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Die Stimme · 1938-02-18 · Heft 734 (18.2.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 734 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freitag-Ausgabe *Dh Dieses Blstt Ist ab 4 üb* nachmittags bei den Kolporteuren erhältlich V. b. b. 13 g ^Stimme Nr. 734 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 18. Februar 1938 17. AGar L Sif8 11. Jahrgang Schließt die Reihen! . In der Berchtesgadener Besprechung haben, wie das amtliche Communique besagte, beide Teile die sofortige Durchführung von Maßnahmen beschlossen, „die gewährleisten, daß ein so enges und freundschaftliches VMiältnis der beiden Staaten zu einander hergestellt wird, wie es der Geschichte und dem Gesamtinteresse des deutschen Volkes entspricht“. Die Textierung solcher Mitteilungen wird sehr sorgfältig erwogen und darum müssen die von Österreich bereits durchgeführten Maßnahmen im Lichte dieser Zweckbestimmung betrachtet werden. So wird die in der Nacht auf Mittwoch erfolgt« Umbildung des Kabinetts, dann die Neuordnung der Ressortverteilung und die Änderung in der Vaterländischen Front in ihrer Bedeutung leichter erfaßbar, die noch durch die Amnestieverordnung unterstrichen wird. Weitere Maßnahmen sind wohl erst nach der Rückkehr des neuen Innenministers aus Berlin zu erwarten und man wird erst dann den Tatsacheninhalt und die Auswirkungen dieses 12. Februar 1938 richtig beurteilen Die Lage in Oesterreich Im englischen Unterhaus hat gestern, Donnerstag, der Außenminister Eden mitgeteilt, daß der englische Gesandte in Berlin Auftrag erhalten hat, beim Außenminister Ribbentrop auf das Interesse hinzu weisen, das England an der Erhaltung der Unabhängigkeit Österreichs nehme. Eden hat dann weiter in Beantwortung von Fragen anerkannt, daß der Völkerbund Verantwortlichkeit für das Schicksal Österreichs trägt, daß England bereit ist, gemeinsam mit den anderen Mächten vorzugehen, aber nicht selbst die Initiative ergreifen wolle. Der Minister glaube, daß er dem Haus heute, Freitag, weitere Mitteilungen werde machen können. Es muß hervorgehoben werden, daß außer England nur noch Frankreich für die Unabhängigkeit Österreichs eintritt. Die italienische Regierung hat in einer offiziösen Erklärung ihre Zustimmung zu den Vereinbarungen von Berchtesgaden ausgesprochen. Es ist fraglich, ob die Diskussion zwischen Paris und London schon so weit hält, daß eine tatkräftige Unterstützung der Regierung Schuschnigg ln den nächsten Stunden eintreten kann. Inzwischen haben in Berlin Besprechungen des österreichischen Innenministers Doktor Seyß-Inquart mit dem Chef der Staatspolizei Himmler, mit G o e r 1 n g und Ribbentrop stattgefunden. Seyß-Inquart ist auch von Hitler empfangen worden und reist heute nach Wien zurück. Es wird angekündigt, daß Bundeskanzler Dr. Schuschnigg am 24. d. M. im Bundestag über seine Vereinbarungen öffentlich sprechen wird. Es ist Pflicht für jeden Bürger Österreichs, den Bundeskanzler zu unterstützen und seine Stellung zu stärken. .Das Ausland beschäftigt sich sehr intensiv mit den Beschlüssen und der durch sie geschaffenen Situation. Verschiedene Regierungen, so besonders Frankreich und England, haben sich in Berlin um nähere Auskünfte über die Tragweite der Vereinbarungen bemüht und es heißt, daß diese beiden Staaten ihre Garantieverpflichtung bezüglich der Unabhängigkeit Österreichs nochmals als unverbrüchlich deklarieren wollen. Dies würde bedeuten, daß Österreich Herr seiner inneren Politik bleibt und daß die I Geltung der Maiverfassung und die politische Monopolstellung der Vaterländischen Front nicht in Frage gestellt werden. Daran sind nicht bloß die 170.000 Juden Österreichs lebhaft interessiert, sondern vor allem die Millionen Katholiken dieses Staates. Was die jüdische Bevölkerung anlangt, so ist sie nach der ganzen Entwicklung der letzten Monate durch die neueste Phase durchaus nicht überrascht. Und was die Zionisten anlangt, so sind sie als Jünger Herzls schon seit 40 Jahren auf einen derartigen Ablauf der Dinge vorbereitet. Sie haben bei stets voller Wahrnehmung der jüdischen Rechte als staatstreues und mitschaffendes Element nie die Realität der Dinge aus den Augen verloren und die Arbeit in Palästina ist aus dieser Erkenntnis der Dinge heraus beschleunigt worden. Leider haben die Zionisten dieses Werk, in dem sich Gegenwart und Zukunft verbinden, allein vollbringen müssen, weite und große und wertvolle Teile des Judentums sind entweder apathisch und uninteressiert beiseite gestanden oder sind den aussichtslosen Weg in die Assimilation weitergegangen. Hätten sie den historischen j Prozeß erkannt und verstanden, hätten | sie sich dem nationalen Judentum abgeschlossen, so wäre heute ein starkes jüdisches Volk in Palästina. Diese Versäumnisse lassen uns diese Zeit doppelt schwer empfinden, aber sie rufen uns auch die Pflicht ins Gedächtnis, wenigstens von jetzt ab unsere Kräfte zu verdooneln und die zionistische Organisation, den einzi-. gen festkonstruierten Träger des Willens, und der Hoffnungen, zur alle Schichten umfassenden nationalen Organisation auszubauen. Es muß aber auch erkannt werden, daß die Pflicht zur Einigkeit über Italien lehnt Antisemitismus ab Faschismus und Judenfrage Aus Rom wird amtlich die folgende Ausnen die Zahl der Juden nur 50.000 bis 60.000 lassung der offiziösen ,Jnforma,zioue Diplobeträgt. matica“ zu der Judenfrage verbreitet: , pk fascMs tische Regierung bat nie JomnaliMi.-eh« Pokmikes-ia de* letett» r» g«if«cM ttsa-AmgrSM- Zeit konnten in ausländischen Kreisen den Eindruck erwecken, als ob die faschistische Regierung sich anseh icke, eine antisemitische Politik einzuschlagen. In verantwortlichen Kreisen ist man in der Lage zu betonen, daß dieser E’niruc.k kommen falsch ist. Die Polemiken werden vor allem durch den Umstand entfesselt, daß an der Spitze der Strömungen des Weltantifasobismus in der Regel Juden stehen. Die verantwortlichen römischen Kreise sind der Ansicht, daß das internationale Judenproblem nur in einer einzigen Art gelöst werden kann, indem man in einem Teil der Welt, nicht in Palästina, einen Judenstaat gründet, ein«« Staat in der vollsten Bedeutung des Wortes, der <jer Anteil der Juden allein in der Lage wäre, auf normalen diplomatischem und konsularischem Wege alle jüdischen Massen, die in verschiedenen Ländern verstreut sind, zu vertreten und zu schützen. Der Umstand, daß es auch in Italien Juden gibt, hat nicht notwendigerweis gedacht «tMT' _ litische, wirtschaftliche oder moral! Maßnahmen gegen die Juden als solche zu ergreifen, ausgenommen, wenn es sich um regimefeindliche Elemente bandelt. Die faschistische Regierung ist außerdem mit aller Entschiedenhe t Gegner jeglichen direkten und indirekten Druckes, um einen religiösen Abfall der Juden oder eine künstliche Assimilation Das Gesetz, das alle jüdischen Gemeinden regelt und kontrolliert, hat sich gut bewährt und wird unverändert aufrechterhalten bleiben. Die faschistischen Behörden werden darauf bedacht sein, die Tätigkeit der jüngst in das Land gekommenen Juden zu überwachen und dafür zu sorgen, daß m Gesamtleben der Nation nicht im Mißverhältnis steht zu den bisherigen Verdiensten der einzelnen .Juden und der jüdischen Gesamtheit. Die amtliche Auslassung zieht einen Folge, daß ein spezielles italiesehen dem Staatssystem des Faschismus und dem militanten Antisemitismus. Dies . wird man gerade in diesen Tagen mit Dank die Juden nach Millionen, während in' entgegennehmen, und man darf wohl hoffen, Italien bei einer Bevölkerung von 44 Millio-Idaß diese Absage an die sonst in Europa KOHLE KOKS ANTHRAZIT «.»- .BUCHENHOLZ BASCH IV., Argantlnlonftra&o U 47-5-40 ZWEIMAL TÄGLICH EILZUSTELMJNO IN ALLE BEZIRKE alle Maßen dringend geworden ist. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß die Parteien nicht zu einander finden, daß es überhaupt noch Parteien gibt. Alle diese taktischen oder technischen Unterschiede, die sich hin und wieder sogar weltanschaulich gebärden, sind heute leer und sinnlos geworden. Diese Einigkeit darf aber nicht bei der Politik stehen bleiben. Sie muß auch das private Leben, die Beziehungen zwischen den Einzelnen beherrschen. Es ist unerträglich, daß heute noch Juden von der Bodenständigkeit reden, unerträglich, daß Juden geigen Juden vor Gericht erscheinen, unerträglich, daß Juden die ihnen von der Kultusgemeinde, die unser aller Gemeinde ist, vorgeschriebene Steuer bekritteln oder nicht leisten wollen. Es ist unerträglich, daß es jüdische Kinder gibt, die nichts zu essen haben, daß jüdische Unternehmer jüdisches Personal I abbauen. Wir müssen uns zusammenschließen zu einer festen jüdischen Front. Das ist ider Befehl des Tage«. Et« Flla ««* de» Wh» der Verfcrle|ez»K DIE LUGE DER _ NINA PeTROWNA SWJfKMSM’tfÄ'.TC Regie: V. TOURJANSKY. Tuchlauben!., lustsplelfh. II. Flotten- V., Palast- Vili., Heimat-Kino IX. Ein SOLAR-F1LM in deutscher Sprache. An alle Zionisten! Die vom zionistischen Landesverband systematisch betriebene Werbetätigkeit kann auf schöne Erfolge zurückblicken. Unsere Werbeversammlungen in den verschieden«! Bezirken weisen einen Massenbesuch auf. Die Darlegungen der Redner finden, was besonders erfreulich ist, auch ln Kreisen, die uns bisher gleichgültig oder ablehnend gegenüberstanden, eine begeisterte Zustimmung, die in zahlreichen Anmeldungen neuer Mitglieder beredten Ausdruck findet. Gerade unsere schwere Zeit zwingt die Juden, sich zu orientieren. Auf sich allein gestellt und von der Überzeugung durchdrungen, daß einzig und allein die zionistische Bewegung den Weg in eine bessere jüdische Zukunft «öffnet, kommen sie zu uns. Hi« erwächst dem zionistischen Landesverband eine hohe Pflicht. Soll unser Werk gelingen, so muß jeder Zionist ein Agitator se'n. Jeder Zionist muß seinen Ehrgeiz darein setzen, mindestens zwei neue Mitglieder zu werben und zwei Abonnenten der ..Stimme“. In einer Re he von Wien« Bezirken sind unsere Sektionsheime schon jetzt der Brennpunkt des jüdischen Lehens. Das muß in allen Bezirken der Fall sein. In d esen schweren Taeen erwarten die Juden von uns Rat und Hilfe, Freundschaft und Brüderlichkeit. Jed« Zionist muß jetzt auf seinem Posten stehen. In gemeinsam« Arbeit wollen wir für unsere Ehre und unsere Zukunft kämpfen. Zionistisch« Landesverband für Österreich Leider macht aber die Erklärung eine schwerwiegende Konzession an die Anbeter der Konkurrenz-Statistik, indem sie eine Überwachung der eingewanderten Juden ankündigt. Mit großem Bedauern muß man feststellen, daß die italienische Regierung offenbar dem Einfluß der politi- Spannungen im Mittelbiet die zionistische Lösung der Judenfrage, die Errichtung des Judenstaates in Palästina, ausschließen will. Der Faschismus anerkennt die Notwendigkeit Errichtung eines freien jüdischen Staatswesens, das aber irgendwo, nur nicht in Palästina aufgebaut werden soll. Es muß wundernehmen, daß das moderne Italien, das den hohen und aufbauenden Wert der seelischen Imponderabilien für das Leben eines Volkes so trefflich verstanden hat, dieses Element den Juden aberkennen will. Das jüdische Volk will seinen Staat in Palästina, im Land seiner Geschichte, und wird niemals diesen Anspruch aufgeben, weil seine Verbindung mit Palästina nie unterbrochen worden ist und weil es im Laufe von 20 Jahren beroits eine Siedlung 400 000 Juden in diesem I,and unter unsäglichen Mühen aufgebaut und mit dem Blut vieler Hundert seiner besten Kinder begründet hat. Italien hat am 9. Mai 1918 durch ein Schreiben des Londoner Gesandten Marchese I m p e r i a 1 i an Nahum Sokolow d i e Balfour-Deklaration angono m- :n und ihren Wortlaut ausüeklich bestätigt, dies im Aufträge des Außenministers S o n n i n o. Da« Wort Italiens ist das Wort einer Großmacht. Wir hoffen, daß bei einem Abflauen der Differenzen mit England auch die Zusage Souninos wieder zur Anerkennung kommen wird. , Der Jüdische Gemeindeverband In Italien Rom, 17. Februar. (JTA.) Die Wahlen in den Vorstand des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien, die ursprünglich am 8. März hätten stattfinden sollen, werden, wie es scheint, a u g b I e i b e n. Im Statut des Verbandes ist vorgesehen, daß die Bewilligung der Regierung zur Durchführung der Wahlen einen Monat vor dem Termta der Wahlen eingelangt sein muß, damit (Fe Wahllisten rechtzeitig vorbereitet werden können. Diese Bewilligung ist bisher nicht erteilt worden. In den jüdischen

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