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Die Stimme · 1938-03-04 · Heft 740 (4.3.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 740 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freitag - Ausgabe 13 g V.b.*. bei den Kolporteuren erhältlich iiliW JÜDISCHE ZEITUNG (l M ARCoVoLO" „ESPERIA’' „CALILEA" „GERUSALEMME" „PALEiTINA" <ter Sdilffahrtigesell JCÖ sft „ADRIATICA" Zu PURIM und PESSACH auf Htn- und KQdfahrkarten *0% KrmSftigung GcssllsAsftsreisen de« Reisebüro CITY, Or. I. H. Körner, I-, Kohtmaikt8 PURIM-REISE ab Triest 9. März 1938 PESSACH-REISE ab Triest 6. April 1938 Auskünfte und Prospekte: Generalagent!» und Passagierbüro: Wien, I., Kärntnerring ö - Tel. U 47-5-60 Zweigstelle: Wien, I-, Kohlmarkt 1 - Tel. R gg-1-33 Nr. 740 Wien. Freitag, 4. MSrc 1938 e X. AdarIL 9098 11. Jahrgang FRANKREICHS STAREN <EMBLE: Frtrncoite Ross», fllösrt PreJean Chorles tfonel, Lisette Lutwin CHEZ JEtlHV Um den Judenstaat Pie Siedler von Tirath Zvi, einer Meinen jüdischen Kolonie im Beisangebiet, haben in einem dreistündigen Gefecht 4ea Überfall einer arabischen Bande, die ' ’ ü®«titeengfewete“*HSfettstet war, abgeschlagen. Die Meldung von dieser heldenhaften Kampfhandlung bringt uns in den Sorgen dieser Tage wieder Palästina vor die Augen, dessen Bedeutung für die Zukunft des jüdischen Volkes heute ihre besonders aktuelle Betonung erhält Der Oberkommissär Wauchope ist abgereist, sein Nachfolger ist angekommen und er findet zunächst die Aufgabe vor, das Land zur Ruhe zurückzuführen. Den Wechsel an der leitenden Stelle haben die Terrorbanden zu einer intensiven Aktion ausgenützt. Sie wollen dem neuen Mann zu Bewußtsein bringen, daß ihr Kampf längst über Mandat und jüdische Einwanderung hinaus gegen England gerichtet ist. Zwar vergessen sie nicht, wie der Vorfall von Tirath Zvi zeigt, an die Juden, aber in der Hauptsache sind sie willige und wahrscheinlich gut bezahlte Hilfstruppen der Gegner Englands in dem Ringen um das Mittelmeer. Die Auseinandersetzung zwischen England und Italien wird in der nächsten Woche beginnen. Sie vollzieht sich unter dem Druck des spanischen und des ostasiatischen Krieges sowie der letzten Ereignisse in Österreich, und es ist politische Berechnung, daß Italien eben jetzt die Frage des Judenstaates aufwirft, der irgendwo, nur nicht in Palästina, aufgebaut werden soll. Unter diesem „irgendwo“ scheint Rom Abessinien anzubieten bereit zu sein. Es rechnet mit einem gewissen psychologischen Eindruck, mit gutem Grund. Das Judentum weiß es zu würdigen, daß eine Großmacht der dynamischen Richtung sich mit dem Gedanken der staatlichen Souveränität befaßt und es ist der Hoffnung, daß Italien sich doch an die Unterfertigung des Mandates durch den Marquese Imperali erinnern und — wenn die heutigen Spannungen abgeehbt sein werden — die Palästina- Sache im Sinne des Zionismus fördern wird. Denn das jüdische Volk hat sich seinen Anspruch auf Palästina nicht bloß in der Diplomatie, sondern m seiner Leistung in Palästina seihst begründet, es kann und es wird nicht auf dieses Recht verzichten und es wird die 400.000 Juden, die sich bereits dort befinden, nicht Jugoslawien leimt Antisemitismus ab Oeffentliche Erklärung in Belgrad Belgrad, 3. März. (JTA.) Im Zusammenhang mit den jüngsten antisemitischen Aktionen in Jugoslawien, die in der Öffentlichkeit des Inlandes nnd im Ausland lebhaftes Echo gefunden haben, hat die Regie-] rungspartei „Jugoslovenska Radikalna Lajednice“ (Jugoslawische Radikale Einheit) die jüdischen Bürger von Belgrad zu einer öffentlichen Tagung eingeladen, auf der die Haltung der Regierungspartei gegenüber der jüdischen Bevölkerung behandelt wurde. Hauptredner war der Vizepräsident der Stadt Belgrad, Dragoljub Todorovic, einer der prominentesten Führer der Partei, der Im Verlaufe einer zweistündigen Rede die Stellung seiner Partei und mithte auch der Regierung zu der jüdischen Bevölkerung Jugoslawiens umriß. Er verwies auf den Anteil der jüdischen Bevölkerung am letzten Freiheitskampf der Serben nnd an allen anderen Freiheitskämpfen, sowie auf ihren Anteil am öffentlichen Leben des heutigen großen Jugoslawien. Seiner Partei liege Antisemitismus ferne; jeder Bürger genieße gleiche Rechte und trage die gleiche Verantwortung. Religiöse und rassische Unterschiede würden niemals gemacht werden. I Was in der letzten Zeit geschehen Ist, seien die Taten unverantwortlicher Elemente. Die Gegner der Regierungspartei hätten diese Vorfälle ausgenutzt, um die Partei des Antisemitismus zu beschuldigen. Er könne feststeilen, daß die Reise des Ministerpräsidenten nach Berlin nichts zu tun habe mit dem inneren Leben des Landes; diese Reise sei von wirtschaftlichen Notwendigkeiten diktiert worden. Zum Schluß versprach Vizepräsident Todorovlö der jüdischen Bevölkerung, als Teil des jugoslawischen Volkes volle Sicherheit; weder die Partei noch die Regierung verfolge antisemitische Tendenzen, solche Tendppzerj seien ihnen vollkommen lremd. Die \ Serben hätten selbst zu sehr unter'verrxKUT- Fremdberrscbaften zu leiden gehabt, als daß sie nicht Verständnis hätten für den Wert der Freiheit. Die jüdische Bevölkerung könne daher unbesorgt sein: nicht die Spur eines Unrechtes werde ihr widerfahren. Die Rede hat schon deshalb lebhafte Kommentare hervorgerufen, weil sie von einem Führer jener Partei gehalten wurde, die gegenwärtig die Politik des Landes bestimmt. Englische Universitäten gegen Judenverfolgungen I London, 3. März. (JTA.)ln Cambridge[ fand eine von 500 Personen besuchte Ver- : Sammlung statt, die sich mit dem Anwachj sen des Antisemitismus in Mittel- und Ost- ] europa befaßte. Die Versammlung — io der Geschichte der britischen Universitäten einzig dastehend — war von sieben Universitätsvereinigungen, darunter der konservativen, dem sozialistischen Klub, religiösen Körperschaften wie christliche Studentenbewegung und jüdische Kongregation, der | Völkerbundliga u. a. m. organisiert worden. Den Vorsitz führte der Präsident der UnioD Society, der repräsentativen Körperschaft der Studenten von Cambridge und ehemalige Präsident der konservativen Vereinigung, J. M. S i m 0 n d s. Colone] Josiah Wedgwood sagte, er hoffe, die öffentliche Meinung Englands werde nicht dulden, daß die Rechte der Juden, die England und Frankreich in den] Friedensverträgen zu verteidigen versprochen hätten, mit Füßen getreten werden. Der Vorsitzende brachte zum Schluß folgende Resolution zur Verlesung, die von den Versammelten einstimmig angenommen wurde: „Die Versammlung bedauert das Anwachsen des Antisemitismus in Europa und protestiert dagegen, daß antisemitische Aktionen von einigen Regierungen gefördert werden, die dadurch die elementaren menschlichen Rechte und die in den Friedensverträgen übernommenen Verpflichtungen verletzen. Sie siebt im Antisemitismus eine Gefahr für die Stabilität und die Ordnung in Europa nnd begrüßt daher die von den Regierungen Amerikas, Englands und Frankreichs unternommenen Schritte zugunsten der rumänischen Juden. Die Versammlung verurteilt die Einrichtung von Ghettobänken an den polnischen Universitäten als barbarisch and verspricht den polnischen Gelehrten, die für die Wiederherstellung der Freiheit an den Hochschulen kämpfen, Unterstützung.“ Die Revisionen in Rumänien Bukarest, 3. März. (JTA.) Der Jiistizminister hat bekanntgegeben, daß die Frist, innerhalb welcher die rumänischen Juden den Gerichten ihre Dokumente zum Zwecke der Überprüfung ihrer Einbürgerungen vorzulegen haben, bis zum 1. April verlängert wurde. Die Bestimmung, wonach persönliches Erscheinen vor dem Gericht erforderlich ist, ist dahin abieämlert ..X®tdenJdjiß tung durch andere Pergonen zugelassen wird. Die Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über die Revision der Einbürgerungen sollen bereits in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Allein in Czernowitz sind in den im Bürgermeisteramt aufliegenden Listen 60.000 Namen von Personen enthalten, deren Staatsbürgerschaften überprüft werden. Graf Anton Sigray gegen die Rassentheorie In einer in Gyöngyös gehaltenen Rede äußerte sich der ungarische Legitimistenführer Graf Anton Sigray gegen die RasseDtheorie. Er führte unter anderem aus: Es herrscht gegenwärtig eine große Begriffsverwirrung nach der Richtung hin, was Links- und Rechtspoiitik ist. Als Rechtspolitik gelte heutzutage auch der weiße Bolschewismus, während als Linkspolitiker auch diejenigen bezeichnet werden, die auf der Grundlage des Privateigentums stehen und die alten Gesetze sowie die Verfassung achten. Er übernehme die Verantwortung für eine solche Linkspolitik und lasse über sich auch den Vorwurf einer reichsdeutschen Zeitung ergehen, die behauptete, daß „Juden, Kommunisten, Priester und Legitimisten“ unter einer Decke stecken, nur weil sie die für das Land unheilvolle Rassentheorie, die der wissenschaftlichen Kritik nicht standhalte, 1 nicht billigen. Ebenso übernehme er die 1 Verantwortung für eine Linkspolitik, wenn im Stiche lassen. Die neue Festsetzung des jüdischen Volkes in Erez Israel ist unter blutigen Opfern an Menschen, unter Einsatz von Geld und Arbeit erfolgt, sie besteht bereits und kann nicht aufgegeben werden zugunsten einer Kolonisation in einem Land, für das das jüdische Volk nicht die geringste Sympathie aufbringt und für die es auch nicht die Mittel besitzt. Die Jewish Agency hat zu dieser Frage bereits Stellung genommen, und das zionistische Aktionskomitee, das in der nächsten Woche in London tagt, wird keinen anderen Standpunkt einnehmen. Es hat mit der politischen Lage um Palästina zu tun und es findet hier eine vollständig veränderte Situation vor, die an Unklarheit kaum zu über bieten ist. Eg ist fraglich, ob England zu dem Teilungsplan j noch so fest steht wie im Vorjahr. Die. neue Kommission hat freie Hand und kann zu neuen Vorschlägen kommen. Daj neben aber zeigt sich in der Politik Englands eine neue Linie. Der Ministerpräsident hat sich in der Unterhausrede, in der er den Grundsatz der kollektiven j Sicherheit aufgab, auch vom Völkerbund J ziemlich stark distanziert. Die Arbeitsfähigkeit und das Prestige der Genfer Institution ist wieder sehr empfindlich herabgedrückt worden, und dies drückt auch auf die Mandatsverpflichtung. Daß England Palästina aufgibt, ist ausgeschlossen. Aber es ist doch anzumerken, daß sich die politische Basis zu ve-schieben beginnt. Das Organ des englischen palästinarKomitees stellt mit einem Male die i _, __ki iu s aiaswua nicht wegen der Juden, sondern wegen seiner politisch-strategischen Bedürfnisse. Das ist eine These, die im schroffsten Widersnruch zur Balfour-Deklaration und zum Mandat stellt. Das Blatt zieht die Konklusion, daß England aus militärischen Gründen die jüdische Position ver- | stärken und einen größeren Judenstaat 1 schaffen müsse. Das klingt sehr schön, ist aber doch sehr bedenklich. Denn dieser Staat wäre alles andere denn unab- | hängig und frei. I as Aktionskomitee ' wird bekräftigen müssen, daß wir den Boden des Mandates nicht verlassen , wollen, daß wir aber das Endziel, den für (unsere ganze Lage ausreichenden freien 'jüdischen Staat, nicht aufzugeben gewillt sind.

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