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Die Stimme · 1938-01-21 · Heft 722 (21.1.1938) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 722 (21.1.1938)
Date
1938-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ni. 722. — Wien, Freitag, 21. Jänner 1988. MEIN GEWERBESCHEIN umfaßt: ToUetteartü»}, Haushaltangsartikd, 18 Jahre im 2. Be*, bestehend, l amiiieuVerhältnisse halber günstige Verwertung, eventuell Mitarbeit gesucht ob. m verkaufen, Zuschr. unter „Vollkommen schuldenfrei“ s. d, Adm. d. Bl, HaiUoH BistcäzUy. Im vorigen Jahre weilte Bistritzky zum ergtentnal in Wien. Ei sprach in verschiedenen zionistischen Kreisen und überall mit einzigartigem Erfolg. Weichen Elementen in seiner Redekunst und überhaupt In seinem Wesen ist dieser Erfolg danken? Wir glauben, daß er sieh genden Gründen erklärt; Nach langer Zeit erschien ein Sprecher auf dem Podium, der den Zionismus nicht als aktuelle Tagesfrage behandelte, sondern als Fortsetzung der historischen Bemühungen unseres Volkes, sich zu erhalten und fortzuentwickeln. Er sprach nicht über den materiellen Aufbau in Erez Israel, sondern über die geistige Seite unserer Bewegung, über die neue j ü d i ' Geistigkeit, die im Anschluß a geistige Vergangenheit auf den neuen materiellen Grundlagen des Jischuw erwachsen wird Bistritzky ist ein treuer Schüler Bialiks, der wie kein zweiter „die Schnur an beiden Enden faßte“, nämlich volles tiefes Verständnis für das alte Thora judentum und die neue Aufbaubewegung in Erez Israel offenbarte und beides mit der ganzen Glut seiner großen Seele und seinem genial«) Können Im Volk propagierte. Wir fühlen, daß unsere Propaganda versiegen beginnt, daß man nicht ewig über Aufbau sprechen kann und daß wir zu den ewigen Quellen der wahren Propaganda, d. i. zu den geistigen Schöpfungen unseres Volkes aller Zeiten, die n e n e s t e inbegriffen, zurückkehren müssen. Die Pro paganda muß zur Erziehung werden, zur Erziehung des Volkes, nicht nur der J u g e n 4 Es ist Zeit, daß wir uns daran erinnern, daß das jüdische Volk vielleicht wie keines auf Erden es wunderbar verstanden hat, Massen zu erziehen und daß es diesen von den jüdisch-geistigen Führern erfundenen und entwickelten Methoden seine Existenz während der Jahrtausende und seine Kraft zur Regeneration in unseren Tagen verdankt Zionismus kann nicht von denmomentanen Eitswanderungsse. hwierigkeiten nach Erez Israel abhängen, er darf nicht in einen Zertifikatszionismus ausarten. Bistritzky hatte die Kraft und den Mut., dies zu sagen und allen anderen, die ihn hören wollten. Dies ist die eine Komponente seiner Wirkung. Nun aber gibt es bei ihm eine zweite, nicht minder wichtige; das L i e 4 Schon der Chaesküsmuo, der die ChaluzbewMping vielfach beeinflußte, hat instinktiv gefühlt welch große Bedeutung das Lied hat Gerade in unseren Tagen beginnt man da* jüdische Liedmaterial zusammenzutragen, um ee wieder in der Masse aufleben zu lassen. Es ist ein schlechtes Zeichen für der* Geist des Zionismus in den Galuthländern, daß das hebräische und jüdische Lied nicht rezipiert wurden. Wir haben das Gefühl daß sich erwachsene Zionisten genieren, zu singen. Der Onegg- Sehabbath-Gedaiike Bialiks wird hoffentlich hier langsam Wandel schaffen. Es ist nun ein großes Verdienst Bistritzkys, daß er mutig in der jüdischen öffent- : behkeit dem Liede Eingang verschafft bat. Als Bistritzky im vor.gen Jahre zum erstenmal nach Wien kam, war er dem jüdischen Publikum völlig unbekannt als er Wien verließ, hatte er sich viele, viel« Herzen erobert, die bei seinen Worten höher schlugen. Dr. Chaira Tartakower. * Vertrag Nathan Bistritzky Mittwoch, den 26. 4. 8 Uhr abends, spricht Nathan Bistritzky im Großen Musik- Vereins»»*! übe-; „Der neue Akt der jüdischen Tragftdie.“ Karten zum Preise von S 2, —bis 50 Groschen sind erhältlich im Keren Kajemeth-Büro, I., Marc-Aurel-Straße 5. Palästina 1938 In dem Vortrag, den der Vizepräsident des A. C. Kurt, B 1 u m e n f e 1 d Mittwoch in einer Zusammenkunft der Keren-Hajeasod- Zahler Wiens hielt, wurde von dem Redner darauf verwiesen, daß das Jahr 1938 die Entscheidung über die politische Zukunft Palästinas für die nächsten Jahre bringen dürfte. England experimentiert seit 1936, seit Beginn der Unruhen; es hat sich durch den Bericht der Royal Commission die "rforierliehe Grundlage für die Festlegung seiner Politik geschaffen und wartet jetzt auf den ihm günstigsten Augenblick. In den letzten Monaten hat die Regierung energische Maßnahmen zur Wiederherstellung von Buhe und Ordnung ergriffen. Der Erfolg ist offensichtlich. Große Chancen für einen Fortschritt in der Entwicklung des jüdischen Palästina seien gegeben: 1. Die Tatsache, daß die englische Aufrüstung im Herbst dieses Jahres zu einem gewissen Abschluß gekommen sein wird. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die Haltung Englands energischer und aktiver wird. 2. Es wird immer deutlicher, daß die Juden die einzigen zuverlässigen Bundesgenossen Englands sind, während die Araber bei ihrem Streben nach voller Souveränität sich auch der Hilfe England feindlicher Mächte bedienen. Nicht zu leugnen sei, sagte der Redner, iß Palästina heute mit ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Jede Wirtschaft brauche Ruhe und klare Entscheidungen. Dazu kommt, daß nach einer vierjährigen Zeit des Aufstieges, der eine Verdopplung der jüdischen Bevölkerung erfolgte, ein naturgemäßer Rückschlag eintreten mußte. Die jüdische Bevölkerung Palästinas bewährt sich auch in dieser Zeit außerordentlich. Es ist symptomatisch, daß kein einziger der 250 jüdischen Siedlungspunkte auch nur ernsthaft angegriffen wurde und daß in den letzten Monaten gerade in einer Zeit höchster Unsicherheit 19 neue Siedlungspunkte gegründet wurden. Die politische Entscheidung wird um so günstiger ausfallen, je stärker die dynamischen Kräfte der jüdischen Welt Erscheinung treten. Nach Blumenfeld besprach Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, die österreichischen Verhältnisse und erörterte die spezielle Aufgabe der Zionisten, bei voller und freudiger Erfüllung ihrer patriotischen Pflichten die Verbindung des Wiener Judentums mit dem zentralen Palästinagedankens aufrechtzuerhalten. Warnung vor einer Betrügerin- Die Direktion des Chaje.- Realgymnasiums warnt! vor einer Betrügerin, die in Häusern für eine! angebliche Ausspei seaktion der Schule sam-1 me.lt. Eine solche Aktion besteht nicht. I Wie der Islam Palästina eroberte Der Vortrag de« Islamforscbers Dr. Elias Strauß über die Eroberung Palästinas durch den Islam war wohl einer der interessantesten ar.d wertvollsten Vorträge, den die WIZO im Rahmen ihres außerordentlich lehrreichen Vortragsprogran-,ms ihren Hörerinnen bot, and zwar als fünften Vortrag des Zyklus: „Palästina innerhalb der Geschichte des Orients.“ Fe ist zweifei i«e ein dankenswerte* Unternehmen, zionistischen Frauen (oder Zionisten überhaupt! über den orientalischen Charakter unseres alten Landes die Augen zu öffnen. Dazu ist aber kaum einer in Wien eher berufen, als Dr. Strauß, der eine phänomenale wissenschaftliche Kenntnis auf diesem von Juden viel zu wenig gepflegten Gebiet besitzt. Mit einet Sachkenntnis sonderg'eichen, die er mit einer sehr anschaulichen und klaren Vortragsweise verband, wußte es der junge Gelehrte verständlich zu machen, wie die alten Kulturen von Byzam und Pension, sozial und religiös ausgehöhlt, wie f waren -ozusagen über Nacht dom vor dringenden Schwert des Islam weichen und in sieh zusammenfallen mußten. Er schilderte das Eindringen der damals ganz barbarischen, eüdarabiseikn Stämme nach dem Norden und ihr allmähliche? Erfaßtwerden von den älteren Kulturen, die sie ihrerseits mit dem monotheistischen Geiste das tslasne verschmolzen. Er betonte, daß überall die Herrschaft des. Islams eine Erleichterung für die Juden miti sich brachte, deren Lage unter anderer Herr-1 schaft immer wesentlich schlechter war. Doktor I Strauß sprach mit durchaus objektiver Wissenschaftlichkeit und erweckte dennoch unter der großen Zuhörerschaft ein geradezu brennendes Interesse für dieses schwierige Thema. Die WIZO hofft. Herrn Dr. Strauß noch öfter am Vortragspult begrüßen zu dürfen. a n. Cham! scha-Assar-Feier des Vorigen Sonntag fand i«n Festsaale de« Hotel „Poet“ die diesjährige Ohamischa-Assar-1 Feier des „J ü d is ch-I uHu re 11 e n Elternbundes“ vor gänzlich ausverkauftem Hause statt. Für das Fest stellten sich die k, Martin T o s s i, Evi B o d e, Kurt S p i 6 g 1 e r, Alexander Grünberg, die Sängergruppe des Cbordirigeuten H e i m a n n und Hilda D u I i zk a j a in uneigennütziger Welse zut Verfügung. Nach Begrüßung durch den Obmann des Jüdisch-Kulturellen EHembtind-es, Dr. Isidor K i a b e r, hielt Dr. A. Weiner eine großangelegte Festrede, in der es unter anderem hieß: Wir können erhobenen Haupte» sagen: wie wir uns nach der Natur und der Arbeit dem Boden Erez-kraete sehnen, so lieben die Natur und ehren wir den Boden Vaterlandes, in dem wir wohnen. Und so, wir voc ganzem Hemm wünschen, daß das Land unserer Väter in neuer Herrlichkeit erwünschen wir von ganzem Herzen, .. Vaterland Österreich stark und frei sein, blühen und gedeihen möge. Dar gläubige Jude richtet in »einem Sinne keine Scheidewand auf zwischen Land and Land oder Volk und Volk, sondern vereinigt in »einem Herzen die Liebe za Beinein faktischen Vaterlande mit der Liebe zum Lande seiner Väter und seiner Zukunft Sodann wurde das unter künstlerischer Leitung von Simon Advokat stehende Programm durchge führt, Unter den Festgärten bemerkte man unter anderen: Oberrabbiner Dok- I. Taglicht Amteleiter Leopold Ferst« vom Schulamt, Börserat J. Waltuch und Gemahlin, Dr, Frevln g vom Volksbildungsreferat der Stadt Wien und den Leiter der Volksschule der Knltu-sgemeinde, Jellinek. Die Arbeit des Keren Kajemeth Chajes-Aktion des Keren Kajemeth. Bisherige Bareingänge S 17.600. Die Ortsgruppe Innsbruck ha-, für die Chajeg-Aktion bisher S 310 aufgebracht. Alle Sammeibogeniuhaber und Gruppen werden dringendst ersucht, die bei ihnen befindlichen Sammelbogen und Gelder mit dem Keren Kajemeth zu verrechnen. Goldblich Eintragung der „Fünf“ ins Goldene Buch dee Keren Kajemeth. Die Wiener „Nach-mania“ hat im eigenen Kreis eine Aktion eingcleitet, um die fünf Mitgüedei der polnischen Gordonia, die unlängst bei Kirjath Anawrim der arabischen Heimtücke zum Opfer gefallen sind, ins Goldene Buch des Keren Kajemeth einzutragen. Durch Seibstbesteuerung der Mitglieder sind bisher an den Keren Kajemeth S 290 abgeführt worden. Goldbucheintragung des Gg. Edwin Brückner , ....i Mitglie •, der kürzlich tragisch ums Leben gekon. - ist, beschlossen, ihn ins Goldene Buch des Sefer Hajeted des Keren Kajemeth. Friedländer Josef Kallmann anläßlich seiner Bar Mizwah; Jellinek Michaela anläßlich ihrer Geburt. Silberne« Buch des Keren Kajemeth. Rabb. Moidechaj Gerstel durch die Misracbi-Jugemd (Nr! 768); Komm.-Ra-t Israel Proßnitz durch »eine Kinder (Nr. 769); Hansi R e i n i s c h, Klagenfurt, durch die Ortsgruppe und WIZO Klagenfurt (Nr. 770); Frau Deborah Adler durch die WIZO und Sektion Prater (Nr. 771); die jüdische Schülerschaft des BundesrealgvmnasiumsXX (Nr. 772); die jüdische Schülerschaft des Bundesrealgymnasiums XX (Nr. 773); die Schüle alg II (Nr. 774); durch Sektion Zwiechenbrücken: Samuel Altmann (Nr. 775); Josef Locker (Nr. 776): Mendl S t e i n f i n k (Nr. 777); Benno Schaffer (Nr. 778); Sohabse Ins! er (Nr. 779); S. H. G oldsten — David Walker anläßlich ihrer Vermählung (Nr. 780). Jüdischer Boxsport Beim Treffen der Kreise Süd gegen Nord im Rahmen der Wiener Kreismeisterscaaft stellte Makkabi die Hälfte der Boxer des Südkreis»*;. Das Treten fand am 14. d. in der Sportklubhalle statt. Die Makkabi-Boxer waren zweimal erfolgreich; zweimal erhielten die siegte der Fliegengewichtler Schlänget (Makkabi) über Leab (Sportklub). Schlänget, der lange pausierte, scheint seine frühere Form wiedergefunden zu haben. Ungerecht war das Punkteurteil, dae im Bantamgewicht Takerer (Graf) den Sieg gegen Berger (Makkabi) Zuspruch. Im Federgewicht leistet« der 19jährige Ten neu bäum (Makkabi), der gegen den fast um zehn Jahre älteren Meister Jaro (Graf) unterlag, gute Arbeit Jaro absolviert« seinem 150. Kampf. Überlegen schlag im Schwergewicht Laub (Makakbi) seinen Gegner Körber (Graf). Chtig Ivri. Bezlrkssekiion VI1I/IX, Hörigasse 2. Dienstag, 35. d., K8 Uhr abend«, Sohiomo Auerbach: Moderne hebräische Dichtung (megtlath-esch); 5-19 Uhr abends, Prof, Kästembaum; Tnaciu Herzls an die jüdische Jugend schon ergangen war. Kein Widerhall diese« Rufes äst in Jakobowskis Werken zu finden, kein Zeichen dafür, daß er den Weg zur jüdischen Renaissance gefunden hätte. Worauf ist das zurückzuführen? Um jene Zeit dichteten in deutscher Sprache auch andere Juden, um nur Adolf Donath, Berthold Feiwel, Georg Hirschfeld, Theodor Zlocisti zu erwähnen, von denen so mancher die neuausgegebene Losung der jüdischen Wiedergeburt zu seiner eigenen machte, Herzls Ruf folgte und im jüdischnationalen Sinn dichtete. Jakobowski steckte zu viel im deutschen Milieu, fühlte sich zu stark in der deutschen Dichtung verwurzelt und suchte gar nicht, nach etwas anderem. Ihm tat ee wohl, gleichsam ein Mittelpunkt des damaligen deutschen Literaturlebens zu sein. Aber in Stunden des Alleinseins, wenn er sich so richtig in sich selbst vertiefte, fand er doch, daß man ihn eigentlich nur als einen Fremden betrachtete. In solchen Stunden setzte er sich mit dem Deutschtum und dem Judentum auseinander. Ein Niederschlag dieser Auseinandersetzungen und inneren Kample ist eben der Roman „Wertber, *er Jude“. Es ist zum staunen, wieviel Talent und Erzählungskunst sich in diesem Jagendwerk offenbaren. Es gibt Steilen darin, die reif und vollkommen wirken, als ob sie von der Hand eines Meisters herrührten. Dazwischen aber finden sich Seiten, die beweisen, daß der Autor noch eehr jung und unerfahren war. Aber nicht mit der literarischen Wertung dieses Werkes will ich mich hier befassen, sondern die Frage behandeln: Wie stellt sich Jakobowski zum Judentum? Es war etwa im Jahre 1900, als ich mich nach dem Lesen mehrerer seiner verstreuten Gedichte entschloß, an ihn zu schreiben. Schon hatte ich den Brief vorbereitet, da las ich in der Zeitung, daß er, 32jährig, soeben gestorben war. Diese Nachricht ging mir nahe und ich vertiefte mich nochmals in seinen Roman „Werther, der Jude“, konnte mich aber nie dazu aufraffen, über ihn in den mir nahestehenden jüdischen Blättern zu schreiben, denn die Blüte der Assimilation. um nicht zu sagen, die Ausgeburt der Assimilation fand ich in diesem Buche und es schmerzte mich zu lesen, wie Jakobowski in der Schilderung eines jüdischen Familienvaters so weit ging, ihn zu einem unverbesserlichen Verbrecher zu stempeln und in den Sohn einen solchen Haß gegen den Vater zu pflanzen, daß ich mir sauen mußte: der Dichter konnte dies nicht ta Leben gefunden haben, was er hier schildert, sondern or mußte den Stoff aus einem antisemitischen Machwerk, das ihm vielleicht untergekommen ist, entnommen haben. Auch den jüdischen jungen Mann, der an einer unglücklichen Liebe zu einem arischen Mädchen schwer zu tragen hat, zeichnet der Dichter als unsympathischen Menschen. Im Grunde allerdings stattet er diese Gestalt mit vielen gewinnenden Eigenschaften aus, ja er geht sogar so weit, sich mit ihm zu identifizieren, aber in einer Art von Selbstzerfleischung streicht er den Charakter leiehsam stellenweise schwarz an, auch ies wahrscheinlich unter der Nachwirkung der antisemitischen Schriften. Wohl lehnt er sich gegen den Antisemitismus wacker auf, er hält sogar Reden gegen die unkulture’le Richtung, woh! empfindet er die Judenhetze als einen Schlag ins Gesicht der Menschlichkeit, aber er ist weiter bestrebt, sich den > Deutschen aazupassen und im Deutschtum ganz aufzugehen. Er nimmt Fehler auf sieh, Sie er nicht hat, und bemüht sich, den Weg zu zeigen, wie diese Fehler durch die restlose Assimilation behoben werden könnten, statt sich stolz aufzurichten und, vom Zionismus gewandelt, den Weg zum Judentum zurückzufinden. Ich bin überzeugt, daß Jakobowski. wenn er länger gelebt hätte, die beseligende Wandlung und Läuterung durchgemacht hätte und eine Leuchte der jungjüdisehen Dichtung geworden wäre. Was ist er aber ohne diese Wandlung geblieben? Ein verschollener Dichter, um den die Deutschen sich nicht scheren, den sie längst vergessen haben. Aber dem war nicht so, wenigstens einige Jahre nach seinem Tode. Da hat es namhafte Männer in Deutschland gegeben, die sich um die Herausgabe seiner Nachlaß- Werke verdient gemacht haben und Raa Monographien und Erinnerungswerte widmeten. Hier möchte ich Rudolf Steiner und Prof. Friedrich hervorheben. Zehn Jahre nach seinem Tode gab Cäsar Flaischlen eine Auswahl der Gedichte von Jakobowski heraus. Es gao keine deutsche Anthologie, die nicht einige Gedichte von Jakobowski enthalten hätte. Es eignete ihnen nämlich etwas Sanghafte«, Volksliedhaftes und rührend Menschliches, was sie über den Durchschnitt emporhob. Aber dann kam eine lange Zeit des Vergessens und der Verschollenheit. ■ Den Dichter Jakobowski dem Vergessen zu entreißen, ist das Ziel dieser Zeilen, weil ich die Empfindung habe, daß in vielen seiner zartsinnigen, tieftraurigen, wehmutgetränkten und doch trostreichen Gedichte unbewußt oder vielleicht sogar bewußt viel vom jüdischen Urelement steckt. Es würde sich der Mühe lohnen, diese Teile au* seinem Werk herausheben und sie einmal gesammelt als jüdische Lieder herauszugeben, als Lieder eines Juden, der viel gelitten, sich selbst Unrast-Ahasver genannt und das Gedicht geschrieben hat: Rauh zwischen Slöß’ und Gegenstöße Reizt mich der Baß der Feinde län, An jeder ungedeckten Blöße Empfind ich stolz, wie stark ich bmf Je schärfte Schwerter mich umpfeifen, Je tiefre StiUe hüllt mich ein. In der wird meine Seele reifen, Und das wird Sieg und Segen sein. Pr. Marek Scheria*.

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