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Die Stimme · 1937-10-25 · Heft 687 (25.10.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 687 (25.10.1937)
Date
1937-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Montag-Ausgabe Dieses Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei Boi Kolporteuren erhältlich ®h tStimme 10 f JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, Si. Oktober 1937 e SO. Omohwaa 5*9* XX. Jahrgang Aufruf der Zionistischen Exekutive Jerusalem, 22. Oktober. (Palcor.) Die Zionistische Exekutive veröl!entlieht von Jerusalem aus einen vom Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Cb. Weit mann und allen Mitgliedern der Exekutive gezeichneten Aufruf an das jüdische Volk, in dem es heißt: „Wir rufen das jüdische Volk zu einer außerordentlichen Leistung auf, die uns instand setzt, das Aufbauwerk in Erez Israel inmitten der Übergangsperiode, in der wir stehen, aufs Intensivste fortzusetzen. Im Verlauf der Unruhen sind nicht nur alle Stellungen im Land gehalten worden, sondern wir haben sie konsolidiert und ausgedehnt. Neue Siedlungen sind errichtet worden, der Hafen in Tel-Aviv wurde geschaffen, neue Straßen wurden gebaut und eine bewaffnete jüdische Wehr organisiert. Wir müssen unsere gesamte Position kräftigen, stärken und erweitern, und zwar gerade in dem gegenwärtigen Ubergangszustand. Dies ist gebieterische Pflicht, und ihre Erfüllung gibt in unsere Hand die stärkste Waffe für unseren politischen Kampf.“ Deutsch-italienische Besprechungen überPalästina Paris, 25. Oktober. (Eigenbericht der „Stimme“.) Der rechtsgerichtete „Jour“ berichtet ans Rom über die Unterredungen Ribbentrops mit Mussolini und Ciano, daß hiebei auch die Vorgänge in Palästina znr Sprache kamen. Deutschland soll die Entsendung einer internationalen Miliz und die Umwandlung des Mandates in eine internationale Regierung nach dem Vorbilde der einstigen Saar-Kommission empfehlen. An dieser Regierung würden sich die vier Mächte England, Frankreich, Deutschland und Italien beteiligen. Da über die Sondermission Rdppentrops strengstes Stillschweigen beschlossen wurde, liegt für die gemeldete Nachricht weder eine Bestätigung noch ein Dementi vor. Die auffallend ausführliche Berichterstattung der deutschen und italienischen Presse über Palästina zeigt aber das starke Interesse, das diese Mächte an diesem Problem der Mittelmeerpolitik nehmen, und es ist schon möglich, daß sich Deutschland auch dort einmengen will. Daß England einem Vorschlag zustimmen würde, der die britische Stellung am Suezkanal nicht nur bedroht, sondern vernichtet, kann als ausgeschlossen gelten. Aber es zeigt sich, welche Verwirrung England durch seine überstürzten Beschlüsse über die Palästinateilung angeriehtet hat. Jüdische Bodenkäufe in den letzten acht Monaten Jerusalem, 24. Oktober. (JTA.) Nach dem Bericht der Regierungsabteilung für Statistik sind in den letzt« acht Monaten 50.000 Dunam Boden in Palästina von Juden erworben worden. Hievon sind jedoch bei Arabern bloß 18.000 Dunam gekauft worden, während die übrigen 32.000 Dunam nm ihre jüdischen Besitzet gewechselt haben. Die Unterhausdebatte Ober Palästina Weitere Regierungserklärungen London, 24. Oktober. (JTA.) Im Verlauf der Palästina-Debatte im Unterhaus am 21. Oktober fragte der Abgeordnete Williams den Kotonienminister, ob die Vorschläge der nach Palästina zu entsendenden neuen Kommission einem gemeinsamen Ausschuß der beiden Häuser des Parlaments nach dem Vorbild des Indien-Ausschusses vorgelegt weiden würden. Minister Ormsby-Gore erwiderte, er wolle hierauf keine endgültige Antwort geben. Ein gemeinsamer Parlamentsausschuß (Joint Select Commission) würde es notwendig machen, daß zahlreiche Zeugen aus Palästina gebraucht werden; er würde zu unendlicher Verzögerung und möglicherweise zu sehr vielen Komplikationen führen. Die Maßnahmen gegen den Terror Auf eine Frage des Abg. Be van bestätigte der Kolonien minister die Richtigkeit der Meldungen über Vergeltungsmaßnahmen wegen der Niederbreonung des Flughafens in Lydda. Er fügte hinzu, daß Militär und Polizei bei ihren Maßnahmen gegen eine Kampagne des Mordes und der Gewalttat seine und der ganzen Regierung volle Unterstützung finden würden. Wenn ein bestimmter Zwischenfall sich ereignet, wenn die einheimische Bevölkerung Gebäude in Brand steckt und vernichtet und die Einrichtungen des Zivilflughafens von Lydda niederbrennt, dam hat meiner Ansicht nach die Polizei durchaus recht daran getan, die Häuser derjenigen, die dies taten, zu vernichten. Der TcUungsplan Auf eine Frage des Abg. Vyvyan Adams erklärte Minister Ormsby-Gore, er habe in Genf betont, daß die Regierung den Bericht der Königlichen Kommission in seinen allgemein« Grundzttgen angenommen habe, an spezielle Einzelheiten aber nicht gebunden sei. Es wurde klargestellt, daß weitere Untersuchung« über Grenzen, finanzielle Fragen und an~ Englands späte Erkenntnis Ormsby Gore hat im Unterhaus seine Mitteilungen über die Lage in Palästina mit der Bemerkung geschlossen, daß der Großmufti während seiner ganzen Amtstätigkeit gegen die englischen Interessen in Palästina gearbeitet hat. Diese Feststellung bedeutet eine solenne Desavouierung der gesamten englischen Mandatspolitik und es ist erstaunlich, daß der Minister dies jetzt nach zwanzig Jahren öffentlich erklärt. Er selbst hat während dieser Zeit verantwortlich an der Entwicklung des Mandats mitgearbeitet und er hatte genügend Gelegenheit, die Amtstätigkeit des Mufti in ihrem Verhältnis zu England zu beobachten. Jeder Schritt in Palästina wurde mit dem Mufti besprochen, der seit 1921 ein verhätscheltes Protektionskind der Regierung gewesen ist und durch seine offizielle Stellung die Tätigkeit der Verwaltung maßgebend beeinflussen konnte. Der Mufti ist Araber und als solcher nicht verpflichtet, englischen, Patriotismus zu betreiben. Aber er war einer der höchsten Beamten, wurde a,us öffentlichen Mitteln besoldet und hatte die reichen Stiftungen des Obersten mohammedanischen Rates zu betreuen. Er hat, dies ist nicht nur von zionisti s cher Seite hervorgehoben worden, sein A.mt nie anders denn als arabischer Funktionär aufgefaßt. Aber er war als Beamter auf Treue und Gehorsam gegenüber der Mandatsbehörde vereidigt. Seine Tältigkeit ist innerhalb der arabischen Gemeinschaft auf sehr scharfe Widerstände gestoßen. Trotzdem hat die Palästina-Regierung ihm keinerlei Beachtung geschenkt und ihn stets respektiert. : Jetzt aber, nach zwanzig Jahren, wird entdeckt, daß er stets geg:en die englischen Interessen gearbeitet hat. Der Mut, diese Mitteilung vorzutragen, fließt wohl aus der Tatsache, daß <iie Amtsentsetzung des Mufti ohne sonderliche Erregung von den Arabern aufgenommen worden ist und daß sieh gewisse Bedenken darüber ergeben habeitu, wie der Mufti ' " ZION. LANDESVERBAND FÜR OESTERREICH Dienstag, den 2. Novamber, 1/2» Utir abds. Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zion. Landesverbandes für Oesterreich: „NACH 20 JAHREN“ Dr. Egon Michael Zweig, Jerusalem: „BOTSCHAFT AUS FESTSAAL DES HOTEL CONTiNENTAL, Wien, EREZ ISRAEL“ Rezitation: Martin Miller Große Bolfour-Feler Die Wühlarbeit des Mufti Der Abgeordnete MoGovem fragte, ob etwas unternommen worden sei, um festzustellen, woher die Mittel für die Terroristenbanden gekommen sind. Der Kolonienminister antwortete, es sei sehr schwer, dies genau zu sagen. Die gewöhnlich vom Mufti verwalteten Gelder stehen jetzt unter der Kontrolle einer eigen« Kommission unter dem Vorsitz eines britisch« Richters. Abgeordneter McGovern: Sind Sie davon überzeugt, daß der Großmufti während seiner ganzen Amtszeit gegen uns gearbeitet hat? — Minister Ormsby- Gore: Jawohl. Auf die Frage des Abgeordneten Wedgwood, ob der Mufti irgend eine Möglichkeit habe, sich nachltalien zu begeh«, erwiderte Ormsby-Gore, das sei ausschließlich Sache der' syrisch« Behörden. Abgeordneter Wedgwood fragte weiter, ob in der palästinensischen Justizverwaltung Änderungen vorg«omm« wurd« und ob es richtig sei, daß arabische Richter gegen das Vorgehen der Regierung in den letzten Woeh« protestieren. Der Kolonienminister erwiderte, er habe davon nichts gehört. Abgeordneter Wedgwood: Ist von irgend einem Einschreiten gegen die Justizbeamt« im Hinblick darauf die Rede, daß sie während der Unruhen des letzt« Jahres bei der Regierung Vorstellungen erhoben haben, und ist im besonderen etwas bezüglich des Staatsanwaltes, eines Schwagers Jamal Bey ei Hussein i s, geschehen? Minister Ormsby-Gore: loh habe kein« Grund anzunehmen, daß der Staatsanwalt nicht vollständig loyal war. Ich habe niemals etwas derartiges gehört. Ich weiß nicht, was Colonel Wedgwood meint, wenn er von Vorstellungen spricht, die die Justizbeamten bei der Regierung erhob« haben sollen. Kriegsrecht wird nicht verkündet London, 24. Oktober. (JTA.) In der Unterhaueeitzung vom Freitag lag eine schriftliche Antwort des Kolonienministers anf eine Anfrage des Abgeordneten Wedgwood vor, warum in Palästina nicht das Kriegsrebht verkündet wurde und ob die britischen Truppen dort zur Verhinderung weiteren Terrors verwendet werden eollen. In der Antwort heißt es: Die Vollmacht« des High Commiseioner von Palästina sind so umfassend, daß sie sich bisher als ausreichend erwies« haben. Es besteht überdies die legale Möglichkeit ihrer Übertragung auf das palästinensische Trupp«-Oberkommando. Eine Verkündung des Kriegsrechtes käme nur in Frage, wenn die Zivilverwaltung vollständig versagen würde. Wed« High Comnvissiooer noch die Militärverwaltung in Palästina sei« aber bisher der Ansicht, daß dies der Fall sei und daß sich eine Proklamierung des Kriegsrechtee als notwendig erweise. Die schwierige Situation Tia Palästina ist aus diesen Mängeln entstanden, die der Minister jetzt zugibt. Die Mandatsregierung ist stets vor dem Radikalismus des Mufti zurückgewichen und sie hat die ernsten Bemühungen vieler arabischer Kreise, zu einer Anerkennung der Balfour-Deklaration und zu einer Verständigung mit den Juden zu gelangen, niemals unterstützt. Die arabischen Industriellen und Großkaufleute, die sich den Effendis nur widerwillig fügten, haben die Wirkungen der jüdischen Arbeit für Palästinas Wohlstand sehr gut erkannt und sie hatten kein Interesse, an einer Bewegung, die den Frieden im Lande aufs Spiel setzte, um gewisser Träumereien des Mufti und der Machtstellung der Großgrundbesitzer willen, die ein soziales Erwachen der ausgebeuteten Fellachen fürchten. Aber Industrie und Handel erfuhr keine Ermunterung und die Geltung des Mufti stieg immer mehr an. Daß er dann im Vorjahre die Unruhen und den Streik anzettelte, wurde von der Regierung geduldig angesehen und was er weiter durch den Boykott der Kommission, durch seine Reisen zu Ibn Saud und durch den Kongreß in Bludan an Schaden stiftete, konnte noch immer nicht seine Wertschätzung .beeinträchtigen. Erst als die von ihm .atufgehetzten Exaltados englische Polizeibeamten ermordeten, kam der Verwaltung die Erkenntnis der Wahrheit. Dienstag, 16. November 1937, 7,9 Uhr abends Großer Musikverelns-Saal Konzert des berühmten Oberkantors H. Kusewieki

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