Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 723 (24.1.1938)
- Date
- 1938-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054480--7244-3520430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Elijah 1× ep/1004307
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Montag-Ausgabe Qte Dieses Blatt Ist ab 4 ühr nachmittags bei Ben Kolporteuren erhältlich y. b. b. 10g Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, »4. Jänner 1930 22. SeOwat $690 U* Jahrgang Englischer Wirtschaftsberater des Oberkommissärs London, 22. Jänner. (Privat.) Der neue Oberkonunissär für Palästina, Sir Harald Mac Michael, der im Februar seinen Posten antreten wird, beabsichtig nach Information des „Evening Standard“ G. W a I s h, den bisherigen Leiter der Finanzverwaltung von Kenya, als wirtschaftlichen Berater für Palästina nach Jerusalem zu nehmen. Walsh gilt als einer der fähigsten Beamten im britischen Kolonialdienst. Vor der Ernennung der Palästina-Kommission Jerusalem, 23. Jänner. (JTA.) Die hebräischen Zeitungen melden aus gut informierter Quelle, daß in den nächsten Tagen bereits in London eine Verordnung erscheinen wird, die die Zusammensetzung der neuen Techs i o n, sowie den Termin ihrer Abreise nach Palästina bekanntgeben wird. StraBenbauprogramm der Jewish Agency Jerusalem, 22. Jänner. (Palcor.) Die sh Agency hat einen Plan für den Bau e ■/•samt 60 Kilometer Ausführung., 100-000 00 Arbeiter be- Das Staatsbürgers chaftsdekret Gogas Bukarest, 22. Jänner. (Orient-Radio.) In Durchführung ihres Programmes hat sich die Regierung entschlossen, zur Überprüfung der Naturalisierungen, die seit 1. Dezember 1918 erfolgt sind, zu schreiten. Die heute Im Amtsblatt erschienene Verordnung setzt einen Uberprüfungsvorgang fest, der von den Gerichten durchgeführt wird. Der Artikel 5 dieser Verordnung bestimmt: Die Bürgermeister aller Gemeinden haben Innerhalb von 30 Tagen eine Liste aufzustellen, mit den Namen aller in die Nationationalitätenregister eingetragenen J u den. Ferner ist ein besonderer Vermerk zu machen über die kraft gerichtlicher Entscheidung oder durch Berufungskommissionen gemachten Eintragungen. Für die letztere Gruppe haben die Gerichte nur auf Verlangen eines Ministeriums zur Überprüfung zu schreiten, mH allen anderen Fällen beschäftigen sich die Gerichte von Amts wegen. Um ihre Rechte zu belegen, haben die in den Listen eingetragenen Personen dem Gericht Dokumente vorzulegen, die beweisen, daß sie auf rumänischem Gebiet geboren sind, daß sie keiner anderen Nation angehören, daß sie in Rumänien Militärdienst geleistet haben usw. Mangels dieser Beweise werden die Betreffenden aus den Nationalitätenlisten und den Wahllistengestrichen. Juden Neurumäniens wird Wahlrecht geraubt über »Sprtrrfitet,. .das* Pfrmd kosten und s'chäftigen wird. Die Regierung hat auf Verhandlungen der Jewish Agency hin jetzt zuerst einen Betrag von 3000 Pfund für Straßenbau i n Sehafon zur Verfügung gestellt. Keine Todesurteile gegen Jacob und Brunn Die Prager Meldungen über Todesurteile gegen zwei Ju len in Jerusalem haben sich glücklicherweise als falsch herausgestellt. Aus Jerusalem, 21. d., wird uns gemeldet: Am Freitag, den 21. d„ mittags, verkündete das J o ■ Mir i e h t das Urteil gegen die beiden jungen kurdischen Juden Abraham Aziz Jacob und Elija hu Brunn, dir des unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt waren. Der 17jährige Jacob und der 19jährige Brunn wurden zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Bukarest, 22. Jänner, (Privat) Die Juden in B essarab.ien, Siebenbürgen und Bukowina und die Juden des alten Königreiches Rumänien, die die Staatsbürgerschaft auf Grund einer von ihnen abgegebenen Erklärung erhalten haben, müssen innerhalb von 20 Tagen nach Veröffentlichung der von den Gemeinden aufgelegten Listen die Dokumente über ita ..StaatsM^^aft ,,*o*B»^^«^|^ diesen DokutfwwB das lieeht auf die i Staatsbürgerschaft klar hervorgeht, werden jdie Bezirksgerichte das Verfahren einstellen. Wo dies nicht der Fall ist, werden diese Personen und ihre Rechtsnachfolger aus den Bürgerschaftslisten gestrichen. Es bleibt ihnen das Berufungsrecht an das ordentliche Gericht offen. Bei den Juden A11 r u m ä n i e n s, die auf Grund eines Gerichtsbeschlusses Staatsbürger geworden sind, erfolgt nur dann eine Nachprüfung der |Staatsbürgerschaft, wenn „der begrün- "erdacht vorliegt, daß sie die Staatsbürgerschaft auf unrechtmäßige Weise erworben“ haben. Die Regierungsverordnung erklärt ferner, daß alle Personen, die unter das königliche Dekret fallen, an den bevorstehenden Parlamentsw ah len nicht teilnehmen dürfen. Diese Bestimmung resultiert aus Punkt 1 des königlichen Dekretes über die Revision der Staatsbürgerschaften, welche besagt, daß die Einwohner von Bessarabien, Siebenbürgen und Bukowina sich dieser Überprüfung unterziehen müssen. Jüdische Reichspartei stellt Bukarest, 23. Jänner. (JTA.) Bisher haben 21 Parteien ihre Teilnahme an den Wahlen angemeldet. Zu diesen Parteien gehört auch die Jüdische Reichspartei Die Regierung, die bereits ein Wahlkartell mit der nationaldemokratischen Partei Professor Jorgas geschlossen hat, eteht auch in’ Verhandlung mit der deutschen Minderheit wegen Abschlusses eines gleichen Kartells. Jüdischer Religionsunterricht in den Schulen verboten Das Unterrichtsministerium hat angeordnet, daß Rabbiner und sonstige jüdische Religionslehrer den Religionsunterricht nicht mehr in den Schulen, sondern mit außerhalb der Schulen in Wohnungen oder sonstigen Räumen erteilen dürfen. (Weitere Nachrichten Seite 2.) Die Akfco-GeSangenen Jerusalem, 22. Jänner. (JTA.) Oberrabbiner Dr. Jizehak Herzog sprach in Begleitung von Rabbiner Josef L e v i beim High Commteeioner Sir Arthur Wauchope vor und ersuchte ihn, die im Akkoer Konzentrationslager internierten Juden freizulsussen. Der High Commissioner versprach, das Ersuchen des Oberrabbiners ernst in Erwägung zu ziehen. Jüdischer Polizist vor Gericht Vor dem Kriminalgericht in Haifa begann am 19. d. der Prozeß gegen den jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz, der angeklagt ist, am 2. Oktober in Atlit den dort auf der Sommerreeidenz des High Commfesioner Wache stehenden arabischen Polizisten Mustafa Houri erschossen zu haben. Waffenschmuggel ans Beirat Jerusalem, 23. Jänner. (JTA.) Aus Beirut wird gemeldet, daß die Polizei dort einem großen Waffenschmuggel nach Palästina auf die Spur gekommen ist, der hauptsächlich von einer Frau ausgeführt wurde. Neue Boykott-Kampagne des Goebbels-Organs Berlin, 22. Jänner. (Privat.) Der „Angriff“, der heute mit einem in seiner Kopfleiste eingeflochtenen blauen sechszack igen Stern erscheint, beginnt mit einer Artikelserie, mH deren Hilfe eine neue Boykottkampagne gegen die wirtschaftliche Betätigung der Juden begonnen wird. Nicht Maßnahmen der Faust wil das Parteiblatt sehen, sondern es fordert das arische Prinzip in Wirtschaftsleben. Das Parteiblait berichtet, daß in dreivierteljähriger Arbeit alle Zahlen und Tatsachen zusammengetragen wurden, aus denen zu ersehen Ist, daß das Judentum in Deutschland immer noch verdiene. Das ist das, was so ein Arier nicht verträgt: daß die Juden noch leben. Wie sie ihr Dasein fristen sollen, nachdem ihnen durch sogenanntes Gesetz die Existenz untergraben wird, das interessiert die Rasse von Haarmann bis Cuza nicht weiter. Wie eine MordafSäre konstruiert wird Der „Pariser Tageszeitung“ wird aus N ü r n b e r g, Mitte Jänner, gemeldet: „In Streichers Gau, und zwar in dem Städtchen E 11 i n g e n bei Weißenburg, wurde ein jüdischer Viehhändler, ein gewisser Bernhard B ä r m a n n, unter der Beschuldigung verhaftet, einen Bauern dazu aufgefordert zu haben, den Kreisleiter des Kreises Weißenburg, Gerstner, und den Kreisbauemführer Maderholz zu erschießen. Bärmann soll dafür dem Bauern 10.000 Mark versprochen haben. Der Hauptzeuge ist ein gewisser Hübner, der wegen Beleidigung nationalsozialistischer Führer verhaftet worden war. Im Gefängnis wurde er dazu gebracht, den jüdischen Viehhändler zu bezichtigen, er habe ihm 10.000 Mark versprochen, wenn er die Kreisleiter Gerstner und Maderholz erschieße. Darauf wurde Bärmann verhaftet. Er wird jetzt wegen „Mordanschlages gegen führende Männer der Bewegung“ vor Gericht gestellt werden. Die große russische Polarexpedition 1937 unter Leitung von Prof. Otto Schmidt vom Arktis-Institut-Leningrad Die abendfüllende Reportage der sensationellsten Expedition aller Zeiten. Ur- und Alleinaufführung ab 27. Jänner URANIA l.f Aspernplatz Der neue Dominion-Plan Von Dr. I. Schwarzbart (Krakau). Wir haben also wieder drei neue Pläne über das Schicksal Erez-Israels. Ein Plan, ein arabischer, von dem bewußten Nuri Pascha, der nicht ganz neu ist, weil schon während des Weltkrieges von den Arabern seine Verwirklichung verlangt wurde. Aber es ist interessant, daß der Plan heute aufgefrischt und in den politischen Kampf gegen den Zionismus geworfen wird. Er verlangt die Schaffung eines vereinigten arabischen Königreiches, welches Syrien, Irak und ganz Palästina umfassen soll. In diesem Staatswesen sollen die Juden eine Minorität mit garantierten Rechten bleiben, deren Zahl bis zwei Millionen Seelen erreichen darf. Da auf dem Gebiete aller drei Länder heute bereits gegen 550.000 Juden leben, so würde das die Möglichkeit einer Einwanderung von bald eineinhalb Millionen bedeuten. Zerstreut auf einem Gebiet von zirka siebenhunderttausend Quadratkilometern, das fast zweimal größer ist als Polen, würden zwei Millionen Juden unter zehn Millionen Arabern wohnen. Eine neue Galuth würde da entstehen. Der Plan Nuri Paschas lockt mit der Hoffnung auf /— Immigration. Wir haben hier lediglich die sachlichen Grundlagen des Planes charakterisiert, obwohl es sich um ein phantastisches und unreales Offert handelt, unannehmbar für uns, aber auch für Ibn Saud, Frankreich und England. Der taktische Zweck des Planes ist aber sieher nicht gleichgültig. Sein Zweck ist, die Fositioirjener Juden zu stärken, die sich der Schaffung eines Judenstaates überhaupt entgegensetzen und ihnen ein Argument in die Hand zu geben, daß die Araber selbst den Juden die Emigration aus den Ländern, in welchen sie unterdrückt werden, ermöglichen wollen. Gerade dieses taktischen Zweckes wegen ist es notwendig, den Plan zu verzeichnen und ihn nicht mit Geringschätzung zu behandeln. Mit einem zweiten Plan beglückte uns wieder Herr Maks Seligmann in den Spalten des „Jewish Chronicl“. Wir würden ihn überhaupt nicht erwähnen, wenn Herr Seligmann nicht Obmann einer englisch-jüdischen Gesellschaft sein würde, die sich zum Ziele setzte, Palästina in eine britische Kolonie zu verwandeln. Also, Herr Seligmann und seine Gesellschaft verlangen auch jetzt, daß die Erez- Israel-Frage im Sinne des Programme® dieses Vereines gelöst werden soll. Auch dieser Plan ist nicht neu, denn schon vor zwei Jahren hat ihn Moscheh Smilansky erwähnt. Er hat schon damals in jüdischen Kreisen eine heftige Opposition hervorgerufen. Es ist überflüssig zu unterstreichen, daß der Plan nichts mit Zionismus zu tun hat. Nicht das war das Ziel unseres nationalen Streben« und es ist nicht notwendig, sich mit einem Gedanken zu befassen, der unsere nationale Degradierung bedeutet Wenn auch Herr Seiigmann und sein Verein sieh bemühen, uns den Plan durch die Hoffnung zu versüßen, daß die Kolonie nur ein Übergang zu einer evolutionären Verwandlung Palästinas in ein Dominion sein soll, so ist es doch charakteristisch, daß gerade die „Jewish Chronicl“, welche den Teilungsplan und die Schaffung des Judenstaates bekämpft, ihre Spalten diesem Plane bereitwillig geöffnet hat Und der dritte Plan wurde in den letzten Tagen durch den Board of Deputies veröffentlicht. Er enthält die Forderung, in Palästina ein jüdisches Do- Uortraa Matlian Bisltitzhy Mittwoch, den 26. d., 8 Uhr abends, spricht Nathan Bistritzky im Großen Musikvereinssaal über: „Der neue Akt der Jüdlsdien Tragödie". bnraau Dakar Omaner, I., Graben 28, Kartenbureau Richard Lanyi I, hlr itnei i 'Wollzeite 6, Jüdische KultursteUe, I., Franz-Josefs-Kai 3, Bücherstube M. ft i* XL, Taboretr. 20a