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Jüdische Korrespondenz · 1915-09-09 · 5 (9.9.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
5 (9.9.1915)
Date
1915-09-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 5 (iottesdienst beiwohnen zu können. Mit Rücksicht darauf, daß der Versöhnungstag ein allgemein beobachteter Fasttag ist, ist das Mittagessen an die jüdische Mannschaft Samstag, den IS. d. M. erst um 7 Uhr nachmittags zu verabfolgen. Diese Verordnung findet auch sinngemal'. Anwendung auf die Kriegsgefangenen jüdischer Konfession. Brody. i )ie Befreiung der Stadt Brody ist das Resultat der vor wöchentlichen Kämpfe in Nordusigaiizien. Als eine der ersten größeren Städte i ializiens ist Brody Ende August 1914 das Opfer der russischen Invasion geworden, als eine der letzten galizischen Städte wurde es der Kosakenherrschaft entrilien. Ein volles Jahr seufzte die Stadt unter dem russischen Joche, bis sie dank (1er tapferen Offensive der k. u. k. Truppen befreit und erlöst wurde. Brody gehört zu denjenigen jüdischen Qroügemeinden (ializiens, die weit und breit über die Grenzen des Landes berühmt sind. Hier lebten und wirkten in vergangenen Zeiten große Männer, hervorragende Gelehrte, deren Namen in der jüdischen Geschichte verewigt sind. Wir erinnern bloß an die berühmte.: Rabbinerfanülieu Margulies. Sehorr, Kluger und Rappaport. Brody war auch die erste Stadt (ializiens, in der die moderne Aufklärung, die „Masskala". Eingang gefunden hatte. Dort lebten und wirkten viele hebräische Literaten, dort erschienen hebräische Zeitschriften und Journale, dort wurden die ersten jüdischen Schulen und Bildungsstätten errichtet. Die „ . iiaelnne Brody", die Brody'er Gelehrten, hatten auch im Auslande einen guten Klang. Zu einer wenig beneidenswerten Berühmtheit gelangte Brody anfangs der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Rußland die ersten Pogroms stattfanden und Tausende jüdischer Flüchtlinge in Brody Schutz vor den Schergen des Zaren suchten. Sie wurden von den österreichischen Behörden freundlich aufgenommen und die großen jüdischen Weltorganisationen entsendeten nach Brody ihre Delegierte, um an Ort und Stelle die Hilfsaktion zu leiten. Nun hat die Stadt selbst das traurige Schicksal erlebt, die Vertreter des Zaren als Machthaber in ihrem eigenen Weichbilde zu sehen. Was die Bevölkerung darunter gelitten hatte, werden wir wohl erst später erfahren. Jetzt ist ihre Prüfungszeit zu Ende und sie freut sich wieder — hoffentlieh für immer — der Freiheit und der Erlösung. Rückkehr der von den Russen ausgewiesenen Juden nach Przemysl. Seit einigen Tagen begann die Rückkehr der seinerzeit von derf Russen aus Przemysl ausgewiesenen Juden in ihre Heimat. Nach ihrer Ausweisung begaben sich die Juden von Przemysl teils nach Jaroslau, teils nach Lemberg, wo sich ihrer die dortige Kultusgemeinde angenommen hat. Nach der Konsolidierung der Verhältnisse steht der Rückkehr der Juden von dort nach Przemysl nichts mehr im Wege und sie kehren in ihre Heimatstadt zurück. Zeitweise Aufhebung der Aufenlhallsgeselze für die Juden in Rußland. Das russische Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß des Ministers des Innern, der den Juden bis zur gesetzlichen Neuregelung der Bestimmungen über ihre staatsbürgerlichen Verhältnisse gestattet, in allen Städten des Kaiserreiches zu wohnen, mit Ausnahme der Hauptstädte und derjenigen Ortschaften, die der Verwaltung der Ministerien des Hofes und des Krieges unterstehen. Soweit eine Meldung aus Petersburg. Man muß noch abwarten, ob es sich um eine feste Tatsache oder um einen bloßen Trick handelt. Die Behandlung der Juden in den russischen Lazaretten. „Rjetsch" meldet: Die Regierung verbot die Verbreitung von Pogromliteratur der echtrussischen Leute in den Lazaretten, um die Gemüter nicht gegeneinander aufzureizen. Die jüdischen Flüchtlinge müssen trotzdem in den Lazaretten die schlechteste Behandlung erleiden und Beschimpfungen und Mißhandlungen seitens des Personals erdulden. Wohlhabende Juden baten um ihre Entlassung aus dem Lazarett, weil die Behandlung unerträglich sei. Die Krankenpflegerinnen wenden für die Juden nur Schimpfnamen und niemals den richtigen Namen an. Streiflichter. Russische Kulturarbeit in Galizien. Erhard B r e i t n e r schreibt in der „Berliner National-Zeitung*: Während der traurigen Wintermonate, wo der russische Alp auf Galizien lastete, wußten die Juden in D u k I a genau, was in Lemberg oder T a r n o w vorging. Aber nicht allein was unler ihresgleichen vorging, wußten sie, sondern überhaupt alles, was geschehen war oder geschehen werde. Sie waren über die vollzogenen Tatsachen ebenso genau unterrichtet, wie über solche, die erst kommen so Iten. Ihr fast hellseherischer Instinkt trog nie. Auf welche Weise sie alles Wünschenswerte schneUBtens erfuhren — dies blieb mir Geheimnis und sie verrieten es nicht. Genug, sie besaßen einen unfehlbaren Nachrichtendienst, dessen Genauigkeit beinahe unheimlich wirkte. Sie erfuhren und sie witterten. Sie hingen zusammen, wie eine einzige große weitverzweigte Familie, hielten fest aneinander, unterstützten und halfen sich, wie Blutsbrüder. Waren sie doch alle, alle, Kinder des selben kläglichsten erbärmlichsten Elends. Die Not war ihre Kette. Wußte man denn, was die nächste Woche, was vielleicht der morgige Tag bringen werde? Man zitterte nur vor der Zukunft. Kommen die Russen oder nicht? Ja oder nein? Wenn sie kamen, so bedeutete das: Bettler werden, rectitlos werden, stündlich die Gefahr eines gemeinen Todes vor Augen haben. Auf jeden Fall war die Möglichkeit vorhanden, daß sie kommen konnten, damit mußte man immer rechnen. So flog denn die Post von Dorf zu Dorf, von Ort zu Ort über Felder und Wälder, meilenhin flog die Post, die Nachricht brachte von jedem Kampf. Hatte man sie noch zurückschlagen können oder hatten sie gesiegt, rückten sie vor? Nächtlicherweile klopfte es heimlich an die Hoffenster, irgend eine nebelhafte Gestalt tauchte auf, preßte sich an die Mauer und ein atemloser Mund flüsterte hastig, was vor etlichen Stunden sich zugetragen hatte: Flieht, rafft zusammen, bergt Frauen, Mädchen und Kinder, vergrabt das Geld, flieht, jetzt augenblicklich, sogleich jetzt in der Nacht! Sie kommen, sie kommenI Und dann hieß es, keine Zeit verlieren, an jeder Minute hing vielleicht ein Menschenleben. Schon vernahm man das Gewitter der Kanonen, Pferde trabten, aus der Ferne ertönte dumpfer ungewisser Lärm. Überstürzter Abschied von daheim, die Kinder schreien, das Vieh brüllt. Heraus der Wagen aus dem Schuppen! Autgeladen, was Platz hat, nur schnell, schnell, sie kommen, sie kommen! Und dann fort in der Nacht, in ein wegloses Dunkel, in das Ungewisse, in die Heimatlosigkeit. So erging es vielen Tausenden. Nach Monaten kehrten sie zurück. Pünktlich am ersten Tage, wo „ihr" Dorf wiederum befreit war, stellten sie sich ein. Auch das hatten sie ohne Verzug erfahren. Die „galizische Post" wickelte sich glatt, geräuschlos und blitzschnell ab, ohne Fernsprecher, ohne Telegraphendraht und selbst ohne Briefe. Sie kamen an und waren sogleich wieder „zu Hause". Mochte der Ort ein halber Trümmerhaufen sein, sie machten ihren Laden auf, es vergingen keine vicrundzwanzig Stunden, so waren Waren vorhanden, man hatte irgend einen Raum gefunden, wo man wenigstens sein Haupt bergen konnte, ja es befand sich sogar Wechselgeld in der Kasse. Wie durch Zauberei geschah dies alles und man tat so, als ob nichts geschehen wäre. Ach ja, als ob nichts geschehen wäre, so sah es aus und so schien es an der Oberfläche. Aber insgeheim stiegen heiße Gebete des Dankes zum Himmel und Flüche zugleich, Verwünschungen des Schmerzes, eines ohnmächtigen Grimmes über all das, was wirklich geschehen war. Soll ich von einem „Fall" erzählen, einem einzigen nur — man könnte ihm hunderte und hunderte an die Seite stellen: Ich sehe ihn noch vor mir, den winkeligen, dunklen Krämerladen, sehr einfach und sehr ärmlich, so wie das Haus, in dem er sich befand, und wie das Dorf, zu dem das Haus gehörte. Ein junger Jude lehnte am Eingang, ein Mann, vielleicht dreißig Jahre alt, Haar und Bart kohlschwarz und auch die Mandelaugen sind wie schwarzer Samt, diese rätselhaften Augen, mißtrauisch, schlau und dabei so traurig. Von einer ganz fremdartigen Schönheit war dieses Gesicht. Im Hintergrunde ein Greis, verhutzelt, schmierig, mit einer riesigen Brille auf der Nase. Wir sprechen miteinander über dies und das, von den vergangenen Ereignissen, von der Zukunft. Die beiden Männer sind sehr zurückhaltend und wissen nicht recht, wie sie sich geben sollen. Ob sie Schaden durch die Russen gehabt hätten? Oh! Schaden genug! Und sie zählen auf, ergänzen ihre Mitteilungen wechselseitig. Aber, so meinte ich tröstend, es ließe sich verwinden, sie selbst hätten immerhin fliehen und sich retten können. „Fliehen? Nicht alle haben wir davonkommen können", meint der Jüngere in seinem Jargon und der Alte fügt hinzu: „Meine Schwester, ihr Mann, die Kinder sind hier geblieben. Bedenken Sie, Herr, hiergeblieben, wo acht Monate lang die Russen waren"! „Die Russen, die Russen . . . sagte der Jüngere und in seinem weichem Blick blitzt etwas auf. Der Greis humpelt herbei; „Sehen sie da hinaus"! Er zeigt in den Hof, „da sehen Sie nur, sehen Sie nur"! Draußen stand ein Mädchen am Brunnen, wie ich später erfuhr, die Enkelin des Alten und die Verlobte des Jungen. Ich blickte hin und — wahrhaftig, dieses halbe Kind sah Mutterfreuden entgegen. Der Greis schrie mit überkippender, kreischender Stimme: „Das haben die Hunde getan, diese Teufel, diese Schurken! Sind wir denn keine Menschen, daß man uns das antut? Gibt es keinen Gott im Himmel mehr, daß solches geduldet wird? Sollen wir die Brut großziehen, diesen Balg, dieses H . . . . kind"? Er schwieg erschöpft, keuchend und sein alter gebrechlicher Körper bebte. Der andere aber am Türpfosten, der Verlobte, stand ruhig da. Um seine Lippen spielte ein verzerrtes. Lächeln und sein Gesicht war wie in einen irren Haß getaucht. Nach einer Pause sagte er langsam : „Wenn wir reden wollten, wenn wir reden wollten ..." Chronik. Kaiser Wilhelm an Ehrllchs Wllwe. Anläßlich des Todes des Wirklichen Geheimen Rates Professor Dr. Ehrlich depeschierte der Kaiser an dessen Witwe: „Empfangen Sie den Ausdruck meines wärmsten Beileids zu dem schweren Verlust, den Sie durch den Tod ihres Gatten erlitten haben. Ich beklage mit der gesamten gebildeten Welt den Tod dieses um die medizinische Wissenschaft und die leidende Menschheit so hochverdienten Forschers, dessen Lebenswerk ihm bei der Mit- und Nachwelt unvergänglichen Ruhm und Dank sichert Wilhelm L R. A ntisemitismus In England. Immer drohender wird die Haltung der englischen Öffentlichkeit gegenüber der östlichen Juden. Berichte über die von den Rassen an den unschuldigen jüdischen Opfern verübten Greuel dürfen in Tngland nicht veröffentlicht werden. Fastgewinntesden Anschein, als ob man diese Rache nehmen wollte für das völlige Miß'ingen von Kitcheners Werbtätigkeit im jüdischen Viertel Londons. Deshalb begnügt man sicfi niefit mehr mit der Unterdrückung jüdischer Zeitungen wie der „Jewish Times", weil sie Berichte über russische Schandtaten gebracht haben, sondern beginnt unter Führung des Petersburger Korrespondenten der „Times" einen unverhüllten Antisemitismus zu propagieren. Hoffentlich werden auch unsere jüdischen Schwärmer allmählich dahinter kommen, was sie vom englischen Liberalismus zu erwarten haben. Rabbiner-Jubiläum. Der orthodoxe Oberrabbiner von Budapest, Rabbiner Koppel Reich, feiert dieser Tage das 25jährige Jubiläum seiner Rabbinertätigkeit in der ungarischen Hauptstadt. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Kriegszeit ersuchte der greise Rabbiner, von der Veranstaltung einer Jubiläumsfeier abzusehen. Ein judisches Kriegsdrama. Im Budapester „Ungarischen Th ater" gelangte am 4. September ein jüdisches Kriegsdrama unter dem Titel „Lea Lyon" von Alexander Brody zur Erstaufführung. Das Drama behandelt den Einbruch einer Kosakenhorde in ein galizisches Dorf und die gewaltsame Entführung der Rabbinerstochter Lea Lyon durch einen russischen Großfürsten. Inzwischen sind österreichisch-ungarische Truppen in die Ortschaft eingerückt, der Großfürst erschießt sich, um der Gefangenschaft zu entgehen, während Lea sich schon früher das Leben genommen hatte. Das Drama machte auf das Publikum einen gewaltigen Eindruck. Aufklärung Uber die Lage der russischen Juden in Prankreich. (Jak) Dem Beispiel New-Yorks und Londons folgend, wurde auch in Paris eine Arbeiterliga für jüdische Rechte gegründet, die in erster Linie die Öffentlichkeit über die Lage der Juden Rußlands aufzuklären sich zur Aufgabe gemacht hat. Dies war bisher fast unmöglich, da die Preßzensur, die in Frankreich äußerst streng gehandhabt wird, jede wahrheitsgemäße Schilderung der jüdischen Lage in Rußland aus zarter Rücksicht auf den Bundesgenossen ohne Federlesens unterdrückte, wie dies mehrfach „Humanite", „Bataille Syndicaliste" und „Echo de Russie" erfahren mußten. Es sind aber Anzeichen vorhanden, daß die russischen Niederlagen und die Dumareden auch hier Wandel schaffen werden. Ein jüdisches ArbeUerblati in Rumänien. (Jak) Die in Jassy bestehende jüdische sozialistische Gruppe „Der Wecker" hat nach einer längeren Unterbrechung wieder mit der Herausgabe eines gleichnamigen Z-.veiwochenblattes in jüdischer Sprache begonnen. Die judischen Freiwilligen In Frankreich. (Jak) Die unsäglichen Leiden der russisch-jüdischen Freiwilligen in Frankreich sollen nunmehr doch ein Ende nehmen. Es war« ein unverzeihlicher Mißgriff der französischen Heeresleitung, der nur durch ihre Kopflosigkeit beim Kriegsausbruch erklärt werden kann, die jungen Leute aus Rußland, welche sich aus idealen Motiven zum Waffendienst im Heer der Republik meldeten, der Fremdenlegion zuteilte. Die Fremdenlegion setzt sich aus einem verworfenen Gesindel, aus Verbrechern und allerlei Leute mit einer dunklen Vergangenheit zusammen. Die Offiziere und Unteroffiziere der Fremdenlegion, d.e in Marokko „Kulturarbeit" geleistet hatten und ihre afrikanischen Umgangsformen beibehielten, behandelten die Freiwilligen wie marokkanische Sträflinge und machten ihnen das Leben zur unträglichen Last. Jeder noch so leise Einspruch wurde als Insurrektion geahndet, Kerkerstrafen waren auf der Tagesordnung, eine größere Anzahl wurde sogar hingerichtet. Erst nach einer mehrmonatigen Kampagne Herves in der „Guerre Sociale" hat sich das Kriegsministerium, auf die Intervention der sozialistischen Kammerfraktion dazu herbeigelassen, dem Begehren der russisch-jüdischen Freiwilligen stattzugeben und sie den Truppen zugeteilt. Die Demütigungen und Qualen der jungen Leute, die für die „europäische Freiheit" zu kämpfen glauben, finden vielleicht damit ihren Abschluß. Eisenbahn Jerusalem—Damaskus. Mitten im Kriegsgetümmel ist die direkte Bahnverbindung Jerusalem—Damaskus eröffnet worden. Die Fahrzeit beträgt 18 Stunden, der Fahrpreis zweiter Klasse 30 Franken. Es ist zu erwarten, daß nach Friedensschluß ein lebhafter Verkehr auf dieser Strecke einsetzen wird. Kriegstiumor. A. : Wer verdient in der jetzigen Zeit den weitgehendsten Kredit? B. : Nikolaj Nikolajewitsch! A. :?! B. : Ja, natürlich. Er ist ein wunderbarer Zahler. Was er nimmt, gibt er mit Zinsen und Zinseszinsen zurück. Er hat Lemberg, Czernowitz, Przemysl, Stanislau, Kolomea, Jaroslau, Rzeszow und Tarnow, kurz: fast ganz Galizien und Bukowina genommen und alles prompt zurückgegeben. Zinsen aber zahlt der Mann, wunderbar; ganz Polen und große Teile anderer Provinzen hat er darauf gezahlt. Er zahlt und zahlt noch immer Zinsen und Zinseszinsen; eine halbe russische „Mlucha" gibt er weg. J. S. * In einer Landsturmkompagnie, die schon mehrere Male im Feuer gewesen war, stand auch der Landsturmmann Baruch. Der Hauptmann erklärte eines schönes Tages: „Baruch, Sie sind doch ein tüchtiger Soldat und möchten sich doch gewiß gern auch auszeichnen. Machen Sie doch mal Gefangene." Baruch sagt: „Herr Hauptmann, wird gemacht" Drei Tage später tritt Baruch mit neun Gefangenen an. Der Hauptmann ist erstaunt und fragt Baruch: „Wie haben Sie das bloß gemacht?„Nun", sagt der Baruch, „ich bin an die russische Schützenlinie gegangen und hab' gesagt: „Ich brauche „Minjan" (Minjan ist die jüdische Gebetzahl, da zu vorschriftsmäßiger Verrichtung des Gebets zehn Mann gehören), 'nu, Herr Hauptmann, da sind neune i ausgekommen." * Auf der Ostfront lernen die Russen «He Sidrah „Ki sei*ei° und die Deutschen und Österreicher „Ki sowou*, — und auf der Westfront lernen die Franzosen „Nizowim" und die Deutschen werden bald mit „Wajelech" beginnen Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX, Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grfinhut).

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