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Die Stimme · 1937-12-13 · Heft 705 (13.12.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 705 (13.12.1937)
Date
1937-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Montag-Ausgabe Diese« Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bet 4en Kolporteuren erhältlich ^Stimme 10g Nr. 7o* JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, 13. Dezember 1937 9. Tcweth $698 II. Jahrgang Italiens proarabisdie Propaganda Jerusalem, 12. Dezember. (Palcor.) In Palästina -wurden kürzlich Flugschriften in arabischer Sprache zur Verteilung gebracht, die mit „Italiens Liebe für die Mohammedaner“ überschrieben sind. Die Broschüren sind mit Abbildungen neugebauter Moscheen in Lybien und Abessinien illustriert sowie mit Szenen, die den enthusiastischen Empfang Mussolinis, der ihm von den Arabern in Lybien bereitet wurde, darstellen. Der „Davar“-Redakteur Michael A s s a f führt die in den letzten Jahren in Jemen vor sich gehende antizionistische Aktion auf den Einfluß Italiens zurück, das mit der Bekämpfung des zionistischen Aufbaues die englische Mittelmeerpolitik treffen wolle. Während der g-eise Imam Jahija noch zögere, Italien freie Hand im Jemen zu geben, weil er um die Selbständigkeit des Jemen bange, die er in jahrzehntelangen blutigen Kriegen erkämpft habe, sei sein Sohn, der Kronprinz, ein fanatischer Anhänger Mussolinis, und seinem Einfluß sei es zu verdanken, daß die Italiener immer festeren Fuß im Jemen fassen. Basra, 12. Dezember. (JTA.) Der Gouverneur von Basra erklärte in einer Begrüßungsansprache auf einer antizionisti- •> sehen Versammlung, die Irak-Regierung tue -Afö «w in fco* Hrjütea steht, damit 2» lästäha ein arabisches Land bleibe. * Beirut, 12. Dezember. (JTA.) Wie aus verschiedenen Orten in Libanon gemeldet wird, haben in einer Anzahl Moscheen des Landes Prediger an die Gläubigen den Appell gerichtet, die antizionistische Propagandatätigkeit zu verstärken und britische Waren zu boykottieren. Arabischer Terror nimmt ab Jerusalem, 12. Dezember. (Privat.) ,Jslamia“ berichtet, der arabische Terror habe dank den militärischen Operationen der 'Grenzpatrouillen erheblich abgenom- Ein Araber in europäischen Kleidern warf in Haifa im Mittelpunkt vom Hadar Hacarmel eine Bombe, deren Explosion keinen Schaden anriebtete. Der Attentäter wurde von Juden verfolgt und feuerte zwei S c b ü s s e ab, die den 13jährigen Elimelech Grumet schwer verwundeten. In ‘ der Nähe des Regierungsgebäudes in S a f e d explodierte eine Bombe. Starke Militärabteilungen wurden an die syrische Grenze und nach Safed entsandt, die die Stadt umzingelten. In der ganzen Umgebung von Safed wird nach arabischen Terrorbanden gefahndet. In Jerusalem warfen arabische Terroristen in das Haus des Beamten der Omar- Moschee, Scheich Jawrad Ansari, das sich in der Nähe der Evelyn de Rothschild-Schule befindet, zwei Bomben, die explodierten, ohne jedoch Schaden anzurichten. Zwei Araber wurden als der Tat verdächtig verhaftet. Scheich Ansari war in der letzten Zeit wiederholt das Ziel von Attentaten; vor kurzem erst wurde er_durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Er ist ein Gegner des g e f 1 ü c h t e t e n G r oßmufti, den er seinerzeit wegen Entlassung aus der Leitung des Wakf erfolgreich geklagt hatte. Zwischen Jaffa und Lydia wurde die Telephonleitunsr an mehreren Stellen durchgeschnitten. Der Eisenbahnverkehr zwischen Beisan und Afüleh ist infolge eines Anschlages auf das Geleise bei Afuleb vorübergehend eingestellt .worden. Im Dorfe Kharan wurden zwei Häuser strafweise in die Luft gesprengt Teilungsplan inaktuell: Es wird noch Monate dauern... Die gut unterrichtete Zeitschrift „Great Britain and the East“ schreibt im Leitartikel, der sich mit Palästina befaßt, man könne gegenwärtig nur sehr wenig tun, um den Boden für die Verwirklichung des Teilungsplanes vorzubereiten, solange die Ordnung im Lande nicht wiederhergestellt ist. Aber sogar wenn dies bereits der Fall sein wird, wird es noch Monate dait>ern, bis ein konkreter Plan betreffend die Zukunft Palästinas dem Parlament und dem Völkerbund wird unterbreitet werdep können. Somit werden alle jene, die glaubem daß sie eine bessere Lösung finden können als Teilung, noch einen genügenden Spielraum haben. In diesem Zusammenhänge verdienen die Feststellungen, die der frühere Chef des Zivildienstes in Palästina und der Polizei von Jaffa-Tel-Aviv, Major Broadburst, in einer Rede im Londoner Anglo Palestine Club machte, besondere Beachtung. Broadburst sagte, er halte den Palästina-Teilungsplan bereits für tot. Teilung bedeute Untergang. Wie könnten Juden, die den Boden Palästinas um 500 Prozent überzahlt haben, auf diesen verzichten? Er glaube nicht, daß eine Kommission im Zusammenhang mit dem Teilungsplan nach Palästina geben wird. Ormsby Gore habe erklärt, dal eine Entsendung der Kommission vor der Wiederherstellung der Ordnung kW Lande nicht in präge komme; das sei «» gerade, was die Arah?r woUeB’ , - - X. ... . . 55%iger BevSlkernngssehlfissel Indiskutabel Dagegen meldet die arabische Zeitung „Islamia“ zwar, der erste Schritt zur Verwirklichung des Teilungsplanes würde nicht später als im März 1938 unternommen werden, aber was von solchen und ähnlichen Behauptungen arabischer Blätter zu halten ist, zeigen die Dementis der vom Blatt „Falastin“ veröffentlichten Mitteilungen über „Einigungsverhandlungen“ und „Öevölkerungsschlüssel“. Das Tschechoslowakische Preßbureau schreibt dazu: In Londoner informierten Preisen wird den Nachrichten aus Palästina über fortgeschrittene Einigungsverhandlungen zwischen Zionisten und Arabern keine übermäßige Bedeutung beigemessen. Es wird erklärt, daß wohl seit längerem eine inoffizielle Fühlungnahme zwischen den beiden Parteien besteht, daß diese aber bisher zu keinen konkreten Ergebnissen geführt hat Ein Bevölkerungs- 8chlfissel von 35 Prozent Juden gegen 63 Prozent Araber wird in Londoner zionistischen Kreisen für i n diskutabel erachtet Die Palästina-Regierung dementiert überdies die Meldung des „Falastin“, wonach Klrkbride nach Syrien geschickt werden soll, um mit den verbannten Araberführern über eine Lösung des Palästina-Problems zu verhandeln. Sir Charles Tegart in Palästina Sir Charles Tegart, der mit einer vorübergehenden Mission betraut wurde, die Palästina-Regierung in Angelegenheiten bezüglich der Organisierung von Polizei zu beraten, traf heute in Palästina ein. Die Regierung hat die Ernennung von Mr. Keith Roaeh zum Bezirkskommissar von Jerusalem als Nachfolger von Mr. Maclaren amtlich bekanntgemacht. Ussischkin: Teilung eine Gefahr lür die nächsten 2000 Jahre Tel-Aviv, 12. Dezember. (JTA.) In Tel- Aviv fand unter dem Vorsitz von M. M. Ussischkin die erste öffentliche Versammlung der Anti-Teilungs-Liga statt. Die Hauptredner, Dr. Barth (Misraehi), Paplansky (MapaJ) und Doktor Soloweitscbek (Allgemeine Zionisten Gruppe A), traten für Aufreehterhaltung des Mandates und für Wahrung der territorialen Einheit Palästinas ein. Ussischkin erklärte, Teilung würde sich als Gefahr für die kommenden zweitausend Jahre erweisen. Die Juden vertrauen darauf, daß der XXI. Zionistenkongreß den Beschluß des XX. Kongresses korrigieren werde, ebenso wie der VH. Kongreß den Beschluß des VI. Kongresses betreffend Uganda aufgehoben hat 385.000 Dunam KKL.-Besitz Jerusalem, 12. Dezember. (JTA.) Im vergangenen Jahr betrugen die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds fast 380.000 Pfund. Der Fonds erwarb 13.732 Dunam Boden. Insgesamt befinden sich jetzt in seinem Besitz 385.000 D u n a m, davon 22.000 Dunam städtischer Boden. Keren Hafessod-Zaitfer, Achtung} Donnerstag, den 16. Dezember, 8 Uhr abends, im Offenbachsaal, IV., Treitlstraße 3 Vortrag Dr. Elias Auerbach (Haifa) ,Okiident-Altneuland-Orient' Eintritt nur gegen Vorweisung der Einladung! „Schönere Zukunft" und jüdische Gegenwart Die „Schönere Zukunft“ ist ein katholisches Organ, dafl in Wien redigiert und in Regensburg gedruckt wird. Diesen äußeren Verhältnissen der Herstellung entspricht, die innere Einstellung der Zeitschrift, In den Köpfen ihrer Mitarbeiter-malt sich die „Zukunft“ — wenn sie eine „schönere“ sein soll —■ im Zeichen eines Ausgleiches zwischen Christentum und Nationalsozialismus. W i e aber ein solcher Ausgleich nach allem und trotz allem möglich wäre, wie eine Verständigung zu denken ist, nachdem die „Erneuerer“ sich offen das Ziel gesteckt haben, die 1200 seit Bonifazius verflossenen Jahre deutscher Geschichte auszulöschen und ihr Volk in den geistigen Urwald der Germanen zurückzufilbren, wie man sich ein Kompromiß verstellen könne, trotzdem die Kirche ihr Urteil bereits gesprochen und der Papst in einer besonderen Enzyklika seine „hrenuende Sorge“ über diese Entwicklung geäußert hat: das ist. das Geheimnis der — allerdings ziemlich einsamen — Männer um die ..Schönere Zukunft“. Oder vielmehr: es w a r ihr Geheimnis. Denn in der letzten Nummer des Blattes verrät der Herausgeber Dr. Joseph E b e r 1 e das Rezept, das darin besteht, daß er die im Titel gestellte Frage: „Das Christentum eine jüdische Angelegenheit?“ mit einem vier Spalten langen Nein! beantwortet. Die Methode ist nicht ganz originell. Als die Rassenfanatiker mit echtem Furor teut-onicus ins Gehege der Kirche drangen, das „Thing“, dem Mathilde Ludendorff „Am Heiligen Quell Deutscher Kraft“ würdevoll präsidiert, das Christen t u m als jüdische Mache mit Acht und Bann belegte, sein Stifter nach altem germanischen Recht „friedlos“ erklärt wurde und die Schreier und Schreiber des Neuheidentums mit Spucke und Tinte gegen ihn loszogen und schlimmer mit ihm verfuhren als die römischen Legionäre, die ihn zum Kreuzestod führten, da haben manche versucht, ihn mit der „nordischen List“ zu retten, er wäre eigentlich ein Arier gewesen, der sich zu den Juden bloß verirrt hätte. Dieser bequeme Ausweg ist nicht, beschritten worden; weder die Bekenner des „Blutmythos“, noch die Bekenner Christi haben ihn gangbar gefunden. Aber Dr. Eberle will ihn darum nicht aufgeben! Er glaubt, ihn nur aus dem Rassischen , in« Metaphysische VSÖSIgfib., iStlea and damit die ersehnte Harmonie zwischen „Mein Kampf“ und der Bergpredigt, zu erreichen. „Nach christlicher Lehre ist Christus nicht der Sohn eines Juden“, schreibt er, „sondern aus der überweit . . . stammend; wohl Fleisch und Blut annehmend von der Mutter Maria, aber von dieser als unbefleckter Jungfrau empfangen, also herausgenommen aus bindenden Bluts- und Geisteszueammenhängen.“ Es sind — wie gesagt — politische Motive, von denen sich Dr. Eberle bei diesen Sätzen leiten ließ. Doch hat er ihnen die Form einer These gegeben, zu der Stellung zu nehmen, nur christliche Theologen berufen sind. Wir können und dürfen daher in diese Gedankengänge nicht eingeben und wollen dagegen nicht einmal den naheliegenden Einwand der in den Evangelien betonten davidisohen Abstammung Jesu erheben. Nicht unerwidert soll aber das Manöver bleiben, das Christentum den Rasseanbetern auf Kosten der Juden schmackhafter zu machen. Die nicht aus der Weit zu schaffende Tatsache, daß nun einmal „für den Glauben der Christen das Volk des Alten Testaments das auserwählte Volk ist“, verleitet nämiioh den Nenheidenapostel dazu, ein Auskunftsmittel anzuwenden, das er wohl — wäre es einem jüdischen Kopf entsprungen — der langen Reihe der Sünden, deren er uns beschuldigt, als Musterbeispiel jüdischer Kniffigkeit hinzugefügt hätte. Ja, das Judentum der vorchristlichen 7eit, das Volk des Alten Testaments, das wäre groß und edel und erhaben gewesen! Dies würde auch von Leopold Ranke und J. B. v. Weiß bestätigt. Und noch andere Zeugen — gewiß ursprünglichere als die von Eberle zitierten Historiker — gäbe es hiefiir: die Propheten, „Führer ... aus übernatürlicher Begnadung, . . . Prediger von Freimut, Opfersinn und Todesbereitschaft,, . . . ernste Kämpfer um Sittlichkeit, unermüdlich im Emporreißen des Volkes aus dem Alltäglichen“, wie er selbst sie nennt. Ja, „weit mehr als andere Völker der Antike stellte Alt-Israel das private und öffentliche Leben unter religiöse Gedanken, betonte es den Eigenwert und die Souveränität des Religiösen gegenüber dem Politischen. Bei anderen Völkern ging es um die Verwirklichung von Schönheit®-, Rechts- oder Staatsidealen. Hier ging es um die Gestaltung eines ordentlichen Verhältnisse« zu Gott, um Theokratie, um Stellung des privaten und öffentlichen Lebens unter Gott“. Ja, „Alt-Israel verkündete in seinen führenden religiösen Gestalten, in seinen Helden und Propheten ein besondere hohes und allgemeines Ethos“. Doch, „das Judentum der

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