Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 728 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freiiag-Ausgabe DS«m* Olütt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei den Kolporteuren erhältlich ‘Stimme 15g Nr. 728 JÜDISCHE ZEITUN< mm, Freitag, 4. Februar 1*38 e ». Ada»!. $8*8 U. Jahrgang Eine starke Zumutung Daß Österreich mit allen Staaten, insbesondere mit seinen Nachbarn nur freundschaftliche Beziehungen unterhalten soll, ist eine Binsenwahrheit. Niemand kann wünschen oder verlangen, daß dieser Staat seine wirtschaftliche Entwicklung und seine innere Konsolidierung irgendwie in Gegensatz zu auswärtigen Interessen bringe. Die vollkommene Unabhängigkeit Österreichs, die durch die Mächte garantiert ist und auch in dem bekannten Juli-Abkommen bestätigt wird — sehr zum Verdruß der gewissen Kreise — bedingt es geradezu, daß keine Störung im Ablauf der interstaatlichen Verhältnisse eintrete. Es gibt allerdings Elemente in der Bevölkerung, die da sowohl schielen als auch schauen, und die jedes wärmere Wort zum Beispiel an die Tschechoslowakei und jede Äußerung des Unabhängigkeitswillens mit Ingrimm vernehmen. An der Erhaltung des Friedens mit-aller Welt ist vor allem die jüdische Bevölkerung auf das innigste interessiert, die doch weiß, daß jede Reibung in handelspolitischer oder anderspolitischer Richtung sich irgendwie auf sie auswirkt Ih dieser Auffassung läßt sich die jüdische Bevölkerung auch nicht durch ihre Sympathien oder Antipathien beeinflussen, Wir wünschen gewiß — und wir stehen damit nicht allein — einen Rückhalt Österreichs an den immerhin noch kräftigen und gesünderen Weststaaten, ohne aber damit einer Beeinträchtigung nach der Seite der Achsenstaaten etwa das Wort zu reden. Das ist alles so selbstverständlich, daß es jedes Kind und jeder Mensch verstehen muß. Wenn er nämlich guten Willens ist und nicht jemand hinter einem Strauch suchen will, hinter dem er selbst steckt. Die „Wiener Neuesten Nachrichten“, kein Kind ist so rein, haben etwas Neues gefunden, um die Staatstreue der Juden unter Anklage zu stellen. Bekanntlich ist dieses Organ ein fanatischer Vorkämpfer der österreichischen Unabhängigkeit und darum ist es immer auf der Wacht. Nun wirft es den Juden vor, daß sie die Politik Rumäniens, Jugoslawiens, ja sogar Italiens kritisch betrachten. Daraus folgert dann das Blatt, daß die Juden daran sind, die Außenpolitik Österreichs in eine Feindschaft gegenüber diesen Staaten hineinzudrängen. „Um den Beweggründen zu genügen, die sich aus der jüdischen Solidarität ergeben, müßte sich Österreich in die inneren Verhältnisse seiner wichtigsten Nachbarstaaten einmischen, müßte es aufhören, eine österreichische Außenpolitik zu betreiben, müßte es beginnen, seine Außenpolitik rein jüdisch zu orientieren. Das ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Es wäre daher wünschenswert, daß sich die jüdische Presse in ihren Äußerungen über die inneren Verhältnisse unserer Nachbarstaaten der deutlich genug erkennbaren Grenzen bewußt würde, die von unseren außenpolitischen Interessen sogar für jüdische Zeitungen gezogen sein sollten. Der Artikel des betont nationalen Organs ist überschrieben: „Eine starke Zumutung“, und es ist wirklich eine starke Zumutung, uns zwingen zu wollen, über die Vorgänge in Polen und in Rumänien zu schweigen oder es einfach hinzunehmen, daß die jüdische Vertretung in Jugoslawien gestrichen wurde, daß italienische Blätter plötzlich das Lied von den Palästinas Judenschaft an die Diaspora Wie berichtet, hat am 23. Jänner in emsalem eine Sitzung des Jüdicben Nationalrats stattgefunden, ' welcher beschlossen wurde, eine B otc h a f t die Jude richten. Die Erklärung, die wir auszugsweise veröffentlicht haben, liegt nun Wortlaut vor. Sie besagt: Menschen- und Minderheit« recht« „Im Hinblick auf die uns täglich erreichenden alarmierenden Nachrichten über politische, wirtschaftliche und moralische Verfolgung der jüdischen Massen in den meisten Ländern ihrer Zerstreuung, im Hinblick auf die Leiden der d e u t-s che n Judenheit, die seit fünf Jahren grausam unterdrückt wird, im Hinblick auf die vere n s, und vor allem im Hinblick auf die Welle der Verfolgung, die jetzt über die Juden Rumäniens dahinflutet, eine Million Seelen mit Vernichtung bedroht, Hunderttausenden jüdischen Bürgern dieses Landes den Terror der Austreibung ankündigt — all dies zu einer Zeit, da die Tore aller Länder ihnen verschlossen sind bringt die jüdische Gemeinschaft ihren scheu über diese neue Manifestation Judenhaß der tyrannischesten Form znm Ausdruck. Massen von Juden werden entwurzelt und aus Jter flbjpafc yprtriiwnb die Zurückbleibenden - werden jegflcänw -fiw werbs-, ja sogar Existenzmöglichkeit beraubt. Die jüdische Gemeinschaft fordert vom V ö 1 k e r b u n d und v allen zivilisierten Ländern, daß sie gegen diese systematische antisemitische Verfolgungsaktlon, die alle Menschen- und Minderheltenrechte mit Füßen tritt, protestieren, und die einzig nm ihres Jndeseins willen Unterdrückten schützen. Die jüdische Gemeinschaft sendet an ihre leidenden Brüder, wo immer sie leben, e i n e B o tschaft der Ermutigung. Als im Jahre 1933 über die deutsche Judenheit die Katastrophe kam, unternahmen die jüdische Gemeinschaft Palästinas und die Zionisten in der ganzen Welt ei: Rettung«- und Erlösungsaktton 40.000 deutsche Juden, zum größten Teil jugendliche Pioniere, wurden in wenigen Jahren von Palästina absorbiert, zusammen mit ihnen weitere 120.000 Juden aus verschiedenen anderen Ländern. Das Unglück der rumänischen Juden, das bittere Los von Millionen Juden in Polen und in anderen Ländern demonstrieren vor der ganzen Welt Linie das fundamentale Recht des jüdischen Volkes auf kontinuierliche und durch keine politische Beschränkung gehemmte Einwanderung zu wahren. In der Tat hat die Einwanderung sogar jetzt nicht aufgehört. Überdies hat der Jiechuw während der Zeit, des Blutvergießens nicht nur jede bestehende einzelne Siedlung geschützt, sondern sogar Siedlergruppen zur Besetzung von Dutzenden neuer Punkte entsandt. Dennoch wurde unser Aufbauwerk als Folge der durch die l unihen geschaffenen politischen Ereignisse, verzögert. England und die Antizionisten Seit der Veröffentlichung des Berichtes der Königlichen Kommission und der politischen Erklärung der britischen Regierung vom 7. Juli 1937 betreffend die E r r i c htung eines jüdischen Staates in einem Teil Palästinas war der Jischuw schwerer politischer Spannung unterworfen. Seit der Prüfung dieses Problems duieh den Völkerbund im September 1937 hat jedoch die Regierung der Mandatarmacht keinen einzigen definitiven Schritt in der Richtung dieser neuen Politik getan. Anderseits hat sie den zweiten Teil ihrer Erklä- 7. Juli verwirklicht, indem s‘ das Problem: Juden ohne Heimatland, Ihren Wohnstätten vertrieben, suchen Zuflucht. Mehr denn je vorher muß die ganze * IS?to sches Ghetto in einem arabischen Palästina. Arabische und andere antizionistische Elemente haben die Zeit — auch im Hinblick auf die komplizierte internationale Lage — für gegeben erachtet, noch einmal Das Recht auf Einwanderung Die jetzigen Nöte der Juden in verschiedenen Ländern fallen zeitlich mit einem ernsten politischen und wirtschaftlichen Notstand der jüdischen Gemeinschaft in Palästina zusammen. Die 1936 abgebrochenen Unruhen haben keine Unterbrechung der konstruktiven Entwicklung des Landes, welche« so viele Möglichkeiten birgt, mit sich-gebracht. ln dem schweren Kampf hat die jüdische Gemeinschaft, während sie sich verteidigte, es nicht unterlassen, in erster gegenüber den englischen Regierungskreisen die Forderung nach Liquidierung der zionistischen Politik und nach Zurückziehung des Versprechens betreffend die Errichtung eines jüdischen Staates, wenn auch nur in einem Teil Palästinas, zu erheben. Zu unserem Bedauern haben umntorisierte jüdische Kreise die Pläne der Antizionisten gegen die Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes in Palästina unterstützt. Kein Verzicht Die Plenarsitzung des Jüdischen Nationalrates und die Vertreter der Gemeinden des Landes billigen die Erklärung der Exekutive des Waad Leumi, wonach die jüdische Gemeinschaft Palästinas, die seif c "20 Monaten in Verteidigung ihrer Rechte piid ihrer Arbeit in Palästina gegen Blutvergießen kädipft, unnachgiebig auf diesen Rechten besteht und auch in Zukunft bestehen wird, und daß diese Gemeinschaft jeden Vorschlag, der darauf abzielt, in Palästina einen Numerus clausus für das jüdische Volk zu statuieren oder sonst etwas zu tun, was den Aspirationen des jüdischen Volkes auf Wiederaufbau seines Staates in seinem Laude entgegengesetzt ist, zurückweist und auch in Zukunft zurückweisen wird. Angesichts der Leiden von Millionen Juden in der Diaspora und der ernsten Auswirkungen, welche die undurchsichtige und unstete Politik der Regierung auf die Sicherheit and die wirtschaftliche Entwicklung in Palästina hat, fordert die jüdische Gemeinschaft d<e Regierung auf, der jetzigen Interimsperiode ein Ende zu machen und eine klare und endgültige politische Haltung einzunehmen, damit die Tore Palästinas für die Massen der Einwanderer aus der Diaspora geöffnet KOHLEKOKS ANTHRAZIT.. .. BUCHENHOLZ BASCH «ÄS U 47-5-40 ZWKIMRl TUUUCM BttUCTW>M« IW *U4 BäZIBKl sehe Presse“ publizistisch über Jugoslawien oder Italien hergefällen wäre.. Aber das Recht, über Ereignisse im jüdischen Leben, über die Tollheiten der antisemitischen Internationale zu berichten, wahrt sich die jüdische Presse unter allen Umständen und sollten auch alle Betonten die Krämpfe kriegen. Wir sind aueh überzeugt, daß kein Mensch in-den genannten Ländern eine andere Haltung der jüdischen Presse erwartet und daß es selbst dort niemand für unpatriotisch vemadem Weisen von Zion zu singen beginnen. > würde, wenn die dortige jüdische Presse Natürlich ist es unwahr, daß „die jüdi4 etwa über den Antisemitenbund, über das Galgenbild, über die Bomben- und Hammerwerfer berichtet, Die deutsche Presse von der Richtung der „Wiener Neuesten Nachrichten“ befaßt sich täglich in einer schon fast arroganten Art mit der Politik aller Staaten und gibt zu allem ihren Kren. Man lese nur, wie da über die dem Staat Österreich doch wirklich wohlwollende Tschechoslowakei, wie über Frankreich geschrieben wird. Sie können es damit halten wie sie wollen. Aber uns Ratschläge dieser Art, wie wir das oben zitiert haben, zu geben, ist eine starke Zumutung. werden und dem Zionismus der Weg zum Aufbau auf breiter und großzügiger Basis im Verhältnis zu den Bedürfnissen des jüdischen Volkes geebnet .wird. ,R*tf «inigk«if Der Jischuw fordert, daß alle Teile der zionistischen Bewegung sich zusammenschiießen zur Unterstützung <1 e r g e w ä h 1ten politischen Vertreter des jüdischen Volkes und des Jischuw in deren entscheidendem Kampf um die Erfüllung der Aspiration des jüdischen Volkes auf einen vollkommenen staatlichen Status in seinem Lande und um Liquidierung aller jener Pläne und Dekrete, die den Weg zur Erfüllung dieser Aspiration verlegen.“ Arabischer Klub in Berlin In Berlin wurde ein arabischer Klub eröffnet, dem alle in Berlin studierenden Araber angehören. Der Klub wird ein Bulletin herausgeben. Die deutsche Regierung wird in diesem Klub verschiedene Propaganda-Kurse veranstalten. Der Zusammenschluß der arabischen Studenten in diesem Klub erfolgte, weil die Araber auf der Straße häufig a 1 s Juden angesehen und insultiert wurden, während die deutsche Regierung Interesse an einem freundschaftlichen Verhältnis zu den Arabern hat. Höherer Regierungsbeamter in Akko interniert Jerusalem, 2. Februar. (Palcor.) Rasern K h a 1 i d i, Regierungsinspektor der arabischen Genossenschaften, der vor kurzem verhaftet wurde und unter dem Verdacht stand, an aufrührerischen Umtrieben teilgenommen zu haben, wurde heute auf administrativem Wege zu drei Monaten Internierung im Konzentrationslager von Akko verurteilt. Rasern Khalidi, ein naher Verwandter des früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Dr. Khalidi, ist der erste höhere Regie ru ng sb eam te, der kraft der Ausnahmegesetzgebung interniert wird. Oer neue Oberkommissär Jerusalem, 3. Februar. (JTA.) Wie „Paleetine Post“ mitteilt, wird der neue High Commissioner Sir Harold MacMichael in einigen Wochen nach Palästina kommen. Die ägyptische Zeitung „Al Ahram“ meldet, der neue High Commissioner werde bereits am 2. März sein Amt in Jerusalem antreten.