Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 685 (20.10.1937)
- Date
- 1937-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054442--6998-3520145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mlttwocß-Ausgabe t, ■ 3L.i3TK^Ii elirniäS^üMb. 13 8 Nr. MS JÜDISCHE ZEITUNG Wten, HittwMfe, so. Oktober 1937 IS. OmIwm SMS 11. Jahrgang Die Konferenz 4er Jisciraw Führer Jerusalem, 19. Oktober. (JTA.) In der gemeinsamen Sitzung des Waad Leumi, der Mitglieder der Jerusalemer Exekutive der Jewish Agency und der Vertreter der verschiedenen Kreise dee Jisehuw antwortete der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, auf die Angriffe M. M. Ussischkins gegen die Delegation des Waad Leumi in Genf. Er erklärte, die Delegation sei unabhängig gewesen, wem auch im Einvernehmen mit der Jewtsb Agency nach Genf gegangen sei. Ihr Ziel sei es ausschließlich gewesen, der Tätigkeit der arabischen Abordnung in Genf entgegenzuwirken. Der Vonsitzeode des Verbandes jüdischer Landwirte, Mosche Smilansky, verlangte, daß eine besondere Sitzung einberufen werde, in der die Vertreter des Jisehuw ihre Stellungnahme zum Teilungsplan formulieren. Der Rechtsberater der Jewish Agency, B. Joseph, berichtete über die politische Lage. Im weiteren Verlauf der Beratung wurden noch Fragen der Sicherheit, sowie Wirtsohafts- und Bnsiehnngsprobleme besprochen. .. . Pw von Jerusalem, 19. Oktober. (JTA.) Der italienische Rundfunksender in Bari hat seine pro-arabische, anti-englische und antizionistische Propagandatätigkeit unteT den arabischen Ländern des Rahen Ostens wieder in verstärktem Maße aufgenommen. Mittwoch nachts gab der Sender einen tiberblick Über die Lage in Palästina, wobei für Freitag, 15. Oktober, der Ausbruch neuer blutiger Geschehnisse in Palästina angekündigt •wurde. Gleichseitig sagte der Sprecher, es seien Nachrichten eingetroffen, wonach die Palästinaregierung auf alle Eventualitäten vorbereitet sei. 'In einer anderen Sendung aus Bari wurde mitgeteilt, daß Dr. weizmann in kurzem als „König des neuen jüdischen Staates in Palästina auf den Thron erhoben“ werden wird» Die arabische Zeitung „Al Jamea el islamia“ berichtet, daß die Polizei den Italienischen Dampfer „Marco Pol o“, der unweit Jaffas vor Anker liegt, soharf beobachtet. Die Zeitung meldet weiter, daß die Behörden die den italienischen Konsuln in Jerusalem, Jaffa und Haifa gegebenen Erlaubnisse, da« Schiff zu betreten, zurückgezogen haben. Der getötete Bombeiwerfer — Führer der arabischen ,19. Oktober. Wie jetzt festgestellt wurde, handelt es sich bei dem Araber, der in der Nähe des jüdischen Altersheims in Jerusalem einen Bombenanschlag ausführen wollte und dabei ln Stücke gerissen wurde, um den Führer der arabischen Pfadfinder in Jerusalem. Sympathiestreik der jüdischen Kaufleute Warschau, 19. Oktober. Heute von 8 übr früh bis mittags war eine Anzahl von jüdischen Geschäften geschlossen, um dagegen zu protestieren, daß den jüdischen Studenten in den Hochschulen abgesonderte Sitze zugewiesen wurden. Eine Anzahl von Kaufleuten, insbesondere die Besitzer der großen Warenhäuser, haben sich diesem Proteststreik nicht angeschlossen. Al arm zu st and in Jerusalem aufgehoben. Mandatsregierung im Kampf gegen die Rebellion Jerusalem, 19. Oktober. (Reuter.) Der Alarmzustand ist heute aufgehoben worden. Die Behörden scheinen an eine Besserung der Lage zu glauben. Heute hat die Polizei Maßnahmen zur Verstärkung des Ordnungsdienstes in der Altstadt getroffen. Große Eisentore wurden ln Auftrag gegeben, um die Schließung der sechs Stadttore aus dem Mittelalter sicherzustellen. Ela Ausnahmeerlafi Die Regierung hat einen Ausnahmeerlaß veröffentlicht, der eine Liste der Häuser Im Gebiete von Jerusalem, HebronundLydda enthält, die für den Fall der Erneuerung der Terrorakte mit Dynamit ln die Luft gesprengt werden. Die Strafmaßnahmen enthalten auch die Zahlung einer Geldbuße von 2000 Pfund Sterling, deren Einhebung in Form von Getreide, Vieh usw. bereits begonnen hat. Überdies müssen sich in Hebron täglich 30 Ortsbewohner hei der Polizei melden. In Lydda haben die Bewohner den Auftrag erhalten, 22 Stunden im Tag in ihren Häusern zu verbringen, zwei Stunden werden Ihnen für Einkäufe bewilligt. Diese Verfügung wird bis zur Zahlung der ersten Quote der Geldstrafe an dauern, die die Behörden über die Gemeinde nach der Brandstiftung auf dem Flugplatz verhängt haben. FenerüberfaU auf eine jüdische Kolonie Im Süden Jerusalem, 19. Oktober. In der vergangenen Nacht fand gegen eine im äußersten Süden Palästinas liegende jüdische Kolonie eine 40 Minuten dauernde Schießerei statt. Die Polizei hat sofort Verstärkungen an Ort und Stelle entsandt. Die Ordnung wurde wieder hergesteilt. Bei Gaza wurde aut dem Bahnkörper «ine Mine entdeckt i liefe gemacht, knapp bevor der ägyptische Schnellzug aus Haifa die Stelle passierte. Wenn die Mine nicht gefunden worden wäre, hätte es zweifellos ein schweres Unglück gegeben. Hausersprengungen Jerusalem, 19. Oktober. Als Vergeltungsmaßnahme für den Überfall auf die Polizeistation in Daharia bei Hebron wurden vom englischen Militär heute vormittags drei Häuser in Daharia in die Luft gesprengt. Das Dorf war während der Nacht von den englischen Truppen umzingelt worden. Bei Anbruch der Dämmerung verlangte ein englischer Polizeioffizier die Auslieferung der aus der Polizeistation geraubten Waffen- und Munitionsvorräte. Als diese trotz hingehender Durchsuchung des ganzen Dorfes nicht gefunden wurden, sprengten englische Pioniere drei Hänser in die Luft, worauf sich die Truppen unter Hinterlassung einer starken Wache zurück zogen. Weitere Vergeltungsmaßnahmen sind geplant und sollen so lange fortgesetzt werden, bis die Waffen ausgeliefert worden sind. Gleichzeitig wurden auch in dem berüchtigten Dorfe L i f t a, in der Nähe von Jerusalem, Hausdurchsuchungen durchgeführt. Ela neuer arabischer Ausschuß? Jerusalem, 19. Oktober. Nach Mitteilungen aus den arabischen Kreisen Jerusalems Ist ein neuer arabischer Ausschuß ln Syrien in Bildung begriffen, dem die geflüchteten Mitglieder des ehemaligen Ausschusses von Palästina und fünf arabische Nationalisten aus Irak, Ägypten, Syrien und Libanon angehören soffen, die an dem im September in Blndan bei Damaskus abgehaltenen Kongreß teügenommen haben. Der Mufti in Damaskus in Haft ., 18. Oktober. (Reuter.) Wie aus askns gemeldet wird, befindet sich Mufti dort noch in Polizeiahrsam. Es stehe noch nicht fest, oh seine Festnahme wegen mangelnden Visums oder zum Zwecke der Auslieferung an die englische Mandatsregierung erfolgt sei. Vor seiner Flucht hat der Mufti ein Manifest an die Araber Palästinas erlassen, in welchem er sie auffordert, nicht zu verzweifeln, sondern den Kampf Ms zur vollkommenen Befreiung fortzusetzen. Die französischen Kolonialbehörden verfolgen mit größter Aufmerksamkeit die Nachrichten aus Syrien. Man befürchtet ein Übergreifen der palästinensischen Unruhen, weil der Großmufti von Jerusalem nach Beirut geflüchtet ist. In Damaskus hat es in Zusammenhang mit einer Sympathiekundgebung für die Palästina-Araber bereits Unriffieä gegeben. Frankreich wird daher den Groß lassen Syriens a ifforde Regierung übernimmt die Verwaltung des mohammedanischen Religionsfonds Jerusalem. 19. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Regierung die Verwaltung des Wakf., des mohammedanischen Religionsfonde, über den der Mufti bis zu seiner Absetzung zu verfügen hatte, selbst übernommen hat. Da« Mitglied dee obersten mohammedanischen religiösen Gerichte®, Scheich Emin E f f e n d i, wurde zusammen mit einer größeren Anzahl von Scheichs und Ulemas Palästina und Mittelmeer In Jerusalem ist gestern (Dienstag) der Alarmzustand aufgehoben worden, was als Zeichen dafür zu gelten hat, daß die Mandatsverwaltung die Lage für gebessert ansieht. Ob sie mit ihrem Optimismus recht behält, läßt sich aus der Feme nicht beurteilen. Die gestern hier eingelaufenen Meldungen scheinen freilich eher darauf hinzudeuten, daß die Revolte noch nicht abgeklungen ist. Immerhin ist der vielfach angekündigte Ausbruch eines arabischen Massenaufstandes nicht erfolgt und die Trnppenmacht, die im Vereine mit der verstärkten Polizei die wichtigsten Punkte und Verkehrswege unter Aufsicht hält, scheint den Wagemut der Exaltados doch ein wenig abgekühlt zu haben. Im Augenblick liegt noch im Lande die ganze Angelegenheit in den Händen des Militärs und es ist noch nicht der Zeitpunkt gekommen, ihre politischen Auswirkungen zu überprüfen. Dies wird erst, möglich sein, wenn vollkommene Ruhe eingetreten sein wird und wenn die Hintergründe dieser Erneute aufgehellt sein werden, in die unverkennbar ausländische antienglische Einflüsse hineinspielen. Die Palästina-Frage ist in schmerzlicher Aktualität in das Blickfeld der Weltpolitik getreten. Wieder ist Englands Macht und Ansehen engagiert und dies nicht allein auf dem Gebiet Vorderasiens. Palästina gehört Zu den Mittelmeerproblemen, und wenn England lange Zeit hindurch geglaubt hatte, dort allein nach den Grundsätzen der Ausbalancierung zwischen seinen Suez- und Indieninteressen und den Mandatsverpflichtungen handeln zu können, so wird es jetzt daran erinnert, daß es neben England auch noch andere Mächte gibt, die an das Mandat denken und an den Zusammenhang aller politischen Fragen. Frankreich beobachtet mit angestrengtester Aufmerksamkeit den Ablauf der Dinge und ist ans einem zuschauenden Nachbar zu einem direkten Interessenten geworden. Schon während dsr Vorgänge um den Teilungsplan war die Stellungnahme Frankreichs durch seine mohammedanischen Rücksichten beeinflußt. Nunmehr Ist Frankreich durch die Anwesenheit des aus Jerusalem geflüchteten Mufti und durch die in Damaskus sfcattfindenden Beratungen zur Bildung eines neuen arabischen Komitees in unmittelbare Berührung mit der Frage geraten. Die politische Entente mit England wird wohl auch auf diese Angelegenheit ausgedehnt werden, was anderseits wieder eine Steigerung der Aktivität Italiens herbeiführen wird, das in dem Palästina-Konflikt eine proarabische Stellung bezogen hat. Die italienische Presse übt eine sehr scharfe Kritik an dem Vorgehen der englischen Behörden und an ihren rigorosen Maßnahmen. Es ist sehr richtig, wenn eine Anzahl englischer und französischer Blätter daran erinnert, wie energisch Italien nach dem Attentat auf den Vizekönig von Abessinien durchgegriffen bat. Die italienische Regierung selbst hat bislang keine Erklärung abgegeben, aber die Zeitungen, insbesondere da« führende „Popolo d'Italia“, weisen deutlich auf das Mandat hin und betonen daß kein Mandat solche Repressalien wie Häusersprengungen rechtfertigen könne. In dieser Hervorhebung liegt der klare Hinweis auf den internationalen Charakter des Mandats und es zeichnet sich die Möglichkeit eines Junktims der Palästina- Wirren mit der spanischen und der abeasinischen Frage ab. Unter diesen Umständen ist das Projekt der Teilung in den Hintergrund getreten. Es ist völlig fraglich, wann die von England angekündigte neue Kommission ihre Arbeiten wird aufnehmen können. Durch die Auflösung des Obersten arabischen Komitees ist auf arabischer Seite kein Verhandlungsfaktor zugegen. Die arabischen Staaten zeigen viel Lust, sich wieder in die Besprechungen einzuschalten, und vielleicht ist bei ihnen auch der Gedanke maßgebend, die Amtsentsetzung des Großmuffi zu benützen und als vollzogene Tatsache gel- ..U«. Wenn dies richtig/ist, verhängte Ausnahmezustand aufgehoben entstünde eine völlig neue Situaworden war, 24 Araber verhaftet und nach tion, deren Präjudiz England selbst ge- Akko gebracht. I schaffen hat, als es im Vorjahre die Inter-