Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 720 (17.1.1938)
- Date
- 1938-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054477--7225-3520408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
0 Moniag-Ztusgabe eaea Blatt Ist ab 4 Wir nschndttaca M San Kolporteuren aMttfldi y* k» fc* 10s Mr. 7*0 JÜDISCHE ZEITUNG w** X®«ta*, 17. JVnncr X9S* 1*. Mw«t 9690 IS. Jahrgang Genf muß Bukarest belehren , Der Generalsekretär des Völkerbundes, Herr Avenol, hat in London mit Eden und in Paris mit Delbos über die Behandlung der Minderheitenfrage im Zusammenhang mit den Vorgängen in Rumänien gesprochen. Der Völkerbundrat tritt Ende Jänner zusammen und er wird diesmal das beliebte Spiel, eine unbequeme Angelegenheit in Kommissionen und Enqueten zu begraben und einer Diskussion auszuweichen, nicht vornehmen können. Zufällig ist das Problem der Staatenlosen, einer erst seit dem Krieg entstandenen Elendskategorie, auf der Tagesordnung, und da wird man wohl oder übel auch über das Experiment der rumänischen Hakenkreuzler sprechen müssen, die einfach die Million jüdischer Einwohner Staaten- und rechtlos machen wollen, um dann den polizeilichen Ausweisungsaprparat „legal“ iß Bewegung setzen zu können. Ihr Unternahmen-ist nicht neu und nur durch die Plötzlichkeit und Bedenkenlosigkeit überraschend, mit der es angekündigt wird. Was da geplant wird, ist von den Liberalen vorbereitet worden. Trotzdem haben die ersten Ankündigungen Sensation erregt und auch die Kabinette der "Westdeftokratien zu einem „freund- Mutige Erklärung KbImümM« En mannhafter polnischer Gelehrter Lemberg, 15. Jänner. Privat) Der Rektor i Senat sein Amt zur Verfügung gestellt hat, der Lemberger Universität, Professor Dok-I veröffentlicht in den Lemberger Zeitungen tor K u 1 c z in s k i, der dem akademischen! eine Erklärung, in der es heißt: Die Öffentlichkeit darf meinen Schritt nicht mißverstehen. Ich habe mein Ami niedergelegt, weil ich nicht dulden kann, daß fälschlich als eine „Verfügung der akademischen Behörden“ bezeichnet wird, was in Wirklichkeit die Erpressung einer politischen Partei ist, die mit allem Terror eine Ausnahmsgesetzgebnng gegen etee nationale oder konfessionelle Gruppe durchsetzen und sie mit dem Scheine der Legalität umgeben möchte. fi> Wirklichkeit könnte keine staatliche Behörde verfassungsmäßig eine solche Verfügung treffen. Aber jede andere Behörde, und so auch die Regierung, könnte sich gegen eine solche Erpressung wehren. Nur eine Behörde gibt es, die solchem Zwange schutzlos gegenübersteht, und das ist der Rektor und der akademische Senat. Mir aber ist es unmöglich, unter einen stochen Terrorakt meine Unterschrift zu setzen. Die Universität, die akademischen Behörden, und namentlich der Rektor und die ganze polnische Wissenschaft, dürfen sich unmöglich einem solchen Zwang fügen. Tim sie es dennoch, so verrichten sie auf jene Freiheit des Willens Und des Wortes, tone die die Wissenschaft nicht existieren kamt, ohne die sie überhaupt keine Wissenschaft mehr ist. Stirbt aber die polnische Wissenschaft, so ist dies nicht nur ein ungeheurer Schaden für die Hochschulen und die Professoren, deren Prestige für eine schlechte Sache mißbraucht werden sollte, sondern auch für diejenigen, die gewaltsam dices Maßregeln darchgeftihrt haben. Demission 4er Dekane Prof. Kulczinski protestiert schließlich haben zwei von dem drei weltlichen D edagegen, daß der Prorektor gegen seinen kanen und einige Mitglieder des aka- Willen die betreffende Verfügung unterdemischen Senats ihre Amtestellen schrieben hat. iniederlegt. Infolge dieses offenen Briefes Kulcsisskls PREISE i 6 9**. 10*. 13* 15**, fmim Möglichkeiten zur Lösung desselben wie folgt: „Da der Konflikt zwischen Juden und Arabern nicht dureh Feindschaft zwischen diesen beiden Völkern entstanden ist, wird es nicht schwer sein, ihn beizulegen. Notwendig ist, daß das Palästinamandat so bald wie möglich abgeschafft wird. Palästina wird auf der Basis des Prinzips der Gleichberechtigung von Juden und Arabern zu einem unabhängigen Staat gemacht Die Verfassung des neuen unabhängigen Palästina dar! den Juden keine Beschränkungen hinsichtlich Einwanderung oder Landerwerb auferlegen. Maßgebend für den Umfang der Einwanderung muß das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes sein. Falls die künftige Regierung Palästinas über den Grad der Aufnahmefähigkeit sich nicht einigen kann, soll hierüber ein „higher Committee“ (höheres Komitee), bestehend aus je 12 Juden und Arabern, unter dem Vorsitz eines Vertreters einer auswärtigen Macht, die an Palästina nicht interessiert ist, entscheiden. Pbilby erklärte ferner, er sei jetzt ein Gegner der Teilung, für die er früher eintrat, weil er sich überzeugt habe, daß sie eine Katastrophe für die nunmehr der Außenminister Micescu in <|ehf Selbst antworten will. Er hat schon jetzt eine Abschwächung der Maßregeln vorgenommen. Er erklärt — so wie vor kurzem der König —daß es sich um die Revision der erst nach dem Krieg ungesetzlich eingebürgerten Juden handelt, die widerrechtlich in das Land eingedrungen seien. Ihre Anzahl betrage, Wie Goga sagt, eine halbe Million; Micescu spricht von 50 000. Ob so viel oder so viel — jedenfalls ist das eitler Dunst. Einbürgerungen werden überall mit denkbarster Rigorosität behandelt und die rumänischen Behörden haben gewiß keinen Pbilsemitismus gezeigt. Übrigens steht das, was zuerst verlautbart wurde, im vollen Einklang mit den Forderungen der Cuzisten. Es wird Sache des Völkerbundrates sein, vollste Klarheit zu schaffen und die neuen Herren darüber zu belehren, daß sie den Minderheitenvertrag einzuhalten haben, und daß es auch für sie noch ein Gesetz gibt. Das wird der Völkerbund um so eindringlicher erklären müssen, als es sich um einen von ihm garantierten Vertrag handelt. Er hat bisher die Achtung vor dem Vertrag als das wichtigste Kriterium politischer Ehrlichkeit angesehen und auch immer wieder bestätigt, daß der heutige Zui stand der Welt lediglich durch Vertragsbruch in der mannigfachsten Form herbeigeführt worden ist. Der Völkerbund hat in Danzig größeres Unheil verhüten / können, und er hat sogar Deutschland veranlaßt, den Minoritätenschutz in , Oberschlesien den Juden gegenüber wenigstens Ms zürn Ablauf des polniseb- 1 deutschen Abkommens zu beachten. Es gehört nicht soviel Energie dazu, Rumänien an seine Pflichten zu erinnern und ihm ins Gedächtnis zu rufen, daß schon 1878 die freie Staatlichkeit Rumäniens ausdrücklich durch den Ber- , liner Vertrag an die Gewährung der Politik der Exekutive gebilligt Jerusalem, 15. Jänner. (Palcor.) In der, Debatte im Kleinen Aktionskomitee sprachen Usslschkin, Bern Zwi, Grünbaum, Rabbiner M. Berlin und andere. Zum Abschluß der Debatte Weit Ben Gurion eine Rede,j ln der er über die Tätigkeit der Exekutive! der Jewisk Ageocy berichtete. Das Pa-1 lästina-Mindat besitze noch immer bindende Kraft und es sei die Pflicht, sowohl der „Nein“-Sager wie der „Ja“-Sager, im Rahmen des Mandates zusammenzuarbeiton, bis die zionistische Bewegung ein anderes Regime akzeptiert habe. Das Arbeitsfeld der Exekutive liege erstens in der Bekämpfung der Verzögerungstaktik der Regierung und des Drängens auf schleunigung einer Bntscbeing bezüglich des geplantes Judenstaates, zweitens in der Anstrengung toter Kräfte, um Verbesserungen in dem Entwurf des Judenstaates zu erlangen, damit ein solcher möglichst bald dem nächsten Kongreß zur Entscheidung vorgelegt werden kann. Am Schluß seiner Ansprache fragte Ben Gurion, ob Irgend eines der anwesenden Mitglieder gegen diese Politik Einwendungen bähe. Keiner der Anwesenden erhöh Einwendungen. Die Sitzung wurde nach achtstündiger Diskussion geschlossen. Ein Vorschlag Philby’s Jerusalem, 16. Jänner. (JTA.) John Pbilby, der als Freund der Araber bekannt ist, äußerte sich in einem einem Mitarbeiter des „Falastin“ gegebenen Interview über das Palästinaproblem und bürgerlichen Rechte für die Juden gebunden worden war. Der Völkerbund kann es heute nicht mehr riskieren, seine Autorität — und das ist die Autorität der Menschlichkeit, der Ehre des Wortes und der Gesetzlichkeit — nochmals dem Spott der Gasse auszusetzen. Es liegt ihm ein Beschlußantrag des jüdischen Weltkongresses vor. Diese Körperschaft vertritt in dieser Angelegenheit das gesamte Judentum (vielleicht mit der einzigen Ausnahme der Wiener Union), und sie beweist den Wert ihrer Existenz. Sie ist aber in diesem Augenblick auch der Sachwalter der Minoritäten überhaupt, die in Rumänien trotz aller Versicherungen der Minister gefährdet sind. Mit den Juden werden auch die Deutschen, die allerdings das Dritte Reich durch seinen Applaus zu den antijüdischen Verordnungen der Gefahr preisgibt, und die Ungarn getroffen. Es ist bekannt, daß die Sorge um sie bei der letzten Dreierkonferenz in Budapest eine sehr wichtige Rolle gespielt hat Die ungarische Regierung hat auch in ihren Besprechungen mit Bukarest deutlich auf den Minderheitenvertrag hingewiesen, den sie den Juden gegenüber allerdings verleugnet bat, nachdem die Budapester Kompatrioten der Wiener Union die Zustimmung erteilt hatten. Nichts kann den hoben Wert dieser Vertragsbestimmungen, die man in Wien als „minderes Recht“ degradieren wollte, besser beweisen, als die neueste Entwicklung. Gewiß ist mit der politischen Klärung, mit der Abwehr eines AnscMages auf das Bürgerrecht noch nichts gegen den Antisemitismus der Tat getan. Die Praxis der nordischen List, der Umgehung des Gesetzes, ist fester Bestandteil der Politik geworden und sie ist in Rumänien bereits erbgesessen. Trotzdem wird ein Beschluß des Völkerbundes von heilsamer Wirkung sein. Schon daß er in erreichbarer Nähe steht, hat dje neuen Machthaber in Bukarest dazu gebracht, Exzesse zu verhindern und den Weg des Oktrois bezüglich der Staatsbürgerschaft zu vermeiden. insland bewaffnet seine Beamten Jerusalem, 14. Jänner. (Havas.) Mit Rücksicht auf die gegenwärtig in Palästina herrschende Unsicherheit haben die Behörden beschlossen, neue Maßnahmen zum Schutze und zur Sicherheit der Regierungsbeamten zu ergreifen: Jeder Beamte, der seinen Dienst in der Öffentlichkeit versieht, wird mit einem Revolver bewaffnet, da seit mehreren Monaten gegen die Beamten zahlreiche Angriffe unternommen wurden. Anderseits wird den Beamten empfohlen, nicht zwischen Einbruch der Nacht und dem Morgengrauen Reisen zu unternehmen. Nach Nablus wurden neue Militärverstärkungen entsandt, um die Grenztiberwachung im Osten Palästinas zu verstärken. Ferner hat die Polizei beschlossen, die Zahl der Polizeihunde, die eich bei der Verfolgung der Terrorieten als sehr nützlich erwiesen haben, zu erhöhen. Revolver zur Verteidigung — fünf Jahre Gefängnis Jerusalem, 15. Jänner. (Palcor.) Jakob S e g a 1, ein Wächter der Egged-Omnibus- Gesellscbaft in Haifa, wurde vom Bezirksgericht wegen unbefugten Besitzes eines Revolvers und Munition zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richter erklärte, er sei der Überzeugung, der Angeklagte habe die Waffe nur zur Selbstverteidigung getragen, doch sei es ihm unmöglich, von den gesetzlichen Vorschriften abzuweichen. Militärgerichtsprozeß gegen Jacob und Brtsnn Jerusalem, 16. Jänner. (JTA.) Der Prozeß gegen Abraham A z i z Jacob und Elijahu Brunn vor dem Militärgericht wird, wie verlautet, am Dienstag stattfinden. Militärabteilungen in feldmäßiger Ausrüstung sind in J e n i n einge,troffen nnd in Schulen einquartiert worden. Es verlautet, daß diese Truppen zur weiteren Verfolgung der Banden im Distrikt Jenin eingesetzt werden. Mittwoch, den 26. d., 8 Uhr abends, spricht Nathan Bistritzky im Großen I Musikvereinsseal über: „Der neue Akt der Jüdischen Tragödie". o 3 ■'ebfutn« b». 50 Gro»chea tj