Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 681 (11.10.1937)
- Date
- 1937-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9ia ^Stimme V,b,b. 10 S JÜDISCHE ZEITUNG WI«n, Montag, U. Oktober 1937 6. Cbosebwan {698 IX. Jahrgang me Vorgänge in Palästina Regierung beherrscht die Lage London, 10. Oktober. (JTA.) Nach den Wer vorliegenden offiziellen Berichten Ist es außer Zweifel, daß die Palästina-Regierung die Situation durchaus beherrscht. Nach der Verhaftung und Deportierung der Hauptschuldigen sei mit der Möglichkeit eines Ausgleichs in Palästina zu rechnen, da die arabischen Massen keineswegs den unnachgiebigen Standpunkt der beseitigten Führer teilen. Die Entsendung der neuen englischen Untersuchungskommission gilt hier als gesichert, wenngleich der Zeitpunkt ihrer Abreise noch nicht feststeht. Es sind durch die palästinensischen Behörden bereits vorbereitende Untersuchungen für die Arbeit der Kommission in Angriff genommen worden. Insbesondere gelten diese Untersuchungen den Bewässerungsmöglichkeiten im Lande. Erst nach ihrem Abschluß wird es möglich sein, den Zeitpunkt der Abreise der Kommission festzusetzen. In maßgebenden Kreisen verlautet, daß zum Vorsitzenden der neuen Kommission der frühere britische Botschafter in Berlin und Madrid, und stellvertretende Vorsitzende der Kgl. Palästina-Kommission, Sir Horace R u m b o 1 d, als Nachfolger des vor einigen Tagen verstorbenen Lord Peel ernannt werden wird. Rumbold steht im 68. Lebensjahr. Der Mufti Jerusalem, 10. Oktober. Der Großmufti von Jerusalem wird in der Omar-Moschee noch immer scharf bewacht. Um ihm jede Verbindung mit der Außenwelt unmöglich zu machen, hat die Polizei die Telephondrähte, die zur Omar-Moschee führen, durchschnitten. Dennoch weiß Reuter zu melden, der Mufti hafte an die arabischen Fürsten Ibn Saud, König Ghasi vom Irak und Iman Yabija vom Jemen telegraphiert und sie ersucht, unverzüglich bei der britischen Regierung dahin zu intervenieren, daß den palästinensischen Arabern Gerechtigkeit widerfahre. Bewachung der Libanon' Grenze Die palästinensisch-libanesische Grenze steht, nachdem 17 verhaftete palästinensische Araber, unter ihnen mehrere Notabein, einen Fluchtversuch nach Libanon unternommen hatten, unter erhöhter polizeilicher und militärischer Bewachung. Debatte in der Labour Party Bournemouth, 10. Oktober. (JTA.) Auf der Jahreskonferenz der britischen Labour Party in Bournemouth gab während der Debatte über dem Parlamentsbericht der Führer der Parlamentsfraktion der Partei, Major Clement Attlee, die Erklärung ab, die Abgeordneten der Labour Party würden weiterhin die Entwicklung der Dinge in Palästina aufmerksam verfolgen. - firKfafifc : die Paäüstia»»debstft* durch M. Rosetti (Poale Zion), der forderte, daß die Labour Party stets auf der Hut sein müsse, damit die Palästmaverwaltung nicht versuche, das „Gleichgewicht“ dadurch herzuetcllen, daß auf der anderen Seite Maßnahmen gegen die Juden eigriffen werden. Der Mufti und seine Helfer seien nicht die wahren Vertreter der arabischen Bevölkerung Palästinas, sondern feudale Großgrundbesitzer, die lediglich eine kleine ZaW mächtiger arabischer Familien repräsentieren. Abgeordneter Tom Williams erklärte, in Palästina gebe es nicht mehr den Juden mit dem Hau&ierersack, sondern den Juden mit dem Spaten, dessen Leistungen im Dienste des Aufbaues des Landes man Anerkennung zollen müsse. Williams übte Kritik an der Regierung, die, obwohl sie die Situation in Palästina wohl kannte, nicht rechtzeitig die geeigneten Maßnahmen ergriffen habe. Er selbst habe in den vergangenen 18 Monaten die Regierung wiederholt darauf aufmerksam gemacht, der Mufti sei für die brutale Vernichtung von Eigentum verantwortlich; der Kolonienminister jedoch habe davon nichts hören wollen. Nun sei er endlich bereit, zuzugeben, daß der Mufti der wirklich Verantwortliche ist Besonders bedauerlich sei, daß erst ein britischer Beamter in Palästina ermordet werden mußte, damit die Regierung in Aktion trete. Nun, da sie zugepackt hat und den Halsabschneidern das Handwerk legen will, wird die Labour Party besonders aufmerkaim darauf achten, daß die Maßnahmen zur Unterdrückung des Terrors bis zum Ende durchgeführt werden. Die bisherige lange Erfahrung hat uns gelehrt, jeder Handlung der Regierung mit Mißtrauen zu folgen. Falls diese Maßnahmen von der Regierung als nur vorübergehender Natur gedacht sein sollen, werden wir, die Arbeiter- Vertreter, darauf achten, daß sie so lange fortgesetzt werden, bis das ganze Problem schließlich doch ein©t fairen Lösung zugeführt wird. Zum Schluß erklärte Williams, nachdem er gesehen habe, wie die Juden aus allen Teilen der Welt nach Palästina gekommen seien, um dort ihr Schicksal selbst zu schmieden, fühle er, daß der englische Arbeiter noch manches ypn den Juden zu lernen habe, Die Stellung des „Jewish Chronicle“ meldet, Sir Arthur Wauchope werde bis November 1941 in seinem Amte verbleiben, so daß die Beendigung seiner Amtszeit mit der Durchführung des Teilungsplanes zusammenfallen würde. Das Blatt spricht die Vermutung ans, daß General Wauchope nach seiner Rückkehr nach Palästina, die für den 20. d. erwartet wird, der Verantwortung für die Sicherheitslage im Lande, sowie seiner Eigenschaft als militärischer Oberkommandlerender enthoben werden wird. Diese Kompetenzen sollen dem Korn-, maridanten Her britischen Streitkräfte ln Palästina, Generalmajor W a v e 11, übertragen werden; Wauchope soll nur die zivileVerwaltungdes Landes führen. Der Verlauf der Ereignisse im Jahre 19% habe bewiesen, daß eine solche Kompetenzteilung für die Wiederherstellung vollkommener Ruhe und Ordnung im Lande von Vorteil ist. Der neue Dfstriktskommissär von Obergaliläa Zum Nachfolger des ermordeten Distriktskommissärs von Obergaliläa, Lewis Andrews, ist der britische Beamte in Transjordanien, Alec Seath Kirkbride, ernannt worden. Oberitommissärs Kirkbride, der 40 Jahre alt ist, steht seit 1921 in britischen Diensten in Palästina und in Transjordanien. In Tiberias ist der britische Jude Blackburne zum Distriktsoffizier ernannt worden. Die Zensur Jerusalem, 7. Oktober. (Reuter.) Von morgen an werden alle in fremden Sprachen geschriebenen Blätter, die nach Palästina kommen, mit Ausnahme jener, Arfein Agyp.tun.dTn 1 a# scheinen, der Zensur unterworfen. Wenn die Blätter unerwünschte Dinge berichten, kann ihr Verkauf untersagt werden. Die Anordnung läßt also gerade die arabische Presse ins Land, gibt aber die Handhabe, die europäische allgemeine und jüdische Presse auszuschließen, wenn sie ,,unerwünschte Dinge“ berichtet oder Kritik übt. „Davar“ gemäß regelt Jerusalem, 9. Oktober. (Paloor,) Das Erscheinen de» „Davar“ wurde heute von der Regierung für zwei Tage verboten. Gründe für diese Maßnahme sind nicht bekannt. Konferenz der arabischen Staaten? Eine arabische Nachrichten-Agentur! meldet aus Bagdad, daß dort Vorbereitungen zur Einberufung einer Konferenz der arabischen Staaten im Gange sind. Der Bagdader Korrespondent des „Telegraph“ berichtet, daß die Presse des Irak in immer schärferer Weise die Maßnahmen der Palästinaregierung zur Liquidierung des Zustandes der Gesetzlosigkeit in Palästina kommentiert. | „F&lastin“ berichtet, die Irak-Regierung habe beschlossen, einen Beobachter nach Palästina zu entsenden, der die ’ politische Entwicklung im Lande während der Untersuchungsarbeit der neuen Palästina-Kommission verfolgen soll. Die Wahl wird wahrscheinlich auf den Rektor der Bagdader Universität, Mufak Alusi, fallen. Irak protestiert „freundschaftlich“ London, 8. Oktober. Reuter meidet aus Bagdad: Die Regierung des Irak hat dem , britischen Geschäftsträger einen freundschaftlichen Protest gegen die strengen Maßnahmen überreicht, die in der vergangenen Woche in Palästina gegen die arabischen Führer getroffen worden sind. Eia arabisches Komitee in Damaskus Der Jerusalemer Korrespondent ues „Daily Telegraph“ meldet, daß in Damaskus ein neuer Oberster Arabischer Ausschuß für Palästina in Bildung begriffen sei. Die Initiatoren der neuen Zentrale der arabischen Terroristen, die von. nun an von Damaskus her wirken wird, sind der aus Palästina geflüchtete Präsident der arabischen Natlonalpartei Jamal e 1 Husseini, gegen den in Palästina ein Haftbefehl erlassen war; ferner Izzat Darwaga. die „rechte Hand des Mufti“, und Auni Bey Abdul Hadi, der der arabischen Delegation in Genf gehört hat. Die indischen Moslems gegen Palästinateilung Kalkutta, 10. Oktober. (JTA.) Auf_ Konferenz indischer Moslems hielt der indisch-mohammedanische Führer Ab du Rahman Siddiqui eine Rede, in de. er sich heftig gegen die geplante Teilung Palästinas aussprach. Schaukat Ali erklärte, _ keines der mohammedanischen Königreiche werde einer Teilung Palästinas zustimmen. Das mohammedanische Indien werde hinter den Arabern Palästinas stehen und kein Opfer schenen, um ihnen in ihrem Kampfe zu helfen. Der RanbfiberfaU in Tel-Aviv Tel-Avlv, 10. Oktober. (Palcor.) Kürzlich begann hier der Prozeß gegen die vier Männer, die in den Raubüberfal! auf einen Bankbeamten in Tel-Aviv verwickelt sind. Ein Polizeiinspektor bezeugte in seiner Aussage, daß er, als er die Männer verhaftete, einen geladenen Revolver in ihrem Besitz fand. flJ T E l. 0PE WHVOHVPARK-iX-0 „Die sich breitmachen" Eine Einladung des „Österreichischen Gewerbebundes zu einer Ausstellung „Christen, kauft nur bei Christen!“, war in der Vorwoche vielfach besprochen worden. Wir hatten darauf hingewiesen, daß hier ein offener Akt der Boykottagitation vorliegt, gegen den der Staat pflichtgemäß zur Wahrung der in der Verfassung niedergelegten Grundsätze einzuschreiten hätte. Die „Reichspost“, das führende katholische Organ, hat die in der Öffentlichkeit geübte Kritik peinlich empfunden. Sie schreibt, der veranstaltende Bund sei nicht die offizielle Körperschaft, die „Bund der österreichischen Gewerbetreibenden“ heißt, sondern eine private Körperschaft, die sogar mit dem Arierparagraphen geschmückt ist. Wir wollen das glaube®, obzwar es immerhin auffällt, daß in der Einladung zff der 'Ausstellung vorgesfehfieben wird, es sei die „Gewerbebundlegitimation mitzunehmen, da das Beitrittsdatum zum Gewerbebund als Beitrittsdatum zur Var terländischen Front gilt“. In der allgemeinen Sprache nennt man das eine Tarnung. Man kann es auch anders nennen. Der weitere Kommentar aber, mit dem die „Reichspost“ ihre Bemerkungen aufputzt, ist keine Tarnung. Das Blatt, das sonst über die Umgehung von Gesetzen und Verordnungen, wenn sie sich in Deutschland gegen die Angehörigen der katholischen Kirche ereignen, sehr ungehalten ist, findet die Parole „Christen, kauft nur bei Christen!“, die doch nur die positive Fassung einer negativen Aufforderung darstellt, ganz in Ordnung. Es ist, sagt sie, „festzustellen, daß es in Österreich das gute Recht der bodenständigen Bevölkerung ist, für ihr Interesse einzutreten und zu werben. Es bestünde vielleicht triftiger Anlaß hiezu, dies mehr zu tun als es geschieht. Ist es nicht auffallend, daß in den Vergnügungsstätten, den Kaffeehäusern, den Theatern, den Dienstag, den 18. Oktober, 8 Uhr abends, spricht Nahum Goldmann zu den Juden Wiens im Großen Musikvereinssaal über Palästina — ein Weltproblem Es geht auch Sie an! Nur mehr wenige Karlen von S 1 bis S 3 bei: Zionistisches Landeskomitee, Wien, /., Marc-Aurelstr. 5, Tel: V 22-2-11. Jüdische Kulturstelle, I., Franz- Josefs-Kai 3, Tel.: R 28-2-36. Buchhandlung Rath, II., Taborstraße 20 a, Tel.: R 45-305. Buchhandlung Mejsirik, Woll- _zeile 6, R 25-4-53._ Ring der Ait-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen.