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Jüdische Korrespondenz · 1915-10-07 · 8 (7.10.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
8 (7.10.1915)
Date
1915-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Pt^Z:Z'- | Wochenblatt für jüdische Interessen. ^T^STT Nachdruck mit votler Quelleoangabe gestattet | Redakteur: Jonas K r e p p e 1. M r s c h eint j c d n D o n n e r s t a g Mr. 8. Wien, 7. Oktober 1915. I, Jahrgang. Die drille österreichische Kriegsanleihe. Im fünfzehnten Kriegsmonate wfd die dritte österreichische Kriegsanleihe zur Zeichnung aufgelegt. Die erste Anleihe wurde im vierten Kriegsmonate, die zweite im zehnten Monate des Krieges aufgelegt. Nunmehr tolgt die dritte. Die ersten zwei Kriegsanleihen brachten ein überaus glänzendes, geradezu überraschendes Resultat. Uber 2200 Millionen wurde auf die erste, über 2600 Millionen aut die zweite Kriegsanleihe gezeichnet. Zu gleicher Zeit brachten auch die in der ungarischen Reichshälfte aufgelegten Kriegsanleihen jedesmal mehr als eine Milliarde — /usdinintn wui das Ergebnis beider Kriegsanleihen in beiden Reichshälften über 7 Milliarden, ein Betrag, welcher in überwältigender Weise die finanzielle Widerstandskraft Österreich-Ungarns dokumentierte, ebenso, wie die Kriegsereignisse die militärische Macht der Monarchie m einer nie geahnten Größe und Stärke zutage forderten. Nunmehr werden die Völker Österreichs wiederum zur Zeichnung der dritten Kriegsanleihe aufgerufen. Es geschieht dies unter viel günstigeren Auspizien, als im November 1914 und im Mai 1915. Die erste Anleihe wurde in einem überaus kritischen Momente durchgeführt, als unsere Oktober-Offensive intolge des Auftretens an Zahl überlegener russischer Streitkräfte zeitweilig eingestellt und der Feind aus strategischen Gründen bis vor die Iore Krakaus zugelassen wurde. Im Mai 1915, als die zweite Anleihe «ufgetegt wurde, entstand der Monarchie an der Südwestgrenze ein neuer Feind in dem dreiunddreißigjährigen „Verbündeten", welcher in heimtückischer, hinterlistiger Weise dem alten Freunde in den Rucken tiel. So groß und unerschütterlich war jedoch die Siegeszuversicht aller Bevölkerungskreise, daß die ernste militärische Lage das Resultat der Kriegsanleihe nicht im geringsten beeinflußte. Der Ruf: „Gut und Blut für Kaiser und Vaterland!" war keine leere Phrase. Die österreichischen Völker haben dem Kaiser und dem Vaterlande ihre finanziellen Mittel ebenso zur Verfügung gestellt, wie das Blut ihrer Sohne. Heute, da an die Zeichnung der dritten Kriegsanleihe geschritten wird, ist die Situation eine andere, eine viel günstigere. Niedergerungen ist der böse Feind, der die Grenzen des Vaterlandes bedrohte, befreit und wiedererobert sind die Provinzen, welche monatelang unter seiner Invasion seufzten. Große Gebiete von Feindesland befinden sich in unseren Händen. Wir kämpfen nicht mehr um den Sieg, sondern vielmehr um die Vollendung des Sieges. Die Kriegsanleihe, zu deren Zeichung heute die Volker aufgerufen werden, ist dazu bestimmt, den Sieg auf den Schlachtfeldern zu krönen. Sie soll ein Memento für den Feind bilden: „Österreich läßt sich finanziell nicht bezwingen, ebensowenig, wie es militärisch besiegt werden konnte!" Fast iiberflüßig erscheint es demnach, diesbezüglich viel Worte zu verlieren. Noch bevor das offizielle Prospekt der Kriegsanleihe veröffentlicht wurde, gelangten in der ganzen Monarchie Millionenbeträge zur Voranmeldung. Sie sind Vorboten des bevorstehenden glänzenden Resultates. Wir sind sicher, daß die dritte Kriegsanleihe ihre beiden Vorgängerinnen übersteigen wird, ebenso, wie dies m dem verbündeten deutschen Reiche der Fall war. Die Siegeszuversicht und das Vertrauen zu unserer Heeresleitung werden in den Milhardenziffern der Anleihe zum Ausdrucke gelangen. Es wird niemand zögern, die ihm zur Vertilgung stehenden Barmittel dem Vaterlande bereitzustellen, dies umso mehr, als die Anleihebedingungen überaus günstige sind und schon vom volkswirtschaftlichen Standpunkte eine geradezu glänzende Kapitalsanlage darstellen Das Geld, welches damit dem Staate zur V erfugung gestellt wird, bleibt im Reiche zurück. Kein Heller davon fließt ins Ausland. Der teuflische Plan unserer Feinde, die Monarchie durch Absperrung vom Auslande aufs Knie zu zwingen, hat sieh in das gerade Gegenteil verwandelt. Indern unsere Heeresleitung bemussigt ist, alle ihre Bedurtnisse m Rciclisiiinern zu decken, sind alle diese Ausgaben überaus produktiv und schwachen nicht im geringsten das Wirtschattsleben der Volker und die finanzielle Kratt des Maates. Und so möge denn die neue Anleihe unter den günstigen Auspizien zur Zeichnung aulgelegt werden. Der Ruf: ..Zeichnet die dritte österreichische Kriegsanleihe! wird nirgends ohne Echo verhallen. Er wird uberall otiene Ohren und geöffnete laschen finden. Unsere Sohne, w;elche draußen auf den Schlachtfeldern mit ihrem Herzblute den Sieg für das Vaterland erkämpfen, mögen es wissen, daß Diejenigen, die im Hinterlande weit vom bchuße weilen, das Ihrige dazu beitragen. Je glänzender das Resultat der Kriegsanleihe sein wird, desto naher üer endgiltige Sieg und desto naher der rühm- und ehrenvolle Frieden. Der Feind soll es wissen: „Österreich-Ungarn laßt sich finanziell nicht bezwingen, ebenso, wie es militärisch unbesiegbar ist! Em Blick auf die Zeiclmerhsten der ersten Kriegsanleihen genügt, um konstatieren zu können, daß unsere Glaubensgenossen l n denselben eine hervorragende Stelle einnehmen. Auch der böseste Feind muß zugeben, daß die Juden Österreichs m dieser Hinsicht ihre Pflichten in der weitgehendsten Weise erfüllt haben, ebenso, wie ihre Sohne auf den Schlachtteldern m glänzender Weise sich auszeichnen und durch Iapferkeit und. 1.0ilesveracJitung._.sicJi und ihrem Volke Ehre und Ruhm erwerben. Auch diesmal bedarf es wohl keiner besonderen Autforderung. Die Juden, deren Patriotismus und Opfer Willigkeit in dieser großen Zeit seitens der Allerhöchsten und höchsten Stellen rühmend anerkannt wurde, werden auch diesmal darum wetteifern, in den Listen der Anleihezeichner einen hervorragenden Platz einzunehmen. Sie werden auch aut diesem Gebiete ihr möglichstes dazu beitragen, dem Vaterlande zum Siege zu verhelfen. Bei den Zeichnungen aut die ersten zwei Kriegsanleihen mußte leider ein leil der österreichischen Judenschart m dem Hintergründe bleiben. Unsere Glaubensbruder aus Gahzien und der Bukowina, deren engere Heimat sich unter feindlicher Okkupation befand oder durch eine solche bedroht war, konnten trotz ihres besten Willens ihr Scherflein zu den finanziellen Siegen des Vaterlandes nicht beitragen. Auch diesmal ist ihre finanzielle Lage keine rosige, da gerade sie unter den Knegsereigmssen am meisten zu leiden hatten. Wir wissen es. wie schmerzlich sie es bei den ersten zwei Kriegsanleihen empfunden hatten, nicht dabei sein zu können und mit welcher Freude sie es begrüßt haben, als sich einige ihrer Bruder trotz ihres Fluchthngs-Dasems m der glucklichen Lage befanden, an den Zeichnungen mit lunt- und sechsstelligen Ziffern sich beteiligen zu können. Nun, da ihre engere Heimat glücklicherweise vom Feinde befreit ist. wird sich hoffentlich die Zahl dieser Glücklichen um em Vielfaches vermehren. Wir sind sicher, jeder Jude aus Gahzien und der Bukowina, der nur die Möglichkeit dazu hat, wird daß Semige dazu beitragen, um den bevorstehenden finanziellen Inumph zu vergrößern. Jeder Heller und jede Krone, die aus dies e n durch den Krieg so schwer betroffenen Kreisen für die Kriegsanleihe gezeichnet werden wird, ist in m o r a 1 ischer Beziehung wenigstens doppelt zu bewerten. Sache unserer Glaubensgenossen Wirdes sein, diesen moralischen Erfolg so hoch als möglich zu gestalten. „Gut und Blut nir Kaiser und Vaterland! Die amerikanischen Juden und der Krieg. (Brief aus New-York.) Kein anderes neutrales Land spielt im gegenwartigen Weltkriege eine solche Rolle. Wie die Vereinigten Staaten von Norüanieilk.i \Vm> kann vielleicht ohne Übertreibung sagen, dal: die Stellungnahme der United Maates oi Nonuamcrika für das Schicksal des Krieges viel wichtiger und entscheidender sein konnte, als selbst die Entscheidungen der Balkanstaaten. um die doen so viel geworben wird. Freilich mußten an üer Spitze üer amerikanischen Politik Männer von gröberer Konsequenz und stärkerer Energie stehen, als üies gegenwartig der Fall zu sein scheint. Aber auch bei der gegenwärtigen Sachlage kommt den Vereinigten Staaten ein sehr großes Won im Weltringen zu. Demgemäß ist auch üie Haltung der öffentlichen Meinung Amerikas tur das Schicksal des Kneues von überaus großer Bedeutung und in dieser Beziehung kommt auch den Juden eine nicht zu unterschätzende Rolle zu. Wohl ist die Zahl der Juden m den Vereinigten Staaten verhältnismäßig nicht sehr groß. Zwei Millionen unter achtzig Millionen, das macht einen geringen Perzentsatz aus. Dazu kommt noch, daß nur em gewisser leil dieser indischen Bevölkerung das amerikanische Bürgerrecht erworben hat und demgemäß direkt uie Politik des Landes beeinflußen könne. ■Nichtsdestoweniger dar) der Einfluß der Juden nicht unterschätzt werden und die Knegsereignisse haben dies vollauf bew iesen. Der Umstund, daß die Juden in New-York ca einen vierten leil der (lesaiiitbevolkerung bilden, daß sie in gewissen Stadtteilen bei allen Wahlen ausschlaggebend sind, daß sie in der Finaiizwelt eine ziemlich bedeutende Rolle spielen - dies alles brachte es mit sich, daß ihre Haltung und Stellungnahme aut die Gcsamtpohtik Amerikas nicht ohne Einfluß bleiben konnte. Mit Uenugtuimg können wir es konstatieren, daß die Juden in richtiger Erkenntnis der gesaiiitjudisehen Interessen ihren Einfluß zugunsten der Zentralmachte m che Wagschale geworfen haben. Mau w ird vielleicht erst spater ihre großen Verdienste in dieser Beziehung gehörig einzuschätzen wissen: man wurde verstehen, wie weit ihre Haltung das Washingtoner Kabinett m dem Konflikte mit Deutschland wegen der U-Bootstrage. sowie wie weit sie den Umfang und die Modalitäten der Anleiliebestrebimgen der Entente in Amerika beeuiilul.lt haben. Mit Ausnahme eines ganz kleinen Kreises der sog. ...lahudmi . das ist der anglisierten und amerikanisierten Juden, hat die gesamte liidcnschatt Amerikas sich aut die Seite der Zeutralvnachte und der 1 urkei gestellt. I he indische Presse hat seit Knegsbeguui die Sache Österreich-Ungarns und Deutschlands mit großer Energie verfochten und als sich ein einziges Blatt bei Kriegsbeginn erlaubte, für die Sache der Fntente Stimmung machen zu wollen, erhielt es seitens des Lesepublikiims eine derartige Antwort, daß die Administration die Redaktion zum Frontwechsel zwingen mußte. In den indischen Vierteln kann man auch wahrend des Krieges eine Stimmung wahrnehmen, ähnlich zu dericnigen m Österreich-Ungarn und Deutschland. Jede freudige Nachricht rutt einen ungeheuren Jubel hervor, leder große Sieg wird mittelst großartiger Manifestationen und Kundgebungen gefeiert. Die Namen Hmdenburg. Butzendorf. Mackensen. Bohm-F.nnolh. Dankl etc. sind nirgends im Auslände so populär, wie m den Judengassen New-Vorks . Die Wiedereroberung von Przeuivsl und Lemberg, die Eroberung von Warschau. Bresi-Litowsk um; Wilna hat im Ncw-Yorker Last eine ebenso grenzenlose Freude hervorgerufen, -wie in Wien und Bei Im Dabei ist du I mst ind u\ u s weit daP das Gros deluden V v \ I aus Österreich-Ungarn und I »cutscnlaiki. Mindern aus Rußland stammt, daß die Redaistcuie der indischen Zeitungen eheman.gi. nissisehe Juden sind. Vielleicht sind sie gerade deswegen so begeisterte Anhänger der Zeiitralinachte. weil sie am besten wissen, wie es ihren Brüdern im Zarenreiche ergeht und was sie im Falle eines Sieges Rußlands zu erwarten haben. Die luden m Amerika bilden bei Wahlen eine gew isse Macht. Ihre Haltung ist tur den Ausgang der Wahlen m Stadt und Staat New- York entscheidend. Keine politische Partei und

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