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Die Stimme · 1937-12-27 · Heft 711 (27.12.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 711 (27.12.1937)
Date
1937-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Montag-Ausgabe *Dk Dieses Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei Ban Kolporteuren erhältlich V. b. b. 10 g iSümme Nr. 71* JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, *7. Dezember *037 e 33. Teweth S*98 XX. Jahrgang Das zuverlässige ]iidische Element 650 neue Gafirim Zar Unterstatzung des Antiterror-Spezialisten Sir Charles Tegart ist Sir David Petri in Palästina eingetroffen, der seit 1900 höhere Polizeifunktionen in Indien versah. „A Difaa“ teilt mit, die Regierung habe beschlossen, die Zahl der britischen Polizisten um 300 zu erhöhen. Außerdem soll die Zahl der englischen Vizepolizeikommissäre vergrößert werden. Zuverlässig verlautet, daß die Regierung im Umkreis von Jerusalem 650 neue jüdische Hilfspolizisten einsetzt Zwei Juden, Joschua G o b e r n i k und Alfred Lebhar, sind zu Distriktsoffizieren für Nordpalästina bestimmt worden. An der syrischen Grenze wurden starke Truppenabteilungen zusaramengezogen, da Meldungen eintrafen, daß arabische Banden die Grenze nach Palästina überschreiten. Das Recht auf Selbstverteidigung In einer Unterhausdebatte fragte Abg. Wedgwood den Kolonienmlnister Ormsby-Gore: ,,Wieviele Menschen müssen denn gemordet werden, bevor man die Erlaubnis zur Selbstverteidigung gibt?“ Darauf antwortete 0rmsby-Gore: „In allen Fällen, in denen die Regierung Grund zur Annahme hatte, daß die Waffen nicht mißbraucht werden, sondern sicher verwahrt bleiben und nicht in die Hände jener fallen würden, die an Ausschreitungen schuld sind, wurden Bewilligungen erteilt.“ Abg. Wedgwood fragte den Kolonienminister weiter, ob er die Gesamtsumme der Kollektivstrafen angeben wolle, die in den letzten zwei Jahren Dörfern und Städten in Palästina auferlegt wurden, wieviel davon einging, wieviel noch aussteht, und ob noch Schritte unternommen werden, um die Außenstände einzutreiben. Ormsby-Gore erwiderte, er sei nicht im Besätze genauer Einzelheiten, werde aber den High Commlssioner um solche ersuchen. Da letzten Teil der Frage beantwortete er nositiv. < * - - --' Unentwegter Kampf für jüdische Rechte unter Mandat Die neue Palästina- Kommission London, 25. Dezember. (JTA.) In der Unterhausdebatte am 22. Dezember fragte Abg. Geoffrey Mander den Kolonienminister, wann sich die neue Untersuchungskommission nach Palästina begeben werde und welche Schritte unternommen werden, um die neue, vom Völkerbundsrat autorisierte Politik fortzusetzen. Minister Ormsby-Gore erwiderte: Ich hoffe in kurzem in der Lage zu sein, über den genauen Charakter und den Aufgabenkreis ■ der neuen Kommission Mitteilung zu machen. Die Entsendung der Kommission nach Palästina wird keinen unnötigen Aufschub erleiden. Inzwischen bereitet die Palästinaregierung die nötigen Unterlagen vor. Abg. David Adams fragte den Kolonienminister, ob er eine Erklärung über die Lage In Palästina abzugeben habe. Minister Ormsby-Gore: Die Lage im Lande bat sich imallgemeinenetwas. gebessert,; obwohl noch immer sporadische Terrorakte Vorkommen. Mehrere Terrorbanden setzen ihre Tätigkeit weiter fort. Unter ihnen befindet sieh eine Anzahl von Personen, die aus Nachbarländern nach Palästina gekommen , sind und sich als Führer und OrganisatovJSa.det Terroristen betätigen. Der High Commissioner hat berichtet, daß seit dem 23. November. 10 Araber und fünf Juden getötet, 4 Araber und 27 Juden verwundet wurden. Unter den Getöteten befinden sich fünf arabische und ein jüdischer Polizist. Im gleichen Zeitraum wurde ein britischer Polizist getötet und einer verwundet. 26 Araber wurden bisher von Militärgerichten verurteilt; einer wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet, drei wurden freigesprochen und 21 erhielten Gefängnisstrafen in verschiedener Höhe. Vor kurzem wurden weitere zwei Araber vom Krimmalgerichtshof zum Tode verurteilt. Abg. Wedgwood fragte den Kölonienminister, mit welcher Begründung den Arabern in dem Gebiete von Beer Scheba 4000 Pfund zur Förderung ihrer Landwirtschaft gewährt wurden, und ob er überzeugt sei, daß solche Beiträge im Interesse von Gesetz und Ordnung erwünscht sind. Ormsby-Gore: Kürzlich wurden in Südpalästina 5000 Pfund für Hilfeleistungen ausgeteben. Ein Teil dieser Summe war zur Verteilung in gewissen Gebieten des Beer Scbeba-Distfikts bestimmt, da dort in dieser Saison 75 Prozent der Ernte duroh Wetterschäden vernichtet wurden. Ich bin überzeugt, daß dies im Interesse von Gesetz und Ordnung liegt. Wedgwood: Ist der Minister überzeugt, daß dies nicht eine Zahlung Ist, um die Araber dort von der Beschädigung der Telephonleitungen abzuhalten? Onosby- Gore: Selbstverständlich. Die Judenverfolgungen in Danzig Warschau, 25. Dezember. (JTA.) Täglich treffen in Warschau jüdische Flüchtling e a u s Danzig ein. Es handelt sich vorwiegend um polnische Staatsangehörige, die seit langem in Danzig gelebt haben und dort als Kaufleute, Handwerker usw. tätig gewesen sind. In Danzig kommt es immer zu Überfällen auf Juden. Der seitens der Danziger Regierung auf die Juden ausgeühte administrative Druck dauert unvermindert fort. Jüdische Geschäftsleute, die nicht ln der Lage sind, die speziell ihnen auferlegten hohen Steuern zu entrichten, werden aufgefordert, unverzüglich das -Staatsgebiet zu verlassen. Jerusalem, 25. Dezember. (JTA.) Der Präsident der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem, David Ben Gurion, erklärte, auf einer von der Jewish Agency Veranstalteten Pressekonferenz, die Gerüchte über irgend welche Friedensverhandlungen zwischen der Jewish Agency und den Arabern seien erfunden. Uns nicht gut gesinnte Engländer und Nichtzionisten, sagte Ben Gurion, haben in Ägypten, Paris und London Besprechungen betreffend die Lösung des jüdischen Problems geführt Es gab auch eine Fühlungnahme zwischen den Gegnern eines „kleinen Judenstaates“ und Gegnern eines Judenstaates überhaupt. Die Jewish Agency jedoch ist in keine Verhandlungen eingetreten, deren Zweck es wäre, die Juden von der Erlangung einer Majorität in Pa- Gefedit mit einer Terroristenbande Jerusalem, 25. Dezember. (JTA.) In der Nähe von Tiberias ist es zu einem schweren Gefecht zwischen Polizei u n d M i 111 ä r auf der einen Seite und einer hundertköpfigen Araberbande auf der anderen Seite gekommen. Die Truppen wurden von Soldaten der transjordanischen Grenzwache und Flugzeugen unterstützt Im Verlauf der Kämpfe wurden 18 Ar aber getötet und einer getangengenommen, worauf sich die Araber zurückzogen. Militär nahm ihre Verfolgung auf. Das ganze Gebiet von Nazareth und Tiberias ist von Militär und Polizei umzingelt Sämtliche Dörfer der Umgebung wurden nach verborgenen Verwundeten und flüchtigen Terroristen durchsucht. Wie der JTA. von gutinformierter Seite mitgeteilt wird, hat die Zentrale der Terrorbewegung in Palästina in der letzten Zeit von Italien, auf dem Umwege über Syrien, 20.000 Pfund erhalten. Das versetze die Terroristen in die Lage, die Terroraktionen noch eine längere Zeit durchzuführeo. Jeder Terrorist erhält einen Taglohn von drei Piaster. lästina auszuschließen und für sie den Status einer dauernden Minderheit in einem arabischen Ghetto unter dem Mufti von Jerusalem oder Fauzi Bey el Kaukadyi zu fixieren. Die Jewish Agency, schloß Ben Gurion, sieht ihre Aufgabe gegenwärtig darin, für die jüdischen Rechte unter demMandatundgegendieFortdauer des politischen Einwanderung smaxlmums zu kämpfen. In zweiter Linie ist d'e Jewish Agency bestrebt, von allen politischen Faktoren konkrete Vorschläge für die Errichtung eines jüdischen Staates in einem Teile Palästinas zu erhalten, die dann dem nächsten Zionistenkongreß unterbreitet werden sollen. Neuer antiiüdischer Feldzug des »II Tevere“ Die antisemitische italienische Zeitung „II Tevere“ beginnt mit der Veröffentlichung einer Artikelserie über „Juden im politischen Leben Italiens“. Das Blatt will im Eiaführungeartikol, gestützt auf die Ziffern des Herausgebers der „Protokolle der Weisen von Zion“ in Italien, Giovanni Prezioei, naohweisen, daß die Juden im politischen Leben Italiens, im Parlament, Senat und in der Verwaltung stärker vertreten sind, als es ihrem Anteil innerhalb der Gesamtbevölkerung entspräche. ,J1 Tevere“ kündigt an, er werde den schädlichen Einfluß der Juden im Staatsleben und ihre Verbundenheit mit „geheimen internationalen Kräften“, die den italienischen Interessen entgegenarbeiten, aufdecken. Der Oberetkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalmajor W a v e 11, unternimmt gegenwärtig Inspektionsreisen in verschiedenen Gegenden des Landes. Vor kurzem besuchte er die Kolonie Natania. Für den inneren Frieden Erez Israels Die Frage nach der politischen Zukunft des Jischuw beherrscht die Diskussion. Die Frage der inneren politischen Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen des Jischuw ist aber zumindest so wichtig. Gerade damit ist es nun schlecht bestellt. Die Arbeiterschaft in Palästina, die zweifellos die größten Verdienste um die Wirtschaft im Lande hat, übt eine exklusive Macht aus, die für die Zukunft des Judenstaats eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt. Man muß sieh darüber klar sein, daß die allgemeine Gewerkschaft, die Histadruth, nicht nur gewerkschaftlichen, sondern in der Praxis auch den politischen Zwecken der Arbeiterpartei dient und gleichzeitig auch der größte Unternehmer im Lande ist. Die Histadruth führt Bauten auf, pflanzt Orangengärten, baut Straßen, Wasserleitungen usw. und beherrscht durch die Tnuvah den Lebensmittelmarkt, mit der offenen Tendenz, den Zwischenhandel auszuschalten. Die Histadruth hat bis jetzt von ihrer Monopolstellung einen schrankenlosen Gebrauch gemacht und mit Zuckerbrot und Peitsche die ins Land kommenden Chaluzim in ihr Lager gepreßt. Wer nicht das Mitgliedsbuch der Histadruth hatte, bekam kaum Arbeit. Wer Mitglied der Histadruth wurde, um sich vor Hunger zu schützen, war dem Trommelfeuer der Kulturreferenten der Histadruth, das heißt, der sozialistischen Propaganda schutzlos ausgesetzt. Unsagbar waren da die Leiden der allgemein-zionistischen Chaluzim. Bekamen sie einmal endlich Boden zur Ansiedlung, so mußten sie darben, hungern und in Zelten wahnen, während die Kwuzah nebenan, die ins rote Lager übergegangen war, Aufbaukredite hatte und Betonhäuser. Das ging so, bis sich endlich die allgemein-zionistische Arbeiterorganisation (Irgun) - bildete, die dem Welt verband der Allgemeinen Zionisten angehört. Diese neue und schwache Organisation wird einmal von zionistischen Historikern ins rechte Lfcfit gerückt werden. Das Heldehtuad dieser jungen Menschen war und ist unbeschreiblich. Sie waren auf sich allein gestellt, hungerten und hatten keinen Konsumverein und keine ärztliche Hilfe. Oft schien es, daß auch sie zusammenbrechen und zur roten Fahne kriechen müßten. Den Quertreibereien der Histadruth und der Mapei gelang es, den Weltverband der Allgemeinen Zionisten zu sprengen. Die Gruppe A * kämpfte mit einer Vehemenz gegen den Irgun, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. So konnte es dem Weltverband nicht gelingen, die Anerkennung des Irgun zu erzwingen. Die Söhne und Töchter der Allgemeinen Zionisten, der unentwegten Spender für die Fonds, waren Parias in Erez Israel. Um diesen Hohn vollständig zu machen, schloß vor einigen Monaten die Histadruth einen Arbeitsfrieden mit der Gewerkschaft der Revisionisten und die sogenannten Todfeinde, Revisionisten und Linke, taten alles, um unsere armen Chaluzim und Chaluzoth von den wenigen Arbeitsplätzen zu verdrängen. Noch am Züricher Kongreß lehnte die Histadruth die Anerkennung des Irgun ab. Jetzt endlich, nach qualvollen Jahren, wurde der Irgun anerkannt und ein erstes Arbeitstibereinkommen — einstweilen nur für Tel-Aviv — abgeschlossen. Was natürlicherweise längst hätte geschehen sollen, ist jetzt erst geschehen, und nicht aus Gründen der Gerechtigkeit. Der Druck des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat gewirkt, und Not lehrt eben beten. Wer aber glaubt, daß jetzt der Frieden hergestellt ist, irrt. Die Allgemeinen Zionisten müssen sich in allen Wirtschaftspositionen Palästinas erst den Platz erobern, der ihnen gebührt. Sie sollen weiter ihren Stolz darein setzen, in der Galuth die Organisation auszubauen, und für die Fonds zu spenden. Gleichzeitig aber müssen sie entschieden darauf bestehen, daß ihre Kinder in Palästina und ihre Mittelständler Im Monat Oktober betrugen die Ein-, _ ,. . „ nahmen der Palästinaregierung 403.000, die Riehes Recht genießen und sich wirt- Ausgaben 464.174 Pfund. Ee ergab sich | schaftlich entfalten können. Die Allgeeomit ein Defizit von mehr als 61.000 j meinen Zionisten müssen auch wissen, .Pfund. daß es ihre vornehmste Pflicht ist, in

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