Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schon setzt sich der Zug in Bewegung. Aus den Fenstern winkt man uns dankbar zu, ein letzter Gruß noch, dann ist der Zug vorüber. Wir stehen frierend auf dem regennassen Bahnsteig, packen Körbe und Flaschen und gehen traurig nach Hause. Prag Alex Feig Rudi Danziger —-—Am sv. März haben sie in j)olen unfern Rudi ins Grab ge», legt. Als die Nachricht zu uns kam, daß er nicht mehr am Leben fei, da haben wirs zuerst nicht recht glauben wollen. Dann haben wirs glauben müssen. Aber schwer, ganz schwer ist uns der Gedanke geworden, daß wir den prächtigen schlanken Jungen mit den blauen Auge» nicht mehr Wiedersehen sollten. So köstlich jung ist Rudi gewesen, so froh konnte er sein und wiederum auch ernst und nachdenkend. Und welch zähe Tatkraft hat er besessen. Unsere Hoffnung auf seine Wiederkehr ist zunichte geworden. Rudi ist tot. Er war zwanzig Jahre alt, als er am 9- Blärz frühmorgens seinen schweren Wunden erlag. Ganz sanft ist er eingeschlafen. Er hat ein jüdisches Grab. Wie mir, so wird es vielleicht manchem gehen. Ich habe erst nach Rudis Tod gemerkt, wie lieb er mir gewesen ist. Breslau Richard R. Petz Liebe Blau-weiße Wenn Ihr morgen in der Frühe hinauszieht in den Dswitzer Wald, werde ich gleichzeitig in einer kahlen Schreibstube fitzen und doch bei Euch fein. Ich werde in der Gegend des Kapellenberges rumstreifen; dort werde ich Euch wohl treffen. Seid ftoh! Wenn ihr aber in das Leben der Stadt zurückkommt, dann schaut hin mit offnen Augen. Nicht genug könnt Ihr schauen. Nehmt diese Zeit fest in Euch auf und hallet ste fest für Euer ganzes Leben! Auf einen flüchtigen Blick scheint es» als ob der Volkskörper des herrlichen deutschen Volkes ruhig wäre, zu stolz für den Eifer seiner Feinde, aber vielleicht auch gleichgültig gegen die Gewohnheit