Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 738 (28.2.1938)
- Date
- 1938-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Montag-, 28. Februar 1988. — Sr. 788. Verwaltung und durch Rektifizierung einzelner Taxen geschehen. Präsident. Dr. Friednoarn legte nun eine Reibe von Anträgen bezüglich der Begräbnis taxen vor, welche die Friedhof skoramis- »ion und das Vertreterkollegium beschäftigt hatten und dort angenommen worden waten Du große Menge von Gratiabegräbnisfien. fuhr Dr. Friedmann fort, die große Anzahl von Begräbnissen, bei denen Taxen gezahlt werden, die unsere eigenen Kosten nicht decken, und die Finanzlage der Gemeinde rechtfertigen die beantragten Erhöhungen. Das soziale Moment ist dabei nicht außer acht geblieben. Damit war da« Budgetexposö Dr. Friedmanns beendet. Hierauf wurde, wie schon berichtet, das Budget einstimmig angenommen und auch den Anträgen bezüglich der Rektifizierung der Begräbnistaxen die Genehmigung erteilt Ruth Hilde Somer — Solistin der Wiener Philharmonie er Die weit über die Grenzen Österreichs bekannt gewordene jugendliche jüdischi- Pianistiu 'Ruth Hilde Somer wurde von den Wiener Philharmonikern eingeladen, im Rahmen der Wiener Festwochen den Klavierpart des Tschaikowsky-Konz e r t e s zu spielen. Das Konzert wird der bekannte Dirigent Ro dzinsky leiten. Antisemitenbund verlangt BasseBSetetzgdwng Die soeben erschienene erste Nummer des neuen Organs des Antisemitenhumles „D e r Völkern f“, bringt einen offenbar e rdiebteten Vorfall betreffend Verführung eines arischen Mädchen», durch einen Juden und knüpft hieran die folgende Bemerkung: „So'aufreizend' ist der damit aufgerollte Fall, daß man hier doppelt, und dreifach bedauert, daß die in unserem Bruderreich erlassenen Gesetze zum Schutze der Rasse bisher noch nicht von Österreich Übernommen sind.“ Eine Versammlung de« Autisemitenbundes, die in Baden bei Wien einberufen wurde, ist von der Behörde verboten wäpden, IMmi Zweigt Ludwig Hardt Wenn Ludwig Hardt, dieser kleine, fauniseh-komödian tische Mensch mit den durchsichtig brennenden Augen und der kühn gebogenen Nase eines Adlers, ohne Vor- „beratung, ohne Feierlichkeit und Pt*«, aus dem unnachahmlichen Schaum einen menschlichsten llnterhaltuugstones, plötzlich in eine Rolle springt: geschlossen teilt sic-h hier die Prosa in Figuren auf; da« Geeicht, nein der ganze Körper, der ganze Mensch mit Sprache und Gesten wird alt und jung, launisch, verlebt, grotesk, arm und voll Tragik; da« große Mysterium de« Spiele, der Verwandlung beginnt, über der vollkommen und virtuosen Beherrschung des Technischen thront jene überraschende Ausschöpfung der (seelischen Dimensionen, die eo nur ein großer und weiser Mensch zum Blühn zu bringen vermag. „Blühn“, dks ist das Wort: ich habe diese Erzählungen, Geschichten und Gedichte später vergleichsweise ün Buche nachgelesen; sie sind wie jene grauen, unscheinbaren japanischen Papierkrtlmel, die, ins Wasser geworfen, plötzlich eich zu bunten Blumen breiten. Es gibt Menschen, die Hardt seine komödiantisch spielerische, manchmal ans Clownhafte grenzende Art sich zu geben glauben, Vorworten in müssen, ohne zu lieg reifen, daß gerade in dieser bohemehaften Romantik sich die Echtheit eines Menschen offenbart, dem Spiel alles bedeutet, dem sich die Grenzen zwischen seiner Kunst und seinem Leben nateu*-' gemäß verwischen müssen: sie können nicht verstehen, daß dies«, Phänomen Ludwig Hardt unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten ist als. die andern, und daß hier einer jener wenigen wahrhaft, genialen Künstler unserer Zeit wirkt,- Ludwig Hardt, um den die Welt ans beneiden würde, wenn die Welt, ach nein, wenn nur wir ihn kennten. wie er es verdient! Auf Einladung der Direktion der „Komödie“ spricht Ludwig Hardt zweimal in der „Komödie“, L, Johaunesgasee 4: Samstag. den 5, März. 5 Uhr nachmittags: „Heitere D i c h t u n g“. von Münchhausens tollen Abenteuern über Heine an Wilhelm Busch. Morgenstern und Rhwreln&ti. — Sonntag, den 6. März, 11 Uhr vormittags: „Eros in der Dichtan g“, von der Klasuk b;s zur Gegenwart. — Von jüdischen Dichtern kommen zu Wort: Heine, Börne, Peter Alteoberg, Franz Kafka aad Alfred PcOgai, Rückgang unseres Exports nach Erez sehen Statistik folgende Ziffern auf: Die Jahresbilanz Österreieh-Palätin a wies nach der öeterreichi- Gesaan teinfuhr 1935: 24.373 q S 757.000 1936: 21.0 1937 : 41.198 q S 1,102.000 Von der Goas rateinf uhr 1937 entfielen, teilt die östwracbißch-palästiBensieche Wirtschafte- und Handelskammer hiezu mit, auf Nahrungsmittel und Getränke 885.000 Schilling, auf Rohstoffe und Halbfabrikate 614.Ü0Ö Schilling, auf Fertigwaren 42.000 Schilling und auf Gold 61.000 Schilling. Beim Vergleich mit dem entsprecfieehemiim Daten des Jahre« 1936 ergibt sich bei Nahrungsmitteln ein Zuwachs 155.000 Schilling (vornehmlich Südfrücht p), bei Rohstoffen ein Zuwachs von 155.000 Schilling (Alteisen. Häute, Felle und sonstige tierische Abfallprodukte) und bei Gold ein Zuwachs von 46.000 Schilling. Die. Gesamtausfuhr sank wiederum gegenüber 1936 um 202.000 Schilling und gegenüber 1935 um rund 4.7 Millionen Schilling. Dieser geradezu katastrophale Niedergang unseres Exports nach Palästina ist | sicherlich zum größten Teile auf die derj zeit in Palästina herrschenden unruhigen Verhältnisse zurückzuführen, zum Täte jedoch ist er in der mangelnden Konkurrenzfähigkeit osterrrichiscbei Produkte begründe; Besondere das durch das Transferäbereinkotmmen geförderte Dumping deutscher Waren bringt den österreichischen Export ins Hintertreffen. Sobald die Zwangstransferierungen von Kapitalien aus Deutschland, welche eine hohe Exportprä- Gesam tausfuhr 1935 . 46.849 q S 8,386.000 1936: 18564 q S 3889.000 1937: 24.676 q g 3,687.000 mie für deutsche Waren bedeuten, aufhören werden und in Palästina mit dem Eintritt normaler Verhältnisse das Risiko für den österreichischen Exporteur nicht übermäßig ausfällt, ist mit dem Anwachsen un: Export« nach Palästina wiederum zu rechhamerbüi ist zu bedenken, daß eine übermäßige Ängstlichkeit des Exponent« die Gefahr In sich enthält, daß der palästinensische Markt dauernd für Österreich verloren geht. Eia Palästina schon jetzt ein Umsohlagplatz fite den vorderen Orient ist, wäre damit der Verlust einer wichtigen Position gegeben. Des zu verhüten, müssen in Österreich die größten Anstrengungen gemacht werden. Österreich ist seit dem Jahre 1935 in der Einfuhr Palästinas von der 14. auf die 21. Stelle zurückgefallen. 'Während die Aktivität unserer Bilanz gegenüber Palästina im Jahre 1935 noch über ’LS Millionen Schilling betrug, ist dieser werÄllc Aktivposten im Jahre 1937 auf 2.) Millionen ScWR'ng gesunken, so daß das Verhältnis von Ausfuhr zur Einfuhr nunmehr rund 3 :1 beträgt. Die österreichisch-palästinensische Handelskammer ist bereit, sämtlichen österreichischen Exporteuren durch ständige Informationen über die jeweilige Marktlage Exportmöglichkeiten nach Palästina aufzuzeigen. Der Außenhandel Palästinas Ferner berichtet die österteichisch-paläi Jahr 1937 folgende Export- und Importstinonsische Wirtschaftsuiid Hani'el&kam-1 Ziffern im Vergleich zu den beiden vorhertner: Nach der palästinensischen!gehenden Jahren (in pal. Pfunden): Statistik ergeben sich für das gesamte! Import Export Exp. u. Reexport Nahrungsmittel, Getränke, Tabak . . 4,148.082 875.260 4,908.189 877.275 388.503 Industriell« Fertigwaren ... . . 10,099.000 564.918 1,158.146 Lebende Tiere (u. z. Schlachtzwrcken) 58.077 2.223 6-032 1937 insgesamt 5,81y-676 6,460.870 1936 .. 13,»79.023 3,625.283 4.267.526 1985 .. 4.215.486 4,516.157 Der Impon des Jahre 1937 liegt um 13.8 Prozent über dem des Vorjahres, gegenüber 1935 ergibt sich ein Importrückgang um 10.0 Prozent, Der Export ist gegenüber dem i Vorjahr um 60.5 Prozent, gegenüber 1935 j um 38 Prozent gestiegen. Infolge der Abänderung ist ein detaillierter Vergleich mit,! den Ziffern der vorhergehenden Jahre nickt möglich. Der Reexport stellt, im wesent-1 1937 1936 1935 liehen Miiitärbedarfsgogenetände dar, die über Palästina importiert, und nach Ägypten reexportiert werden. Abbau des Defizits der Handels» tillativ; Das Handelsbilanzdefizit (Import abzüglich Export und Reexport) weist folgende Entwicklung auf fin LP.): 9.452.174 9.711.497 13.337.336 Aus der Importverringernng und der Exportsteigerung ergibt sich gegenüber dem Jahre 1936 eine sehr starke Reduktion des Defizite« der Handelbilanz um 3.89 Millionen Pfund. Die starke Exportsteigerung hat auch trotz des gegenüber dem Vorjahr erhöhten Importes zu einer weiteren Reduktion des Handelsbifanzdefizites gegenüber 1935 geführt. Auch 193? Kapitalslnrestltlonen Daß die Juden in und außerhalb Palästina« durch die Unsicherheit und den Terror nicht abgeschreckt oder entmutigt werden, den Aufbau Palästinas fortzusetzen, wird durch eine Veröffentlichung des „American Economic Committee for Palestine“ deutlich. Nach einer von diesem Committee vorgenommenen Schätzung betrugen die im Lande im Jahre 1937 von den Juden vorgenommenen Kapitals- Investitionen insgesamt nicht weniger als 5,849.000 Pfund. Wie in früheren Jahren sind außerdem noch bemerkenswerte Investitionen gemacht worden, di« nicht festzulegen waren. „Die gute alte Zeit“ im Ronacber Die neue, große Gy imes-Variete- Schau, die morgen Dienstag im Ronacher zur Erstaufführung gelangt, trägt den Titel „Die gute alte Zeit“ und spielt im Wien der Jahr« 1890 Ws 1900 Unter dem 18 Bildern sind besonder* hervorzttheben: ..Gänsehäute!“, Bochnrahlbrutraen, Prater, Stummer Film, Cancan im „Maxim“. Zirkus 1900 und Untergang der „Titanic“. An besonderen internationalen artistischen Attraktionen wurden gewonnen: der berühmte Baiancekünstler Unus, die akrobatischen Clowns 5 Mendez, Fantasia mit ihren Licht- und Waseervisiown, die Parodisten Bond und Bood, Croi-iters Wunderbaren und ander« mehr. Ate SoUsten wirken mit: Lola von Hühner. Herta Mayen. Fritz Steiner. Luis Mitznegg und Theo Prokop. Ferner spielt auf der Bühne eine Deutschmeisterk&peU«. tanzen die Ronacher -Girls. Beau ries und Ronacher- Bpys. Insgesamt sind über hundert Mitwirkende in 300 Kostümen zu sehen Die neue Schau wird morgen schon in der Nachmittagsvorstellung um 4 Uhr gezeigt. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" KINOPROCRAMME Vom 1. bis 3. Märx 1MPEBAL-KINO tranfrai.ru „Gribouilte“ 9 0TE NT UR ff mm jm osten nichts Ihnes“ t.D iRit: („Chinaxpreft UberlBl.lg“) AUGARTEN-KINO I- Unten la**rtel»tniB> SS Tel A IO -..OS oXt^ta „Mein Vater hat reif gehabt" Begian; VA M, V*i0 Uhr. KINO KERN rnt Prater ’*•- "-* --I»BH - Telephon It 40-0-4B SCHWEDEN ». Woehe i A 4 ,-O-SO Stete ««'IM. «Hartes Barm >» is bi niB „Gräfin Walewske" 3. 'Mi, •<,». MO. Hegie: Clareoca Hrown LEOPOLDSTÄDTER Y0LKSKIN0 II. Rotensterngasae 7 a Tel. R 48-8-23 I, bis 2. März „Lügen - a’n Vergnügen»* 3, März ,,B« ss « 11“ V Der stärkste ] d Isohs TaberstreCe 38 nim der Gegenwart B«gtnn; >/»4, VA VA V.W Uhr ^ESTROY-KINO „Dybuk" r mit deutschen F REMBRANDT-KINO , Konald Colmar. ln „Der Getangen “«25«* KINO TE6ETTHOFF Zionistischer Veranstaltungskalender Dienstag, 1. März*. 1. Bez.: Jupg-WIZO „Mirjam“, Jordangasse 7, 8 Uhr abends: Zyklus Biblische Gestalten- „Uwe s“. 2. Bez.: Jungeektkm H, Praterstraße 13, 8 Uhr abends- Vereinsamend. Referent: Prof. Dr. Kar! Kupfer: „Da« Reiigionsiuld de* heutigen jungen Juden“. 2. Bez.: WIZO II, im WlZO-Heim I., Schottenring 25, 8 Uhr abends: Vereinsabend. 9. Bei.: Jungsektton VUI/IX, Währingerstraße 6—8: Verein sauend. Mittwoch, 2. Miez: 2. Bez.; Hechalu* Haklal Zdoni, Zentralbeim, Novaragaase 29, 8 Uhr abends: Sichah. 2. Bez : Sektion Schüttei, Cafe Residenz, Löwengasse 89, M9 Uhr abends: Gesellig« Zusammenkunft mit Referat, Referent: Amtdeiter Julias Rosenfeld. 2. Bez.: Sektion H, Praterstraße 13, 149 Uhr abends: Gesellige Zusammenkunft mit Referat Referent: Redakteur Bruno Heilig. 10. Bez.: Sektion X. Pernerstorfergasse 25, 8 Uhr abends: Vereinsabesd, 20. Bez.: Sektion Zwischenbrüeken, Univenramstraße 62, h9 Uhr abends: Vereinsäbeod. Referent. Isaak Hersbsrg. Donnerstag, 3. März: 1. Bez.: Sektion I, Bauernmarkt 8, MS Uhr abends: Vorführung des neuesten Paläeuna- Bilderbericfci»:*. L Bez.: Jung-WIZO Mirjam. Jordangasse 7, 8 Usr abend«, Referat: Erziehung der jüdischen Jugend. 2. Bez.: Jngendgmppe des Klubs der zionistischen Kaufleute. II., Praterstraße 7, 8 Uhr abends: Heimabend Referent: Prof. Dr. Wilhelm Stein. 7. Bez.: Brith Zion VH, Schotterifekigasse 22, K9 Uhr abends, Referat- Jüdische Apologetik. 18. Be«.: Brith Zion XYTTI, Weimarerstraße 7, 8 Uhr abends, Referat: Hebräische Dichtung. Mutete'M «KUSS BROADW natlicb S 170. vierteljährlich S 4A0. halbjährig S 9J0, ganzjährig S 18. Für das Ausland: V lerieijährlich: Deutschland SM 3A0, Tschechoslowakei K{ 28,—, Jugoslawien Dinar 50.-, Polen Zloty 6.50, Ungarn Pengö 4.88 Rumänien Del 200.—. übriges Ausland: Schweizer Franken 5-50. Postscheck Konto; Österreich Nummer D 113.546. Polen Nr. 191 190, Tschechoslowakei Nr. 500230. Jugoslawien Nr. 40.879. Der Klub zionistischer Kaufleute sowie ihre Jugendgruppe verlegen mit Finde Februar ihren Sitz vom Cafe Continental ins Cafd Fetzer, Praterstraße 8. Die Zusammenkünfte in den neuen Lokalitäten wurden in der Weise geregelt daß die Jagendgruppe ihre Vorträge und. geselligen Zusammenkünfte jeden Montag und der Klub der Kaufleute seine Vorträge und Sitzungen jeden Dienstag abhalten wird. Die Klubräume sind dieselben, welche seinerzeit der „J. K. J.“ innebatte. — Donnerstag, den 3. März, K9 Uhr, spricht in der Jugendgruppe Prof. Dr. W. Stein über „Da# Judentum in dar europäischen Kulturknise“. Redaktion und Administration; Wien, I., Marc- Aurei-Straße 5. TeL; U 22-3-91. Redaktion*- schloß Sonntag, Dienstag and Donnerstag vormittags. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Undesverband für Österreich Wien, l„ Marc-Aurel-Straße 5 — Verantwortlicher Redakteur: Robert Polower. Wies, L, Maro- Aurel-Straße 5 — Druck: Veroay A. G, Wien, IX, Canisiusgasse 8—10,