Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 709 (22.12.1937)
- Date
- 1937-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mlftwoc/j-slusgabe Qte ttcm BUtt Ist ab 4 tn» na«J»mlttags j bei den Kolporteuren erhältlich V. b. b. 15g tytunme Nr. 709 JÜDISCHE ZEITUNG fWea, Mittwoch, *%. Dezember *937 o IS. Tcwetb $098 IS. Jahrgang Zwei Millionen Dollar für Palästina New York, 21. Dezember. (JTA.) Auf der letzten Sonntag abgehaltenen Jahreskonferenz der jüdischen Palästina-Organisationen, denen 600 Gruppen angeschlossen sind, wurde eine Resolution gefaßt, in der die New-Yorker Judenhelt aufgefordert wird, ungeachtet der weiteren politischen Entwicklungen zwei Millionen Dollar für den United Palestine Appeal aufzubringen. Besinn der Verhandlung gegen Me r Grossman Jerusalem, 21. Dezember. (JTA.) Sonntag begann, vor dem Zionistischen Kongreßgericht die Verhandlung gegen den Führer der Judenstaatspartei Meir Grossman, den der Kongreßanwalt beschuldigt, daß er durch die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente über Gespräche zwischen Doktor Waizmann und dem Kolonienminister Qrmsby-Gore zur Zeit des XX. Zionistenkongresses in Zürich der zionistischen Bewegung Schaden gebracht hat. Bei Beginn der Verhandlung stellte der Kongreßanwalt Dr. Aaron Barth den Antrag, den Prozeß bei geschlossenen Türen zu führen. Meir Grossman, der persönlich erschienen war, verlangte öffentliche Verhandlung, und als seiner Forderung nicht stattgegeben wurde, verließ er demonstrativ den Verhandlungssaal. Der Prozeß wurde bei geschlossenen Türe« Jerusalem, 21. Dezember. (JTA.) Auf den aus Deutschland eingewanderten 27jährigen Werner Less sind, als er auf dem Fahrrad von Scheehunat Hapoalim Milch nach Jerusalem brachte, in der Nähe der Jerusalemer Vorstadt Beth Hakerem aus dem Hinterhalt mehrere Schüsse abgegeben worden, die Less in Herz und Kopf trafen; er war auf der Stelle t o t. Der aus Ungarn eingewanderte 27jährige Seblomo Bin Nun, ein jüdischer Hilfspolizist auf KfarHittin, wurde, ak er in der Umgebung der Kolonie zu Pferde patroullierte, von einer Araberbande überfallen. Der Wachtposten der Kolonie sah von seinem Beobachtungsstand aus den Überfall und schlug Alarm. Als Polizei und Militär au! dem Tatort eintrafen, fanden sie jedoch nurmehr das Pferd vor. VonBinNunfehlt bisher jede Spur. Ein jüdischer Autobus ist auf der Fahrt von Haifa nach Tiberias in der Nähe von Nazareth beschossen worden. Der jüdische Passagier Isaac Meller wurde leicht verletzt. Auf dem Marktplatz von Haifa wurde in einem Basar ein arabischerPolizeiinspektor erschossen. Der älteste arabische Scheich Palästinas, Yassäne Sakri, , wurde verhaftet. Bei der Durchsuchung seines Hauses sollen Dokumente gefunden worden sein, die beweisen, daß Scbeich Sakri mit den ins Ausland geflüchteten Araberführera in Verbindung stand. Eine Militärpatrouille entdeckte in dem Dorfe S h a a b an der transiordanischen Grenze ein W a f f e n 1 a g e r, das beschlagnahmt wurde. Ein Araber wurde bei dem Versuch, zu fliehen, von der Polizei e rschoBsen. Ein Araber, der in dem Dorfe M e i d e 1k r a m gegen den Ausnahmszustand verstoßen hatte, wrurde von Soldaten e r- Zwischen einer bewaffneten Bande und der Polizei kam es am Montag zu einem Zusammenstoß. Zwei Banditen wurden getötet, zwei verletzt, einer wurde verhaftet Zwischen Soldaten der transjordanischen Grenzwache und einer aus zwanzig Arabern bestehenden Gruppe einer zersprengten Bande kam es in der Nähe der syrischen Grenze zu einem Gefecht. _ Ein Araber wurde getötet Bei seinem Leichnam fand man ein G e w e h r1 d e u tseher Herkunft samt Munition. Auf lieberer Straße dasreb jüdisches Laad Die neuen Straßen in Erez Seit einigen Wochen macht sich in Palästina der heilsame Einfluß der neuen großen Autoverkehrsstraße Tel-Aviv— Haifa bemerkbar. Während früher Autobus, Autos und Lastwagen auf der Fahrt zwischen Tel-Aviv—Haifa—Jerusalem durch die beiden Hochburgen des arabischen Widerstandes, Tulkerem und Jendn fahren mußten, geht jetzt die Reise durch die rein jüdisch besiedelte Scharon-, ebene. Die Möglichkeiten von über-1 Ras en Nakura, die einzige Autoverbindung Palästinas mit der benachbarten Republik des Libanon. Die neue Straße Tel-Avlv—Haifa bekommt aber ihren vollen Wert erst durch die Zweigverbindungen, die von dieser Straße am Küstenstrich in das Innere des jüdischen Gebietes führen. Eine dieser Zufahrtsverbindungen ist die feplante Straße Jaarot h—A11 i t h, ie etwa km lang sein wird und die I den wichtigsten Schritt zur E r s c h 1 i epUD®® fällen auf Autos sind damit fast so gut wie völlig ausgeschaltet. Die Verkehrsaclise Nordpaläs tinas Im Anschluß an diese neue wichtige Verkehrsader unternimmt die Regierung jetzt SlÄ/A/Suf« Verkehrsachse des jüdisehen Gebietes bis an die Nordgrenze Palästinas weiterleitet. W enngleich diese Straße nicht durch rein jüdisches Siedlungsgebiet führt, so wird sie doch durch ein dichtes Netz von Polizeistationen in ausgezeichneter Weise gesichert werden, und der Norden Palästinas wird mit der Fertigstellung der Straße über eine durchaus sichere Verbindung verfügen, die eine der Voraussetzung der vollen wirtschaftlichen Erschließung Nordpalästinas kt. Private Straßenbautätigkeit Diese neuen, fertigen oder geplanten Verkehrsstraßen der Regierung stellen jedoch nur das Gerippe des neuen palästinensischen Verkehrsnetzes dar. Die Regierungsstraßen werden in der glücklichsten Weise ergänzt durch die rege Straßenbautätigkeit der privaten Kolonisationsgesellschaften. So hat z. B. die Straße Haifa—Mefcullah bereits heute ihr Gegenstück in der Nahariahstraße von Haifa zur Nordgrenze des Landes bei ßung des südlichen Karmelgebietes darstellt. Von einer anderen Seite ist Jaaroth Hacarmel bereits heute mit Haifa durch die Straße Karmel—Achusa— Damun verbunden. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die geplante Verbiudungs- Äaße vom Karmel nach dem Emek, die bisher ifefaigr iÄfchftkSehes ' Gebiet berührt und die die Möglichkeit zur neuen Siedlungstätigkeit schafft. Für die weitere Entfaltung der Stadtrandsiedlung um Haifa ist ferner von großer Wichtigkeit die geplante Straße Achusa, Hadar Hakarmel über Vardia, die im Anschluß an den Briikkenbau nach Newe Schaanan zur Durchführung kommen wird. Neues Siedlungsgebiet wird ferner durch die Straße geschaffen werden, die von Achusa über Tel Aharon auf die Hauptstraße Haifa—Tel-Aviv führen wird. Durch diesen wichtigen Straßenbau wird ein ganz neues Gebiet des Karmelabhanges, Karmel Beacb, erschlossen, das in siedlungspolitischer Hinsicht außerordentlich bedeutsam ist. Auch di4se Straße bietet dem Verkehr volle Sicherheit, allein schon darum, weil die Regierung in unmittelbarer Nähe dieser Brücke die neuen Kasernenbauten plant So ist neuer bedeutender Siediungsraum, der gerade durch die Fertigstellung der Straße Haifa—Tel- Aviv ganz naturgemäß seine volle Ausnutzung erhält, gewonnen. Arabische Bauern gegen den Terror Eine Abordnung arabischer Notabein und Scheichs des Distrikts von Tulkarem ersuchte den Dtetrlktskommissar um B ewaffnungzumSelbstscbutz gegen die Terroristen. 3000 Muchtars und Fellachen aus der ganzen Umgebung von Nablus hielten eine Versammlung ab, ln der gegen den arabischen Terauf den Bürgermeister von Nablus, Suleiman Bey Tukan, einen der Führer der arabischen Verteidigungspartei NashasÜbis, protestiert wurde. „El Jamea al Islamia“ berichtet, daß 3000 wohlhabende Furcht vor dem wachsenden Terror Palästina verlassen und sich r und Insbesondere gegen das Attentat i L1 b a n o n begeben haben. Jerusalemer Abwehrsender gegen Bari London, 21. Dezember. (JTA.) Im Unterhaus antwortete Außenminister Anthony Eden auf die Frage, ob er über den von der Regierung im Zusammenhang mit der italienischen Rundfünkpropaganda in Palästina erhaltenen vollständigen Bericht eine Erklärung abgeben wolle: „Ich habe erst kürzlich den italienischen Botschafter in London, Grandi, angesichts gewisser Nachrichten, die die Regierung über italienische Propaganda im Nahen und Mittleren Osten erhalten hat, dahingehend informiert, daß 'die englische Regierung von dieser Propaganda wohl Kenntnis habe. Ich habe damals hinzugefügt, daß es, falls eie nicht aufhöre, absolut unmöglich sein werde, eine Atmosphäre zu schaffen, wie eie für die Fortsetzung erfolgreicher Gespräche zwecks Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen unerläßlich kt.“ Auf die Frage, ob auf diese Vorstellungen eine Antwort erfolgt sei, und ob die italienische Propaganda seither eingestellt wurde, antwortete Eden beidemal mit Nein. Auf eine weitere Anfrage erklärte der Außenminister, daß gegenwärtig von Jerusalem aus in arabischer Sprache gesendet wird. Die Frage, ob man nicht auch in italienkcher Spreche senden solle, ließ Eden unbeantwortet. Die Herren Sachverständigen Die Palästinafrage und die Judenfrage stehen zur Diskussion. So ist es kein Wunder, wenn überall, wo Juden wohnen, Juden und Nichtjuden ihre Meinung äußern. Nun sind sowohl die Judenfrage als auch die Palästinafrage äußerst kompliziert Die Judenfrage erfordert, will man ihr gerecht werden, eine genaue Kenntnis der jüdischen Geschichte, die richtige Erkenntnis aus dem Ablauf der jüdischen Geschichte, eine genaue Kenntnis der Zeitströmungen im Judentum und der Beziehungen der Juden zur Umwelt. Wer der Palästinafrage gerecht werden will, muß ein genauer Kenner aller jüdischen Fragen und des Orients sein. Wo gibt es diese Sachverständigen? Sie sind nur spärlich vorhanden. Aber Sachverständige von eigenen Gnaden gibt es eine Unmenge, Kaffeehaus- und sonstige Politiker und Literaten. Selten noch ist, auch wenn man von böswilligen Äußerungen absieht, soviel ungereimtes Zeug über eine Frage gesagt und geschrieben worden wie über die zionistischen Gegenwartsprobleme. Peinlich ist es nur, daß gerade Juden eine oft beschämende Unkenntnis des A-B-C der Judenfrage an den Tag legen und an einer wichtigen Tatsache vorbeisehen: Sie beklagen sich, und nicht, ohne Berechtigung, über das Unrecht der beabsichtigten Teilung Palästinas, würdigen aber nicht die Tatsache, daß der Judenstaat gegründet werden soll. Würden diese Juden nicht an einem so gewaltigen Galuthkomplex leiden, sie müßten jubeln und frohlocken, daß in ihren Tagen — wenn auch nur mangelhaft — in Erfüllung gehen soll, worum die Juden seit 2000 Jahren gebetet und gelitten haben. Das müßten auch jene Zionisten tun, die mit Recht gegen die Teilung sind. Aber auch diese Zionisten scheinen an dem früher erwähnten Galuthkomplex zu leiden, denn sie beweisen durch ihr Wehklagen trotz ihrer sonstigen hochtönenden und weitgespannten, Parolen, daß kein . wenig Zutrauen zu jenen Kräften haben, die es dem jüdischen Volk ermöglicht haben, weit schwerere Schicksalsschläge zu überwinden, als das gewiß schwere Attentat einer beabsichtigten Teilung Palästinas. Als nichtjüdischer Sachverständiger tritt in letzter Zeit Graf Coudenhove- Kalergi vor die Öffentlichkeit, so auch am 19. Dezember durch einen Artikel in der „Neuen Freien Presse“. Der Autor meint es ernst und er glaubt auch, Sachverständiger in Angelegenheiten der Judenfrage zu sein. Sein Vater hat in der Blütezeit der Assimilation ein schönes und verdienstvolles Buch über die Judenfrage geschrieben, er selbst hat es neu herausgegeben. Coudenhove- Kalergis Fehler ist ein doppelter. Er meint, der Zionismus und die Assimilation seien in eine Sackgasse geraten, übertreibt also bezüglich des Zionismus gewiß beachtenswerte, aber keineswegs unüberwindbare und nur zeitgebundene Schwierigkeiten und sieht nicht bezüglich der Assimilation, daß sie abgewirtschaftet hat, Es ist auch nicht richtig, daß Westeuropa die kleine dort lebende jüdische Minderheit assimilieren kann und will. Zum assimilieren geboren zwei Faktoren, einmal der Jude, der sich assimilieren will, und dann die nichtjüdische Umwelt,, die es zuläßt, daß sich die Juden so assimilieren, daß sie als Juden verschwinden. „Sprache, Kultur, Sitte und Kleidung“ genügen nach Coudenhove-Kalergi, um in den Nationen des Westens aufzugehen, im Osten könne das nur einzelnen Personen gelingen. Nun ist es unrichtig, daß man in Westeuropa die Juden assimilieren will. Wer will, das sind auch dort nur einzelne Juden. Ihr Beginnen ist in unserer Zeit aussichtslos geworden. Warum andererseits Coudenhove-Kalergi eine Lösung des Judenproblems im Osten nur in der Auswanderung der Juden nach Afrika sieht, ist nicht recht zu begreifen. Auch wenn alle Juden auswandern, wird der polnische Staat seine liebe Mühe mit den Polen haben, denen im Lande der feste Boden unter den Füßen fehlen wird. Warum ist.Coudenhove-Kalergi nicht bei jenen Christen zu finden, die einem