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Die Stimme · 1938-02-07 · Heft 729 (7.2.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 729 (7.2.1938)
Date
1938-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Montag-Ausgabe 9ia Mw« Blatt Ist all 4 Ul» nachmittag« M Boa Kolporteuren erhältlich V. b. b. 10 fl \‘Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, 7. Februar X«|8 e *. Mar L f*98 XX. Jahrgang . Die Brandfackel Der nationalsozialistische Heroismus hat am Freitag abends auf einheitliches Kommando gearbeitet. Zur gleichen Stunde wurden in verschiedenen Bezirken in jüdischen Geschäften die Fenster von Radfahrern mit Steinen oder Eisenstücken eingeschlagen. Auf ein jüdisches Bethaus in der Hetzgasse wurde ein Attentat verübt, indem durch eine zertrümmerte Fensterscheibe eine mit Benzin gefüllte Flasche und ein brennender Fetzen ins Innere geschleudert wurden. Der Brand wurde rasch gelöscht, drei der zum Gottesdienst anwesenden Andächtigen wurden leicht verletzt. Dieses, bisher noch nicht angewendete Mittel der Brandstiftung muß besonders hervorgjehoben werden. Die Akteure der ganzen Veranstaltung, die man bisher dingfest maehen konnte, sind meist Jugendliche, und sie geben an, ihre Taten aus Rache für die Verhaftungen in der Teinfaltstraße begangen zu haben. Die Polizei sucht jetzt die Aktionszentrale, die den Plan organisiert hat. ' Es wird sicherlich der ganze behördliche Apparat in Bewegung gesetzt werden, um dieser Art der direkten Aktion ein Ende zu machen. In einigen Fällen haben sich diese Jugendlichen geirrt und auch christliche Fenster eingeworfen. hervorgerufen. Wie kommen denn die Arier dazu, unter der mangelhaften Ausbildung dieser Kategorie der Jugend zu leiden? Das sieht doch jeder ein, und so darf man wohl annehmen, daß die Energie der Behörden Erfolg haben wird- Aber diese Fensterzertrümmerer und Brandstifter und auch die sie befehligende Zentrale sind nicht allein. Hinter ihnen steht doch eine weitaus größere und reichere Organisation, und außerdem ist durch die ununterbrochene Agitation jener antijüdischen Kreise, die aus ihrem angeblichen vaterländischen bodenständigen Gefühl heraus gegen die jüdischen Geschäftsleute losstürmen, die für solche Unternehmungen günstige Stimmung erzeugt worden. Bodenständige und Zugereiste, betont und nicht betont Nationale, der Antisemitenbund und der kürzlich von uns genannte Geselligkeits- und Sportverein „Kaufmann“ wirken einträchtig zusammen und die Jugend, die in den Versammlungen wild gemacht wird, ist in ihrem romantischen Tatendrang nur zu gerne bereit, die ihr gegebenen Winke auszuführen, zur höheren Ehre des deutschen Volkes Fenster einzuschlagen und dann tapfer zu verschwinden. Der Jude Lebenschuß, der im Zorn über seinen durch den Boykott erfolgten Ruin eine Scheibe des deutschen Reisebüros eingetreten hat und dafür zu vier Monaten strengen Kerkers verurteilt wurde, ist nach dem Gutachten der Psychiater ein Fanatiker der Wahrheit. Er blieb am Tatort und ließ sich verhaften. Zufällig berichten die Blätter gerade jetzt über zwei nichtjüdische Fensterzertrümmerer, die erst a,,Hgeforscht wurden. Sie waren Floridsdorf mit Steinen in. der Tasche gekommen. Als Grund für ihre Tat, für die sie mit je drei Monaten bestraft wurden, führten sie Zorn über den Juden und Notlage an. Aber das Verhör ergab doch das wahre Bild der Verhetzung. Und es ist doch kein Wunder, daß sich solche Vorfälle ereignen und daß sich an Bismarcks Wort erinnern von der Presse, die die Fenster einwirft. Es ist nicht allein die Presse, auch die yersammlungen tragen Dr. Weizmann wurde mit großem Enthusiasmus begrüßt. Er sagte, er verlasse Palästina ermutigt und gestärkt von dem, was er gesehen habe. (Huk die Leiden des Jischuw verkleinern oder unterschätzen au wollen, habe er doch von seiner Kraft und seinen Kraftreserven besonders tiefen Eindruck erhalten. Und dies sei es, was “ Um den Judenstaat Tel-Avlv, 8. Februar. (Paloor.) Dr. Chtdm Weizmann sprach heute, knapp vor sei- Abreise nach London, hi einer öffentlichen Versammlung, die in Tel-Aviv unter der Leitung des Verbandes AU gemeiner Zionisten statttand. Es war eines der größten Meetings, das Tel-Aviv je erlebt bat Tausende von Menschen füllten das große Ausstellunesgebäude, wo die Versammlung abgehalten wurde, und fast ebenso viele konnten wegen überffilltmg ofcbt mehr eingelassen werden. Vertreter und Führer der Juden aus ganz Palästina, drunter zahlreiche Rabbiner, waren anwesend. Den Vorsitz führte Dr. Moss ln sohlt Mrs. B. E. C. Dngdale, die als flast anwesend war, führte aus, die Jütten hätten viele Freunde in England, die bereit wären, ihnen ln ihrem Kampf um ihre nationale Heimstätte beizustehen. Die Einstellung und die Stimmung, in der die Baifonr-Erklärtmg abgegeben wurde, sei in England nicht gestorben und würde . auch nicht sterben. Sie wünsche nur, daß j englische Führer nach Palästina kämen und sich die produktive jüdische Arbeit und die jüdischen Errungenschaften ansehen würden. Der jüdische Wille, der fähig war, die Natur zu besiegen, könne nicht von Menschen besiegt werden. Die Juden ständen jetzt am Vorabend vroßer Entscheidungen und die Zeit der Ungewißheit nähere sich ihrem Ende. Sie sei überzeugt, daß die Juden schließlich in ihrem Kampf siegreich sein würden. M» Kraft «M jikUtthea Volkes vergrößern könne. Er würde in London erklären, es sei unmöglich, über diesen Teil der Welt Entscheidungen zu treffen, ohne diese jüdische Stärke in Palästina in Rechnung zu. ziehen. In bezug auf die politische Lage führte Dr. Weizmann aus, daß die Schlußfolgerung der Königlichen Kommission, das Mandat sei nicht mehr anwendbar, entschieden unkorrekt sei. Tatsache sei, daß dem Mandat von denjenigen, die mit der Administration des Landes beauftragt worden waren, nie eine faire Chance gegeben wurde. Dies sei der Punkt, in dem die palästinensische Regierung versagt habe. Doch könne jetzt die Tatsache nicht ignoriert werden, daß es die Anschauung der Königlichen Kommission sei, das Mandat sei undurchführbar, und daß diese Anschauung von der britischen Regierung geteilt würde. Bezüglich der Teilongsfrage sagte Doktor Weizmann, daß jede Form von Teilung ein großes Opfer eines jeden Juden darstelle. Die Berge von Judäa, Samaria und überhaupt jeder Teil von Palästina sei jedem Juden gleich teuer und nicht nur den „Neinsagern“. Wenn sie jedoch aufgefordert werden, Opfer zn bringen, so geschähe es nur, am ihr einziges Ideal zn bewahren und die Realisierung eines Planes herbeizuführen, der eine anhaltende jüdische Einwanderung sichern and somit den Aufbau eine« mehrere Millionen Juden umfassenden Jischuw gewährleisten würde. Die jüdischen Führer müßten in Anbetracht der Lage der Juden in der Diaspora ihr Äußerstes tun, um eine Vertci Teilungsplanes Sie dürften ihn nicht durch eine kurzsichtige Politik gänzlich zerstören, wodurch nur die Bemühungen der Feinde der Joden, das Jüdische Nationalheim aufzulösen, gefördert würden, und denen geholfen würde, einen unabhängig Arabe einer cbte0 d e n j ü d 11 i n Palästina. Die dringendste Notwendigkeit im Augenblick sei eine baldige Entscheidung über die politische Zukunft des Landes. Konstruktive Politik In der Außenwelt geht ein Kampf zwischen den dunklen und den aufgeklärten Mächten vor sich. Unglücklicherweise hätten sich die Nachbarn der Juden mit den dunklen Elementen verbunden. Das jüdische ScWeksa] sei mit den fortschrittlichen aufgeklärten Kräften verknüpft. Er fürchte, Großbritannien habe immer einige der rohen Elemente überschätzt, während es die Fähigkeit der Juden für Aufbauarbeit unterschätzt habe. Seiner Meinung nach bestände keine Notwendigkeit für die Anssendung einer neuen Kommission, da Palästina bereits genug Kommissionen gehabt habe. Es sei jedoch notwendig, daß ein für alle Mal eine konstruktive Politik für tfie Zukunft beschlossen würde, und deshalb würden die Jaden der neuen Kommission ihre Mitarbeit versprechen. Er glaubte, daß die Hilfe, die dem jüdischen Volk von Großbritannien bei seiner Wiedergeburt geleistet würde, die beste Probe britischer Staatsmannskunst sein werde. Alle Kräfte mobilisieren! Die gegenwärtige Lage der iuden sei . bei weitem ernster als im Jahre 1917. Die eigentlichen Lebensgrundlagen der Juden würden von der antisemitischen Front, die sich über einen großen Teil Europas erstreckte, untergraben, wovon jedoch nicht nur die Juden, sondern auch ihre Freunde betroffen würden. Unter diesen Umständen «ei es Ihre Pflicht, alle Kräfte zu mobilisieren, um ein Maximum der sofortigen jüdischen Einwanderung und ein Höchst* maß an Kolonisierung ln Palästina zu erreichen. Es handle sich nicht mehr um eine akademische Frage von „©enlah“ (Erlösung) oder „Hazalah“ (Rettung) sondern umdleelgent» liebe Existenz des jfidi* sehen Volkes. Abschließend nahm Dr. Weizmann auf die in dieser Woche von Mr. Ormsby-Gore im Unterhaus abgegebene Erklärung Bezug, daß die wirtschaftliche Lage Palästinas zu einiger Besorgnis Anlaß gebe, und sagte, er sei veiler Zuversicht, daß, wenn den Juden genügend Raum in Palästina gegeben würde, in dem sie ihre eigenen Herren sein könnten, sie ein neues Leben beginnen würden, was dann der Anlang der „Geniah“ sein werde. Dank an tapfere Polizisten Jerusalem, 4. Februar. (Paloor.) Den zwei freiwilligen jüdischen Hilfspoii- ' ten, die am 30. Jänner durch ihr tapfe- Zugreifen, als sie zwei verdächtig auesehenie Araber anhielten, durchsuchten und bei einem eine Bombe fanden, ein Unglück verhüteten, wurde heute offiziell der Dank ausgesprochen. Den zwei Polizisten auf der Hauptpol izeistation ein Schreiben Waucbopes übergeben, in dem dieser ihnen seinen Dank für ihr tapfer« Vorahen ausdrjUokte. Ferner trutde jhöftn., ehi WTdbettag ate BelohnuÄg angeboten, den die Polizisten jedoch zurückwiesen. Sie baten statt dessen um Gewährung einer Waffen lizenz. Die Erwägung ihrer Bitte wurde ihnen versprochen. Entlassung der Juden ans dem Konzentrationslager In Akko Jerusalem, 6. Februar. (Paloor.) Meldungen zufolge sollen die im Konzentrationslager in Äkko in Haft befindlichen Juden in Kürze freigelassen werden. Vier Juden aus Chedcra, die sich seit September dort befanden, sind bereits entlassen worden. Entscheidung über Einwanderung im April London, 5. Februar. (JTA-) Im englischen Unterhaus richtete Abg. David Adams an den Kolonienminister Ormsby-Goredk frage, ob er etwas über die Lage in Palästina mitzuteilen habe. Minister Ormsby- Gore erwiderte, er habe seinen früheren Erklärungen nichts hiaznzufügen. Auf eine Frage des Abg. Oswald Lewis, ob der Minister eine Erklärung über die Absichten der Regierung hinsichtlich des künftig-® Systems der Verwaltung in Palästina abgeben wolle, erwiderte Ormsby-Gore, er habe der Erklärung über die Absichten der Regierung, wie sie dem High Commissioner am 23. Dezember mitgeteilt wurden (im Weißbuch vom 5. Jänner d. J. veröffentlicht, die Red.), nichts hinzuzufügen. Absicht, jüdische Einwanderung schon jetzt in einem größeren Maßstab zuzulassen, in Anbetracht dessen, daß eine lange Mt bevorstebt, ehe etwas getan wird? Ormsby-Gore: Diese Angelegenheit wird die Regierung erst nach dem 31. März In Erörterung ziehen können; bisher ist ein Beschluß nicht gefaßt worden. dazu bei, daß her Hinge der Wurf mit dem brennenden Fetzen. Aber darin Hegt auch eine Symbolik die man in Österreich sehr beachten müßte. Es gibt doch eine Propaganda., -die aber die Juden hinweg auch stf andere Institutionen schießt, deren Sicherung dem christlichen Staat sehr am Herzen liegen muß. Sie müssen diesen Angriff auf das jüdische Gotteshaus als ein Signal betrachten. Oder wie man im Dritten Reich sagt, als ein Fanal... Elieser Altman zum Tode verurteilt Jerusalem, 5. Februar. (JTA.) Vor dem Militärgericht in Jerusalem begann am 2. d. der Prozeß gegen den 22jäh* rigen jüdischen Polizisten Elieser A11man, von dem die Anklage behauptet, er habe am 27. Dezember 1937 in der Nähe des jüdischen Steinbrucks an der Straße Jaffa— Jerusalem auf ein arabisches Lastauto geschossen und dabei den Tod eines arabischen Kindes verursacht. Es war dies der erste Fall, daß ein Jude vor einem Militärgericht eines Verbrechens angeklagt ist, auf welches Todesstrafe steht. Die Anklage behauptet., daß Altman sich in dem Augenblick, als die Schüsse fielen, nicht auf seinem Posten befand, sondern im Umkreis der Stelle gesehen wurde, wo der Angriff auf das Auto erfolgte. Er sei erst ein paar Stunden später zurückgekehrt und habe seinem Vorgesetzten gemeldet, daß er beschossen wurde und das Feuer durch Abgabe von 17 Schüssen erwidert habe. Laut dem Polizeibericht habe Altman zuerst auf das Lastauto geschossen. Der Bericht der Polizei stützt sich auf die Aussagen von drei Arabern, unter ihnen eines Polizeikorporals, der aussagte, er habe in der Nähe des Tatortes mehrere Patronenhülsen gefunden. Die arabischen Zeugen wiederholten ihre Aussagen vor dem Militärgericht Am 4. d. wurde das Urteil gesprochen. Das Militärgericht verurteilte Elieser Altman zum Tode durch den Strang. Altman war vor zweieinhalb Jahren a n s a b i e i Pa las Er arbeitete zuerst in Galiläa. Vor kurzem erst wurde er als Hilfspolizist äufge-nommen

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