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Die Stimme · 1937-11-24 · Heft 698 (24.11.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 698 (24.11.1937)
Date
1937-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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fft. — Wien, Mittwoch, 24. November 1937. Seit* S Nachdruck verboten! Jerusalem 1937 Von M. V. Ben-gavrRl. Wißt ihr, wie es ist, Wenn Menschen am Morgen Zu ihrer Arbeit gehen Und plötzlich unterwegs Ein Schuß fäüt, Und der Mensch, der nichts ahnend Und friedlich nur Arbeit ging, ln sich msammensackt Und sein Mut Auf die Steine speit? Wißt ihr, me es den Kindern ist, Wenn der Vater, Der am Morgen zur Arbeit ging, — Gans gewöhnlich, Wie an jedem Tag — Um drei Uhr begraben wird? Wißt ihr, wie’s den Zehntausend Zu Mute ist, Die cm Hospital stehen, Verkrampft die Fäuste Und blutleer die Wangen, Wenn am Montag schon Her dritte Tote der Woche Zum ölberg gefahren wird? Wißt ihr, trie es uns allen geht, Die wir in der heiligen Stadt des Mordems, Hundertmal dm Tages Uns sorgen, Nicht ums Morgen, Sondern um den Mutigen Rest des heutigen Tags? Um diesen und jenen Der um Lieben, Der friedlich am Morgen Zur Arbeit ging, Und um drei Noch nicht da ist? Wißt ihr — Doch was wißt ihr, Wie müde wir sind, Und dennoch den Posten, Den Posten Jerusalem, Nicht räumen? WtaterhUfuktion der Kultusgemeinde Von 39.600 Mitgliedern der Kultusgemeinde, an die der Aufruf wegen Leistung eines freiwilligen 20%igen Zuschlages zur Kultussteuer für Fürsorgezwecke und für die Winterhilfe ergangen ist, folgten bisher kaum 6400 Mitglieder dem an sie ergangenen Appell. Dieser Pflicht darf sich niemand entziehen, der nicht selbst in Not geraten ist. Alle müssen hellen, um das groüe Fürsorgewerk der Wiener Knltusgemeinde zu erhalten und die Winterhiifsaktion zu ermöglichen. Juden Wiens! Leistet unverzüglich den freiwilligen 20%igen Zuschlag und spendet für die Winterhilfe der israelitischen Kultusgemeinde! »Mein Kampf« in Österreich Die Essener Nationalzeitung“ teilt über den Verkauf de» gemäß dem Preseeabkommen in Österreich zugeiassenen Hitler-Buches „Mein Kampf“ einige Ziffern mit, die sich auf Stichproben stützen sollen. Solche Umfragen, die in zehn Wiener Buchhandlungen angestellt wurden, ergaben, daß dort bisher 1700 Stück des Buches verkauft worden sind. In Graz verkaufte eine einzige Buchhandlung 130 Exemplare und in Salzburg fünf Buchhandlungen mehr ate 400 Stück. In Kärnten ergab die Stichprobe mindestens 400 verkaufte Exemplare, von denen allein 100 Stück auf eine ViHaoher Buchhandlung fallen. In Oberösterreich sind ee 1800 Stück, davon in Linz 800, in Wels 600 und in Steyr 200. Tiroler und Vorarlberger Buchhändler setzten mindestens 1000 Stück ab. Wenn man die Bedeutung dieser Zahlen voll würdigen will, bemerkt daß Blatt dazu, muß man berücksichtigen, daß sie keinesfalls vollständig einrt, da begreiflicherweise nicht alle Buchhandlungen erfaßt, sondern mir Stichproben angestellt werden konnten, daß viele öeterreichißche Volksgenossen das Buch unmittelba r vom Vertag beziehen, und daß „Mein Kampf“ noch ans der Zeit vor dem Verbot in einer gewaltigen Auflage m Österreich Verbreitung fand. „Essener Nationalzeitung“ konfisziert Die Wiener Staatspolizei hat die Nummer der „Essener Nationalzeitung“, in dar unter der Überschrift „Ahasvers Zug durch die Jahrtausende“ die Münchener Ausstell u n g „D e r ewige Jude“ als „B ilanz des Grauens“ eingehend geschildert wird, konfisziert und sämtliche in Wien eingelangten Exemplare beschlagnahmt. Der Höhepunkt der Saison wird die Makkabäerfeier das Zionistischen Landesverbandes bilden, die am 4. Dezember um acht Uhr abends im Großen Konzerthaussaal stattfindet. Im künstlerischen Teil wirken mit: Jakob Feldhanuner (Rezitationen), der Opernsänger Feiler (Jüdische Gesänge), die Violmvirtuosin Liselotte Markus (Jüdische Weisen) und die berühmte jüdische Sängerin Sarah Goldstein (Hebräische und jiddische Volkslieder). Zum Schluß gelangt die Engelszene aus Richard Beer-Hoffmaans „Jaakobs Traum“, durgestellt von Mitgliedern des Jüdischen Knlturtheatere, zur Aufführung. Karten von S 1.60 bk 5.60 erhältlich: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, U-22-2-11; Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, R-22-407; Bücherstube Rath, H., Taborstraße 20, R-45-305; in sämtlichen Bezirkssektionen: WIZO, I., Schottenring 25, A-ll-6-26; Bücherstube Meistrik, I., Wollzeile 6, R-25-4-53: Jüd. Kulturstelle, I., Kai Nr. 3, R-28-2-36; Bücherstube Lanyi, I., Kämtnerstr. 44. B-26-3-33; Kartenzentrale Gronner, I., Graben 29, U-22-4-45; Papiergeschäft Drimer. I., Schottenring 38, A-12-7-78; Ring der Aitherrenverbände, L, Kohlmarkt Nr. 8, Tel. U-23-4-37. RASSISCHES UND KLASSISCHES DER GROSSE ERFOLG! WIEDERHOLUNG 30. NOVEMBER 1937, OFFENBACHSAAL Veranstaltet von der Zion. Sektion und WIZO XVDL — Karten im Zion. Landesverband, I., Marc Aurelstr. 5, TeJ.: ü 22*2-11 und AJeksandrowics, Wien, I., Werdertorgaase 5, Tel. U 21-3-08. Die luden in Italien Kirche steht, wurden den Juden Elementarschulen mit besonderem Lehrstoff zur Verfügung gestellt. Trotzdem sind in der letzten Zeit in gewissen Zeitungen antisemitische semitische Tendenzen zu beob- Tendenzen zu beobachten, die auf den Einfluß der H i 11 e r - Propaganda zurückzuführen sind. Mitteilungen des Keren Kajemeth Warum Sefer-Hajeled? Im Zeichen der Perez-Zwi-Oha jes-G edenkfeier erlebten wir am 1. d. den großen feierlichen Auftakt zur diesjährigen Landeskonferenz des Jüdischen Nationah'onds Keren Kajemeth Leisrael und ihre Fortsetzung am 7. <L — Es war dies eine sehr eindrucksvolle Tagung, in welcher der Notschrei nach Boden Vermehrung die stärkste Resonanz auslftstc. Denn nur Bodenmat. Die neue Situation erfordert vervielfachte Anstrengung zu Butleiiankatif. Positive Arbeü auf diesem Gebiete leistet einzu: und allein der Keren Kajemeth. in dessen Rahmen das Sefer-Hajele d. das Ehrenbuch des Kindes, fällt. Jüdischen Eltern wird daher die Eintragung ihrer Kinder in das Sefer-Hajeled naehdrückliehst empfohlen, im Geiste unseres verewigten Oberrabbiners, des unvergeßlichen Führers und Beschützers der jüdischen Jugend, Dr. Ohajes. „Le Soir“, di« größte belgische Tageszeitung, veröffentlicht einen Artikel seines Spezialkorrespondenten in Rom unter dem Titel „Ist der Faschismus antisemitisch?“ Die fortschreitende Entwicklung der Freundschaft zwischen Rom und Berlin, heißt ee in dem Artikel, läßt die Judenfrage in Italien in einem neuen Licht erscheinen. Man fragt, ob diese Freundschaft den Faschismus zu einem Kreuzzug gegen die italienischen Juden veranlassen wird. Schon jetzt kann festgestellt werden, daß von einem Rassenantisemitismus keinesfalls die Rede sein kann. Der Duce ist zu sehr durchdrungen von der Idee des Latinismus, als daß er sich sw Exzessen, wie sie in Deutschland Vorkommen, hinreißen ließe. Man spricht wohl gerne von den Tugenden der lateinischen Rasse, davon, daß neue Grundzüge des Individuums im Entstehen begriffen seien, wobei den Verfechtern dieses Gedankens die römische Antike als Beispiel vorschwebt; aber man bat es nie unternommen, die Länge des Schädels, die Stellung der Augen oder die Farbe das Haares als spezifisch italienisch zu betrachtene. Man darf nicht außer acht lassen, daß die Juden, die vielfach schon seit vielen Generationen in Italien ansässig sind, sich auch - äußerlich vollkommen assimiliert haben, so daß es oft sehr schwer ist, sie von den Italienern zu unterscheiden. Wissenschaftler Der Großteil der Juden in Italien hat niemals einem eigenen politischen Ziel nachgestrebt, sondern hat eich immer der herrechenden politischen Strömung angeechloesen; so war es auch natürlich, daß er eich »eit Entstehen des Faschismus diesem zugewandt hat. Außerdem haben die Juden Italiens, im Gegensatz zu ihren Glaubenegenoeeen in Deutschland, im Staatsdienst oder im Parteiwesen niemals eine hervorragende Rolle gespielt. Dagegen nahmen die Juden, ebenso wie in vielen anderen Ländern, in Handel und Gewerbe, im Bank- und Versicherungswesen, schließlich auch in Wissenschaft und Kultur einen beachtenswerten Platz ein. Charakteristisch Ist die ansehnliche Zahl der jüdischen Professoren an den italienischen Hochschulen. An der Universität Rom lehrte zum Beispiel bis vor kurzem Prof. Cesare VivantJ. Verfasser des italienischen Handelsrechtes, Prof. Polacco, der den Prinzen von Piemont im Staatsrecht unterrichtet hatte, lehrte Bürgerliches Recht. Gerichtsmedizin las Prof. Salvatore Otto- 1 eng hi, Gründer der italienischen Schule für Polizeiwiesenschaft, Rechtsphilosophie Prof. Giorgio d e 1 V e c h i o. Auf dem Gebiete der Literatur und Geschichte siud Prof. Alessandro d’Ancona, ein Freund des Dichters Josu6 Carducci, ferner die Professoren M o m i g 1 i a n o, F r a i, Fnb i ni und Sabattino Lopez zu erwähnen. Auf dem Gebiete der italienischen Prähistorie ist u. a. Alessandro de 1 a S e t a zu nennen, auf dem Gebiete der exakten Wissenschaften sind es wieder Levi- G i v i 11 a und Senator V o 11 e r r a, beide gegenwärtig Mitglieder der p ä p s tiiehen Akademie der Wissenschaft, die Hervorragendes geleistet haben. Omr Einfluß der i»fl<nialsozift)isti* sehen Propaganda Die Gleichberechtigung der Juden ist vollkommen. So wurde bei einem Preisausschreiben für den Ban des Liktorenhauses in Rom der erste Preis drei Architekten, unter ihnen einem Juden namens Victor M o r p u r g o, zuerkannt. Auch auf dem Gebiete der Kindererziehung zeigt Italien für die jüdischen Wünsche und Bedürfnisse großes Verständnis. Da der Unterricht in Italien unter der Ägide der katholischen Judenstaat oder Ghetto Unter diesem Titel ist im Verlag von Dr. Heinrich Glanz in Wien ein Buch erschienen. Der Autor, J. M. Machover, ist ein bekanntes Mitglied der Judenstaatspartei, die Ablehnung der Teilung daher von vornherein feststehend. Der Autor ist aber redlich bemüht, seine politische Ansicht gewissenhaft zu begründen. Er bespricht unter Anführung des entsprechenden historischen und statistischen Materials die Entwicklung des indischen Nationalheims, tadelt die schwankende Politik Englands und verweist mit Recht darauf, daß die Königliche Kommission zugibt, daß nicht di« Schaffung des jüdischen Nationalheims der Grund de« Übels fiel, sondern die Forderung. Palästina zu einem rein arabischen Land zu machen. | Da« Buch Machovers verdient ein aufmetk-! same« Studium durch jeden Zionisten, der! ehrlich mit dem Palästina-Problem ringt., Machover hält sich von Schla.gwort.en fern, und sein Buch sollte daher gerade von Anhängern der Teilung gelesen werden. Die Zerrissenheit des zionistischen Lagers gerade in der Teilungsftage ist ja leider allzu oft das Ergebnis vorgefaßter Meinungen und de» blinden Vertrauens auf die politische Klugheit, von Führern und Artikelechreibern hüben und drüben. Wer sich wie Machover in den zionistischen Problemen sachlich äußerst, muß auch denen willkommen sein, di« nicht seiner Meinung sind. Das Wawelberg-Abkommen gebrochen Warschau, 28. November. (JTA.) Auf Grund einer Verfügungdes Rektors dervon einem Juden gegründeten Wawelberg-Hochschule in Warschau wurden die jüdischen Hörer am 19. November, nicht in das Gebäude der Hochschule emgela&sen, da eie erklärt hatten, auf den Ghettobänken nicht. Platz nehmen zu wollen. Der Kurator der Hochschule, Michael Wawelbeig, hatte beim Obereten Gericht i m Namen der Erben der jüdischen Gründer der Schule, Hippolit Wawelberg und Henryk Rotwand, eine Klage eingelwacht, in der er die R ü c kgabedes Gebäudes derHochschule durch die Regierung an die Erben verlangt, da durch die Einführung von Ghettobänken das 1919 zwischen den Gründern der Schule und der Regierung getroffene Abkommen verletzt wird, das besagt, daß sich da» Unterrichtsministerium verpflichtet, keine religiösen und nationalen Unterschiede zwischen den Hörern der Hochschule zu machen. In einer Erklärdhg an die Presse betonte Michael Wawelberg, er werde unter keinen Umständen der Einführung von Ghettobänken in einer von seinem Vater gegründeten Schule zuetimmen. An der Lemberg er Universität ist es anläßlich der Wiederaufnahme der Vorlesungen am Samstag zu schweren Zusammenstößen gekommen. National-demokratische Studenten versuchten, die jüdischen Hörer gewaltsam aus den Hörsälen biuauszutreiben. Zahlreiche jüdische Studenten wurden v e rletzt. Die Vorlesungen wurden unterbrochen. Nach einer Versammung in der Aula formierten sich die antisemitischen Studenten m einem Zug durch die Straßen Lembergs, der jedoch von der P o 1 i z e i lauseinander getrieben wurde. Die Demonstranten eröffnet™ ein S t e i n b o mbar dement gegen die Polizisten: ein Polizist wurde schwer verletzt. Im Verlauft: der Demonstrationen wurden die Fenster zahlreicher jüdischer Geschäfte zertrümmert. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Pilsudski-Verband gegen Chauvinismus Warschau, 23. November. (JTA.') ln Wilna hat eine Tagung der Pow-Ürgnnisafckm (eine militärische, den Pjlsutlski- Legionen verwandte Organisation der Unahhängigkeitektimpfer) etattgefunden, in der eine' Erklärung angenommen wurde, die sich gegen den Klassen- und nationa- Stmatag, 4. Dezember 1937 Repräsentative Makkabäer-Feier des Zion, landesverbandes Karten von S 1-60 bis 5-50 erhältlich: »oiilettseMr Landesverband, l., Maro-Aerel-8traße 5. U 22-2-11; Zionistische Bezirkssektion Leojm Großen Konzerthaus - Saal polds‘adt, II., PnteritraBe 13, R « 407; Bücherstube Rath, II., Tabarstraße 20, R 45-305; in sämtlichen Bezirkssektionen. WIZO, I., Schottenring 25, A 11-6-26; Bücherstube Meistrik, I., Wollzelle 6, R 25-4-53; Jüd. Kulturstelle, I., Kal 3, R 28-2-38; Bücherstube lanyi, l„ Karatserstr, 44, B 26-3-33. Kurtesiestralt Brenner, l„ Graben 21, U 22-4-45; Papiergeschäft Drimer, I„ Sohottenrisg 33, A12-7-78; Ring der Aitherrenverbände, l„ Kohlmsrkt 8, U 23-4-37.

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