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Jüdische Korrespondenz · 1915-08-12 · 1 (12.8.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
1 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Wochenblatt für jüdische Interessen. "t^'lüC'^^T " KaeMnick mit voller Qu€llenanBabe Be*tattet! R e d a k t e U r: J O n a S K11 p p e 1. Erscheint jeden Doiii^Htag. Wien, 12. August 1915, I. Jahrgang. I Unser erstes Wort gilt unserem Kaiser. Dem Kaiser Franz Joseph, unter dessen glorreichem Szepter die Juden Österreich-Ungarns vollste Gleichberechtigung erhielten, in dessen Staaten sie steh politisch, kulturell und wirtschaftlich frei und ungehindert entwickeln können, unter dessen Allergnadigstem Schutze sie sich als Juden und als Menschen ausleben können. Am 1«. August teiert Kaiser Franz Joseph seinen 85-ten (ieburtstag. In eine ernste Zeit fallt dieser 'lag, welcher seil 67 lahien e,n Freuden- und Festtag für alle österreichischungarischen Volker zu sein pflegte, an welchem mc jahraus jahrein ihiem Landes\ater in kmulicher Liebe zuzujubeln pflegten, für dessen Gluck und Heil sie in den Gotteshäusern aller Konfessionen die innigsten Gebete zum ewigen Vater im Himmel zu richten pflegten. Auch heuer wird es so sein. I rotz der ernsten Kriegszeit wird der IS. August für jeden Österreicher und Ungar em Fest- und Freudentag sein. Jeder Burger des Habsburgerreiches wird Gott im Himmel dafür preisen, daß er diesen Monarchen mit einem langen Leben und einer unerschütterlichen Gesundheit gesegnet hatte und den 52 Millionen Österreichern und Ungarn das hohe Gluck zuteil werden ließ, diesen großen, weltbewegenden Krieg, dessen Eintreten trotz aller Friedensliebe des Kaisers geschehen mußte, unter der Regierung dieses edelsten aller Monarchen durchzumachen. Mögen auch die Wunden, welche der Krieg den Volkern schlagt, noch so schwer sein, sie werden schon unter den Strahlen des Kaisers Gnadensonne wieder heilen. Auch für den Kaiser selbst wird diesmal der 18. August trotz des Ernstes der Zeit em Freudentag sein. Gerade in diesem Jahre kann der greise Monarch zu semer höchsten Freude konstatieren, daß die Saat, die er seit 67 Jahren gesaet. herrliche Fruchte trage. Des Kaisers Wahlspruch „Viribus umtis" hat das heutige | Österreich-Ungarn geschalten, diese solidarische Begeisterung aller Volker, Nationalitäten und | Konfessionen, welche die schonen Provinzen j der Monarchie bewohnen und welche trotz aller | nationalen und konfessionellen Unterschiede v em Mann tur Kaiser und Vaterland kämpfen ] unu siegen. Des Kaisers unermüdliche Fürsorge tur die Wehrmacht zu Laude und zu Wasser hat die tapfere österreichisch-ungarische Armee | und die schneidige Flotte geschaffen, welche i heute m Nord und Sud so herrliche 1 numphe / leiert, so glanzende Siege zu erringen versteht. { Die 07 Regierungstahre des Kaisers Franz Joseph sind nicht iruchtlos geblieben. Sem Werk I ist das heutige Österreich-Ungarn, min verdankt die Monarchie ihre rnachtgebietende Stellung nach innen und außen. Lr verdient die Huldigungen aller Volker im höchsten Masstabe. | In dem allgemeinen Volkerchor, welcher am 18. August des Kaisers Lob und Ruhm preij seil wird, wird die Stimme der österreichischungarischen Judenheit sich besonders vernehmlich machen. Gerade m diesem Jahre werden auch die Juden inniger und herzlicher denn j je ihrem Kaiser huJdigen, dessen tapfere Armee J nicht nur die Hifhderttausende ihrer Glaubensgenossen in Gahzien und der Bukowina von der drohenden russischen Knechtschaft befreite, sondern auch einer Million ihrer Bruder in j Russisch-Polen Freiheit und Erlösung brachte.;mi Wie alhahrhch und noch mit tieferer Inbrunst *ff werden sich unsere Glaubensgenossen am LS. Ii* August in ihren Gotteshäusern versammeln (ü) f und ans Huuderttauseiiden Herzen wird ein [Ii] inbrünstiges Gebet zum ewigen Vater im Hirn- ("Hj mel emporsteigen: |Mj Gott erhalte, Gott beschütze unseren Kaiser Fruit/, Joseph 1. und gewahre ihm die gott- Iii] liehe Gnade, gar bald das höchste Ideal seines [iJ] Lebens, seinen Völkern einen ehrenvollen, ruhmreichen, dauernden F rieden zu sichern, erreicht zu sehen! Warschau. Die Eroberung Warschaus und der anderen Weichselfestungen krönt den Siegeszug der österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen, den sie seit ihrer Maioffensive unternommen haben. Die Eroberung Warschaus bedeutet die völlige Niederringung der russischen Heeresmacht und die Befreiung Polens aus den russischen Klauen. Groß ist der Triumph in Österreich-Ungarn und Deutschland, groß ist der Triumph der Polen, deren Land nach 130jähriger Knechtschaft endlich den Krallen des Zarentums entrissen wurde. Warschau ist jedoch nicht nur der wichtigste strategische Punkt an der Weichsellinie, nicht nur das Herz Polens, nicht nur die größte Stadt in allen polnischen Landen — Warschau ist auch die größte Judengemeinde Europas, nach New-York die größte Judengemeinde der Welt überhaupt. Ca. 300.000 unserer Brüder leben in dieser Stadt. Dort war in den letzten zwanzig Jahren das Zentrum des jüdischen Geisteslebens im Osten, dort lebten und wirkten die bedeutendsten hebräischen und jüdischen Schriftsteller und Literaten, dort war der Sitz der bedeutendsten hebräischen und jüdischen Verlagsgesellschaften, von dort strahlte das Licht der modernen hebräischen und jüdischen Literatur nach allen Richtungen des Ostens und des W estens aus. Dort aber lebten auch diese 300.000 Juden unter unmenschlichen Ausnahmsgesetzen und Verfolgungen. Die Befreiung dieser Stadt von der /.ansehen Herrschaft bedeutet auch tur die Juden einen großen I numph. Unsere dortigen Bruder werden von nun an nicht mehr der Verfolgung und Unterdrückung seitens des Zaren Henkersknechte ausgesetzt sein. Der I numph Österreich-Ungarns und I »eutschlands, der 1 numph der Polen ist auch der Inumph der Juden! Als freie Burger werden sie nunmehr ihre geistigen Kratte viel starker als bisher entfalten können, starker als bisher wird Warschau nunmehr zum Zentrum des jüdischen Geisteslebens werden. Warschau war die einzige große polnische Stadt, in der sich, gefordert und gepflegt durch das russische Regierungssvstem, in den letzten Jahren eine arge antisemitische Bewegung ungehemmt entwickelte und unerhörte Orgien feiern konnte. Getreu ihrem Prinzipe: „Divide et impera" haben die russischen Machthaber sich darauf verlegt, die Juden und die Polen gegen einander zu hetzen und das öffentliche Leben des Landes mit der antisemitischen Epidemie zu verseuchen. Diese Bewegung konnte natürlich nicht auf Warschau allem beschrankt bleiben, sie griff wie eine Seuche um sich und drohte, das ganze im allgemeinen bisher ziemlich erträglich Verhältnis zwischen den Juden und den Polen zu vergiften. Mit du Beiiciuiu Wuisümus von dei rtis sischeu Herrschaft durfte auch m dieser Beziehung eine Wandlung zum Bessern eintreten. Mag sich das Schicksal Polens wie immer gestalten: mag die form, in welcher das Land seine zukünftige Freiheit genießen wird, wie immer geartet sein als trete Volksgruppen, nicht mehr durch äußere Einflüsse verhetzt und verfeindet, werden sich die Juden und Polen sicherlich zu verstandigen wissen und unter der Aegide ihrer Befreier einen modus vivendi unter gegenseitiger Achtung und Freundschaft finden können. Mit der Befreiung Warschaus werden die über anderthalb Millionen Juden Russisch- Polens endgültig erlost. Die Judenschaft der gan/en Welt schuldet den tapleieii osten.i chisch-uuganschen und deutschen Armeen Dank und Anerkennung tur diese glanzende Beireiungstat. „Golus Rußland". Als du Russen -.ich sl/a du i hu ihie Heercsmassui aus Gah/ien /in i k/ii/iehtn, da schleppten sie auch einen gronen "leil der judischen Bevölkerung mit sich.

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