Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1938-01-10 · Heft 717 (10.1.1938) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 717 (10.1.1938)
Date
1938-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054431-3054474--7208-3520388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Mt. 717. — Wien, Montag, den 10. Jänner ME STIMME Salta 3 Artfremd" ff Die JTA meldet: Bei einer Internatserziehungstagung, an der über 400 Erzieher aus ganz Österreich teünahmen, beschwerte sieh einer der Referenten, Ministerialrat Dinghauser darüber, daß in den Wiener Internaten die österreichische Jugend vielfach „artfremden“ Ärzten anvertraut ist, und verlangte, daß dieser Zustand dringend beseitigt werde. Es ist anzunehmen, daß die kompetente Behörde eine Untersuchung Über diese Äußerung vornimmt und gegebenenfalls den Ministerialrat an die Verfassung erinnert I \t°s Weltjudentums“ die folgende Meldung: Internationale jüdische Finanz- |leute organisieren einen Fonds von einer halben Milliarde Pfund, um im geeizneten i Augenblick an den internationalen Börsen i einen Run zu inszenieren. Demnächst solle in der Nähe von Genf eine Zusammenkunft maßgebender Vertreter der jüdischen Hochfinanz stattfinden, die über die Einzelheiten der Durchführung des Aktionsplanes beraten sollen. Dieser Vorstoß von Seiten der jüdischen Hochfinanz wird von parallel laufenden Aktionen begleitet Das Blatt schließt, man könne ohne Übertreibung davon sprechen, daß das „Weltjudentum einen regelrechten Generalangriff auf verschiedene Völker vorbereitet“. Nachdem ein Londoner Blatt diese deutsche Meldung aufgegriffen hatte, gab der Sekretär des Board of Deputies of British Jews, A. G. B r o t m a n n. der Jüdischen Telegrnphen-Azentur gegenüber die Erklärung ab, daß diese Nachricht absolut jeder Grundlage entbehrefaßt sich im Leitartikel eingehend mit der Judenpolitik der neuen rumänischen Rei gierung und führt aus: Das nationale Christentum Gogas und Cuzas liegt im Programm des orthodoxen (griechischkatholischen) Christentums, weiches glaubt, daß man das Evangelium mit der Rassenlehre in Einklang bringen kann. Darum bedeutet das Regierungeprogramm „C hri- K ö n i g, N Der französische Schritt in Bukarest Schutz der Minoritäten in Rumänien li« sch-: tis ches Pro Das Organ des Vatikan gibt der Befürchtung Ausdruck, daß das extremnationaiistische Programm Gogas und Cuzas bedenkliche Auswirkungen auf die innen- und außenpolitische Lage Rumäniens haben werde. Eine Lüge des Antisemiten'! bunes aiifedeckt Das tschechoslowakische rreßbüro meldet: An französischen in- Vnr AinifTATi tw« c ■* , formierten Stellen wird betont, daß der 6 j des freundschaftliche Schritt, den der französi- Antisemi tenbundes verschiedenen Zeitungen sehe Gesandte Thierry ähnlich wie der eine Erklärung zugegangen, die verschie- Gesandte Großbritannien bei der Buka- J®“™*;e B^uptungen über die Teiiroste Regierung am I. Jänner untefno^ nähme de r J u d e n am W el tkrie g men hat, keineswegs eine Eindamit begründete, daß sie aus einer Newmischung Frankreichs in die Yorker jüdischen Zeitung, „When Israel is inneren Aneelezenbeiton Ru- King“ stammen. Der Wiener Korrespondent mäniens bedeutet, sondern lediglich den der „Jüdischen Telegraphen-Agentur“ ver- Zweck verfolgte, wie dies übrigens Pflicht öffentlicht nun unter dem 8. d. die folgende der beiden Großmächte sei, die rumänische Erklärung: Regierung auf die Wichtigkeit „Ich habe mich telephonisch mit der we'&en’ Zentrale der Jewish Telegraphie Agency i die beide Regierungen ständig dem Vera New York in Verbindung gesetzt" und von derselben nachstehende Auskunft er-: halten:. Eine jüdische Zeitschrift unter: dem Titel ,When Israel is King* ist i n' Amerika nicht vorhanden. Hingegen wurde im Jahre 1021 in Paris ein' antisemitisches Buch der Brüder T h a r a u d unter dem Titel ,Wlven Israel is King* veröffentlicht. Aus dieser Aus-: kunft eigibt sich, daß die Daten des Antij semitenbundes über den Anteil der Juden ■ am Krieg nicht etwa einer jüdischen Zeitj schrift, sondern einem judenfeindlicheni Werk entnommen wurden.“ 1 trag beimessen, der am 9. Dezember 1919 in Paris unterzeichnet wurde und der die Rechte der Minderheiten verbürgt. In Paris wird daran erinnert, daß der Vertrag über den Schutz der Jaden in Rumänien seinen Ursprung in den Artikeln 44 und 46 des Berliner Vertrages aus dem Jahre 1873 habe, zu dem Bismarck und der französische Minister Waddington die Anregung gaben. j Die Auffassungen über die wahrschein- | liehe Antwort der rumänischen Regierung Das ist wieder ein Beweis dafür, wie sie auf di686 Schritte in Angelegenheit der Mines treiben. Erst schreibt irgendwo einer eine derheiten gehen, wie Meldungen aus Buka- Lüge nieder, dann beruft sich ein anderer rest erkennen lassen, dahin, daß die rumäauf sie, und schließlich bekommt sie im ni8che Regierung die vertraglichen Bestim- Lauf der Zeit Erweiterungen und sozusagen m“ngen über die Minderheiten sowohl für Urkundenwert. Die neue.Lüge ist rasch aufdle JudeD als auch für die übri'-reu nationageflogen, aber bei der Wahrheitsliebe der Antisemiten wird das wenig nützen. Sie 0,n ,m -■ " •- finden rasch etwas anderes. „Essener N ationalzeitung“ hat gelogen Die ,Ebs brachte in Überschrift soweit sie im Jahre 1919 bei Unterzeichnung des Vertrages in Rumänien siedelten, voll respektiere. Die neuen Maßnahmen der Regierung würden lediglich die später auf rumänischem Boden Angesiedelten betreffen. Aussprache in Genf Zahlreiche französische Blätter befassen sich mit diesem Schritt Frankreichs, wobei sie dessen freundschaftlichen Charakter be- , tonen. „Petit Parisien“ erwartet, daß die er- | wähnten Probleme Gegenstand eines ausiU Konzession, mit zwei! führlichen Meinungsaustausches im Rahmen großen Sälen, komplett ein-1 der Ratstagung des Völkerbundes bilden gerichtet für 100 Personen, im , werden, die am 17. Jänner in Genf beginnt gelegenem unij ,jer angesichts der Anwesenheit und D e 1 b o s’ große Bedeutung ener Nationalzeitung“ großer Aufmachung unter der ..Neue Mobilmachung SELTENE GELEGENHEIT PEISEHAUS Jüdischen Z< f 6000-. ZU VERKAUFEN „ ~ 0 . . - Zuschriften unter „Gesicherte beigemessen wird. Beide Außenminister Existenzen die Administration werden in Genf Gelegenheit haben, persönlich mit dem rumänischen Außenminister M i c e s c u über diese Fragen zu beraten. Englands Standpunkt „Yorkshire Post“, die als das Sprachrohr Edens gilt, verleibt im Leitartikel der Demarche des britischen Gesandten in Bukarest, Sir Reginald H o a r e, erhöhten Nachdruck, indem sie betont, England habe ein starkes Interesse an der Einhaltung der Minderheitenverträge. Die Minderbeitenver- {träge dienen auch dem Schutz der betreffenden Staaten selbst, denn die Einhaltung dieser Verträge schützt sie vor Repressalien gegenüber ihren eigenen Volks splittern im Ausland. Die Juden, erklärt „Yorkshire Post“, genießen nicht einmal die Rechte anderer Minderheiten; Versuche, die Juden zu expatriieren oder durch wirtschaftliche Druckmaßnahmen von einem Land ins andere zu jagen, machen aus ihnen jedoch eine Art Nomadenmasse, was im allgemeinen eine beunruhigende Wirkung ausüben muß. Frankreich und England sind durch die Intensivierung des Problems betroffen, da die Juden durch mittelalterliche Zwangsmaßnahmen auf die Wanderschaft getrieben werden. England und Frankreich haben daher ein direktes Interesse daran, daß die Minderheitenrechte geschützt werden. Aach eine amerikanische Intervention Bukarest, 9. Jänner. (JTA.) Auf Weisung des Außenministeriums in Washington sprach der amerikanische Gesandte in Bukarest, Franklin Mott Günther, beim Ministerpräsidenten Octavian Goga vor und teilte ihm mit, daß die. Regierung der Vereinigten Staaten die Entwicklung in Rumänien hinsichtlich der Behandlung der Juden sehr sorgfältig beobachtet Der Gesandte erkundigte sich insbesondere, ob irgendwelche der von der Regierung geplanten antijüdischen Maßnahmen Juden amerikanischer Staatsbürgerschaft betreffen werden, die in Rumänien leben oder hier Eigentum besitzen. Eine Äußerung des Vatikan- Organs Rom, 9. Jänner. (JTA.) „Osservatore Romano“, das offizielle Organ des Vatikan, be- Goga droht mit Massenausweisung Wie der Sonderkorrespondent der Jüdischen Telegraphenagentur a-us zuverlässiger Quelle erfährt, hat Ministerpräsident Goga dem amerikanischen Gesandten die Versicherung gegeben, daß amerikanische Juden von den geplanten Sondermaßnabmen nicht betroffen sein werden. Gleichzeitig aber betonte Goga, daß die J u d e n- Politik der rumänischen Regierung die folgende sein werde: Die Juden werden in zwei Kategorien eingeteilt: in Juden rumänischer Staatsbürgerschaft und Juden ausländischer Staatsangehörigkeit Juden, die die r umfinisebe Staatsbürgerschaft nach dem Krieg erworben haben, werden den Nachweis zu bringen haben, daß diese Erwerbung auf legalem Weg geschah. Hinsichtlich der ausländischen Juden habe Goga dem amerikanischen Gesandten unverblümt erklärt, daß seine Regierung diese Juden sobald als möglich aus den Lande weisen wird. Auf die Frage dos Gesandten, wohin diese Juden, deren Zahl vielleicht an die Zeh ntausende betragen dürfte, sich wenden sollen, erwiderte Goga, diese Frage gehe die rumänische Regierung nichts an. Die Unterredung mit der Reichspartei Über den Verlauf der Unterreidnng zwischen Ministerpräsident Goga und den Mitgliedern des Präsidiums der Jüdischen Reichspartei erfährt die Jüdische Tele^raphenagentur. Goga begrüßte den Präsidenten der Jüdischen Reichspartei Dr. Theodor Fischer und den Vizepräsidenten Dr. Samuel S i ng e r in herzlicher Weise und unterhielt sich mit ihnen längere Zeit über die Situation der Juden unter der neuen Regierung. Goga versicherte, daß überall im Lande vollkommene Ruhe und Ordnung herrsche und fügte hinzu, die Regierung werde Ausschreitungen und Übergriffe gegen die Juden in keiner Weise dulden. Er ersuchte die Mitglieder der Abordnung, ihrerseits der jüdischen Bevölkerung zu versichern, daß die Lage vollkommen ruhig Bei und daß keine Ursache zu irgend Briefe aus Österreich Aus Franz Köhlers „Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West. Da« Zeitalter der Emanzipation“ bringen wir mit Genehmigung des Saturn-Verlags einige Leseproben. Franz Schubert an Salomon Sulzer Der neue Gottesdienst in der Seitenstättengasse wurde zu einem Anziehungspunkt auch für die nichtjüdischen Kreise Wiens- Dies war neben Mannheimer dem jungen, bald zur Berühmtheit gelangten Kantor Salomon Sulzer zuzuschreiben, dessen Wirksamkeit jene des großen Kanzelredners harmonisch ergänzte. Zu den Verehrern Sulzers gehörte neben dem Dichter und Erzbischof Ladislaus von Pyrker auch Franz Schubert. Nach einem Freitagabendgottesdienst schrieb er an Sulzer: Verehrter Meister! Die Verherrlichung Ihres Gottesdienstes, der Ausdruck begeisterter Andacht hat mich bis ins Innerste erschüttert. Noch nie habe ich ähnlichen Schmelz gefunden wie in Ihrem Mezza voce, so demütig leise und doch so klar vernehmlich. . , Ihr Franz Schubert spielte Sulzer sein neuestes, unter dem Eindruck des Freitaggottesdienstes entstandenes Lied vor — es war die „Allmacht*. Sulzer sang die Komposition sofort vom Blatt und so entstand eine innige Freundschaft, welche bis zu dem zu früh erfolgten Tode des Meisters währte.“ Eine der schönsten Früchte dieser Freundschaft war Franz Schuberts Vertonung des 92. Psalms. Der Name Schuberts wurde dadurch zur größten Zierde der von Sulzer herausgegebenen „Schir Zion“. L. A. Frankl an Anastasias Grün Im Jahre 1856 unternahm der Dichter Ludwig August Frankl eine Reise nach Paj lästina. Er war beauftragt, in Jerusalem [ eine jüdische Kinderbewahranstalt ins Leben! zu rufen, für welche Frau Elise Herz, geb. j Lämel, den Betrag von 50-000 Gulden gestiftet hatte. Ein Brief Frankls an seinen; Freund, den Dichter Anastasius Grün, be-! richtet über die dankbare Anerkennung, die ‘ Frankls Wirken schließlich gefunden hat.; Die Ironie dieses Briefes bat sich allerdings: in späterer Zeit in einen anderen als dem vom Briefscbreiber gewollten Sinn verkehrt. „Am nächsten Sonntag“ — so berichtet Salzers Sohn Rudolf — „erschien Franz Schubert in der Seitenstättengasse und Wien, am 29. November 1862. .,. Überrascnen dürfte es Sie, daß ich ein Klein-Grundbesitzer in partibus fldelium in Palästina geworden bin. Die Gemeinden der Städte Safed und Tiberias am Galiläischen Meero haben mich zum Ehrenvorstand ernannt: um aber das nach palästinensischem Rechte sein zu können, muß man dort Grundbesitz haben. Und es hat mir jede der genannten Gemeinden eine kleine Grundparzell« geschenkt . Jedenfalls besitze ich jetzt mehr von dem Land als die Apostolische Majestät von Österreich und der König von Italien, die sich beide König von Jerusalem titulieren lassen. Es kommt jetzt nur auf meine Eroberungsgeiüste an, meinen Besitz zu erweitern, vor allen den Patriarchengrund in Hebron als biblisch verbrieft in Anspruch zu nehmen und endlich, auf dem Prophetenspruch fußend, Syrien zu annektieren ... Und Jerusalem muß mein sein, wenn das Königreich Palästina Bestand haben soll... Sie sehen, ich befinde mich in einer dem König Victor Emanuel analogen Verlegenheit. und zwar in einer noch größeren, weil mir ein jüdischer Cavour und Garibaldi fehlen und weil die Angelegenheit mit der so gefürchteten orientalischen Frage zusammenhängt, indem mein Plan auf nichts Geringeres ausgebt, als der Pforte ein großes Gebiet zu entreißen. Die Kadimah an Leon Pinsker Wien, 25. November 1883. ... Wir können Ihnen nur vom Herzen gratulieren, daß Sie der erste waren, welcher kühn und mutvoll für unsere heilige Sache eingetreten ist und der eigentliche Urheber und Begründer einer Literatur sind, die gewiß segensreich und fruchtbringend sein wird. Wir glauben jedoch, daß die nationale Idee nicht besser unter unseren Stammesgenossen verbreitet werden könne als durch die Herausgabe einer Zeitschrift für die Gesamtinteressen der jüdischen Nation. ... Wir erlauben uns daher, Ihren so wertvollen Rat zu erbitten... Dr. M. T. Scbnirer Präses. Diese Zeitschrift wurde bald danach unter dem an Pinskers Schrift anknüpfenden Namen „Sclbstemanzipation“ ins Leben gerufen. Ihr Gründer war der im Jahre. 1883 als Sohn ostjüdischer Eltern in Wien geborene Nathan Birnbaum, dessen Lebenslauf, wie kaum der eines anderen führenden Juden, zum Spiegel der weiteren Entwicklung werden sollte. In einem erst kürzlich von Tulo Nussenblatt ans Licht gebrachten Memorandum hat Birnbaum das Werden der Kadimah und den Geist der von Pinskers Ideen entflammten Jugend geschildert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.