Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 679 (4.10.1937)
- Date
- 1937-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NATIONALBIBUOTff Zeltsch JÜDISCHE ZEITUNG mm, Dienstag, 4. Oktober 1937 . so. U. Jahrgang „Die Stimme" dreimal wöchentlich! „Die Stimme“ hat sich ihren Platz im jüdischen Publikum erobert. Sie ist in zehn Jahren unermüdlicher Tätigkeit das führende Blatt des österreichischen Judentums geworden und ihre Stellungnahme zu den jüdischen und den allgemeinen Fragen ist vielfach maßgebend und bestimmend geworden. Der Nachrichtendienst der „Stimme“, ihre kritische Einstellung zu den Zeitproblemen, ihr Kampf für das jüdische Recht haben ihr das Vertrauen der jüdischen Leserschaft gewonnen und sie schon vor zwei Jahren veranlaßt, von dem wöchentlich einmaligen Erscheinen zum zweimaligen überzugehen. Die durch die Ereignisse bedingte Notwendigkeit, öfter zum Judentum und für das Judentum zu sprechen, läßt es nurmehr als dringlich ge-' boten erscheinen, unsere aufklärende und berichtende Tätigkeit zu verstärken. Ab Montag, den 11. Oktober, wird „Die Stimme“ dreimal in der Woche erscheinen. Die Erfahrungen, die die Idtwng der „Stimme“ sammeln konnte, berechtigen uns zu der Hoffnung, daß uns die Anhang* IfcMteft und der Dank der Jüdischen Leserschaft treu bleiben werden und daß sie uns helfen wird, unsere Aufgabe durch eine Englands Maßregeln gegen den Terror* Oberstes Arabisches Komitee aufgelöst DIE REDAKTION DER „STIMME“. Cafe Kristall Palästinas Wirtschaft gesund Jerusalem, 1. Oktober. (Palcor.) Im „Dawar“ warnt Heschel Frumkin, der wirtschaftliche Sachverständige der Hifi tadruth, gegen die Tendenz, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes zu übertreibe«. Der Wirtschaftsprozeß sei zwar verlangsamt, jedoch nicht eingestellt worden. Das in der Periode Jänner-September 1937 ins Land geflossene jüdische Kapital habe 4,500.000 Pfund betragen, ausschließlich des nationalen Kapitals, das eine weitere Milten Pfund darstelle. Die Bankdepositen betragen gegenwärtig 17,250.000 Pfund. ln den ersten sechs Monaten des Jahres 1937 hätten die Juden rieht weniger als 3 Millionen Pfund in verschiedenen Wirtschaftszweigen investiert. Jerusalem, 2. Oktober. Am Mittwoch, nach der Leichenfeier für die in Nazareth ermordeten englischen Funktionäre, hat hier eine Aussprache des Chef Sekretärs Battershill, des Vertreters des Oberkonurissärs, mit Generalmajor Wawell und dem Bezirkskommissär Maclaren stattgefunden. In dieser Konferenz wurde über die bisher ergriffen«! Maßnahmen berichtet. Es stad in Nordgaliläa über 200 Personen festgenommen worden. Unter den verhafteten Arabern befinden sieh mehrere moslemische Richter sowie Subhi Khadra, ein berüchtigt« Agitator, der in eng« Verbindung mit dem Mufti von Jerusalem steht. Außerdem wurden 25 Araber in Haifa verhaftet, darunter der Sekretär der Moslem Association und mehrere führende Mitglieder dieses Verbandes. Ebenso wurde ein Predig« der Moschee festgenommen. Sämtliche Häftlinge wurden nach Akko gebracht. Viele Araber, die der Mittäterschaft verdächtig sind, haben die Flucht ergriffen. Weitere Verhaftung«! wurden in Nazareth, Haifa, Jen in, Akko, Nablus und ln einer Reihe von Dörfern in diesem Bezirk vorgenommen. Die Mehrzahl der v«hafteten Araber sind Anhänger des Mufti von Jerusalem. Die meisten Vwhafteten, darunter der Kadi von Tulkarm und der Mufti vonJenin, sind auf administrativem Wege auf drei Monate Gefängnis verurteßt und nach Akko gebracht worden. Die Konferenz faßte sodann Beschlüsse für das weitere Vorgehen. AUe Straßen und Eisenbahnlinien wurden miftttftsdi' besetzt. Die Beschlüsse wurden nach London mitgeteilt, wo Mittwoch abends der Kabinettgrat Zusammentritt. Er «teilte telegraphisch den vom Ministerpräsidenten Chamberlain persönlich Unterzeichneten Befehl, sofort und mit allen Mitteln den Terror zu unterdrücken und die Autorität d« Regierung heraistellen. Demgemäß fanden am Donnerstag ununterbrochene Konferenzen in den Regterungsämtem statt Das Triefdion war den ganzen Tag üb« in Wirksamkeit. Freitag begann die Aktien. Das ganze arabische Geriet, insbesondere die Gegend im Dreieck Jerin, Tulkarm, Nablus wurde unter starke Kontrolle gestellt Militär mit Tanks und Maschinengewehren besetzte alle wichtigen Punkte, ln Jerusalem wurden aße Straßen von schwerbewaffneten Patrouillen hbgealtrift. Eine Kundmachung der Regierung löste das Oberste Arabische jKhmitee aal, das für ungesetzlich erklärt wurde. Der Mufti, der stehta die Omarmoseheef eilfUfe'“ hatte,,wurde **lr-- »““ .•““ >er Mufti abgesetzt Die Mandatsverwaltung hat die MordpoMk des Mufti und der mit ihm verbündeten arabischen Kreise mit scharfen Maßnahmen beantwortet. Der Mufti, der sich noch immer in seinem Asyl in der Omar-Moschee befindet, ist abgesetzt, das Oberste arabische Komitee aufgelöst, die intellektuellen Führer der Revolte in Haft genommen worden und sollen deportiert werden. Die Maßnahmen, die noch durch eine ganze Reihe militärischer Sicfaerungsverfügungen ergänzt wurden, sind nach den bisher vorliegenden Nachrichten im ganzen Land mit Ruhe aufgenommen worden, allerdings die drakonischen Zensurbestimmungen beitragen, die jede Kommentierung der Verordnungen und der Ereignfee untersagen. Das Vorgehen der Behörden ist am letzten Mittwoch in der Sitzung des englischen Ministerrates beschlossen wor- Nach der im Anschluß an die Ermordung des Distriktskommissärs Andrews erfo-lgten Verhaftung von 200 Arabern hatte man sich in Jerusalem den Anschein gegeben, als sei dies die ganze Antwort auf diesen Terrorakt. In Wirklichkeit liefen dauernd Telegramme über weitere Maßnahmen zwischen Whitehall und Jerusalem hin und her, und in der Londoner Kabinettsitzung wurden nach umfassender Diskussion der Lag© die endgültigen Beschlüsse entsprechend den Begründungen Macdonalds gefaßt. Die Haftbefehle gegen die Hälfte der Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees wurden herausgegebem, ehe irgend jemand etwas davon ahnte. Ministerpräsident Chamberlain gab selbst nach der Ermordung des Polizeikommandanten in Nazareth den Befehl, die Autorität der englischen Regierung unter allen Umständen herzustellen. Demgemäß erfolgte die Aktion mit 'artiger Wirkung und die als die Verantwortlichen gen untersagt. Verhaftet wurden die folgende« Araberführ«: Dschemai Hussein!, Achmed Hllmi Pascha (Direktor der Arabischen Bank), Fuad Effendi Sa bah, Jakub Effend] Hussein!, Dr. Hussein! Sabri Effendi und Dr. Cha 1 dI, der Bürgermeister von Jerusalem. Diese Personen wurden nach Haifa gebracht und dort an Bord des Kriegsschiffes „Sussex“ interniert. Sie sollen nach den Seychellen- Inseln im Indischen Ozean deportiert werden. Das Schiff ging nachmittags in See, kehrte jedoch aus unbekannten Gründen nach kurzer Zelt zurück. Die Deportierten wurden auf rin anderes Kriegsschiff gebracht. Während der Umschiffung gelang es dem Dscbemal Hussetoi, dem Voreitz«iden de« Komitees, zu flüchten. Diese Maßnahmen sowie die zur gleichen Zeit über das ganze Land ausgedehnten Verhaftungen sowie das Erscheinen des in Alarmbereitschaft gestellten Militärs rief überall in den arabischen Kreisen tiefste Bestürzung hervor. Doch wurde die Ruhe rieht gestört. Vor der Omarmoschee nahm Militär Aufstellung. Alle Gassen sind abgeriegelt. Es heißt, daß d« Mufti von rin« aus 200 Bauern bestehenden Leibwache umgehen ist, die auf ihn vereidigt ist Er seil auch alle in seinem Besitz in der Moschee befindlichen Korrespondenzen und Dokumente des Arabischen Komitees verbrannt haben. Eine schwarze liste überraschen. EU , . Araber, das Vordringen de/ Macht t des Einflusses des Mufti bis zu einem die Stellung Englands bedrohenden Grad tat kein Prozeß der letzt«! zwei Jahre, sondern eine bis in die ersten Tage der Mandateführung zurückgreifende Entwicklung, di© sich folgerichtig vollzogen bat. Der Mufti, das Protektionskind des ersten Oberkommissärs Samuel, hat aus seinen Machtgelüsten nie ein Hehl gemacht und rieh nur solange vorsichtig zurückgehalten, bis er mit Hilfe Englands Vorsitzender des Obersten Mohammedanischen Rates wurde, dem die reichen Einkünfte des Wakf-Fonds, die mit jährlich 4 Millionen Pfund angegeben werden, zur Verfügung stehen. In der Nahum Goldmann spricht über Palästina - ein Weltproblem im Großen Musikvcrcinuaal am Dienstag, den IS. Oktober 1937, 8 Uhr abends Ein Vortrag von brennendster Aktualität Karten von S 1.— aufwärts bei -. Jüdische Kulturstelle, Wien, 1., Franz Josefs- Kai Nr. 3, Telephon 8 28-2-361 Buchhandlung Lanyl, Wien, I., Kämtnerctraße Nr. 44, Telephon B 25-6-75, Buchhandlung Rath, Wien, 11, Taborstraße Nr. 20a, Telephon R 45-305, Buchhandlung Mejstrilc, Wien, I, Wollseil« # - N«. 6, Telephon R 254-53 Oktober. (JTA.) In einem britisch«! Commtmlqtte wird festgestellt, daß sich d« Terror in den letzten vi« Monaten wied« stark verbreitet hat, so daß gegen einige Personen, die als moralisch verantwortlich für diese Terrorakte anzusehen sind, eingeschritten werden mußte. Die Maßnahmen d« Polizei- und Militärbehörden gegen die arabischen Terroristen «folgen nach einem genauen Plan, d« vor Tagen kn Einvernehmen xrit London aasgearhritet wurde. Den letzten Anstoß zu ihrem energischen Einschreiten dürfte außer d« Ermordung des Distriktskommissars Andrews die Auffindung von „schwarzen Listen“ gegeben haben, die die Namen rin« Anzahl hochgestellt« britischer und jüdischer Persönlichkeiten enthalten, gegen die offenbar Anschläge verübt werden sollt«!. Der unmittelbare Anlaß d« umfassenden Polizeiaktion bisches Ultimatun weichem die Freilassung der zi hundert Araber gefordert wird, die im mit der Ermordung des Distriktskonurissars Andrews am vergangener Palästina-Regiekömnen, daß die britischen Garnisonen ln Ägypten Ir eine etwaige Intervention marschbereit gehalten weiden. Es stad Vorbereitungen getroffen worden, tun im Notfälle kleümre InfanterieabteUungen im Flugzeug von Ägypten nach Plästtaa zu bringen. Eta britisches Regiment, das von Palästina nach Ägypten dirigiert werden sollte, hat im letzten Augenblick den Befehl «halten, ln Palästina zu bleiben. In Palästina steten nunmehr 7500 Soldaten in ständig« sie nunmehr fest entschlossen ist, in Zusammenarbeit mit den militärischen Stellen gegenüber d« arabischen Umsturzbewegung energisch durcteugrrifrii. Wie ernst die britischen VerwaltungsbeUSrdea die Lage ta PalMtaa beurteilen, erhellt daraus, daß In Palästina herrscht Ruhe. Weder Jerusalem, noch in anderen Teilen des Landes haben steh Zwischenfälle ereignet. Die Tore d« Altstadt von Jerusalem und die Umgebung der Moschee w«den besonders scharf von britischen Polizisten bewacht, die jeden Passanten untersuchen. Verstärkte Militärstreifen patroi:ill:«en in der Neustadt und in den Vorn In Jerusalem sind alle arabischen Geschäfte geschtossen. Man nimmt an, daß auch in den übrigen Städten die ararischen Geschäftsleute ihre Läden schließen w«den. Ee schritt hier eine geheime Parole vorzaffegen. Die Dfetriktskommissare sind «mäebtigt worden, unter Strafandrohung die Öffnung der Geschäfte zu vw- In Haifa haben Polizei und Müitär das Revision in der Arabischen Bank Jerusalem, 3. Oktober. (Privat.) Das Gebäude der Arabischen Bank ist den ganzen gestrigen Tag iib« von Polizei und Militär durchsucht worden. Eine ganze Anzahl von Rechnungsprüfern ist damit beschäftigt, alle Bücher durchzusehen. Anscheinend soll festgestellt werden, ob von irgend welchen Konten Geld für terroristische Zwecke überwiesen wurde. Der Präsident der Bank, Hllmi Pascha, gehört zu jenen Führern, deren Deportation angeordnet wurde. In einer amtlichen Bekanntmachung wird erklärt, daß eine Wahl des Großatufti zum Präsidenten des Obersten Mohammedanischen Gerichtshofes ungesetzlich sei. Unter den Geschäftsleuten wird eine lebhafte Propaganda für eine Schließung d« Läden und einen Streik getrieben, «ter dem Protest d« Bevölkerung gegen die V«haftung d« Araberführ« Ausdruck geben soll. Das Leben in Haifa ist normal. In Jaffa sind alle Geschäfte geschlossen, auch im Hafen ruht jede Arbeit. Der Mufti hat eine Kundgebung «lassen, in der « sich gegen eine« Streik ausspricht. In Safed wurde ein Feu«über!all auf das jüdische Viertel v«a«cbt. Es wurde