Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 706 (15.12.1937)
- Date
- 1937-12-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittwoch-Ausgabe Dietes Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei den Kolporteuren erhältlich “Stimme V. b. b. 15 s Nr. 7o6 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Mittwoch, IS. Oexember 1937 e XX Tew«th »698 IX. Jaiir ang Verhandlungen Unverantwortlicher Jerusalem, 14. Dezember. (Palcor.) In der arabischen Presse werden die Gerüchte über a ra b i s c h - j ü d ie oh e V erbaadln n g e n und Übereinkommen, die kürzlich in der arabischen Zeitung ,,Falastin“ veröffentlicht wurden, lebhaft diskutiert. .,A1 Islamia“ leugnet, daß jemals Verhandlungen stattgefunden haben und erklärt, daß nur private Gespräche zwischen der BritSobalom-Gruppeundunverantwortliohen Elementen unter den Arabern geführt würden. Die Jewish Agency veröffentlichte im Zusammenhang mit diesen Berichten eine Erklärung, in der nachdrücklich festgestellt witd, daß alle Gerüchte über Verhandlungen und Vertragsentwürfe, denen die zionistischen Führer angeblich ihre Zustimmung gegeben haben, unwahr sind, daß ferner keine Vorschläge irgendwelcher Art von den Arabern unterbreitet worden seien und daß alle Gerüchte betreffs einer angeblichen Zustimmung des Präsidenten oder der Exekutive der Jewish Agency sowie Gerüchte über andere Vorschläge j eder Grundlage entbehren. Ibn Saud gegen larabisdien Kongreß Sir Charles Tegarts Debüt: FH^wrKl^diwadronengegenTerroristen Jerusalem, 14. Dezember. (JTA.) Sir Charles Tegart hat als ersten Schritt zur Bekämpfung des Terrors nach dem Muster der berühmten „Flying squads“ von Scotland Yard eine mechanisierte „fliegende Schwadron“ gebildet Die neue Abteilung besteht aus 150 Polizisten, die imstande sind, jeweils binnen 15 Minuten auf dem Tatort einzutreffen. Keith R o a c h, der an Stelle von McLaren zum Distriktskommissar von Jerusalem ernannt worden Ist, erließ eine Verordnung, wonach alle Tore der Altstadt, außer dem Jaffa- und dem Nablus- Tor, von 5 Uhr abends bis 5 Uhr morgens geschlossen sein müssen. In dasarabische Viertel von Haifa, in das der Mörder des 13jährigen Römer geflüchtet war — der 13jährige jüdische Knabe Elimelecb Römer (nicht, wie anfangs gemeldet, Grummet), der vorigen Donnerstag in der Hechaluzstraße im jüdischen Viertel von Haifa von einem arabischen Terroristen durch zwei Schüsse schwer verletzt und sofort nach seiner Einlieferung ins Hadassa-Spital einer Operation unterzogen wurde, erlag seinen Verletzungen —, wurde strafweise ein acht Mann starker Polizeiposten gelegt. Im Dorfe I n d u r bei Nazareth wurden zwei Häuser in die Luft gesprengt, da Einwohner des Dorfes verdächtigt sind, ln der Vorwoche den Anschlag auf die Leitung der Irak Petroleum Company bei Ginegar im Emek verübt zu haben. Während der Durchsuchung im Dorfe waren ln diesen Häusern Gewehre gefunden worden. Im südlichen Negew Platz für 250.000 luden London, 14. Dezember. (JTA.) Der gewesene Gouverneur von Sinai, Major C. S. tawelcbwn - 'dieser - ndtteilt, er dem Ersuchen der deportierten pa- Mstineoalscben Araberführer nach Abhaltung des pan arabischen Kongresses in Mekka zur Zeit der Pilgerfahrten nicht stattzngeben gedenke. Weizmann in Jerusalem Jerusalem, 14. Dezember. (Palcor.) Doktor Weizmann nahm an einer Konferenz der Exekutive der Jewish Agency, di« in Jerusalem stattfand, teil. Expert von Palästina- Kartoffeln Jerusalem, 14. Dezember. (Palcor.) Die «T«te Schiff »Uda n g Kartoffeln und Tomaten, Produkte von Keren Hajessod-Siedlungen, die von der Tnuva-Gesellschaft versuchsweise nach England und der Tschechoslowakei gesandt wurde, langte in gutem Zustand an den Bestimmungsorten an und wurde zu guten Preisen verkauft. Hierdurch eröffnen sich nicht unbedeutende Handelsaussichten für die Zukunft Toscaninl im März In Palästina Jerusalem, 14. Dezember. (Palcor.) Bronislaw Huberman, der jetzt vollkommen die Folgen seines FlugunfaUes überwunden hat, passierte auf seinem Weg nach Italien Port Said und erklärte, daß Toscanini am 22. März nach Palästina kommen werde. _ Ela gräflicher Hetzapoitcl Budapest, 14. Dezember. (JTA) Der Großgrundbesitzer Graf Nikolaus S er e n y i wurde vom Budapester Strafgerichtshof wegen eines Artikels in einer ungarischen nationalsozialistischen Zeitschrift, in dem er scharfe Kritik an dem ungarländischen Judentum geübt batte, des Vergehens der Aufreizung gegen die jüdische Konfession schuldig erkannt und zu einem Monat Gefängnis bedingt Der Schriftleiter der Zeitschrift erhielt zwei Wochen Gefängnis. In einem anderen Prozeß wurde ein Privatbeamter gleichfalls wegen Aufreizung gegen die jüdische Konfession im Wege der Presse zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, ■zM» -ratiSgo do* ds# N^ege'w aufs Tapet gebracht. Es sei der Vorschlag gemacht worden, daß dieser Teil Südpalästinae, da er praktisch unbewohnt und vollkommen nnanegebentet sei, in das Gebiet des geplanten jüdischen Staates eingeschloeeen werde. Im nördlichen Teile des Negew gebe es schon heute eine stattliche arabische Bevölkerung. Es würde die Schärfe der gegenwärtigen Auseinandersetzung nur erhöhen, wollte man diesen Teil einem jüdischen Staate einverleiben. Zur Besprechung des südlichen Der arabische Terror In arabischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß Chamed Saad, einer der Organisatoren des arabischen Terrors und Unterführer voa Fauzi Kaukadyi, sich gegenwärtig in Palästina aufhält In der Nähe von Nazareth wurde auf einen jüdischen Autobus aus geringer Entfernung aus dem Hinterhalt ein schwerer Feueriiberfail verübt. Die Terroristen warfen auch eine Bombe. Zwölf jüdische Fahrgäste wurden schwer verletzt Sie wurden ins Krankenhaus überführt Ein zweiter Überfall auf einen jüdischen Autobus wurde auf der Straße T e 1 - A v i v—J e r u s a 1 e m verübt, ohne daß jedoch jemand verletzt wurde. Schlomo Baum, ein 22iähriger Jude, der voriges Jahr von Deutschland nach Palästina kam, fuhr mit dem Bad abends zu einer Bäckerei in Beth Hakeren, westlich von Jerusalem, in der er in Nachtschicht arbeitet. Nicht weit von Beth Hakeren teils des Negew übergehend, sagte Major Jaryis, daß auf diesem Gebiete kaum ‘ Araber leben. Er sei der er dort Fuß fassen könnten. Nach entsprechender Lösung der Bewässerungsfrage gebe eg dort Platz für 100 000 und vielleicht sogar für eine Viertelmilion Juden. Allerdings müßten die Menschen, die sich dort ansiedein, mit allen möglichen Schwierigkeiten und Härten rechnen. Noch vor 20 Jahren, schloß Major Jarvis, hätte ich gesagt, daß der Negew ein hoffnungsloses Territorium ist; seit ich aber gesehen habe, was der jüdische Siedler auf anderen, ebenso hoffnungslos scheinenden Gebieten vollbracht hat, habe ich meine Ansicht geändert. wurde er angeschossen und schwer verwundet. Ein jüdischer Omnibus fand ihn auf der Landstraße. Baum erklärte, es sei dreimal auf ihn gefeuert worden. In der Nähe dee Regierungs-Zentralgebäudes in Jerusalem warf ein arabischer Terrorist eine Bombe militärischen Typs gegen eine Gruppe jüdischer Regierungebeamter, die sich gerade auf dem Weg in das Amt befand. Die Beamten entgingen knapp dem Tode. Der Attentäter flüchtete. Eine zweite Bombe wurde im J emin Mosche-Viertel geworfen, ohne jedoch zu explodieren. Bei der Unschädlichmachung der Bombe wurden mehrere Kinder leicht verletzt. Acht als Hilfspolizisten verkleidete Araber drangen in das arabi sehe Dorf Rafat bei Jerusalem ein, plünderten die Wohnungen zahlreicher Dorfbewohner und mißhandelten mehrere von diesen schwer. Eine britische Polizeipatrouille wurde auf dem Weg nach Hebron beschossen. Verletzt wurde niemand. Der Weg Österreichs Das Buch des Bundeskanzlers ..Dreimal Österreich“ erlebte innerhalb weniger Tage die zweite Auflage. Es war gut, daß es gerade in dieser kritischen Zeit erschienen ist, um Zeugnis vorn Lebenswillen Österreichs abzulegen. Man mag die internationale Situation wie immer beurteilen. Es steht fest, daß ein selbständiges und starkes Österreich und Hand in Hand damit die wirtschaftliche Konsolidierung im Donauraum unumgänglich notwendige Voraussetzungen für einen (lauernden Frieden in Kmoi-.a sind. Das ist heute schon ein weit verbreitetes Ideengut auch in jenen Kreisen «worden, die kaltblütig nach dem Ende des Weltkrieges die österreichisehungarisebe Monarchie zertrümmerten. Heute ist die Situation so. daß man das Wort jenes tschechischen Abgeordneten wiederholen kann, der einmal geagt hat, man müßte Österreich schaffen, wenn es nicht schon da wäre. Es ist auch schwer zu glauben, daß Mussolini daran interessiert sein könnte, Deutschland zum unmittelbaren Nachbarn zu haben, und man kann daher den wiederholten italienischen Erklärungen glauben, die von der Notwendigkeit eines selbständigen Österreich sprechen. Daran ändert auch die Aohsenpolitik Berlin- Rom nichts In diesem Zusammenhang muß die kluge Feststellung des Bundeskanzlers hervorgehoben werden, daß Österreich sich keinem Block anschließen wird, sondern sieh die Freiheit des Handelns bewahrt. Diese Feststellung ist jetzt, nach dem Austritt Italiens aus dem Völkerbund, besonders wichtig. Niemand verschließt sich der Notwendigkeit einer Reform des Völkerbundes. Seine auf die Sicherung des Weltfriedens gerichteten Grundlagen müssen wirksam unterbaut werden. Gerade Österreich hat wiederholt die Wohltaten genossen, die der Existenz des Völkerbundes zu danken sind, angefangen von der Zeit Seipels bis in die letzte Gegenwart. Österreich kann nur gewinnen, wenn es alle Anstrengungen macht, um sich nicht unter irgend ein Joch beugen zu lassen. Keren Hafessod-ZaQler, Achtung! Donnerstag, den 16. Dezember, 8 Uhr abends, im Offenbachsaal, IV., Treitlstraße 3 Vortr#s EH** Auerbach (Haifa) ,Okzident■ Altneuland-Orient' Eintritt nur gegen Vorweisung der Einladung! Österreichs von jeder Ideeninvasion, die dem österreichischen Wesen fremd ist. Österreich hat sich gegen das kommunistische Gift als immun erwiesen und es muß sich auch vom Geht des Nationalsozialismus und des neudentschen Heidentums freihalten, wenn es selbständig bleiben und nicht eine Provinz Hitler- Deutschlands werden will. Wenn heute Österreich in der großen Welt eine gute Meinung für sich buchen kann und Wohlwollen und Fremdenverkehr der Ausdruck einer freundlichen Gesinnung sind, so ist das vor allem das Ergebnis der Anstrengungen der österreichischen Regierung, die braune Flut niederzuhalten. Es ist daher das wohlverstandene Interesse aller Bürger Österreichs, die Bemühungen der Regierung um ein freies und starkes Österreich zu unterstützen. Wer aber glaubt, in Anlehnung an die nationalsozialistischen Anschauungen österreichische Politik machen zu können, auch wenn er es noch so ehrlich meinen sollte, macht antiösterreichische Politik, denn es gibt kein Kompromiß mit dem Nationalsozialismus. Wer sich ihm nähert, wird von ihm verschlungen. Das Schicksal Bayerns, der Deutschnationalen und des Zentrums im Reich beweisen, das. Nichts ist daher gefährlicher für die Existenz Österreichs als die in katholischen Kreisen bemerkbare Assimilation an den nordischen Geist. Wer Haß und Verachtung gegen die Juden sät, stört den Frieden und gefährdet die Selbständigkeit Österreichs. Es ist zwar Sache der Katholiken Österreichs, sich ihr nationales, religiöses und kulturelles Leben so einzurichten, wie sie es für gut finden und das gleiche gilt auch für die Juden in Österreich. Für alle Büiger aber hat die Verfassung zu gelten, die jede Diskriminierung verbietet Die verantwortlichen Kreise Österreichs sollten jeden Anlaß wahrnehmen — und gerade die letzten Wochen bieten wiederholt dazu Gelegenheit —um jene Kreise zur Raison zu rufen, die zwar das Hakenkreuz nicht im Knopfloch, aber doch durch ihre antisemitischen Angriffe zur Schau tragen. Die jüdische Bevölkerung in Österreich hat sich in der ersten Nachkriegszeit, als