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Die Stimme · 1938-03-09 · Heft 742 (9.3.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 742 (9.3.1938)
Date
1938-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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MtttwocQ-Jtusgabe 9k Dieses Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei 4ea Kolporteuren erhältlich V. b. b. 15 fl!‘Stimme Nr. 74* JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Mittwoch, 9. März X93S e *. Adern. 909« XX. Jahrgang Möbeltransporte Möbeleinlagening Übersiedlungen u«b dem genmien In- und Aoelend. F«chgem»Se, ■oigtUHge Bedienung. Veitrauenevolle Beratung. Spealalabtetlung für Möbeltransporte. Gottlieb Kantor Wien, I., Helferstorferstr 4, Tel.U27-5-35Serie Gesetzlichkeit und Autorität Wir haben schon mitgeteilt, welche Weisungen der Innenminister in seiner Linker öffentlichen Rede den nationalsozialistischen Führern überbracht hat. Sie besagen im . Kern, daß die Illegalität nunmehr durch staatliche Anerkennung beseitigt ist und daß die bisher illegalen Nationalsozialisten einerseits der Vaterländischen Front eingegliedert werden, anderseits in einer eigenen „Volksdeutschen Arbeitsstelle“ außerhalb der Front ihre Organisation in neuer Form aüsbauen. Der Staat hat somit sehr tiefgehende Reformen zugestanden. Der Weltansohauungskampf ist über Nacht in die einzelnen Gliederungen der Vaterländischen Front hineinverlegt worden, ihm di diese nach wie vor gemäß dem "FToiregesetz ' der einzige politische Willensträger bleibt, neben sich äber eine Volksdeutsche Arbeitsstelle hat, so kann man die kommenden Konflikte schon jetzt vorausahnen. Unter politischem Willen kann jeder etwas anderes verstehen, wobei jeder sich auch noch als guter, ja als bester Österreicher bezeichnen kann. Daß aber diese Reformen nicht auf den abgesteckten Bezirk beschränkt bleiben können, ist im ersten Jubel über die Befriedung übersehen worden. Die Arbeiterschaft hat sich angemeldet. Wenn Gleichberechtigung für die Völkischen und Nationalsozialisten, dann auch Gleichberechtigung für die bisher gleichfalls „illegal“ gesetzten Organisationen und Vereine anderer Richtung. Auch diese streben darnach, ihre Weltanschauung in irgend einer Form im Rahmen der Front zur Geltung zu bringen, und dieses Verlangen hat auch der Wiener Bürgermeister öffentlich als berechtigt anerkannt. Daß nun auch die alten - fgelösten ohristlichsozialen Verbände ihre Wunschliste Vorbringen werden, steht zu erwarten. Es ist nunmehr jede Gesinnung und jede Weltanschauung gleichberechtigt. Das ist die Auffassung aller, ob sie nun rechts oder links von den Nationalsozialisten stehen, und diese alle sind, wie sich bereits herausgestellt hat, die übergroße Mehrheit der österreichischen Bevölkerung. Die jüdische Einwohnerschaft Österreichs, die den Staat vorbehaltlos bejaht und von der Regierung nichts als die Einhaltung der Verfassung und der bestehenden Gesetze verlangt, steht diesen Verhältnissen abwartend gegenüber. Sie weiß, daß, wenn es so paßt, über zuviel Juden geschrien w'"1'- wenn anders paßt, so sind die Juden überhaupt nicht vorhanden. Der Bundeskanzler hat die Gleichberechtigung ausdrücklich als Punkt seines Progrm s genannt und die Judenschaft in Österreich und draußen in der Welt hat dies mit Dank vernommen- Aber diese Worte müssen auch allen nachgeordneten Dienststellen des Staates von oben bis hinunter ins Bewußtsein dringen und den Anlaß bieten, zugefügtes Unrecht wiedergutzumaeben. E« ist eine Aktion „Christen, Die Londoner Tagung Pie Sitzung de* Aktionskomitees , London, 8. März. (JTA.) Die Tagung des; mit der politischen Lage und mit Fragen der Zionistischen Aktionskomitees hat heute ia Palästina - Einwanderung auch mit einer London im Beisein fast sämtlicher Mitglieder Reihe organisatorischer Prodes A.-K. begönnern Im Laufe des Montag bleme befassen wird, die der XX. Zioniwaren die palästinensische Delegation mit stenkongreß dem A.-K. zur Behandlung zudem Vorsitzenden des A.-K., M. M. U sgewiesen hatte. Von größter Bedeutung sischkin, an der Spitze, und die polnisind dabei die Vorschläge des Organisationscshen A.-K. - Mitglieder in London ein-; ausschusses des Kongresses, den Preis getroffen. Die meisten amerikanischen Mitdes Schekels ln einer Reihe osteuroglieder waren bereits früher in London. Der päischer Länder herabzusetzen und in allen Schatzmeister der Zionistischen Exekutive, Ländern Nationale Zionistenräte Elieser Kaplan, wird für Mittwoch oder, zu bilden, welche die Tätigkeit der verschie- Donnerstag aus Südafrika erwartet I denen zionistischen Parteien und Gruppen Es verlautet, daß sich die Tagung außer i koordinieren sollen. MacMichaels erster Regierungsakt Rundfunkaufruf an Palästina Jerusalem, 7. März. (Palcor.) Der neue High Commissioner, Sir Harold MacMichael, richtete am Abend des 4. März seine erste Ansprache in einer Rundfunkübertragung an die Bevölkerung von Palästina. In der Ansprache, die zwölf Minuten dauerte, gab Sir Harold in großen Zügen die Richtlinien seiner Regierung an und rief die FeVölRerüng auf, ihm bei Mner1 schweren Aufgabe Hilfe zu leisten. Achtung vor Gesetz und Ordnung Sir Harold erklärte, seine Pflicht würde sein, die Autorität des Königs aufrechtzuerhalten und den Respekt vor Gesetz und Ordnung wiederberzustellen. Dies sei nicht nur eino Befolgung des Mandates, sondern liege im größten Interesse der Einwohner von Palästina, des British Empire, des Wohlergehens des Landes und der gesamten Welt, die auf das Heilige Land mit Ehrfurcht blicke. Sir Harold sprach den Militärbehörden «eine Anerkennung aus und sicherte ihnen seine vollste Unterstützung zu und wies darauf hin. daß ee viele von jedem Glaubensbekenntnis und Nationalität,- geben müßte, die im Grunde ihres Herzens den gegenwärtigen Zustand, der dem Lande Schande antäte, tief beklagten. Ob jedoch die Anzahl dieser Menschen groß oder klein sei, alle diejenigen, die auf der Seite des Friedens sind, verdienten jede mögliche Hilfe, und diese Menschen seien es, auf die man für die Reinigung der öffentlichen Meinung blicken müßte, die die allgemeine Wiederherstellung einer Perspektive von Gesundheit und die Schaffung einer Atmosphäre für eine Versöhnung ermöglichte, in der sich dann alle wieder zu einem gesicherten und geordneten Leben niederlassen könnten. Sir Harold fuhr fort, er würde in seinen Anstrengungen, die Entwicklung des Landes zu fördern, nicht nachlassen. Es sei jedoch augenscheinlich, daß der Gang des Fortschrittes gehemmt sei und infolge des Mangels an Sicherheit und gutem Willen auch weiterhin aufgehalten würde. Palästina könne jedoch nicht durch rein wirtschaftliche Maßnahmen und die Wiederherstellung normaler Zustände gerettet werden, sondern es müßten Mittel und Wege gefunden werden, die Bevölkerung Ja,znmzu briggen^ . .. das Schwort mit dem Pflug au vertauschen, indem man den Amen und Unglücklichen im Lande zu einem höheren Lebensstandard verhilft Die Unsicherheit habe eine fatale Auswirkung auf die Wirtschaft. Die Notwendigkeit, große Summen für den Schutz von Leben und Eigentum auszugeben, muß vermindert werden, damit solche Gelder für andere Zwecke verwendet werden könnten. Bei der Diskussion über Mittel und Wege solle aber die Tatsache nicht übersehen werden, daß ohne Großbritannien keine der streitenden Parteien irgend eine Chance habe, auch nur einen Bruchteil dessen, was sie wünscht, zu erhalten. Er wolle sich nicht in Spekulationen ergehen, waB das endgültige Resultat für die Juden oder die Araber sein würde. Jeder könne sich jedoch gut vorstellen, was passieren würde, wenn nicht eine starke Macht ohne jedes Streben nach Vergrößerung hinter Palästina stehen würde. Das British Empire sei stark und in der Lage, sowohl sich selbst als auch diejenigen zu verteidigen, denen es seinen Schutz anbietet. Großbritannien sei nicht auf Eroberungen aus und nicht von irgend welchen Gefühlen des Neides oder von Vergrößerungsabsichten getrieben; sein einziger 1 Wunsch sei Frieden und Sicherheit Die Interessen Großbritanniens sind dieselben wie die der Bewohner Palästinas, und die Wahrung dieser Interessen ist für beide Parteien in diesem Lande gleich wichtig. kauft bei Christen“ mit klar eingestandener Richtung gegen die jüdischen Geschäftsleute (und Steuerzahler) durchgeführt worden. Es ist eine maßlose Boykottagitation betrieben worden, die den Ruin zahlloser jüdischer Kaufleute verschuldet hat. Gegen das gesamte Judentum und gegen einzelne Juden wird Rufmord gepredigt. Die jüdische Bevölkerung ist in der Hoheitsverwaltung. im Wiener Magistrat, überhaupt nicht, in den ständischen Führungen kaum vertreten. Jüdische Ärzte sind ohne Anlaß aus der Kassenpraxis entfernt worden, aus öffentlichen Heilanstalten fast schon zur Gänze ausgeschlossen. Die Ziffern der Wiener Kultusgemeinde zeigen, wie sehr Not und Elend zugenommen haben, und es läßt sich unschwer erkennen, was an diesem Verfall dem antijüdischen Treiben zuzuschreiben ist. Man muß es auch würdigen, wieviel die Berichterstattung, die jüdische Beschuldigte mit vollem Namen und Herkunftsbezeiohnung an den Pranger stellt, die analogen „arischen“ Fälle aber milde verschweigt, zu der Verbitterung beigetragen hat, die in den jüdischen Kreisen herrscht. Wir sind die ersten Opfer einer Durchlöcherung des Rechtsempfindens geworden. Aber es muß jedem klar sein, der die Ereignisse der letzten Tage in den Straßen beobachtet hat, daß diese Zu- Zrm Abschluß sagte Sir Harold, er sei von voÖstem Vertrauen erfüllt und mit aufrichtigem Bestreben, alles für das Beste des Landes zu tun und vollkommen unparteiisch zu sein. Er hoffte, daß ihm alle bei der Ausführung seiner großen Aufgabe für den Frieden des Landes helfen würden. Sir Harold zitierte bei seiner Ansprach« lange Absätze aus dem Bericht der Mandatskommission vom Jahre 1937. Er erinnerte die Juden daran, daß es in Großbritannien keine Judenverfolgungen gäbe, während er den Arabern ins Gedächtnis rief, daß sie großen Nutzen aus britischer Freundschaft gezogen hätten und daß es ohne Großbritannien heute keine unabhängige arabische Staaten gäbe. Seine Zuhörer sollten erwägen, welchen denkbaren Vorteil die eine oder andere Partei im Lande haben könne, W6nD die gefährliche Spannung fortwähren würde. Ein solcher Zustand könne dem Lande die Sympathie aller Völker verscherzen, die ihm praktische und unwiderlegbare Beweise eines beständigen Wohlwollens gegeben haben. Sb Harold erklärte, er sei frei von Vorurteilen irgendwelcher Art und schloß seine Ansprache mR den Worten, für ihn existiere keine Frage von Parteilichkeit in den gegenwärtigen Schwierigkeiten, da er über das gesamte Problem keine, vorgefaßten Ideen oder irgend eine Voreingenommenheit habe. Ungefähr eine halbe Stunde nach dem Abschluß der Rundfunkrede des High Conimissioners wurden im Norden von Talpioth, in nächster Nähe des Regierungspalais, indem Sir Harold MacMichael seine Ansprache hielt, Schüsse abgegeben. „Der Mann mit Ren eisernen Nerven“ „Great Britain and the East“ bezeichnet in einem Leitartikel den neuen High Commissioner Sir Harold Mac-Michael als „Mann mit eisernen Nerven“. Das Blatt hebt besonders die große Erfahrung Sir Harolds und seine Energie in der Unterdrückung von Unruhen hervor. Palästina bekomme zum ersten Maie einen High Commissioner, der sich mit der Mehrzahl der Bewohner des Landes in ihrer eigenen Sprache verständigen kann. Sir Harold werde in einigen Monaten die Stimmungen der Pa- I lästinenser genau kennen. Dies werde ihm bei der Formulierung seiner Politik bebilf- I lieh sein. Die Augen der Welt seien jetzt {auf dfin. nauÄo High Conämisaioner.geri#hrttj . — sie werde nicht enttäuscht werden. Die Schlacht bei Jenin j Jerusalem, 7. März. (JTA.) Der erste Tag ' des Amtsantritts des neuen High Commissioner Sir Harold A. MacMichael stand im Zeichen einer verstärkten arabischen Terrortätigkeit. Die Schlacht zwischen englischen Truppen und arabischen Terrorbanden im Jenin-Distrikt ist die größte in der -bisherigen Geschichte des arabi- | sehen Terrors in Palästina. Nach einem vor- ' her ausgearbeiteten taktischen Plan war eine fünfhundertköpfige arabische Terrorbande, die sich in der Nähe des Dorfes Um e 1 | F a h m konzentriert hatte, von Militär um- [ zingelt worden. Am Freitag kam es zum ersten Zusammenstoß, wobei die Terroristen die Angreifenden waren. Sie begannen damit, daß sie Militärauto« des zweiten Bordererregiments bsohossen. Sogleich trafen militärische Verstärkungen ein, sowie nenn Militärflugzeuge, die in die Kämpfe eingriffen und die Terroristen aus Maschinengewehren beschossen. Bei diesem ersten Zusammenstoß wurde ein britischer Soldat getötet, ein Offizier wurde verwundet. Auf arabischer Seite wurden 45 Terroristen getötet, 14 gefangengenommen; sie werden am Dienstag vor das Militärgericht in Haifa gestellt werden. Fünf der Getöteten wurden von den Truppen mitgenommen, 40 blieben auf dem Kampfplatz. 36 Gewehre und 2000 Patronen fielen den Truppen in die Hände. I Unter den getöteten Terroristen befindet sich stände eben aus dem Umstande erwachsen sind, daß den Juden gegenüber jede Loyalität geschwunden ist und daß der Knabe, der seine völkische Erziehung früher den Juden gegenüber ausleben konnte, jetzt nicht mehr bei ihnen stehen bleibt. Die „Reichspost“ erzählt bereite von einer Hetze „Fort mit den Schwarzen! ...“ Es ist zu erhoffen, daß die Staateautorität zum Rechten schaut, und daß die Zusage des Bundeskanzlers von der Gleichberechtigung auch für die Juden von der Rede zur Tat gelangt. Die Gesetze reichen aus, um die friedliche Arbeit und die Ordnung zu sichern. Sie müssen nur an gewendet werden.

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