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Die Stimme · 1938-03-02 · Heft 739 (2.3.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 739 (2.3.1938)
Date
1938-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MUtwocQ -Ausgabe Bi V.b. b. D1«ms Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags M den Kolporteuren erhältlich JÜDISCHE ZEITUNG „MARCO POLO" „ESPE RIA" „CALILEA” „GERUSALEMME' „PALEJTINA" der Sdiiffahrt«ge»ellsch«ft „ADRIATICA" Zu PURIM und PESSACH auf Hm- und Rückfahrkarten «OfeKrmSBiguit« Gctcllachaftireisen de« Reisebüro CiTT, Dr. I. H. Körner I., Koh-maiktS PURIM.REISE ab Triest 9. März 1938 PESSACH.REISE ab Triest 6. April 1938 Auskünfte und Prospekte: Generalagentur und Passagieibflro: Wien, I., Kärntnerring 6 - Tel. U 47-5-60 Zweigstelle: Wien, I, Kohlmarkt 1 - Tel. R 28-1-33 Nr. 730 Wien, Mittwoch, s. MSrs 1938 29. AOar L 5*98 II. Jahraan« Befriedung Für das Ende dieser Woche wind ein diplomatischer Schritt der Westmächte angekündigt. England und Frankreich beraten über eine gemeinsame Erklärung, der sich auch die Vereinigten Staaten atiechließen sollen. Die Erklärung kann nur in dem einen Sinne erfolgen, daß die Mächte den Lauf der Dinge, die durch die Berchtesgadener Formel eingeleitet wurden, aufmerksam verfolgen und an der von ihnen 1922 verkündeten Garantie festhalten. Nimmt tatsächlich Nordamerika an diesem Schritt teil, so würde dies seine Wirksamkeit erhöhen und den in Österreich von Schuschnigg betonten Willen au Freiheit und Unabhängigkeit verstärken. Selbstverständlich wiederholen die Nationalsozialisten, die von der Illegalität zur offiziellen Anerkennung gelangt sind, ihre Stöße. Aber die Mehrheit der Bevölkerung steht zu dem 'Bufideekanzler, und seif kurzem zeigt nach die Arbeiterschaft das ernste Bestreben, sich in die Diskussion einzuschalten. Wir haben schon früher gesagt, daß sehr viel darauf ankommen wird, welche Widerstandskraft die Regierung aufbringen kann. Je stärker sie von den breiten Massen gestützt wird, desto stärker wird auch die Aktion des Auslandes ausfallen, die das Zentrum Europas für den europäischen Geist und die europäische Kultur retten will. Man hört draußen trotz aller anderen Borgen sehr aufmerksam nach Wien und man verfolgt gespannt Zug und Gegenzug. Und dabei ist die Stellung der jüdischen Bevölkerung von sehr großer Bedeutung. Sie ist — das ist eine naturgegebene Tatsache — entschlossen, alle ihre Kraft dem um seine Existenz ringenden Staat zur Verfügung zu stellen. Aber sie muß darauf bestehen, daß die Erklärung des Bundeskanzlers von dem gleichen Rechte aller Bürger auch genau so ehrlich beachtet und durchgeführt wird, wie sie gemeint war. Die jüdische Bevölkerung sieht aber, wie in den Straßen antisemitische Sudelblätter der ärgsten Sorte verkauft werden, sie liest, daß die volkspolitischen Referenten aus Oberösterreich das Tragen des Hakenkreuzes als eines alten antisemitischen Abzeichens durchsetzen wollen, daß in einem jüdischen Warenhaus in Linz, das unter nationalsozialistischem Boykott steht, die Scheiben eingeschlagen wurden, sie hört und sieht so vieles... Und wenn wir auch durch lange Gewöhnung dazu gebracht •worden sind, nicht alles und jedes als wichtiges Ereignis zu werten, so wird uns doch in den letzten Tagen an Zumutungen zu viel geleistet. Das Ausland, das dem Bundeskanzler helfen will, wird seine Haltung danach bestimmen, wie sich die Regierung zu diesen Unterströmungen stellt, und die Behandlung der Minderheiten wird hei diesen Aktionen eine sehr gewichtige Antijüdische Kampagne in Italien eingestellt London, 1. März. Der römische Korre-, Weise von Palästina abzulenken. Damit spondeni des „Evening Standard“ teilt mit, J~° die italienische Regiernng den Rei ■ ■ gejtg ejn arabjsoj,es Land bliebe, anderseits jüdisches Kapital das italienische Imperium bereichern würde. daktionen der Zeitungen strikte angeordnet hat, die antisemitische Kampagne, die ein Teil der Zeitungen in der letzten Zeit geführt hat, einzustellen. Der Korrespondent befaßt sich dann mit der durch die „Informazione Diplomatien,“ verbreiteten Erklärung der italienischen Regierung über die Judenfrage und schreibt: „In Italien rechnet man damit, daß Mussolini den Juden Kolonisationsmöglichkeiten in n bieten wird, um sie auf diese1 Es ist sicher, daß es sich hier nur un politisches Mittel handelt, sich den Arabern als Schutzherr des Islams zu zeigen. Daß mit dem jüdischen Kapital gerechnet wird, mag gleichfalls angenommen werden. Aber Kapital in solchen Ausmaßen, wie sie r wendig wären, besitzen die Juden nicht. Jewish Agency über den italienischen Plan Das Genfer Mitteilungsblatt der V ö l- und sind darum überrascht, daß nur kerbund Vertretung der Jewish mehr erklärt wird, ein solcher Staat könne Agency nimmt heute Stellung zu den in irgend einem Teile der Welt außer in Darlegungen der „Informazione Diploma- Palästina geschaffen werden. Die Jewish] über die Juden und die italienischen Agency verweist darauf, daß die Juden n i e- Andeutungen über die Schaffung selbständigen Judenstaates außerhalb Palästinas. Die Genfer Palästina Vertretung verzdebals einen jüdischen Staat anderswo als in Palästina angestrebt haben. Nichtsdestoweniger, so fügt sie hinzu, würden sie in Hinblick auf d: dringenden Auswanderungsbedürfnisse net mit Genugtuung die Versicherung, daß ostjüdischen Massen mit Interesse auch j edie fascistische Regierung nicht d denke, eine antisemitische Politik einzuleiten. Gegenüber der Behauptung, daß die antifascistischen Strömungen in der Welt meist von jüdischen Elementen ausgehen, verweist die Jewish Agency darauf, daß fan Gegenteil, die ungeheure Mehrheit des jü- -- Volkes niemals Irgend eine Feindseligkeit gegen das fascistische Regime s p 1 a n in irgend Erwägung ziehen. l gerungen mit besonderen Kautelen um- . I gibt. Es wird allerdings offiziell erklärt, •|daß eine Revision bestehender Staatsi bürgerrechte nicht in Aussicht genomtimen ist. Die Begegnung in Berchtesgaden steht n Zusammenhang mit der weltpolitischen -.. „ w : j Situation. Deutschland wünscht, in die jloile'spielen'." Es ist in den letzten Tagen ^kommenden Verhandlungen mit einer eri Ausländergesetz geschaffen worden, dessen antijüdischer Sinn in der gewissen Presse zu deutlich betont wird, und es wird jetzt an einem Staatsbürgergesetz gearbeitet, das in der Zukunft Einbtir- Jüdische Königreiche ln Abessinien So schwer sich Präzises über die Ursprünge der Juden Abessiniens feststellen lassen mag: gewiß ist, daß Abessinien schon in sehr früher Zeit stark vom arabfeeb- , semitischen Kulturkreis beeinflußt wird. Italiens bekundet, sondern vielmehr mit Eine Zeitlang ist der jüdische Einfluß in i Dank die vollkommene Loyalität Abessinien dominierend; dann, etwa in der] aufgenommen hat, die die fascistische Re-, Zeit Kaiser Konstantins, machen sich diel gierung nicht nur gegenüber den eigenen ersten christlichen Tendenzen bemerkbar. In jüdischen Mitbürgern, sondern gegenüber! der Folgezeit kommen Missionäre aus Ägypdem Judentum ln der Welt b*-1 tan in das Land; sie befestigen hier die wiesen hat WoÄI aber seien die Juden in christliche Lehre in ihrer monophysitisohen einem verzweifelten Abwehrkampf gegen die Form. Und diese erhält sich daun durch die j von anderer Seite kommenden Absichten, Jahrhunderte bis zur Gegenwart Nicht ohne die auf ihre Vernichtung abzielen. j karte Kämpfe allerdings. Der expansive I Mit Genugtuung nehmene die zionisti- Warn trägt seine Fahnen auch nach Abesseben Kreise von der Auffassung der sinien. Er bucht hier zunächst keine großen fasdstischen Regierung Kenntnis, daß das trfolge — doch die Dynastie von Axum jüdische Problem durch die Errichtung eines kann die Einheit des abessinwehen Reiches in jüdischen Staates gelöst werden solle. Sie fieser Zeit nicht wahren: es setzen Perioden j erinnern daran, daß I ftarker innerer Fehden ein. Jüdische Stämme Die neue Palästina-Kovn nfssion London, 28. Februar. Im Unterbaue wur- _ __ den heute die Namen dreier Mitglieder der I gewinnen wieder die Oberhand, um 925 führt i neuen „Technischen Kommission für Palä- Italien dl« Balfoor * DeklarationI ,.;ne Regentin Judith (nach anderenUtina“ bekanntgegeben. Zum Vorsitzenden ebenso wie das Palästinomandat | Versionen Esther) das Zepter; ihr folgen elf Kommissär wurde Sir John Woodhead ■ - ' veitere jüdische Monarchen. Bis I ernannt, der auf reiche Erfahrungen im indi- 1255 ein Fürst aus dem Hause Sohoa, Ikon Amlak, die frühere Ordnung wieder herstellt. Der letzte Aufstand unter dem F a 1 a s c h akönig Gideon wurde im Jahre 1618 niedergeschlagen. Seither lebten die Faiasebas in Abessinien als unterdrückter Stamm. Jüdische Pressestimmen zur Rede Schuschniggs Die jüdische Presse der ganzen Welt hat die Staatsrede des österreichischen Bundeskanzlers als ein großes Ereignis gewürdigt Ans den uns vorliegenden Stimmen geben Im I w y dz nik“ (Krakau) schreibt Dr. J. Sc Die Kode des Kanzlers Dt. v. Schnschwird in die Geschichte des unabhängigen Österreichs übergehen, ln der Rede dieses hervorragenden Staatsmannes kommen nicht nur seine heiße Vaterlandsliebe und der Stolz auf Österreich zum Ausdruck, SCnSern auch die SWr lobenden Erinnerungen an die Unabhängigkeit und Freiheit dieses Landes. Diese lze, mutige Rede gibt Österreich seine politische Würde wieder und dieser Staat wird zum konstruktiven Faktor der internationalen Politik.“ Dr Sch. W. führt im „N as z Prze- 1 a d“ (Warschau) aus: Der österreichische Patriotismus hat seine Prüfung mit Auszeichnung iIberstanden. Die Österreicher, die einer Katastrophe standen, haben sich diesem historischen und gefährlichen Augenblick geeinigt.. Alle Differenzen der Weltanschauung sind verschwunden und gewaltige Mehrheit der Bevölkerung steht hinter Schuschnigg. Österreich ist bereit, mit dem Deutschen Reiche freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, aber es wird nie auf seine Freiheit und auf seine staatliche Selbständigkeit verzichten ... Der der deutschen Weimarer Kultur des Volkes der Dichter und Denker wurde in der Rede Schuschniggs lebendig, die in der Erklärung gipfelte, er werde die rotweiß-rote Fahne big zum letzten Atemzug verteidigen Dies muß der ganzen Welt zum Bewußtsein bringen, daß es sich hier um die Erhaltung und um die Entwicklungsmöglichkeit einer alten, für die ganze Welt wichtigen Kultur und eines nachahmenswerten Lebensstils handelt. unterzeichnet 1 weiterten Machtposition zu gehen und sich als der stärkste Partner der Achsenpolitik zu präsentieren. Das ist eine sehr empfindliche Lehre für die Mächte geinfraffen wollen und deren Politik ganz]mit dem Friedensvertrag von St. Gerluf das Abwarten gestellt ist. Ihre Be-jmain geprüft worden. Es wurde festgerölkerung freilich, die aus ihrem Inj stellt, daß keine Verletzung des Vertraitinkt heran« die Situation besser begreift ges erfolgt ist. Die Mächte nehmen die ils die Regierungen, ist in Unruhe gej Erklärungen des Bundeskanzlers zur taten, die sich in den verschiedenen Par-] Kenntnis, folgen aber mit größter Anteiljamentsdebatten deutlich widerspiegelt.' nähme der Entwicklung. Die Sache dieser Umstand hat zunächst zu einem Österreichs ist also in guter Hut, und die Gedankenaustausch zwischen London innere Politik wird sich der äußeren anmd Paris geführt, dessen Grundlage die zupassen haben. Sie kann bei der so viel Berichte der bezüglichen Gesandten bilzitierten Befriedung nicht die Lebensieten. Dabei ist, wie aus der Erklärung interessen der jüdischen Bevölkerung Ihamberlains hervorgeht, auch der Zu-! opfern, und wir Juden werden weiter immenbansder SeferrofnhJonKan nr«™.« -«s- -- r?~; —. wesen, die sieh zu keiner EntscheidungHammenhang der österreichischen Dinge‘sehr sorgsam die Ereigiüsae piSem™

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