Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 713 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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yr. 713. — Wien, Freitag, 81. Dezember 198% Salt* 5 Scheitans Kinder Jan und Elsa Vor kurzer Zeit ging eine Meldung aus Jerusalem durch die Presse, daß die Mörder der beiden Soldaten des schottischen Black Wätc-h-Regiments, die außerhalb des Walls der Altstadt aus dem Hinterhalt niedorgesiihossen worden waren, sechs Stunden nach der Tat. in dem Dorfe Silwan entdeckt und verhaftet wurden. Dabei wurde erwähnt, daß man zur Auffindung der Terroristen Polizeihunde verwendet hatte. Diese Hunde waren Jan und Elsa, die beiden stichelhaarigen, braunen Dobermanns der Palästina-Schutzpolizei. Für den Araber ist „El Kalb“ — der Hund, stets nur ein unsauberes, räudiges Tier gewesen, das die Straßen nach Abfällen durchsuchte, und das ein guter Moslem nicht einmal berühren durfte, wenn er nicht „unrein“ werden wollte. Ale man vor ein paar Jahren die beiden Hunde aus Südafrika nach Palästina herüberholte, weil es trotz der Hilfe der erfahrensten arabischen Fährtensucher bei zahlreichen Raubübarfällen und Terrorakten nicht, möglich war, die Täter in ihren Schlupfwinkeln in den Felshöhlen der Galiläa- und Judäa- Gebirge oder in den Sandwüsten der Mittelmeerküste aufzufinden, erregten die Tiere anfangs nur die Heiterkeit und Spottlust, der Banditen und Terroristen. Sie fühlten sich dieser Bedrohung gegenüber recht sicher in ihren Verstecken oder bei ihren Stammesgenoasen im Heimatdorf, deren Verrat eie gewiß nicht, zu fürchten brauchten. Aber nach ein paar Wochen änderte sich die Lage. Der erste Erfolg In den Militärkasernen in der Jerusalemer Vorstadt Talavera war ein Einbruch verübt und einige Bomben gestohlen worden. Man brachte die beiden Hunde an den Tatort und ließ einen von ihnen an einem Stoffballen riechen, den der Dieb berührt haben mußte. Sofort machte der Dobermann kehrt und folgte — die Nase am Boden und den Beamten an der gestrafften Leine hinter sich her zerrend — der unsichtbaren Spur in ein einige Stunden entferntes Araberdorf und dort bis in ein Haus, wo er einem Araber, deT mit gekreuzten Beinen friedlich auf seiner Strohmatte saß, die dicken Vorderpfoten auf die Schultern legte und dreimal scharf Laut gab. Der Moslem sprang auf und stieß die zornigsten Verwünschungen gegen das unreine Tier aus. Man nahm ihn aber mit, trotzdem er seine Unschuld beim Bart des Propheten beschwor, und stellte ihn in eine lange Reihe mit anderen Arabern. Auch der zweite Hund, dem inzwischen der betreffende Stoffballen gezeigt worden war, fand ihn dort sofort heraus. Als der Araber zum zweitenmal« die zottigen Koten auf seinen Schultern fühlte, hörte er auf zu fluchen und wußte nicht recht-, ob er an Zauberei glauben sollte. „Der Hund muß mich gesehen haben“, murmelte er schließlich. Hunderte von Malen haben die Doberinanns seither mit ihren beiden Betreuern, Detoktivsersreant Parker und Detektiv Pringle, Fälle aufgeklärt, denen die ganze Polizei hilflos gegenüberetand. Das verräterische schwarze Muttermal Einmal war der polnische Christ Stanislaus Sluga, der auf einer Orangenplantage an der Mittelmeerküste südlich von Jaffa arbeitete, angeschossen und tödlich verwundet w'orden. Die Polizei wußte nicht, was V“ machen sollte Auf dem mit abgefallenen Blättern bedeckten Boden zwischen den langen Reihen der Orangenbäume war nicht die geringste Fußspur zu erkennen und doch stand es außer jedem Zweifel, daß der Täter keinen anderen Weg zur Flucht genommen haben konnte. Viele Araberdörfer lagen hinter den Sanddünen, die die Plantage umgaben, und in denen der Wind bald alle Fu&abdriieke verweht haben würde. Sluga beschrieb seinen Angreifer als einen barfüßigen jungen Araber, mit einem schwarzen Muttermal auf der linken Backe. Wo sollte man ihn suchen? Jan und Elsa wurden geholt. „Spur“, sagte Pringle, und zeigte Jan einen Fußabdruek am Schauplatz der Tat. Jan schnupperte einmal und führte seinen Herrn durch die Baumreihen und über die Sanddünen, bis sie schließlich in einem kleinen Dorf landeten. Vor einer Araberhütte blieb der Hund stehen, dann setzte er sich hin, unschlüssig mit der Nase gegen den Wind schnüffelnd. Seine Spur war offensichtlich hier zu Ende. Ein alter Mann kam zur Tür geschlürft und brummte, daß nur er und seine Frau die Hütte bewohnten. Die Detektive begannen unsicher! zu werden. Der Dobermann mußte einen! Fehler gemacht haben. Dieser wackelige d I dl «5 EIKBEK-STIMe Preisrätsel Nummer 2 Liebe Kinder! Hoffentlich habt ihr das Bilderrätsel schon zusammengesetzt und auf eine Postkarte aufgeldeht. Heute lege ich euch die zweite Aufgabe vor: Silbenrätsel ang — her — bra — dat — di — die — e — erz — bim — ho — ho — i — i — ka — lo — mand — me — mud — ne — nie — re — sol — tal — ter — va Nun bildet aus diesen Silben Wörter ender Bedeutung: 1. Fluß in China, 2. Schwarzwild. 3. Jüdische Gesetzessammlung. 4. Weiblicher Vorname. 5. Islamitischer Richter. 6. Unbestimmtes Fürwort. 7. Bezeichnung für Abraham. 8. Krieger. riental. Name unseres Stammvaters, ingstimme. foh 10. Die Anfangs- und Endbuchstaben der gefundenen Wörter (die ihr in vorstehender Reihenfolge untereinander schreiben müßt), nacheinander gelesen, ergeben einen Aufruf, dem ihr gewiß alle Folge leisten werdet! Ihr wißt, daß für die richtige Lösung der Aufgaben folgende Preise ausgesetzt sind: 1. Ein Photoapparat. 2. Füllfedern. 3. Jugendbücher (die dem Alter des Gewinne,rs entsprechen). 4. Gesellschaftsspiele. Außerdem eine Jause für 100 Kinder mit lustigen Vorträgen. * Schon heute lade ich euch ein, die nächste Nummer der „Kinder-Stimme“ besonders genau zu lesen, da dort Näheres über die Art der Einsendung zu lesen sein wird. Inzwischen gutes Gelingen! Eure Dodah. Wintersport Mit, dem Winter Freundschaft schließen., Jubelnd Schnee und Eis genießen, Rodeln, Schneeballschlachten schlagen, Auf der Eisbahn Bogen wagen, Einen dicken Schneemann bauen, Offnen Aug's die Schönheit schauen, Wenn auf Skiern man gleitet, sacht Durch der Berge Winterpracht. IiUgM? Ullr a-Utf! uuuu u.Vdic. n H WV auch etwas über Alexandria wissen. AI, Alexander, Alexandria. Da ist t Allen Kindern, Mädels, Jungen, Röte Wangen, gute Lungen; Langeweile, Trübsinn fort. — Se/ief: Das ist Wintersport! Ilse EerUnger. Die Verfasserin dieses schönen Gedieh-; - - . tee bat die zwei schönsten jüdischen Kin-j So-TO” Juden 4oü. •"«> ",uu ’ derbücher geschrieben: ..Jüdische. Kinder-; schon halbe Gelehrte, Aber wer v r 1 *'•.*•- 1 Gr.? Auch das hatten ' das für Alexandria wurde : uider d. Gr. l Ni!de »gründet. Dort märohen' Mondei Rosonbnsoh“. Wer kennt sie schon? Und welehi hat euch am besten gefallen: Zwei Tierge&^ic&ten für Kleine Leute erzählt Jehuda ben Samuel), der eine ging übel mit seinem Pferd um, fütterte es schlecht und schlug es, wenn cs kaum noch weiter konnte: der andere behandelte sein Pferd, wie es sieh gehört. Unterweis* sagte der rohe Reiter zu seinem Mitreisenden: „Verkauf mir dein Pferd!'1 Der andere erwiderte: „Wenn du mir alles Geld der Welt gäbest, würde ich es nicht tun!“ „Warum nicht?“ „Niemals würde ich mein Tier einem Manne verkaufen, der es mißhandeln und hungern lassen würde. Sollte ich je in die Lage kommen, mein Tier verkaufen zu gäbe 1 gleich gefunden. Aber i billige t Mann, der eck, bei ..Erläutern!] „Niehtjmle“ be „Sein Weltreich der damal der Heiden l Stichwort s nd Rudi auf die I1c\ i der Wörter“ nachzui sich, daß das Dreieck ” n Teil ulfaßte den g Judenhei ist i jüdischen Sa.ce (Leg Josepbus, im Talmud, mittelalterliche hebräische Alexander-Romane). Alexander wurde jüdischer Vorname (jiddisch: Sender), sein Beiname Mukdan (= Mazedonier)] verbreiteter Nachname.“ Siegbert Friedmaun (12 Jahre aJU. ßriefKasten : Um mehrere Anfragen auf einmal zu beantworten, möchte ich euch sagen, daß die hebräischen Kinderspiele gleich nach Abschluß der Preisrätselscrie erscheinen. Ich muß sie bis dahin wegen Platzmangels fort-lassen. Schönen Dank. Eure Dodah. ValH S. Dir, liebe Nichte, danke ich i Her würde ich lieber Als Moses noch Jithroe Herden hütete niieh freut (so erzähl* der Midrasch), verlief sich!upd Neffen ihre _ eines Tagte, ein Schaf in der Steppe. I hilfreich zur Seite Moses ginf ihm nach, suchte und sah es weiter so. endlich, wie es einem Teiche zulief. „So“, Grete! Nathan. Bitte, das nächstem*! sagte er, „du hast. Durst? Und ich habe ,ije Zeichnung mit schwarzer Tusche es nicht gewußt.“ Er nahm das Lamm J nachzuziehen. sonst kann ich sie nicht, alle lieben Nichten -men Sehulkollegen so : stehen würden. Bleib auf die Schultern und trug es zum Wasabdruck. ser. Darauf sagte Gott: „Wer dem ihm anvertrauten Tier Liebe erweist-, der ist würdig, der Führer meines Volkes zu werden.“ Wie liest man „unser“ Lexikon? Im übrigen sind mir Zeicbfbetvorstäudlioh als Beiträge genau so erwünscht nie Erzählungen. Ich danke dir sehr und will sehen, ob ich dein Versäumnis gutmacheu kann, Gerda. Innigen Dank. Wie ist dein Zuname? Wenn ich auch nicht gleich deine Bitte erfüllen kann, ich merke sie mir schon. Mit Zuschriften belästigt mich niemand. Ich freue mich doch darüber. Aber genauen Namen. Adresse und wo- Sonntag blätterten wir ein wenig : Philo-Lexikon. Das Phiio-Lexikon haben 1 viele jüdische Männer bearbeitet. Als darin blätterten, wollten wir natürl wissen, wer Philo war. Wir suchten also! Willi Läufer. Die englische Adresse da« Stichwort auf. P, Pf, Pb, Phi, Philo, für den Briefwechsel mit einem Buben in Aha, da, war es. Und was berichtete das | England kannst du nächsten Mittwoch Lexikon? Philo war ein jüdisch-hellenistizwischen 3 und 5 Uhr in meiner Spreehßoher Gelehrter aus Alexandria, Er lebte!stunde haben. Viele Grüße! Verhaftung des Mörders Im Kaffeehaus Jan hatte inzwischen die Umgebung der Hütte abgeeuoht und «prang plötzlich an seinem Herrn in die Höhe — eine alte Hose zwischen «einen Zähnen. „Abu el Kalb“ — der Vater de« Hundes, wie Pringle bei den Arabern heißt, — nahm sie in die Hand und betrachtete sie. „Wem gehört die denn?“ fragte er dann. Die Frau des Arabers, die jetzt auch herausgekommen war, wurde redselig. „Ach, die Hose“, meinte sie, „die on meinem Sohn. Aber der ist in Jaffa. . ging gestern früh fort und ist seitdem gar nicht mehr hier gewesen.“ „So, dein Sohn, ich glaub, den kenne ich. hat er nicht ein schwarzes Muttermal auf der linken Backe?“ „Aber ja“, sagte überrascht die Frau, „das ist er“, und nannte den Beamten das Kaffeehaus in Jaffa, in dem ihr Sohn meistens zu finden war. Der junge Mann wurde bald verhaftet und mit einer Anzahl anderer Araber den Hunden vorgeführt. Einer nach dem anderen sprangen sie i ihm hoch und gaben Laut. Als man den Arabor in da« Spitalzimmer brachte, in dem Sluga im Sterben lag, erkannte auch der ihn sofort. Der Junge sah den Dobermann an und zitterte. „Dieser Hund ist der Sohn de« Scheitan (de« Teufels)“, sagte er, „kein anderer konnte von der Tat etwa« wiseeo.“ Die Jüdischen Künstler* spiele II„ Praterstraße 34 haben für heute, den 31. Dezember, eine besondere Überraschung vorbereitet und bringen im Rahmen der großen Rilvesfervorstellung (B-egiun 8 Uhr 45) die Premiere einer originaljüdischen Operette „Die Nesehume fyn mein Volk“ mH Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Es ist dies die erste im chassidiscbcn Milieu spielende Novität, die uns das Gastspiel Sevilla Pastor heuer bringt. Da der Autor i Tomaschefsky und der Komponist! Schloßborg ais besondere Kenner diesesj Milieus bekannt sind, verspricht die Premier« 1 deT SalsoBsdilager zu werfen. Das jüdische) Publikum liebt lustige Stücke mit original- > ehassidieehen Liedern und Tänzen und in der: bunten Tracht, des Östlichen Judentums und j wird bei „Nesehume fyn mein Volk“ voll auf] seine Rechnung kommen. Die Silvestervor-! Stellung wird noch bereichert dureh zahlreiche j Einlagen unter Mitwirkung zahlreicher Gäste,) wie Morgan, Fried! und Leo Horowitz, u. a. ‘ Die Conference des Abends führt Viktor Schlesinger vom Jüdischen Kulturtheator. Restliche Karten an der Theaterkasea (Tel. R 45-4-94) sichern. lern!“ die große national« Revue, von A. Meis eis. Musik von M. Lubetzky, wird in den Jüdischen K (Instierspielen, Pratersiraße 84, mit Sevilla Pastor Dienstag, den 4. Jänner. 8 Uhr 30. als Werbevorstetlung gegeben Für diese Vorstellung gelten besonders ermäßigte Preise. Karten sichern. Paul Muni im Jüdischen Kulturtheater il M u n i. der große Schauspieler und arsfe’Ier. der zu kurzem Besuch in Wien, ■ Heimat, weilte, wob-nte Dienstag mit itung des Managers der r Gattin i Die Novität. „Die Nesehume fyn mein Volk“ wird Samstag, den 1. Jänner, uim 4 Uhr und 8 Uhr SO, und Sonntag, den 2. Jänner, um 3 Uhr SO und 8 Uhr SO, wiederholt. An beiden Nachmittagen kleine Preise mit der vollständigen Premiercarbesetzung. einer Vorstellung des " Schauspiels „Uriei Acosta“ von Karl Gutzkowim Jüdischen Kulturtheater bei. Der Künstler spendete der Darstellung, der Regie und dem Bühnenbild wiederholt Beifall und höchstes Lob und erklärte nach dem Rabbi-Akiba-Akt die Darbietung sei ganz große Burgtheater-Kunst. Im citnzelgespräc-h mit allen Mitgliedern der öchausroeler-Gemeinschaft erzählte er daß er noch als Knabe 1912 Possart in der Titelrolle von „Uriei Acosta“ in Chikago gesehen und er selbst in „Uriei Acosta“ gespielt habe aber nicht den Uriei, sondern nur den „bös*» Mann“ Do Santo«. In das Gästebuch schrieb Muni folgende Worte in englischer Sprach«: „Meinen innigsten Dank dem Kultnrtbeater für den höchst anregenden Abend. Mehr Widerhall und größte künstlerische Entwfekhmg wünscht Paul Muni. — Wien, 28 Alt.