Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 675 (10.9.1937)
- Date
- 1937-09-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ä Wien, Freitag, 10. September 18g?. — Kr. CT». I OPTIKER KARL SEIDNER II., HoliandstraBe 7 S Fadimännisther Rat S Reiche Auiwahl | Beste Qualität Die Juden in Spanisch-Marokko Tanger, 8. September. (JTA.) Die Lage der Juden in Spanisch-Marokko gestaltet, sieh katastrophal. Die Juden dürfen keine ihrer religiösen Zeremonien öffentlich abhalten. Sogar jüdische Leichtenzttge werden vom Straßenpöbel attackiert und mit Steinen beworfen, so daß die Juden ihre Toten nacht» begraben müssen und der Sarg auf Umwegen zum Friedhof transportiert wird. Gewisse spanische und mohammedanische Gruppen haben besondere Phalangisten-Organisationen zum Zweck antijüdischer Agitation gegründet. Den jüdischen Gemeinden wird ständig von der Franco-Regierung die Zahlung großer Geldsummen a, u f e r 1 e g t, die sie aber infolge des scharfen antijüdischen Boykotts, durch den ihre Mitglieder immer mehr verarmen, kaum mehr leisten können. Die in Spanisch-Marokko lebenden sehr zahlreichen Deutschen wirken bei der Verbreitung der antijüdischen Propaganda mit. Die Haltung der Italiener ist weniger feindselig, doch dulden sie die ungerechten Verfolgungen. PEHSI0H ECKSTEIfl-Seramenni Antisemitische Erpresser in Karpatorußland Prag, 8. September. (JTA.) In dem ostslowakischen Städtchen Humenne, nahe der karpatoni6sischeu Landesgrenze wird seit mehreren Monaten von unbekannten Personen feine gefährliche Hetzagitatkm gegen die dortige jiidwoK« Bevölkerung betrieben. Eine Reihe jüdischer Kaufleute _ erhielt anonyme Briefe, in denen eie aufgefordert werden, an bestimmten Orten große Summen zu hinterlegen, da die anonymen Schreiber sonst die Christen gegen sie und gegen die ganze jüdische Bevölkerung aufhetzen würden. Obwohl die Drohbriefe stets von derselben Stelle aus versandt wurden, gelang es nicht, die Urheber festzustellen. Am 18. Juli nahm die Hetze eine höchst bedrohliche Form an. Als die Dorfbevölkerung aus der Umgebung an die- Restaurant Billet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2*6C II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrüdce) Rings um Palästina Der übereilte Beschluß des 80. Zionisten-1 kongresses, der trote aller Abschwäehungsversuche die Teilung Palästinas prinzipielle genehmigt, trägt rascher, als es vorauszusehen war, böse Früchte, Das Land befindet eich durch die politische Unsieher- ’ it, die der Beschluß von Zürich noch ■stärkte, in einer Wirtschaftskrise- Wie gefährlich aber der politische Schwebezustand ist, da« beweisen die Vorgänge der letzten Tage. Wieder wurden Juden von Arabern ermordet, nicht im Kampf, sondern meuible- ■isch. Keiner der Täter wurde von ler Polizei gefunden. Bei den Arabern ist auch jetzt noch die Blutrache Schwung. Ee vergeht keine Woche, ohne ß aus diesem Anlaß Morde und Totschläge Vorkommen. In den letzten Tagen wurden nun einige Araber tot aufgefunden, ohne daß jemand wußte, wie die Monde geschehen sind. Statt nun die Mörder in den feindlichen arabischen Sippen und Stämmen zu suchen, schloß die Polizei, daß ee i' ' um jüdische Racheakte handle, weil die mordeten Araber zufällig in der Nähe i jüdischen Siedlungen gefunden worden waren, und verhaftete in Chedera 15 Personen, ferner eine Anzahl von Juden in Jerusalem, Tiberias und Tel-Aviv. Die Polizei konnte sich nicht einmal mit Haftbefehlen ausweisen. Sie verhaftete in Chedera einfach auf der Straße jeden „Verdächtigen“ Das gleiche geschah in den Städten. Dort wurden in den Lokalen des Betar die dort zufällig Anwesenden verhaftet. Nach palästinensischem Reiht gibt ... keine Verhaftung ohne richterlichen Haftbefehl, es sei denn, der Täter wird bei der Tat betreten. Obwohl nun keiner der verhafteten Juden bei einem Mordanschlag betreten wurde, verhaftete die Polizei, wie uns aus Palästina berichtet wird, wahllos, was ihr in den Weg kam. Ein Schnellgericht schickte die Verhafteten nach Akko. G < en d ieses Vorgehen der Pol ei muß entschiedenst protc tiert werden. Es wird Sache der Zionistisihen Exekutive sein, hier einzuschreiten. Sie wird insbesondere auf den k r a sn Unterschied zwischen die- Saumseligkeit der Polizei n den Mufti sowie gege m ganzen Lande bekannte oristen hin zuweisen basem Tage zu einer Pilgerfahrt Zusammenhang verbreitete sich das Gerücht, Juden hätten einKreuzent, wendet und entweiht, Dieses Gerücht war bereits tags vor unter der christlichen Bevölkerung verbreitetworden; es hieß, daß im Zusammenhang damit mehrere Juden verhaftet worden seien. Es wurde zu einem „Marsch auf Humennö“ aufgerufen, um an den Juden Rache zu nehmen. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich eine panikartige Stimmung. ... Abg. Dr. Kugel begab sieb sofort nach HumennA um bei den dortigen Sicherheite- und politischen Behörden zu intervenieren. In Begleitung einer au£ allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zusammengesetzten Delegation begab er sich zum Bezirkshauptmann Dr. K o v ä ö, mit dem er eine längere Aussprache über die Vorfälle hatte. Doktor Koväc erklärte dem Abgeordneten und der Delegation, daß er alles anweode, um die Täter zu ermitteln; es seien bereits Spuren der Täter vorhanden. Er versicherte ferner, daß er hoffe, der Täter habhaft zu werden; sie hätten eine exemplarische Bestrafung zu erwarten. Dank dem energischen Einschreiten des Bezirkshauptmannes konnte die Hetze tatsächlich unterdrückt werden. Wir machen unsere geschätzten Leser auf das Inserat der Buchhandlung Rath & Co., II., Taborstraße 30 a, ganz besonders aufmerk- Wie die Dinge heute liegen, ist Wiederaufleben der arabischen Unruhen nicht anzunehmen. Der Jischuw ist aber auf der Hut und wird es besser als die Polizei des Herrn Wauchope verstehen, den Arabern zu beweisen, daß nicht ungestraft ein Scheibenschießen auf Juden veranstaltet werden darf. Er wird auch, wie man hoffen kann, klug handeln und die allerdings stark gereizten Nerven der Jugend besänftigen. Die Entwicklung der vom Züricher Kongreß eingeleiteten Palästina-Politik ist einstweilen nicht zu übersehen. Die Zionistische Exekutive hüllt sich in Schweigen, aber um so redseliger sind die Journalisten. Das Rezept ist einfach. Bekannte zionistische Forderungen werden neu frisiert und im Anschluß an Interventionen Weidmanns wieder einmal gemeldet. So berichtet Herr Geoffry Gi 1 lingstone, London, im „Brünner Tagesboten“ über Audienzen Weizmanns bei Eden und Chamberlain, wiederholt — übrigens unvollständig — die Forderungen Wefemanns nach Verbesserung des Teilungsvorechlages, erzählt lang und breit, wer Anspruch auf einen jüdischen Paß haben wird, und behauptet, die Mandatskommission werde an „alle Länder der Welt die Frage richten, welche Meinung sie über den jüdischen Staat hm allgemeinen haben, besonders aber, wie sie sich den in ihrem eigenen Lande lebenden jüdischen Einwohnern gegenüber nach der Schaffung des jüdischen Staates zu verhalten gedenken. Der Völkerbund wolle damit allfälligen Versuchen vorgreifen, die nach der Schaffung des jüdischen Staates aus den jüdischen Auslandsbewohnem Minderheiten machen möchten. Der an die Regierungen der Welt gerichtete Fragebogen werde dann als Grundlage für die Maisitzung des Völkerbundes dienen, bei der aller Wahrscheinlichkeit nach die Bildung des arabischen und des jüdischen Staates als erfolgt erklärt werden wird.“ Wir glauben, daß es im Augenblick nicht sehr interessant ist, sich mit derartigen Nachrichten, die von keiner besonderen Sachkenntnis zeigen und überdies oft das Produkt JoorMlMKlffr Phututo Slddy Landesberg Walter Feldstein Verlobte oder Effekthascherei sind, abzugeben. Augenblick steht es ja keineswegs fest, ob es in absehbarer Zeit überhaupt zu einet Durchführung irgend eines Teilungsplanes kommen wird. Seit der Unterhauadebatte, der Rede Samuele kn Oberhanse und ins-, besonder« seit der Tagung der Jewish j den. In dieser Richtung sollten kluge Mto- Agency und den letzten Terrorakten scheint' ner blicken und kühne Männer marschieren, manches Teilungekonzept in den Papier-1 An diesem Artikel ist zunächst die Skepsis korb gewandert zu sein. Es ist auch durch-; bezüglich der Möglichkeit der aus unangebracht, wenn man auf jüdischer Umsiedlung der Araber Seite immer wieder Spekulationen nach-' dam Xerritorium deg judenstaatas in ' .. . .... , _ ... 1 das arabische Gebiet bemerkenswert. Ge- Der Jischuw ist keine leblose Sache, die rade die Berufung auf die Möglichkeit einer man Ms zur Entscheidung des Streites ln derartken Umsiedlung war eines der wichder guten Hut eines Treuhänders weiß. tfesten“ Argumente der Ja-Sager auf dem und die daher vor Gefahren gefeit ist Kongreß. Was Churchill unter einem Der Jischuw, das sind 450.000 Menschen „Festhalten an der alten Linie“ und Millionen Pfund investiertes Kapital,) versteht, sagt er nicht klar. Er hält offenbar deren Sicherung Sache des jüdischen Volkes j ist. In seiner Hand allein liegt die Erhaltung oder der Untergang des Jischuw. Man sollte daher die ewigen zionistischen Nörgler fragen, welche besondere Opfer sie für di" Erhaltung des Jischuw gebracht haben und bringen, bevor man ihnen erlaubt, ihre politischen Sprüchlein aufzusagen. j Erst arbeiten und Opfer bringen, nachher erst Reden halten, ist ein Rezept, dessen Anwendung ln der Praxis ein Segen wäre. Die letzte Woche hat zwei bemerkenswerte Erklärungen zur Palästinafrage gebracht. Die eine stammt von Lord H e rt Samuel und wir besprechen sie in einem besonderen Artikel. Die zweite stammt von Winston Churchill und ist in der angesehenen jüdischen Wochenzeitung „The Jewish Chronicle“ erschienen.’1 Es ist ein Beweis für den hohen Standard der englischen Demokratie, daß einer der angesehensten Männer des Empire einen Artikel in einer jüdischen Zeitung veröffentlicht Churchill erklärt unter andern; „daß die Schaffung eines jüdischen und — arabischen Staates in einem kleinen Lande wie Palästina mit der Gefahr eines bewaffneten Konfliktes beladen ist. Es scheint mir fast sicher, erklärt er, daß <’efee elektrische Atmosphäre auf beiden Seiten herrschen wird. Wenn die britischen Streitkräfte zwischen den rivalisierenden Völkern stehen und einen Kordon dazwischenschieben sollen, müßten sie gewiß sehr verstärkt werden. Aber schon jetzt stellt die britische Besatzung in Palästina eine starke Inanspruchnahme für unsere ohnedies sehr kleine Armee dar, und ich frage mich, ob es leicht sein wird, die notwendigen Garnisonen beizuetellen. Churchill ist auch skeptisch hinsichtlich deg Vorschlages, di« arabische Bevölkerung aus dem jüdischen Staat u m z u s i e d e 1 n. Ein solcher Prozeß würde Reibungen hervorrufen und zu Vergeltungsakten führen. Er ist ein fast grenzenloser Ausblick auf gefährliche Zwischenfälle, von denen unter den geschilderten Umständen ein jeder Grund feindlicher Aktion werden oder zum wand für solche genommen werden kann. Idee des Judenstaates fest, glaubt her, daß eine längere Periode der Vorbeeitung unter Aufrechterhaltung des Man-!V< der Proklamierung des Judenstaates orangehen soll. Ist diese Annahme richtig, iann wäre dieser Weg nur gangbar, wenn in dem antizionistischen Beamtenapparat ler Palästinaverwaltung ein Revirement rorgienommen würde, durch das dafür Gewähr geboten wird, daß künftighin Palästina so verwaltet wird, wie es dem Sinn und Wortlaut der Balfour-Deklaration und des Mandats entspricht. Da« bedeutet nach den Feststellungen der Königlichen Komaission, daß die Verwaltung ihre vorlehmste Aufgabe darin sehen muß, den Judenstaat vorzubereiten. Der Krieg in Ostasien und die verschärfte Situation im Mittelmeer machen es nicht sehr wahrscheinlich, daß England gerade jetzt einen entscheidenden Schritt zur Lösung des Palästinaproblems unternehmen wird. Für uns Zionisten ist zwar Palästina die wichtigste Frage. Für England aber ist Palästina auch wichtig genug, es gibt aber im Augenblick dringendere Fragen für das Britische Weltreich. Bei dieser Situation mehren sich die Stimgegen eine weitere Teilungspolitik der Zionistischen Exekutive. Die Argumente gegen diese Politik sagen, daß wir in einer stürmischen Übergangszeit leben und daß sich daher täglich neue Konstellationen ergeben können, zu deren Ausnützung man sich den Weg nicht selbst verrammeln dürfe. Wenn das englische Unterhaus gegen die Teilung sei und Churchill wieder warnend seine Stimme erhoben habe, sei es nicht Aufgabe der Zionistischen Exekutive, auf die Teilung zu drängen. Diese Argumentation ist sicher beachtenswert. Wie die Dinge heute stehen, scheint sich England Zeit lassen zu wollen. Es Hegt daher für uns kein Grund vor, England zu drängen. Wir müssen die Kraft aufbringen, die weitere Entwicklung abzuwarten. Nur so besteht die Möglichkeit, den voreiligen Schritt des 20. Zionistenkongresses wieder gutzumachen. Italien, bemerkt Churchill, wird Gelegenheit haben, für die eine oder die andere Seite^zu intervenieren und die b ~ Der englischen Regierung war es bisher schwer, zwischen Juden und Arabern Ruhe aufrechtzuerhalten, wenn nur sporadische lokale Unruhen und Morde eich ereigneten. Warum sollte sie für fähiger gehalten w— den, die organisierten Armeen Schach zu halten, die bestimmt i diesen beiden unabhängigen souveränen Staaten ins Leben gerufen werden? Von welchem Gesichtspunkt aus immer betrachtet, wird die Teilung nicht von Gewalt weg, sondern direkt in sie hineinfObrem; wird nicht in Frieden, sondern in Krieg enden. Es würde weit besser sein an der alten Linie festzuhadten. Die Araber könnten sehr wohl nach und nach durch das Gefühl zunehmender Prosperität, an der beide Völker teiihabeo, versöhnt werden. Ein ernster, englischer Fehler wurde gemacht, als die fähige englische Gendarmerie, die in den Dörfern lebte und zwischen den beiden Bevölkerungsteilen vermittelnd wirkte, zurückgezogen wurde. Ich würde wünschen, daß dieser Fehler wiedergutge- , macht und die Gendarmerie neuerlich r!i der Aufgabe betraut werde, einen A> gleich zwischen Juden und Ambern am Von größter Bedeutung würde ee se wenn eine direkte Konferenz zv sehen Juden und Arabern f eine bestimmte Zeitdauer di Modus des Zusammenlebens ui die Schlichtung der Konflik übereinstimmend Tegela würde. Wenn auch damit die Probleme der Zukunft nicht gleich gelöet »ein würden, so würde doch 1 BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- ZSnder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, Vn., Zollergasse 5. Tel. B 33402.__ 50.000 Pfund für die Juden in Osteuropa London, 8. September. (JTA.) Der United Appeal for Jews in Poland hat einen Aufruf zur Aufbringung von 50.000 Pfund für konstruktive Hilfeleistung an die notleidenden Juden in Polen und anderen Ländern Osteuropas erlassen. Zur Durchführung des Hilfsprogramms wurde ein Joint Committee gebildet, in dem die Federation of Jewish Relief Organisation« of Great Britain, das Joint British Committee foT the Reconstruction of East European Jewry, der Verband Ort- Ose und der Keren Hatorah Relief Fund vertreten sind. Nazijournalist aus Rumänien ausgewiesen Bukarest, 8. September. (JTA.) Der deutsche Journalist Karl Knecht, der als Vertreter einer politischen Korrespondenz in Berlin seit längerer Zeit in Bukarest tätig war, ist im Auftrag des rumänischen Innenministeriums aus Rumänien a u s g ewiesen worden. Die Generalsiguranza konnte feststellen, daß er sich mehrerer Spionageversuche und insbesondere einer starken Nazipropaganda schuldig gemacht habe. Knecht ist über die Grenze abgeechoben worden,