich, K 1*75 1 I — vierteljährlich. ~ I 1 Adresse: Krakau, Mlodowa Nr. 22. § mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas KreppeI. — Buchdruckern „Melantrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünhat).