Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 683 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Amman 1× ep/1044017
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9k ^Stimme 15 t Nr. 683 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Frtttag, IS. Oktober 1937 io. Cbescbwan 5698 Die Wiener „arische Ausstellung" Wie berichtet, beabsichtigt die Ortsgruppe Alsergrund des österreichischen Gewerbebundes anfangs Dezember im Saal „Zum Auge Gottes“ in der Nußdorferstraße eine Ausstellung gewerblicher Erzeugnisse ihrer Mitglieder unter dem Titel „Christen, kauft nur bei Christen!“ zu veranstalten. Zwecks Vorbereitung und Durchführung dieser Werbeschau fand, wie die „Wiener Neuesten Nachrichten“ melden, eine Besprechung der Interessenten statt, in welcher der Obmann der genannten Ortsgruppe, Stadtgewerberat S p a k, den Zweck der Veranstaltung erläutert. Sie soll dem „arischen“ Publikum Gelegenheit geben, die Erzeugnisse der bodenständigen Gewerbetreibenden kennenzulernen und ihre Einkäufe namentlich zur bevorstehenden Weihnachtszeit bei diesen zu besorgen. Die Ankündigung hat in allen Kreisen der jüdischen Kaufleute Empörung hervorgerufen und in zahlreichen Briefen, die uns zugekommen sind, wird darauf hingewiesen, daß diese offene Anleitung zum Boykott bisher noch nicht die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden erregt hat. Es ist zu fragen, wie denn der jüdische Kaufmann seine Pflichten als Steuerzahler erfüllen soll, wenn so ganz unverblümt über ihn der Boykott verhängt wird. Der Zweck der Ausstellung, so wie er . erläutert wurde, ist . eie Vergehe» sämtliche Gesetze und die jüdische Bevölkerung fordert Schutz gegen derartige Übergriffe. Die Regierung ist gegen die Nationalsozialisten, die in Oberösterreich den Boykott gegen Nichtnationalsozialisten, also gegen Staatstreue, propagierten, sofort und scharf vorgegangen. Jeder Boykott ist auch ein Anschlag gegen alle Bemühungen, die Arbeitslosigkeit zurückzudrängen. Die in Wien geplante Aktion ist nichts anderes. Die Stimmung für solche Veranstaltungen wird vorbereitet durch Organisationen, die trotz aller in der Verfassung garantierten Gleichberechtigung mit Hilfe der unsinnigsten Parolen zu Haß und Verachtung aufreizen. Da ist in erster Linie der Antisemitenbund zu nennen, dem kürzlich die Berechtigung erteilt worden ist, ein Abzeichen zu tragen. Sein Obmann ist der bekannte Obermedizinalrat Dr. Jerzabek, der schon im alten österreichischen Parlament durch seine zügellose Agitation aufgefallen ist. Er hat dieser Tage in einer Versammlung ausgeftihrt, daß Juden und Bolschewiken identisch seien. Ihm schloß sich ein Mann namens Endemann an, der sich zu der Jorderung verstieg, daß die jüdischen Betriebe durch Vertrauenspersonen des Staates, das heißt der arischen Bevölkerung. überwacht werden. Ein anderer Mann erklärte es als Ziel des Antisemitenbundes, in Österreich den Staatsantisemitismus zu erreichen. Die Versammlung wurde, wie die „Wiener Neuesten Nachrichten“ berichten, mit dem Schwurlied des Antisemitenbundes geschlossen. Dbd Wunsch eines der Redner, es solle weit Uber die Grenzen Österreichs bekannt werden, daß hier der Antisemitismus erwacht sei, wollen wir besonders verzeichnen. Das Judentum des Auslandes, insbesondere der angelsächsischen Staaten, wird diese Forderung des Bundesführers Peter zur Kenntnis nehmen. Schwaches Erdbeben In Jerusalem Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) In Jerusalem wurde am letzten Dienstag mittags ein schwacher Erdstoß verspürt. Jüdische Hilfspolizei im Kampf Arabischer Überfall mrückgesdilagen Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) Auf die Kolonie G o r d o n i a bei Chedera wurde von arabischen Terroristen ein Feuerüberfall ausgeführt. Mehrere Schüsse drangen in den Speisesaal der Siedlung ein. Hilfspolizei erwiderte das Feuer und vertrieb die Angreifer. Verletzt wurde niemand. Ausnahmszustand in Safed In Nordpalästina setzen die Behörden die scharfen Maßnahmen zur Unterdrückung des arabischen Terrors fort. Für die Umgehung von Safed, wo es in den letzten Tagen wieder zu Gewaltakten gekommen ist, wurde ein vierundzwanzigstündiger Ausnahmszustand verhängt. Das Gebiet wird von Polizeiabteilungen nach Verstecken arabischer Banden abgesucht. — In Akko haben die Behörden 30 einflußreichen arabischen Kaufleuten bekanntgegeben, daß sie auf Grund der Notverordnungen für Zwischenfälle in der Gegend haftbar gemacht werden würden. Eisenbahnzug in die Luft gesprengt Jerusalem, 14. Oktober. (Reuter.) Ungefähr 30 Kilometer nordöstlich von Jaffa bei K a 1 k i 1 i j e wurde ein Eisenbahnzug der Linie Haifa—Lydaa durch eine Mine in die Luft gesprengt, wobei drei Reisende getötet und zahlreiche andere verwundet wurden. Nach der Explosion wurden zahlreiche Schüsse abgefeuert. In der Nähe von Jerusalem wurden auf einen jüdischen Autobus dreißig Schüsse abgegeben, wodurch fünf Personen verletzt wurden. Ein Araber wurde getötet, als er eine offenbar für einen jüdischen Omnibus bestimmte Bombe werfen wollte, die in seinen Händen explodierte. Beide Anschläge erfolgten fast zur gleichen Zeit. Palästina-Kommission verschoben? London, 14. Oktober. (JTA.) Einer Meldung des „Manchester Guardian“ zufolge soll die neue, zur Erhebung von Tatsachen nach Palästina, zu entsendende Kommission ‘" VstA-A-* »erfährt antreten. Bisher ist noch kein einziges Mitglied der neuen Kommision ernannt worden. Die Verzögerung, so wird in dem Blatt erklärt, scheine auf zwei Ursachen zurückzuführen zu sein: die Arbeit der Regierung an der Niederkämpfung der arabischen Mordkampagne in Palästina und den Tod Lord Peels. Lord Peel wäre sicherlich in die Kommission entsandt! worden. Es war stets die Absicht der Regierung, daß ein Mitglied der ursprünglichen Kommission auch in der zur Sachenerhebung bestimmten Körperschaft mitarbeiten solle. Wortführer der Araber Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt,, daß der Vorsitzende der Arabischen Verteidigungspartei und ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey N a shashibi, dem Vorschlag der Regierung zugestimmt hat, daß er vor der neuen Palästina-Kommission den Standpunkt der Araber vertrete. Damit bestätigt sich die allgemein verbreitete Ansicht, daß Nashashibi nach der Amtsentsetzung des Mufti Wortführer der palästinensischen Araber werden wird. Heues Handelszentrum in Tel-Aviv Tel-Aviv, 14. Oktober. (JTA.) Auf dem großen Terrain gegenüber dem Tel-Aviver Elektrizitätswerk wird jetzt ein neues Geschäftszentrum erbaut. Elf Dunam wurden der Stadtverwaltung zum Zweck der Errichtung einer Zentralremise und Station für die städtischen Autobusse, die die Stadt mit den Siedlungen in der Umgebung verbinden, übergeben. Auf dem Rest des Grundstückes werden große Gebäude mit sechzig Geschäftslokalen errichtet. Die Geschäftslokale sind an Großkaufleute verkauft worden, der Kaufpreis wird innerhalb von zehn Jahren in monatlichen Raten abgetragen. Die Autobusstation muß bereits in nächster Zeit gebaut werden. Das Gebäude wird, wie die Architekten den Vertretern der Presse mitgeteilt haben, das größte von Tel-Aviv sein. Der Bau wird der Tel-Aviver Wirtschaft zweifellos einen starken Auftrieb verleihen. Hunderte Arbeiter werden sieben Monate lang beschäftigt sein. Arabischer Dorfbürgermeister ermordet Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) Der Muchtar des Dorfes J a u n e h bei Rosch Pina, Haj Suleiman Ta min, ist von arabischen Banditen beschossen und so schwer verletzt worden, daß er seinen Verletzungen erlag. Man nimmt an, daß der Anschlag erfolgte, well der Muchtar ln freundschaftlichen Beziehungen zu den Juden stand. Im Zusammenhang mit der Tat wurden siebzehn Araber verhaftet Rücktritt eines Staatsanwalts Staateanwalt Musea ©1 Alami, deT seit 1935 dom juristischen Department der Palästinaregierung angehört, bat sein Amt niedergelegt und sich nach Syrien begeben. Eß konnte noch nicht festgeetellt werden, ob sein Rücktritt mit der angeblichen Absicht der Regierung im Zusammenhang steht, Dieziplinarmaßnahm e n gegen diejenigen arabischen Beamten zu ergreifen, die eich während der Unruhen 1936 in einem Memorandum für die Forderungen der arabischen Nationalisten eingesetzt haben. Schaffung einer neuen arabischen Vertretung? Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) „Dawar“ berichtet, daß Verhandlungen mit arabischen Notabein der gemäßigten Richtung über die Einsetzung einer neuen arabischen Vertretungskörperschaft aufgenommen wurden, die an die Stelle des aufgelösten Obersten Arabischen Ausschusses treten soll. Die Einmengung arabischer Staaten London, 14. Oktober. (JTA.) Der Versuch der arabischen Staaten, sich im Zusammenhang mit den jüngsten Regierungsmaßnahmen in die Verhältnisse in Palästina einzumengen, wird mit besonderer Schärfe von der „Birmingham Post“ zurückgewiesen. „Wenn die Herrscher des Irak, Saudi- Arabiens und des Jemen appellieren, wird dieser Appell sehr ernsthaft geprüft werden. Dennoch ist es unwahrscheinlich, daß ihr Appell eine wesentliche Änderung der Methoden herbeiführen wird, die Englend, wenn auch spät und zögernd, anzuwenden gezwungen war, um den Frieden in Palästina zu wahren. Das Colonial Office kann die Prämissen dieses Appells, daß die Maßnahmen der letzten Woche politische oder religiöse .Verfolgung' bedeuten, nicht akzeptieren. Noch weniger kann das Foreign Office die Schlußfolgerung des Appells akzeptieren, daß das Wohlwollen des Irak und Saudi-Arabiens und Jemens (gemeinsam oder einzeln'! für England mehr bedeuten, als Wahrung des Friedens in Palästina und Aufrechterhaltung des britischen Einflusses im Naben Osten.“ Englische Meldung über den Sender von Bari London, 14. Oktober. (JTA.) „Daily Herald“ berichtet, daß die italienische Propaganda unter den Arabern, die insbesondere durch den Rundfunksender in Bari betrieben wird, in der letzten Zeit nahezu den Charakter einer Aufreizung zu Gewalttaten angenommen hat. Im Zusammenhang mit den jüngst von der Palästina-Regierung gegen die extremistischarabischen Führer ergriffenen Maßnahmen verbreite der Sender falsche Gerüchte, die in den arabischen Ländern eine englandfeindliche Stimmung erzeugen sollen. Das Blatt weiß auch zu berichten, daß die arabischen Extremisten in Damaskus^ engste Beziehungen zu dem italienischen Konsulat in Damaskus nahestehenden italienischen Kreisen unterhalten. Wahabiteneinfall in Trans- Jordanien Mailand, 14. Oktober. (JTA.) Der Jerusalemer Korrespondent des „Corriera della Sera“ aus Amman meldet, daß Wahabiten-Abteilungen die transjordanische Grenze überschritten und einen transjordanischen Grenzposten angriffen. Ein britisches Militärflugzeug soll von Wahabiten abgeschossen und verb r a n n t worden sein, wobei sämtliche Insassen ums Leben gekommen sein sollen. Daraufhin hätten die Militärbehörden motorisierte Abteilungen und eis« Flug* wng*Wfei ijiteendet. - -;■ Fast 5 Millionen Pfund über* schüsse in Palästina Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) Im Monat Mai hai die Palästina-Regierung 381.990 Pfund eingenommen und 442.959 Pfund ausgegeben. Auf gewöhnliche Ausgaben entfielen davon 390.042 Pfund. Der Verwaltungsüberschuß betrug am 31. Mai 4,872.573 Pfund. Besserung im Befinden Bronislav Hubermans London, 14. Oktober. (JTA.) Nach einer Meldung aus P a 1 e m b a n g ist in dem Befinden Bronislav Hubermans, der bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus, in das er nach seinem Flugzeugabsturz gebracht wurde, an einer Lungenentzündung erkrankte und eine Zeitlang sogar in Lebensgefahr schwebte, eine Besserung eingetreten. Der aus Batavia berufene Spezialist hofft auf die baldige Genesung des Künstlers. Huberman hat bereits endgültig darauf verzichtet, seine Konzerttournee fortzusetzen und wird gleich nach seiner vollen Genesung nach Europa zurückkehren. Reise nach Brünn und in die Macocha Der Zionistische Landesverband beabsichtigt, bei genügender Beteiligung am 31. Oktober und 1. November (Sonntag und Montag — Feiertag) eine Autobusreise nach Brünn und ln die M ac o c h a zu unternehmen. Am Hin- oder Rückweg kann auch Nikolsburg (Jüdisches Zentralmuseum) besucht werden. Anmeldungen telephonisch U 22-2-11 oder mündlich im Büro des Zionistischen Landeskomitees, I., Marc-Aurel-Straße 5, bis längstens 20. d.