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Blau-Weiss-Blätter · 1918-09-01 · 2 (9.1918) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
2 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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sprachen . . . Erst um 11 Uhr brachen wir auf. Ich hatte MagnuS Lehmann schon lange bearbeitet und angefleht, mir das Dienst-Zweirad zu borgen. Aber o Schreck! Um 11 Uhr mußte der Schuppen, wo «8 stand, geschlossen sein. Da Hilst kein Sträuben und kein Schrei'n, es mnß und wird geklotzet sei»! Mit langen Schritten und schlenkernden Armen ging es, was das Zeug hielt. Um '/« nach 11 Uhr war ich aus Mühlhausen raus. Wo finde ich einen Wanderstecken? Der Zaun dort? Nein, geht nicht, zu hoch, und Stachcldraht — aber da drüben der Gartenzaun (mit Zwischenraum,, schön anzuschau'n, ein Architekt, der dieses sah, stand an dem Abend sinnend da) und nahm eine Latte, die sich der Länge nach gespalten hatte, heraus, d. h. versuchte cs. Der Aufenthalt, den die dumme Latte, die nicht loSbrechcn wollte, mir verursachte, ärgerte mich. Ich packte mit beiden Fäusten zu, ruck-zng-knacks — nochmal, ich Hab mich furchtbar gegen die Nase geschlagen, — aber sie ist los! Also weitergcklotzt. Die eine Vorstadt ist vorbei, jetzt kommen die Unterführungen. Vor mir ein Soldat, „wohin Kamerad?". „Nach Habshcim." „Und Du?" „Nach Sierenz." „Da hast noch tüchtig zu laufen!" „Will ich auch!" — Weiter — Ich gehe, gehe, gehe, klapp, klapp, schurr, klapp, klapp, schurr. Ich laufe und mein Stecken schurrt den Takt. Ab und zn blicke ich zur Seite, wie schnell ich gehe. Vielleicht 7'/, km stündlich. Vielleicht nur 7, »lag sein auch 8. Die Bälime weichen hinter mir zurück, aber immer.mehr eilen auf mich zp. Und dann kamen cndloS lange Chausseen. Lange, lange Chausseen, linksgebogen, rechtsgebogen, geradeaus. Viele Bäume, wenig Bäume, über freies Feld. Ich gehe, gehe- Kilometersteine sehe ich erst garnicht an, ans Furcht zu wenig gegangen zu sein. Immer weiter. Die Bahn noch immer» auf der rechten Seite. Eigentlich war es doch recht schön. Aber verflucht, dieser Klotz! Sicherlich, wenn ich später daran znrückdente, wird er vergesse» sei» und nur da« Schöne der Zusammenkunft wird in meiner Erinnerung bleiben. So bin ich nie gelaufen. Oft möchte ich stehen bleiben, tue es auch für 1—2 Sekunden, aber dann gleich immer wieder weiter. Einmal fährt mich aus dem Dunkeln ein Hund an — erst nach einer Weile bemerke ich, daß ich,-wahrscheinlich ans plötzlichem Erschrecken, viel rascher gehe als vorhin. Dasselbe passiertmir nach einer Begegnung mit einem Fuhrwerk.... . Habshcim!.... Sierenz! Jetzt rechts abgeschwenkt. Uffhelml Die letzten 6 km über freies Feld. Wieder die Felder, jetzt hellgrau und dunkel, nicht mehr brau» und grün, »nd oben kahle Obstbäumc und gespenstisch hohe Pappeln. Statt der weißen Wolke» mit dnrchlasscndcm Blau jetzt trübes Grau, kauin kan» der Mond . sich gelb ansbreiten. Ich gehe bergauf, bergab, stolpere und eile. Von ferne Hundcgcbell, ein Glockenklang, halb! Noch zehn Minuten, dann schreite ich vorsichtig über den Bach, desien Windungen die Pappeln begleiten, endlich die Wiese. Dreihundert Meter zu weit rechts von meiner Mühle erreicht ich die Landstraße. Ich trete in den Hof. Ziehe die Schuhe von den müden, bereits etwas schmerzenden Füßen, leicht knarrt die Treppe im Dunkeln unter meinem Schritt. Die Zimmertür ist offen. Ich tappe hinein. Rasch die Kleider aufgeknöpft, abgestreift. Verdammt, bin ich müde! Ich klettere ins Bett (oben), decke mich zu; draußen beginnt Regen zu tröpfeln — ein Hahn kräht, jetzt liege ich, noch einer. Ich ziehe die Deck« über de« Kopf und schlafe, schlafe, schlafe. Berlin Sidney HaSkel «s

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