Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 42 (23.5.1900)
- Date
- 1900-05-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Geschichte und Littera tur. Heransgegeben von 17, Ij. lj$wen«teln. Erscheint alle Monat in der Stärke von mindestens einem Bogen — Alle für diese Beilage bestimmten Manuscriiite und Anfragen sind an Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. LBwanstain, Mosbach (Raden) zu richten. -.. 3STx. 5 — Beilsigfo z-va. ZETx. --L2 des „Isxaiellt/4 Die Juden im Eisass vor und während der Sehreekensherrsehaft. (Fortsetzung.) IX. Seligmaim Alexander gehörte durch Verwandtschaft der Familie Cerfbeer an. Er war mit Rebecka, einer der Töchter des Generalproviantmeisters , verheiratet; eine zahlreiche Nachkommenschaft ging aus dieser Verbindung hervor. In der schon oben S. 11 erwähnten Denkschrift werden seine sechs Kinder und zwar zwei Söhne und vier Töchter erwähnt. Eine der letzteren heiratete 1785 ein anderes Familienglied, namens Baruch Beer, aber sie lebte bei ihren Eltern in dem Hause, das diese damals bewohuten; es gehörte den Haffner’s Erben und lag hinter der St. Ludwigskirche. Um jene Zeit war Alexander schon vermögend, denn man findet in seiner Behausung einen Lehrer, einen Schreiber, einen Kommis und fünf Bedienten beiderlei Geschlechts. Er wohnte seit 1777 in Strassburg, wo er eine sehr gut gehende Tabakfabrik errichtete, während er noch mit einem andern Teilhaber eine Tuchfabrik in Cernay (Obereisass) betrieb. Sein Vermögen „hatte die Mittelmässigkeit überstiegen“, wie er selbst sehr bescheiden sich ausdrückt; zur Zeit der Revolution war er ohne Zweifel mehrfacher Millionär. Nichtsdestoweniger litt er unter den Vorurteilen, die gegen seine Glaubensgenossen gehegt wurden. Seine Mitbürger beneideten ihn und wurden immer eifersüchtiger auf ihn, je mehr sein Vermögen zunahm und sein Kredit sich befestigte. Man mag mit gutem Recht bezweifeln, ob Alexander, der schon alt und reich war und nur durch den königlichen Schutz gegen den Unwillen seiner Landsleute sich behaupten konnte, die Revolution, welche die fürstliche Macht zertrümmerte , mit so grosser Begeisterung betrachtet habe, wie er es von sich behauptet. Der Stillstand aller Geschäfte als natürliche Folge jener grossen politischen Krise war sicher nicht dazu angethan, ihm Freude zu machen. Trotzdem sehen wir ihn ziemlich ruhig an den ersten Jahren der neuen Aera vorüber gehen. Ein Mann in seinen Vermögensverhältnissen musste natürlich mit seinem Anteil zu den Bemühungen beitragen, die vom Lande in’s Werk gesetzt wurden, um die erschöpften Staatskassen wieder anzufüllen. Im Jahre 1790 zahlte Alexander seinen Anteil zur vaterländischen Kriegssteuer, die von der Nationalversammlung festgesetzt wurde; er betrug 3040 livres. Er kam noch sehr glimpflich davon, da die Konstituante befohlen hatte, ein Viertel der Jahreseinnahme an die öffentlichen Kassen abzuliefern und unser Gewerbtreibender vier Jahre später seinen Verlust auf mehr als 600,000 livres bezifferte (ohne zu berechnen, was ihm damals noch übrig blieb, wozu doch wenigstens alle seine Immobilien gehörten). Wenn er dem Gesetze strikte Folge geleistet haben würde, so hätte er mindestens das Dreifache jener Summe bezahlen müssen, die er später unter seinen Passiven verzeichnete. Indessen darf nicht ausser acht gelassen werden, dass die damaligen Israeliten noch gar keine bürgerlichen Rechte besassen und dass es ungerecht wäre, Vaterlandsliebe von Denjenigen zu verlangen, denen man das Vaterland verschloss; auch dürfen wir kein