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Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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;v'; ctux&u\i£*?t^tx*&s; > ’- ***rnxt*&3mm &*«i •&&? \ 'i E Bcfrlrief M Br.Ldnii li fflata 48; Janraana. sraimfurf a. M - 19. September 1907. aen 11. Tildirl 5668. M 39. VlyH^B^WKHetzit LiMtkrAch» Av«m«itt»t-r VrwShnüch« Ausgabe Mt. 1.60 vicrteliSdrlich, HestauLgab« auf Mmftdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. tAuSlaudSbeeAr ' m L^Karreich'Nrrgarn 2 Kr., RuAand l Bub., England 2 ah., Amerika 50 cta, Niederlande,4,20 fl.) Abonnementbei «Men Postanstaltm» Bnch-audlnvgen» iowie.-dbM l m' Tflrnnfn" für die sech-seümltene Tolonel-Zeile; Rabat^WMLarif. InseratemWMbme mtt tWch HnaiPtzMn^ AWtt'^« Frankfurt a. M. und deren FMalen. ««et» bei be« «. HMsßm-vW?WM»äM-«W _ Die nächste dummer erscheint wegen des Sukkothfestes erst am 3. Oktober. Ex Oriente lux. (Schluß »>. Zweiftlsohne ist es ein einfaches Rechenexempel, daß bei normal begabten Menschen das erreicht? Wissen dem Aufwand an Zeit und Mühe entspricht, haß. Einseitigkeit größere Erfolge zeitigt. Mit verschwindenden Abnahmen hat ja tatsächlich daS jüngste Jahrhundert der „gebildeten" RaWnen groß: talmuössche Koryphäen nicht bervorgebracht. Allerdings könnte dem entgegenhaUeü werden/^ daß die Zeitläufte der Reform auch ak^inedr. gMdetr Wtzrer. verlangten und daß maymit voller Erkenntnis darauf verzichtete, solche Grüßen auf dem Kebiet der jüdischen^ balachischsn Disziplinen hervorzubringen, um den Heroen der Reform gleichwertige Kämpfer ent zu können. Es wird Sache der jreibung des XIX. Jahrhunderts sein, und Berechtigung dieses Opfers zu ^edetzfälls. steht die eiste Tatsache m± «MMWMWdHäWDMenstve isstinis 4« der" ÄchttstMtttfchen Welt d Aüfhören der Jeschiboth in. Deutschland geschwunden istauch die konfessionellen Mittelschulen vermochten an diesem Resultat wenig zu ändern. Geht man von Deutschland nach Westen, so ist das Bild ein noch trüberesdiese Länder könnten also in gar keinem Punkte zum Vergleich Wgngezygen werden. . Doch im Anklang an das Wort unserer Weisen, daß die Betatigung des Gesetzes unendlich höher steht als das Lernen, ist das zweite dich bereits skiNierten Bedenken von weit größerer Tragweite. In ernstem wiffenschaftlichen Forschen liegt sicher die größte Gefahr nicht,, haben wir ja doch, schon so oft die Rückkehr zur bescheidenen Erkenntnis des Nichtwissens gerade von den Grüßest der Wissenschaft vernommen. Aber Hand arss's Herz) wie steht es hei uns denn mit der llherschaumenden Jugend? Wie viele, oder richtiger wie wenige bleiben der Sphäre unserer Gesinnung in akademtschenKreisen, ja bei denHerrenGymnasiasten erhalten! Bei uns nicht allzu viel, in Rußland fast keiner. Dabei ist es eigentlich ziemlich müßig, zu erwägen, woran das eigentlich liegt. Unsere Weisen sagten für ^solche Fälle, daß man den .-M.Kal^dtr vorige No. des «JSräettt." Geist der Verneinung ins Lehrhaus laden solle, aber nicht zu einem Salon-Schiur (wenn auch natürlich diesem durchaus nicht seine ethische Bedeutung abgesprochen werden soll), sondern in das Beth-Hamidrasch, in das Haus der Forschung, der wirklichen, zeitweise weltentrückten Vertiefung ins Gotteswort. Nun sind die Führer der Gesetzestreuen in Rußland gar nicht so kurzsichtig, daß sie etwa glauben, dieses Mittel wäre unfehlbarsie wissen ganz genau, daß sich auch aus dem edlen Stamme oer Jeschiboth manches wilde Reis entwickelt hat, sagen auch ganz offen, daß schon wahrend des Aufenthaltes auf den Jeschiboth gar mancher Jüngling verderblichen Irrungen anheimfällt. Darum erklären sie-: Wir müssen ein zweites erreichen, wir müssen stetige Kontrolle auch über das Seelenleben der uns anvcrtrauten Söhne haben, Müssen vor allen Dingen glückliche Kinder um uns haben, denn in das Auge des Glücklichen taucht der forschende Blick um so tiefer und erkennt rechtzeitig auch die kleinste Wolke, die Gemüt und Geist des Lernenden Umdüstert. Darum müssen wir, so sagen erfahrene Leiter von Jeschiboth, den Zöglingen in den Jahren des Lernens jede Sorge abnehmen, müssen darauf bedacht sein, daß sie nicht Krethi und Plethi um Unterstützung angehen und dabei vielleicht manches höhnende, absprechende Wort über Jeschiboth und brotlose Kunst des Thorastudiums zu. Hören bekommen. Unsere Kinder müssen sie werden, Ä-iiifltteft Ä BerüntwörtyNg für sie übernehmen, her überhaupt ein sterblicher Vater sich vor Gott und Mensch unterziehen kann. Soweit die Forderung der russischen Rabbinensie bedarf in einigen Punkten der Ergänzung. Ziehen wir die Gärung in Rußland selbst in Betracht, bedenken wir ferner das furchtbar schwere Problemfür eine Uebergrmgszeit das Richtige zu finden, so wären für die : nächsten zehn Jahre als profane UnterrichDgegenstände zu fordern: Landessprache bis zur Fertigkeit im schriftlichen Ausdruck (analog dem Lehrprogramm unserer Volksschulen), Rechnen mit besonderer Berücksichtigung des kaufmännischen Rechnens, Buchführung, die Grundzüge der Geschichte des russischen Reiches und Gesetzeskunde. Jedoch — und das ist unabweislich — müssen diese profanen Gegenstände von einem Manne gelehrt werden, dessen religiöses Leben vor' allen Dingen über jeden Zweifel erhaben fein muß, der aber auch — und das wäre gerade fiir die Ueberaüngszeit von unschätzbarem Werte — in einigen Wochen stunden talmudrsche Disziplinen unterrichtet. Denn nur dann ist zu erwarten, daß den Schülern nicht der Profanunterricht wichtiger und vordringlicher erscheint, als das „Lernen." Es wäre eine geradezu ideale Aufgabe für unsere Rabhinä. kandidaten, sich dieser Arbeit zu unterziehen, ttfifHrj Kenntnis der russischen Sprache sich anzueignen. und dann nach Osten zu ziehen, um zu learen H und unter Umständen wohl auch zu lernen. Wir' M sind der festen Ueberzeugung, daß, wenn die : russische Regierung diesem. ernsten Bestrebe^ Religion und Leben zu vereinigen keine Schwierig k.it in den Weg legt, auch, ältere Rabbiner uri Lehrer getrost zum Wanderstabe greifen würden» 3 Eine zweite Forderung ist oie Uebernahme \ der Melamdim, also der Vorschullehrer auf Kosten der Jeschiboth. Es geht ja nicht an, mit einem Federstriche eine ganze Klaffe ehrenwerter und •.* wahrlich nicht auf Rosen gebetteter Männer 7 ihrer Existenz zu berauben. Aber das Cheder > muß mit der Jeschiboh zu einem organischen y; Ganzen verbunden werdenvon dem Leiter der ■ <£ Jeschiboth müssen den einzelnen Chedarim .d« 7^ Lehrer gegeben werden, und oie Besoldung, weüA der Lehrer erhält, muß er von der Jeschibcm J erhalten, welche ihrerseits von den Eltern SchE M teld erheben mag. Der Leiter der Jeschibah M7H Zerantwortung für das Cheder im Sinne ejWk-S inspicierenden Stelle.. Der Profanunterrichh iy der Landessprache hat mit dem zweite» Schuljahr 7 einzusetzen. Jedes Cheder muß GxmeindeanstM werdenjede Gemeinde'kann sich die JeschKoh.Ä wählen, der sie die Aussicht Über ihr Cheder über» tragen WM. ' ‘ Sollten die MsWöth, Gelegenheit auch Rabbiner mHMmso ist als M Auge zu fassen, datz ihre Zöglinge befähigt find, als sogenannte Kronrabbiner (voni Staate anerkannt) zu fungieren. Soweit uns bekannt, gehören dazu jene Kenntnisse, welche etwa z«m Uebertritt in eine Obertertia unserer Gymnasien befähigen. Der Leiter der Jeschiboh hat von denen, die ihrem talmudischen Wissen nach zur Bekleidung eines Rabbinerpostens bereits geeignet sind, diejenigen auszusuchen, von deren Charakter sie Festigkeit erwarten und dieselben an der Wchtböh selbst in. den Profanfächern unterrichten'zu lassen. Ein ^befähigter Mensch von 18—19 Jahren erreicht jenes Pensum in etwa einem Jahre. Es wäre dann anzustreben, daß seitens der russischen Regierung ein Examen abgehalten wird, das gegebenenfalls den mit Erfolg Geprüften den Zutritt zum Kronrabbinat gewährt. So etwa wäre der Weg, auf welchem unS allen Rußland als Heimstätte des Thorastudiums erhalten werden und das Licht im Osten Europas auf's Neue zum hellen Glanze entzündet würde. Wir richten an die Ernstdenkenden im Westen die Bitte, der Lösung dieser Fragt ~ ~ * Ache Uns ' “ finanzielle und moralische Unterstützung zu gewähren, an die Führer in Rußland aber ergeht ) unser herzliches Wort, zusammenzutreten undM^

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