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Die Stimme · 1937-12-03 · Heft 702 (3.12.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 702 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freitag-Ausgabe 9k Diese« DSfttt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei den Kolporteuren erhältlich y. b. b. 15 8 ^Stimme Nr. 7o2 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 3. Dezember 1937 e *f. Kislew S698 IX. Jahrgang Sonntag ‘/*W Uhr vormittags Kinder-Matin«« Billige Reisen in Polen 15 tägige Touristen-RundFahrscheine gültig für ganz Polen und alle Züge 3. Klasse.S 62.40 2. Klasse ...... S 94.10 Ausgabestelle t Offizielles P.>lnisches Reisebüro Wien, I., Xirtneistr.41, fei.*21-5-78. Die panarabische Verschwörung Jerusalem, 2 .Dezember. (Palcor.) Aus Kairo wird gemeldet, daß dort ein Geständnis von Nahas Paschas Angreifer Iszedin Abdul Kader, er sei ein Terrorist aus Palästina und hätte dort viele Menschen ermordet, große Sensation erregt hätte. Ferner sagte er vor Gericht aus, er sei ein Mitglied der ägyptischen Faschisten, der Grünhemden, und sei mit den Pan-Arabern verbunden, die ihn nach Palästina geschickt hätten. Viele Verhaftungen wurden daraufhin unter den Pan-Arabern v%fgenommen; so wurde der Sohn von Mohammed Aliouba Pascha festgenommen, der Vizepräsident des Mohammedanischen Kongresses in Jerusalem im Jahre 1931 und ein Mitglied des Kongreß- Präsidiums in Biudan war. Außerdem ist er ein besonderer Freund des gewesenen Mufti von Jerusalem. Jewish Agency gratuliert Nahas Pascha zu seiner Errettung Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem hat an den Premierminister von Ägypten Nahas Pascha, ein Telegramm gesandt, in welchem sie ihn zu seiner Errettung anläßlich des in der vergangenen Woche auf ihn verübten Attentates beglückwünscht. DIE RICHTIGE SENK FUSS EINLAGE § fZbt'mfi “Ähnh.0'Mwkf'fe»" I Bondagen-mtkclosch Wauchope konferiert mit Shertok Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfing den Leiter des Politischen Departements der Jewish Agency Mosche Shertok und besprach mit ihm eingehend die Lage in Palästina. Nürnberger Rassegesetze in Danzig bereits In Geltung Danzig, 2. Dezember. (JTA.) Ohne daß das Danzlger Parlament die Nürnberger Rassegesetze bisher angenommen hat, sind diese in der öffentlichen und ln der Gerichtspraxis bereits ln Geltung. Vor einem Danziger Gericht hatte sich der jüdische Konfektionär Wolf Kiorsz wegen Beschäftigung jüngerer arischer Mädchen in seinem Unternehmen zu verantworten. Das Gericht verurteilte Kiorsz gemäß den Nürnberger Gesetzen zu sechs Monaten Gefängnis. Rettung von Thorarollen im Geschützfeuer Schanghai, 2. Dezember. (JTA.) Anläßlich iner großen Chanukkah-Feier der iidischen Gemeinde in Schanghai wurden rei junge Juden geehrt, die unter Lebenswahr mitten im Feuer chinesischer und spanischer Geschütze neun Thoraollen aus der zusammengeschossenen Vard-Synagoge gerettet hatten. Verantwortung vor den Volkerbund Palästina-Fragen im Unterhaus London, 1. Dezember, (JTA.) In der Unterhausdebatte am 29. November fragte Abg. W. Gallacher (Kommunist), ob der Vorschlag einer Teilung Palästinas bereits mit den Regierungen der arabischen Nachbarstaaten erörtert wurde, und, wenn dies der Fall sei, welche Ansicht diese zu dem Vorschlag geäußert haben. Dem Abgeordneten erwiderte der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Lord Cranborne: Wie in einer Erwiderung auf eine Anfrage des Abgeordneten Mander am 10. November bereite erklärt wurde, ist die Regierung Sr. Majestät als Mandatar für Palästina ausschließlich dem Völkerbund, nicht aber einzelnen .fremden Regierungen, verantwortlich. Nichtsdestoweniger sind die Regierungen der arabischen Nachbarstaaten, ebenso wie andere im Nahen Osten besonders interessierte Regierungen hinreichend informiert worden. Abg. Galla eh er: Ist es richtig, daß arabische Nachbarstaaten gegen die geplante Teilung Einwände erhoben haben, und versetzt dies nicht die Juden in eine absolut unmögliche Situation, indem sie sehen, daß Sie im Falle einer Teilung auf einem schmalen Stück Land umgeben von einer feindlichen Bevölkerung, leben wer- .. den? . ... -'.v. v, Lord Cranborne: Dies ist nicht ein« Angelegenheit zwischen Sr. Majestät Regierung und einzelnen Völkern, sondern zwischen Sr. Majestät Regierung und dem Völkerbund. Auf die Frage des Abg. Gallacher, ob es der Regierung nicht möglich sei, die Palästina-Frage gemäß dem Mandat zu behandeln, statt in einer Weise, die weder für die Araber noch für die Juden nützlich sei, wurde keine Antwort erteilt. Abg. de C h a i r: Besteht keine Hoffnung, daß das bestehende Mandat auch weiter verwaltet wird; kommt es zur Teilung? Lord Cranborne: Dies ist eine schwierige Frage. Die Kanalisation Tel-Avivs Abg. Tom Williams fragte den Kolonienminister, wann der Dränage plan für Tel-Aviv der Palästinaregierung erstenmal unterbreitet wurde, und ob er o eanriobten kann, daß der Plan in irgend einer Form sobald als möglich bestätigt wird, damit die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung nicht gefährdet werde. Ormsby-Gore: Die Pläne der zu Rate gezogenen Ingenieure, betreffend die Dränage Tel-Avivs wurden der Palästinaregierung im vergangenen März unterbreitet. Alles weitere hing davon ab, ob die Finanzierung des Planes möglich sein würde, die gegenwärtig auf gewisse Schwierigkeiten stößt Auf eine weitere Frage des Abg. Williams, ob der Minister erklären könne, daß die Palästinaregierung die Stadtverwaltung von Tel-Aviv bei der Aufbringung der Anleihe von einer Million Pfund weitestgehend unterstützt habe, und ob man dabei in Betracht gezogen habe, daß der gesamte Schuldenstand der Stadt im Verhältnis zu ihrem Jahresbudget von annähernd 500.000 Pfund verhältnismäßig sehr gering sei, erwiderte Ormby-Gore, man mache alle Anstrengungen, um die Stadtverwaltung von Tel-Aviv bei der Aufnahme der geplanten Anleihe zu unterstützen. Man habe dabei natürlich nicht übersehen, daß der Schuldenstand der Stadtverwaltung nicht groß ist. 13.000 Juden nehmen die palästinesisehe Staatsbürger* ' schaft an.r Jerusalem, 2. Dezember. (Palcor.) In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 1937 haben 13.058 Juden die palästinensische Staatsbürgerschaft angenommen. In den gleichen neun Monaten des Jahres 1936 hatten nur 9753 Juden die palästinensiche Staatsbürgerschaft erworben. Bilanz der Palästina* Touristik Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Im Monat September weilten in Palästina 4061 jüdische und nichtjüdische Touristen, die insgesamt 33.875 Pfund ausgaben, außerdem 3630 Touristen, die in der Grenze nicht angaben, wieviel Geld sie in Palästina verbraucht haben. Im September kehrten 14.272 Palästinenser nach Palästina zurück, die laut ihren Angaben 156.386 Pfund im Ausland ausgegeben haben, außerdem 3307 Palästinenser, die keine genauen Angaben über ihre Ausgaben im Ausland machten. Durchschnittlich gab jeder Tourist in Palästina 17.7 Pfund aus, während die Palästinenser im Ausland durchschnittlich 19.2 Pfund pro Kopf verbraucht haben. Billige Weihnachtsreise mit der „Czernowltzer Allg. Zeitung" imta Polen umCzernofflllz Hinfahrt: 23.Dez.l937, Rickfahrt:6.Jän 1938 Auskünfte und Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marlenftrücke", I., Rotenturmstraße 26, Tel. R 24-2-86, R 24-2-87. Programm der am 4. Dezember, im Großen Konzerthaussaale, um 8 Uhr abends, stattfindenden repräsentativen Makkabäerfeier des Zionistischen Landesverbandes für Österreich I. Ansprache des Präsidenten des Landesverbandes Dr. Oskar Grünbaum II. Lichlerzünden: Oberkanfor G. Margolies III. Chor des Stadttempels. Dirigent Kurt Fuchsgelb IV. Makkabäerrede. Gelesen von Jakob Feldhammer V. Hebräische Gesänge. Konzertsängerin Sarah Goldsfein PAUSE I. Jüdische Weisen: Violinvirtuosln Liselotte Markus II. Jüdische Lieder: Opernsänger Albert Feiler III. Engelszene aus Jaakobs Traum von Richard Beer- Hofmann (Mitwirkende: Mitglieder des Jüdischen Kulfurtheaters) ■ baglnnt präzis« 8 Uhr abands. Zuspätkommende den Pausen zwischen den Vortragsnummarn Einlaß. Die zionistische Gegenwart Die größten Staaten der Welt bangen heute um ihre Zukunft. Ereignisse, die früher in Jahrzehnten reiften, ■breohen beute wolkenbruohartig herein und das politische Weltbild ändert sieh kaleidoskopartig von einem Tag zum andern. Sind so die Weltmächte mit in den Strudel der Ereignisse gerisseu, ey ist es doch gar nicht verwunderlich, wenn das Volk ohne Land, ohne Staat und ohne Macht-, das jüdische Volk, schwere Tage durchlebt. Es kt ähnlich wie im Weltkrieg. Damals fiel jüdisches Volksvermögen in allen Ländern der Kriegsfurie zum Opfer und das jüdische Volk litt unsagbar. Heute durchleben wir eine ähnliche Zeit. Wer also heute im jüdischen Volk über die jüdische Not klagt, übertreibt nicht Recht bat auch, wer verzeichnet, daß wir Jaden heute mehr leiden ata viele Völker. Unrecht aber hat, wer dem jüdischen Volk allein die Märtyrerkrone aufeetzt, denn auch das spanische Volk leidet furchtbar und eine« der ältesten Kulturvölker, das chinesische Volk, ist das unschuldige Opfer eines kaum zu überbietenden Massakers. Der Friede, deT den Weltkrieg beendete, ist eben nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Der vierjährige Massenmord, Weltkrieg genannt, hat nur drei positive Ergebnisse gezeitigt. Das erste Ergebnis kt die Erkenntnis, daß as sich nicht lohnt Angriffskriege zu führen und dem Phantom eines „Siegfriedens“ naohzujagen. Diese Erkenntnis ist leider noch nicht Gemeingut der Völker und Diplomaten geworden. Wäre sie schon zum Durchbruch gekommen, dann lebten wir heute in einer friedlichen und! nicht in einer waffenstarrenden und haß- 1 erfüllten Welt. Das zweite positive Ergebnis des Weltkriegs ist der Völkerbund. Er hat, um nur einige seiner Verdienste zu erwähnen, durch den griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch dem Frieden im Balkanraum die Wege bereitet, er hat mehr als einmal Österreichs Selbständigkeit gerettet und an seiner Wiege stand die Befreiung vieler kleiner Nationen in Europa. Die jetzige Schwäche des Völkerbundes ist kein Argument gegen ihn, sondern ein Argument für ihn. Gäbe es keinen Völkerbund, man müßte ihn heute schaffen. Aufgabe aller gutgesinnten Menschen in allen Erdteilen müßte es sein, den Völkerbund zu einem machtvollen Instrument des Friedens gegen alle zu machen, die ihn von außen oder von innen her torpedieren. Das dritte und, wie uns scheint, nicht unwichtigste positive Ergebnis des Weltkriegs kt die Balfour-Deklaration und das Palästinamandat. Die ungeheure Tragweite dieser beiden Instrumente zur Lösung der Judenfrage wurde von den Mitgliedstaaten des Völkerbundes nicht wahrgenommen. Sonst hätte es nichtgeschehen können, daß Englands beharrliche Verstöße gegen Sinn und Wortlaut des Mandatsvertrages von ihnen so ruhig hingenommen worden wären. Hätten die Staaten, die heute einen größeren Judenstaat verlangen, nicht 1921, 1929 und 1936 Ja und Amen zu allem gesagt, was England jeweils in den Angelegenheiten Palästinas für gut zu finden beliebte — Palästina wäre heute politisch und wirtschaftlich eine glückliche Insel und das Judenproblem hätte viel von seiner Schärfe verloren.

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