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Die Stimme · 1937-11-10 · Heft 693 (10.11.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 693 (10.11.1937)
Date
1937-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mltiwoc&-Ausgabe *Dte Matt ist ab 4 Uhr nachmittags dan Koiportenren oiSttÜdi V. b. b. 15 g Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wim, Mittwoch, 10. November 1937 o *. Kislow S698 IX. Jdvgaaf Der weltberühmte Warschauer Oberhantor M. KtmwkH, der ein einziges Wiener Konzert im Böhmen der Chajes-Gedenkfeier am Dienstag, 16. November, gibt, bei der er mit einem vollständig neuen Programm mit wirken wird. Araberfiihrer Rom und Berlin dort Är finanzielle Hilfe zu werben und zu versuchen, Waffen für die palästinensischen Araber zu erlangen. Konferenz gemäßigter Araber Jerusalem, 7. November. (Pal cor.) Heute traten in Jerusalem eine Anzahl gemäßster Araberfiihrer, unter denen sieh Bürgermeister und Anwälte aus mehreren Orten befanden, zusammen und beschlossen, sieh von der radikalen Politik dee Mufti loszusagen und in Zukunft neue Wege zu beschreiten. Die Anhänger des Mufti riefen sofort zu einem Gegentreffen auf, um Maßnahmen gegen die gemäßigten Araber zu beschließen. Wassersache im Negew Jerusalem, 7. November. (Palcor.) Gemäß den Vorschlägen der Königlichen Kommission wurde im Negew die Suche nach Wasser begonnen. An der Arbeit sind jüdische Gesellschaften beteiligt, welche ihre Techniker und Arbeiter entsendet haben. _ „Siegreich werden wir Me Juden schlagen“ Warschau, 9. November. (JTA.) Die polnische Telegraphen-Agentur meldet aus Berlin: Propagandaminister Goebbels hat eine Verordnung erlassen, wonach das Singen des bekannten anti-französischen Liedes „Siegreich werden wir Frankreich schlagen“ verboten ist Motiviert wird das Verbot von Goebbels damit, daß nicht Frankreich, sondern die Juden jetzt diie Feinde Deutschlands sind; daher müsse man in Zukunft singen: „Siegreich werden wir die Juden schlagen“. Wieder blutige Vorfälle Sn Palästina i Sechs Jüdische Arbeiter erschossen i 1 Jerusalem, 9. November. Alle verfügbaren Truppen und Polizeimannscharten Jerusalems sind zur Fahndung nach den Mördern von sechs in den Steinbrüchen von Kirjath-Anavim erschossen aufgefundenen jüdischen Arbeitern eingesetzt worden. Die Operationen werden von dem Generalinspektor der Mandatspolizei Rice und General Waveil geleitet. Flugzeuge und Spürhunde sind ebenfalls zu den Nachforschungen hinzugezogen worden. Bis in die Abendstunden dee Dienstags war es noch nicht gelungen, die Titer festzunehmen. Mehrere Ortschaften sind von den englischen Truppen umstellt und werden sorgfältig durchsucht. Außerdem sind zahlreiche Araber nach A b u g o s h, dem Hauptquartier der Operationen, eingeliefert worden, um dort einem strengen Verhör unterzogen zu werden. Von zuständiger Stelle wird betont, daß alle verfügbaren Kräfte eingesetzt werden würden, um der Täter habhaft zu werden. Die Polizeibehörden nehmen an, daß die Mörder sich innerhalb des um das ganze Gebiet gezogenen Ringes befinden und nicht mehr entkommen können. Anschlag auf den Tel AVIv, 9. Ntwmafew. WA) her Schuppen einer, jüdischen Boetsraederai hn Gebiet des Hafens von Tel-Aviv Ist d nreh Feuer vernichtet worden. Es besteht der Verdacht, daß der Brand von arabischen Terroristen gelegt wurde, die einen Anschlag auf den Hafen beabsichtigten. Ein Araber, der ln dem an Tel-Aviv angrenzenden Manshieh-Viertel eine Bombe werfen wollte, ist durch vorzeitige Explosion des Sprengkörpers zerrissen worden. Telephon Tel-Aviv-Haifa unterbrochen Jerusalem, 9. November. Die Telephonverbin-dungen zwischen Tel-Aviv und Haifa eiod in der letzten Nacht unterbrochen worden. Es wurden Truppen an Ort und Stelle entsendet. Abwehrgeschütze gegen die Terroristen Im Kampf gegen die Terroristen werden jetzt Flugzeugabwehrgeschütze verwendet Den Terroristen stehen zwar keine Flugzeuge zur Verfügung, die Abwehrgeschütze aber bewähren sich wegen des steilen Feuerwinkels bei dem Kampf in dem von tiefen Schluchten zerrissenen Gelände. Insbesondere auf der Straße Jerusalem—Tel-Aviv können Angreifer mit Hilfe solcher Geschütze, die auf Lastkraftwagen montiert sind, erfolgreich bekämpft werden. Neuerliche Zusammenstöße Im Dorfe Silwan An verschiedenen Orten kam es am Sonntag neuerdings zu Zusammenstößen, namentlich im Dorfe Silwan, wo nach den Mördern der am Freitag erschossenen beiden englischen Soldaten gefahndet wurde. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei Araber getötet und 17 verletzt. Der Großteil der Dorfbewohner ist in die Berge geflohen. Gleichzeitig durchsuchen Truppenabteilungen is lang ausgezogener Reibe im Süden von Jerusalem das Gebiet, in dem die Araber bände vermutet wird. Man glaubt, in dieser Araberbande die gleiche Gruppe vor sich zu haben, die seit Wochen in der Gegend von Bettul die Überfälle auf vorftberkommende Transporte verübt hat. Die Leichen der getöteten jüdischen Arbeiter, die zunächst zur Untersuchung nach Jerusalem gebracht worden waren, wurden am Nachmittag nach Kirjath-Anawim überführt und dort beigesetzt Die Namen der Opfer Nach späteren Meldungen geschah der Überfall am Dienstag in M i g d a 1, 14 Kilometer von Jerusalem. Die Toten heißen Pnchowski, Bar Giora, Baumgarten, Olischewski, Morduchowltsch und W sc hak. Der letztere war Hilfspolizist. Die Tot«« gehörten der Kwuzah Baama'eh an und befanden sich auf dem Weg zu den Feldern von Kirjath Anawim. Sie wurden sämtlich aus dem Hinterhalt von Arabern erschossen. Hafen von Tel-Aviv *Aüeh Tsryiislordanle« Werden neuerdings Zwischenfälle gemeldet Mehrere amtliche Gebäude waren da* Objekt von Bombenanschlägen; an mehreren Stellen wurden die Telepbonleitungen durchschnitten. 0c? Mufti nach Ägypten? Kairo, 9. November. Die seit einiger Zeit inoffiziell geführten Verhandlungen wegen dev Übersiedlung des aus Palästina geflüchteten Großmufti von Jerusalem nach Ägypten haben jetzt zu dem Ergebnis geführt, daß sich die ägyptische Regierung grundsätzlich zu der Gewährung einer Aufenthaltsgenehmigung bereit erklärt hat Vor einer endgültigen Stellungnahme will die ägyptische Regierung sich aber noch mit der englischen Botschaft in Verbindung setzen, um festzustellen, ob von dieser Seite irgendwelche Bedenken gegen die Anwesenheit des Großmufti in Ägypten bestehen. Judenpolltlk Es gehört mit in unsere Zeit der Kriegsverherrlichung mit Giftgas und Massenmord, daß auch der Kampf gegen die jüdischen Minderheiten in aller Welt als eine aus der heroischen Weltanschauung fließende Maßregel gepredigt wird. Es ist der bekannten Agitationszentrale gelungen, überall unter geschickter Benützung von Unzufriedenheit und Wirtschaftskrise die Schuld den Juden, der Gemeinschaft sowohl wie der einzelnen, aufzulasten und ihre Entrechtung und Vernichtung als Voraussetzung für eine Besserung hinzustellen. So ist aus Aufbauschung vereinzelter Vorkommnisse, aus unablässiger Wiederholung und Ausweitung alter Lügen eine Stimmung erzeugt worden, die nach den mysteriösen Gesetzen der Massenpsychose jede vernünftige Überlegung beiseite läßt und das Schlagwort an und für sich befolgen will. Wenn die Juden in Bausch und Bogen als ständige Bedrohung der Gesundung, als gefährliche Bolschewiken einerseits, als extreme Kapitalisten anderseits, als gleich verantwortlich für verlorenen Krieg und verpfuschten Frieden angeklagt werden und ihre Verteidigung unmöglich gemacht wird, so gibt sich niemand darüber Rechenschaft, wie dieses Anpreisen der politischen oder wirtschaftlichen Gewaltanwendung in der Tiefe der Massen wirken muß, die, wenn sie einmal in Bewegung kommen, durchaus keine Grenzlinie mehr sehen. Aber es sind nicht allein die Massen, die dieser Entwicklung ausgesetzt sind, es sind auch die Intellektuellen, die sich sonst zur kühlen Erwägung bekennen, die der Macht des Schlagwortes unterliegen. Sie schämen sich — und man kann das in Österreich genau beobachten — der Methoden in Deutschland, aber nicht der Sache wegen, sondern des Grades, der besonderen Roheit wegen, und es fällt ihnen nicht weiter auf, daß der Terror wider die Juden dem Angriff auf das Christentum vorangegangen ist; daß das zweite sich aus dem ersten erklärt und daß eine untrennbare Verbindung zwischen den beiden Stadien besteht. Wer den Antisemitismus überhaupt bejaht, das heißt den Haß gegen Menschen einzig und allein ihrer Abkunft willen, der bejaht damit den Kampf gegen jede Minderheit, gegen jeden wirtschaftlich oder politisch Schwächeren, mag das nun ein einzelner Mensch, ein Stand oder ein Staat sein. Er tritt in die Anarchie ein, die nach Roosevelts Wort sich gegenwärtig in dem Rechtsbau Europas eingenistet bat. Jede Minderung der Rechtsstellung einer Kategorie von Einwohnern ist Negierung des Rechtes an sich, und die Aufwerfung der Judenfrage ist nur unter diesem Gesichtspunkt zu behandeln. Heute sind es die Juden in Österreich, deren Rechtssphäre von den einen auf „legalem Weg“, von den anderen durch Boykott und braune Methoden angestrebt wird. Morgen sind es die Deutschen irgendwo in Europa oder die Katholiken in Mexiko. Die Verfolgung hier ist Präjudiz für Verfolgung dort. Dies muß gerade in Österreich beherzigt werden, das seine staatliche Existenz unter die Genfer Konvention, also unter die Garantie der europäischen Rechtsstaaten gestellt hat und das im Schutz der deutschen Minderheiten in Europa eine bedeutende Rolle spielt, die durch die Auswirkungen des Nationalsozialismus in Bedrängnis geraten sind. Auch in Österreich wird daran öffentlich und geheim (so geheim, daß es jeder sieht) gearbeitet, die Juden abzuschalten. Wenn es so paßt, sind sie eine Nation, ein andermal eine Konfession, und es gibt so interne Ordnungen, die über die Juden glatt hinweggehen. Dazu gibt es auch noch eine gewisse territoriale und historische Unterscheidung: die Juden, die seit je hier leben und die, die aus dem Osten | zugewandert sind. Wir haben schon her- Dienstag, 16. November 1937, Vs9 Uhr abends, Großer Musikvereins-Saal M mm m |Pf 0* ■■ V K| WM PPIPII anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages \ || At J Wm J —leIrfiPllml filfiK Gedenkrede: ttaats?at Pr. Pesider FRIED MANN Mitwirkend der weltberühmte Oberhantor M. KUSEWICKI (Warschau) Sichern Sie sich rechtzeitig Karton beim Zionistischen Landesverband, I., Maro-Aurel-Straße 5 (U 22-2-11) und ba! sämtlichen Zionistischen Bezirkssektionen 1

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