Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 707 (17.12.1937)
- Date
- 1937-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freitag-Ausgabe DleMS Matt Ist ab 4 Uhr natfmdttaga bd 4m Kolporteuren erhältlich V.b.b. 15 g ^Stimme Nr. 707 JÜDISCHE ZEITUNG •ha, Freitag, 17. Dezember 1937 13- Teweth §*98 11* Jahrgang Gegen Hochschulghetto und Numerus clausus: 1 Million Dollar fat* jüdische Studenten New York, 16. Dezember. (JTA.) Auf der vom JeschiwahCollegein New York anläßlich seines 50jährigen Bestandes abgehaltenen Konferenz wurde beschlossen, einen Elne-Million-Dollar-Drlv# durchzuführea, aus dessen Eingängen jüdischen Studenten aus Ländern, ift denen Juden verfolgt werden, Stipendien zur Fortsetzung ihres Studiums im Auslande gewährt werden sollen. 250.000 Dollar wurden auf der Konferenz selbst gezeichnet Der Gouverneur des Staates Michigan, Frank Murphy, sagte in einer Ansprache an die Konferenz, die Antisemiten in Amerika wollen die Juden aus Ämtern und Schulen verdrängen; die Juden müssen | sich dagegen zur Wehr setzen. Er appelliere an Juden und Christen, gemeinsam die Demokratie zu verteidigen, die auch rin Bollwerk gegen den Antisemitismus sei. Senator Al Ben B a r k 1 e y, der Führer der Majorität im Senat, erklärte, religiöse Freiheit sei rin unerläßliches Gebot wahrer Demokratie. Monat der Solidarität Der American Jewish Congress hat einen „Monat der Solidarität" mit den jüdischen Studenten in Polen proklamiert Vom 15. Dezember angefangen, Anden in den Synagogen und jüdischen Schulen Sammlungen statt; die Anwesenden werden an einem zu bestimmenden Tage zum Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Studenten in Polen 15 Minuten lang stehen. Der Kampf der indisch*^ Studentenschaft Polens Warschau. 16. Dezember. (JTA.) Me jüdidiese gänzlich von den Hochschulen zu verdrängen. Die jüdische akademische Jugend wird Schidcsalsseme’nsdiaft Max Nordau sagte einmal, man habe uns Juden die Gleichberechtigung nicht unseren schönen Augen zuliebe gegeben. Die Gleichberechtigung sei in der Zeitströmung begründet gewesen, und so habe man eben auch den Juden die Gleichberechtigung gewähren müssen. Trotz einer gewissen Gegnerschaft, die sich' in manchen Ländern gegen die zionistische Bewegung bemerkbar macht — diese Gegnerschaft ist übrigens nicht gegen den Zionismus als solchen gerichtet, sondern nur ein Mittel, um gegen England scharf zu machen —, kann man doch feststellen, daß die Völker und Staaten den zionistischen Bestrebungeil im allgemeinen mit Sympathie gegenüberstehen. Es gibt hier verschiedene Sympathien. Englands Sympathie ist von den Interessen des Empire diktiert und wird seit längerer Zeit nach den nicht immer klar erkennbaren Plänen des Foreign Office dosiert Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und andere Staaten legen hingegen eine Sympathie an den Tag, die von keinerlei materiellen Interessen diktiert ist Wieder andere Staaten, so Polen und Rumänien, betrachten die * monistischen Bestrebungen nur, unter dem GesicWswinkri ‘der Evakuierung ihrer Juden nach Palästina mit «Sympathie“. Im nationalsozialistischen Deutschland schließlich scheint man die Etablierung des Judenstaats zu fürchten, weil ein ordentliches jüdisches Staatswesen das antisemitische Märchen vom parasitären, unproduktiven und destruktiven jüdischen Charakter des Juden zerstören würde. Diese beiläufige Übersicht über die Stellung einer Reihe von Staaten zum Zionismus beweist jedenfalls, daß es — abgesehen von wenigen unbelehrbaren jüdischen Assimilanten — in der ganzen Welt keine absolute Gegnerschaft gegen die zionistische Bewegung und den Gedanken des Judenstaates gibt. Daß die Sympathien für unsere Bewegung — um mit Nordau zu sprechen — uns nicht unseren schönen Augen zuliebe bewiesen werden, muß uns keineswegs stören. Wir werden Hilfe überall dort entgegennehmen, wo sie uns angeboten wird, jedoch mit einer sehr wesentlichen Einschränkung: Wir werden niemals einer Evakuierungspolitik zustimmen und werden uns mit allen Mitteln dort zur Wehr setzen, wo man unter Berufung auf die zionistischen Bestrebungen den Versuch machen sollte, die Juden zu entrechten. So bestimmt sich unser Verhalten gegenüber der Umwelt. Im innerjttdischen Bereich aber müssen sich die Juden darüber klar sein, daß weder die größte und reinste Sympathie, noch die größte Antipathie unserer Umwelt den Judenstaat hervorzaubem können, weder diesseits noch jenseits vom Jordan. Den Judenstaat können nur die Juden allein machen. Die Sympathien der Völker und Mächte können sein Kommen beschleunigen, Antipathien können ihn verzögern, seine Entstehung aber liegt letzten Endes in unserer Hand, kann aber nur das Ergebnis der Anstrengungen des jüdischen Volkes sein. Diese Erkenntnis legt auf die Schultern jedes Juden eine ungeheure Last von Verantwortung. Es ist nun leider so. daß infolge der mangelhaften zionistischen Propaganda heute viele Christen über den Werdegang, die Bedeutung und die gegenwärsohen Hoohschüler in Warschau haben eine Resolution gefaßt, in der ee unter anderem heißt: „Nach der Einführung von Ghettobänken sind die reaktionären Elemente an den Hochschulen zu einem weiteren Angriff auf die Rechte der jüdischen Akatigen Probleme der zionistischen Bewegung besser informiert sind als viele Juden. Es gibt sicher auch viel mehr Juden, die Hitlers „Mein Kampf“ gelesen haben, als Juden, die Herzls Schriften und die seiner Vorläufer gelesen haben. So kommt es, daß heute viele Juden das Palästinaproblem nur aus den mitunter aufgebauschten Zeitungsnachrichten über den arabischen Terror kennen und daran zweifeln, ob Palästina zur jüdischen Heimstätte gemacht werden kann. Wer so denkt wie diese Juden, versteht nicht die Situation in die wir nun einmal gestellt sind, Zionisten, Nichtzionisten und Antizionisten. Der Zionist muß begreifen, daß die Welt von uns verlangt, daß wir uns vor ihr bewähren. Sie. wird uns nur dann unterstützen, wenn wir alle unsere materiellen und moralischen Mittel einsetzen, um dem Jischuw zu helfen. Nur an uns in der sich durch diesen neuerlichen Angriff auf ihre Rechte nicht in die Knie zwingea lassen. Se fordert die akademischen Behörden auf, die Lernfreiheit an den Hochschulen wieder berzustellen und die Schuldigen zu bestrafen.“ Galuth liegt es, den heroischen Kampf des Jischuws zu stützen. Auf sich allfln gestellt, kann der Jischuw nicht standhalten. Immer neue Mittel und neue Menschen müssen ihm aus dem Reservoir der Galuth Zuströmen. Der geeinte Wille eines Volkes von 16 Millionen wird seinen Eindruck auf diese Welt nicht verfehlen.. Für den Nichtzionisten und Antizionisten liegt das Problem, ob es ihm nun paßt oder nicht, genau so. Die Welt sieht nur Juden. Sie differenziert nicht zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Siegt das jüdische Volk im Kampf um Erez Israel, dann wird die Auswirkung auf das jüdische Volk günstig sein. Es wird ein jüdischer Staat da sein und er wird die Möglichkeit haben, in der Familie der Nationen für die unterdrückten Juden, wo immer sie leben, ein gewichtiges Wort zu sprechen. Unterliegen wir aber im Kampf um Eres Israel, dann dwmker übergegangen und versuchen nun, Brodetsky klagt an: Die Regierung hat nichts getan! London, 16. Dezember. (JTA.) Der Leiter dps politischen Departements der Exekutive der Jewish Agency in London, Prot Selig Brodetsky, erklärte in einer Rede auf der Jahreskonferenz der Mitglieder und Freunde der Federation of Women Zionists (WIZO) für Großbritannien und Irland, die englische Regierung habe bisher nichts getan, um die von ihr in Genf angekündigte Politik hinsichtlich Palästinas durchzuführen, insbesondere um die neue Untersuchungskommission nach Palästina zu entsenden. Es wäre die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, würde ich auf die Frage, was in bezug auf die großen politischen Probleme geschehen Ist, antworten: nichts. Wir wissen weder, wer der Kommission angehört, noch wann die Kommission sieb nach Palästina begibt Es gab eine Menge von Erklärungen ln verschiedenen Zeitungen, Meldungen über die Kommission, aber ich kann Ihnen versichern, daß bisher nichts f-schehen ist | Wenn die Verzögerung der Entsendung der Kommission mit der Unruhe im Lande begründet wird, dann müssen wir die Regierung darauf aufmerksam machen, daß die Unruhen um so länger anhalten werden, je länger die Entsendung der Kommission eben wegen dieser Unruhen hinausgeschoben wird. Der arabische Friedensfühler Jerusalem, 16. Dezember. (JTA.) „Davar“ befaßt sich in einem Leitartikel mit den Gerüchten von jüdisch-arabischen Frieiensverbandhmgen und schreibt: Dieee Meldungen beweisen, daß die Araber die Notwendigkeit eines Übereinkommens mit den Juden jetzt, schon einsehen; sie irren sich aber, wenn sie glauben, daß ein solches Übereinkommen Zustandekommen wird, sofern es zur Voraussetzung bat-, daß die Juden einwilligen. dauernd eine Minderheit im Lande zu bleiben. Die Juden wünschen den Frieden noch mehr als die Araber, werde® aber niemals einverstanden sein, von der Gnade anderer abzuhängen; ihr Ziel ist und bleibt: Aufbau ihres eigenen nationalen Lebens. Billige Weihnachtsreise mit der „(zernowitzer Alls. Zeitung" «i. Polen ..ii CzerroMz Hinfahrt: 23.Dez.l937. Rückfahrt: 6.Jän 1938 Auskünfte und Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marleiwriicke“, L, Rotenturmstraße 26, Tel. R 24-2-86, R 24-2-87. Palästinas Araber führ er in der Sackgasse Jerusalem, 16. Dezember. (Privat) Die Araberführer aus Palästina, die sich schon bei König Ihn Sand eine Abfuhr geholt haben, finden mit ihrem Plan der Abhaltung eines arabischen Kongresses auch in anderen arabischen Staaten nnr Ablehnung. Die syrische Regierung will im Hinblick auf die bevorstehende Ratifikation des französisch-syrischen Paktes nichts von einem Kongreß in Syrien wissen. Die irakische Regierung soll der Abhaltung des Kongresses im Irak entschieden abgeneigt sein. „Die starke Hand Jerusalem, ' 16. Dezesnbeä (JTA.) _ „F Jststln“ nennt den neuen High Commiseioner Sir Harold MacMiebael einen „Mann der starken Hand, die in einem seidenen Handschuh steckt“. Meinungsverschiedenheiten in der Politischen Kommission der J. A. Jerusalem, 16. Dezember. (JTA-) „Haares“ berichtet aus London, daß innerhalb der auf der Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich eingesetzten Politischen Kommission zwischen deü zionistischen und den nichtzionistischen Mitgliedern ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die Differenzen seien dadurch entstanden, daß ein Teil der Kommissionsmitglieder, hauptsächlich Nichtzionisten, noch vor der endgültigen Entscheidung der englischen Regierung hinsichtlich der künftigen Politik ln Palästina eine selbständige Aktion gegen den Teilungsplan zu unternehmen gedenken. Der Vorsitzende des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, identifiziere sich in dieser Frage nicht mit der Haltung der nichtzionistischen Mitglieder der Kommission. 'wehe dem ganzen jüdischen Volk, auch den Nichtzionisten und den Antizionisten! Dann haben wir unsere letzte Chance vergeben, die Welt wird über uns hinweggehen und hinwegsehen, und es wird die Nacht über unser Volk hereinbrechen. Niemand wird uns dann mehr helfen oder auch nur anhören. Das ist unsere Lage. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft und stehen vor der Entscheidung. Es geht um Leben oder Untergang. Wir Zionisten wählen das Leben. An uns liegt es, das jüdische Volk aus der Lethargie zu reißen und einem neuen, schöneren Leben zuzuführen. Unsere vornehmste Pflicht ist die Ralliierung der Massen. Sie werden uns folgen, wenn wir ihnen die Augen darüber öffnen, daß das Schicksal des Jischuws in Palästina auch ihr Schicksal ist.